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Hitzewellen im Meer bedrohen Ökosysteme

Der Bund-Logo Der Bund 15.08.2018
Hitzewellen im Meer bedrohen Ökosysteme © (nag/sda) Hitzewellen im Meer bedrohen Ökosysteme

Eine Studie von Schweizer Forschern unterstreicht, dass im Zuge des Klimawandels nicht nur Hitzewellen an Land immer häufiger werden.

Die weltweite Korallenbleiche durch zu hohe Wassertemperaturen sorgt immer wieder für traurige Schlagzeilen. Eine Studie von Schweizer Forschern im Fachblatt «Nature» unterstreicht nun, dass im Zuge des Klimawandels nicht nur Hitzewellen an Land immer häufiger werden; in den vergangenen Jahrzehnten haben auch Hitzewellen im Meer deutlich zugenommen.

Demnach hat sich die Anzahl Hitzetage in den Ozeanen im Jahr 2016 im Vergleich zu 1982 verdoppelt. Gemeint sind damit Phasen extrem erhöhter Wassertemperaturen nahe der Meeresoberfläche.

Und mit dieser Verdopplung der Hitzetage sei noch nicht Schluss, schrieb die Universität Bern am Mittwoch in einer Mitteilung. Anhand von Klimamodellen wagten die Forscher eine Prognose für die Zukunft: Selbst wenn sich die Klimaerwärmung auf 1,5 Grad Celsius begrenzen liesse, wie es im Pariser Klimaabkommen als Ziel festgehalten wurde, wird sich die Anzahl mariner Hitzetage wahrscheinlich versechzehnfachen.

Da der Klimaschutz aber viel zu langsam in die Gänge kommt und sich die USA aus dem Klimaabkommen zurückgezogen haben, fürchten Experten, dass die Menschheit auf eine deutlich wärmere Welt zusteuert. Auch diesen Fall berücksichtigten Thomas Frölicher und seine Kollegen Nicolas Gruber und Erich Fischer von der ETH: Steigt die weltweite Durchschnittstemperatur um 3,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit, nimmt die Zahl der marinen Hitzetage den Berechnungen zufolge um den Faktor 41 zu.

Intensiver, länger, grossflächiger

Aber nicht nur die Anzahl Hitzetage werde zunehmen, hiess es weiter: Die Hitzewellen werden intensiver, dauern länger und betreffen grössere Gebiete. Als Folge des Klimawandels würden marine Hitzewellen zum Alltag, fasste Frölicher zusammen. Die grössten Veränderungen betreffen dabei den tropischen Pazifik und den Arktischen Ozean.

«Die Anzahl von Hitzewellen im Meer nimmt rascher zu als an Land», betonte Erich Fischer. Obwohl die Erwärmung über der Landoberfläche grösser ist als über den Ozeanen, reagieren die Meere wesentlich sensibler. Dies läge daran, dass die Schwankungsbreite der Temperaturen im Wasser viel geringer sei als in der Atmosphäre, schrieb die Uni Bern.

Der Hitzestress bringt ganze Ökosysteme aus dem Gleichgewicht: Artengesellschaften und Verbreitungsgebiete verschieben sich, viele Arten geraten unter solchen Druck, dass sie aussterben. Besonders eindrücklich sind die verheerenden Auswirkungen an Korallenriffen zu beobachten.

Keine Chance mehr für Erholung

Bisher konnten sich die Korallen von den Auswirkungen der marinen Hitzewellen oft erholen, so Frölicher. «Werden die Abstände zwischen diesen Ereignissen jedoch kürzer, haben die Korallen keine Zeit mehr sich zu regenerieren, und es ist mit irreversiblen Schäden zu rechnen.»

Die Fachwelt diskutiere erst seit kurzem über die Extremereignisse in den Meeren als Folge des Klimawandels. «Sie können zu einem kompletten Wandel der marinen Ökosysteme führen. Und in einigen Fällen kehren diese selbst nach längerer Zeit nicht mehr in den ursprünglichen Zustand zurück», so Nicolas Gruber von der ETH. «Bei den marinen Hitzewellen kann dies zudem auch sehr abrupt geschehen.»

Auch die Fischereiindustrie bekommt die Veränderungen zu spüren, beispielsweise führte eine Hitzewelle im Nordwestatlantik im Jahr 2012 dazu, dass die Hummersaison zu früh einsetzte, als weder Lieferkette noch Konsumenten auf Hummer eingestellt waren.

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