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DIE NEUSTEN ENTWICKLUNGEN - Coronavirus weltweit: Niederlande heben fast alle Massnahmen auf, ungleiche Impfstoffverteilung lässt Corona-Gefahr in Afrika wachsen

Neue Zürcher Zeitung-Logo Neue Zürcher Zeitung vor 1 Tag NZZ-Redaktion

Über 177 Millionen Menschen sind laut der Johns-Hopkins-Universität weltweit positiv auf das Virus getestet worden. Mehr als 3,8 Millionen Infizierte sind gestorben. Über 2,4 Milliarden Impfdosen wurden weltweit verabreicht.

Lissabon wird vom Freitagnachmittag bis am Montagmorgen abgeriegelt. Eine Passantin am 26. April 2021 Jorge Mantilla / Imago © Bereitgestellt von Neue Zürcher Zeitung Lissabon wird vom Freitagnachmittag bis am Montagmorgen abgeriegelt. Eine Passantin am 26. April 2021 Jorge Mantilla / Imago

Die neusten Entwicklungen

    Die Niederlande heben fast alle Corona-Massnahmen auf. Ab dem 26. Juni gelte als zentrale Regel nur noch die Abstandsregel von 1,5 Meter, sagte Ministerpräsident Mark Rutte am Freitagabend (18. 6.) in Den Haag. Veranstaltungen, bei denen kein Abstand eingehalten werden könne, seien möglich, wenn Besucher einen Test- oder Impfbeweis vorweisen. Das gelte auch für Sportwettkämpfe, Festivals, Gaststätten oder Theater. Auch die Maskenpflicht werde fast vollständig aufgehoben.

    Der sprunghafte Anstieg der Corona-Zahlen in Teilen Afrikas könnte nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Folge der ungleichen Impfstoffverteilung sein. In der vergangenen Woche habe sich die Zahl der Neuinfektionen zum Beispiel in Liberia, Sambia, Simbabwe und Rwanda verdoppelt, sagte WHO-Krisenkoordinator Mike Ryan am Freitag (18. 6.) in Genf. Die Kurve sei sehr besorgniserregend. «Das ist die Konsequenz der aktuell unfairen Verteilung von Impfstoffen», sagte Ryan. Nur ein ganz kleiner Teil der Bevölkerung sei trotz aller Appelle der WHO bisher geschützt. «Wir sind dabei, einen hohen Preis für diese Ungerechtigkeit zu zahlen.» Die Signale aus Afrika deuteten auf einen möglicherweise deutlichen generellen Anstieg hin.

    Ein belgisches Gericht hat AstraZeneca verurteilt, bis Ende September 50 Millionen Dosen Impfstoff an die Europäische Union zu liefern. Dazu müsse ein fester Lieferplan eingehalten werden, teilte das Brüsseler Gericht erster Instanz am Freitag (18. 6.) auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Anderenfalls drohen Zwangsgelder. Die EU-Kommission hatte AstraZeneca verklagt, weil der Hersteller viel weniger Impfstoff geliefert hat als vertraglich zugesagt. Bestellt waren 300 Millionen Dosen von AstraZeneca bis Ende Juni. Doch gingen im ersten Quartal nur 30 Millionen statt 120 Millionen Impfdosen an die 27 EU-Staaten. Zur Meldung

    In Spanien soll die Maskenpflicht im Freien am 26. Juni aufgehoben werden. Der entsprechende Beschluss solle am kommenden Donnerstag auf einer ausserordentlichen Kabinettssitzung gebilligt werden, kündigte Ministerpräsident Pedro Sánchez am Freitag (18. 6.) am Rande einer Veranstaltung in Barcelona an. «Das wird das letzte Wochenende sein, an dem man in Spanien im Freien Maske wird tragen müssen», sagte Sánchez. Seit Mai 2020 herrscht in Spanien eine strenge Maskenpflicht, wo nur in bestimmten Situation, etwa am Strand, beim Sport oder im Restaurant, der Mund- und Nasenschutz abgenommen werden darf.

    Luxemburg hat grünes Licht der EU-Kommission für seine Pläne zur Verwendung der europäischen Corona-Hilfen bekommen. Der Aufbauplan umfasse 93 Millionen Euro und lege grosses Gewicht auf den grünen Wandel der Wirtschaft, teilte Kommissionschefin Ursula von der Leyen am Freitag (18. 6.) mit. Sie ist auf Europatour, um die Gelder aus dem 750 Milliarden Euro schweren Aufbauprogramm zu verteilen. Vor Luxemburg hatten seit Mittwoch bereits Portugal, Spanien, Griechenland und Dänemark ihre Bewilligung bekommen.

    Moskau verlängert Beschränkungen wegen weiter rasant steigender Corona-Zahlen. Veranstaltungen sollen auf maximal 1000 Menschen begrenzt werden, schrieb Bürgermeister Sergej Sobjanin am Freitag (18. 6.) in seinem Blog. Geschlossen werde auch die Fanzone zur Fussball-Europameisterschaft, erklärte der Bürgermeister. Spielplätze und Parks sollen weitere zehn Tage geschlossen bleiben, hiess es. Theater und Kinos bleiben geöffnet. In der 12 Millionen-Metropole steckten sich in den vergangenen Tagen jeweils über 6000 Menschen neu mit dem Coronavirus an.

    Lissabon wird wegen einer besorgniserregenden Zunahme der Corona-Infektionsfälle für rund zweieinhalb Tage abgeriegelt. Von Freitagnachmittag (16 Uhr MESZ) bis Montagmorgen (6 Uhr) dürfen die 2,8 Millionen Bewohner der portugiesischen Hauptstadt den Grossraum Lissabon nur aus triftigem Grund verlassen, wie die Regierung am Donnerstag (17. 6.) mitteilte. Auswärtige werden nur in Ausnahmefällen einreisen dürfen. In Lissabon breite sich derzeit die zunächst in Indien entdeckte Delta-Variante des Coronavirus relativ stark aus, sagte Präsidentschaftsministerin Mariana Vieira da Silva. «Es ist nicht leicht, solche Massnahmen zu ergreifen, aber uns erschienen sie unerlässlich, damit die Lage, die in Lissabon derzeit herrscht, nicht auf das ganze Land übergreift», betonte sie.

Die Entwicklungen in der Schweiz finden Sie hier.

Die Lage in Europa

Jüngst hatten die europäischen Länder wegen der dritten Infektionswelle im Frühling die Corona-Restriktionen stark verschärft. Seit Mai lockern nun mehrere Länder die Einschränkungen für die Bevölkerungen – manche Staaten etwas zögerlicher als andere. Harte Lockdowns gibt es zurzeit keine mehr, in manchen Regionen Italiens gelten bis zum 21. Juni noch nächtliche Ausgangssperren. Frankreich hat diese Mitte Mai aufgehoben. Restaurants und Hotels, Theater und Kinos sind grösstenteils wieder geöffnet. Auch Sportstätten und Fitnessstudios dürfen unter Auflagen wieder Kunden empfangen, in Österreich ist dies etwa Getesteten, Genesenen und Geimpften vorbehalten. Allerdings sollen dort ab 1. Juli weitreichende Lockerungen in Kraft treten. Das Nachtleben wird unterschiedlich gehandhabt, während in Spanien in einigen Regionen Diskotheken geöffnet sind, haben die Niederlande die Nachtklubs noch geschlossen.

Die Impfaktionen der Regierungen schreiten voran, Grossbritannien hat bereits über 40 Prozent der Bevölkerung durchgeimpft. In Frankreich und Italien ist ein gleich hoher Anteil der Menschen bisher einmal gegen Sars-CoV-2 geimpft worden.

Ferien in beliebten Destinationen sind meist ohne Quarantäne möglich. Je nach Land gelten andere Bestimmungen (Testnachweis, Gesundheitspass usw.). Hier geht es zur Übersicht

In Deutschland gilt im Kampf gegen die dritte Corona-Welle seit dem 24. April eine «Notbremse» mit schärferen einheitlichen Beschränkungen. Sie beinhaltet unter anderem nächtliche Ausgangssperren ab einer Inzidenz von 100, Schulschliessungen ab einer solchen von 165 und einheitliche Regeln für den Einzelhandel. Weil die Sieben-Tage-Inzidenz inzwischen wieder stark gesunken ist, können die Beschränkungen in immer mehr Regionen zurückgenommen werden. Die «Notbremse» soll am 30. Juni beendet werden.

Genaueres zur Situation in Deutschland erfahren Sie hier.

In Italien fällt seit Mitte Juni wieder die Mehrheit der Regionen in die sogenannt Weisse Zonen mit den lockersten Corona-Regeln. Dort entfallen unter anderem die nächtliche Ausgangssperre und die Beschränkungen in der Aussengastronomie. Weiterhin als Gelbe Zone gelten die Regionen Basilicata, Kalabrien, Kampanien, Marken, Bozen, Apulien, Sizilien, Toskana und das Aostatal, dies allerdings auch nur noch bis zum 21. Juni. Zur Orange farbenen sowie Roten Zone zählt derzeit keine Region.

Im Vereinigten Königreich wird der Lockdown schrittweise aufgehoben. Die Regierung wollte sämtliche Einschränkungen bis 21. Juni aufheben. Wegen der Warnung von Wissenschaftern zur Infektiosität neuer Coronavirus-Varianten, wie der hochansteckenden Delta-Variante aus Indien, sollen sie aber noch einmal um weitere vier Wochen bis Mitte Juli verlängert werden, wie Premierminister Johnson am 14. Juni mitteilte.

Die Lage in Russland und Osteuropa

Auch in Polen und Tschechien ist das soziale, sportliche und kulturelle Leben in den Innenräumen wieder möglich. Die Infektionszahlen sind in den osteuropäischen Staaten rückläufig oder stagnieren. Tschechien hat eine harte dritte Welle hinter sich.

In einigen Ländern ist die Impfbereitschaft sehr gering, in Bulgarien wollen sich laut einer Befragung nur 33 Prozent der Bevölkerung impfen lassen. Auch in Russland ist die Skepsis gross, obwohl dort bereits Mitte August 2020 der weltweit erste Corona-Impfstoff zugelassen wurde: Sputnik V. In Russland gilt eine allgemeine Maskentragpflicht.

Die Lage in Südosteuropa

Pünktlich zur Tourismussaison sind Griechenland und die Türkei auf Besucher aus dem Ausland vorbereitet: Auch nach Griechenland können Geimpfte, Getestete und Genesene ohne Quarantäne einreisen. Den vom Tourismus abhängigen griechischen Inseln (ausgenommen sind grosse Eilande wie Kreta) hat die griechische Regierung ein spezielles Impfprogramm auferlegt, um mit Corona-freien Destinationen werben zu können. In beiden Ländern sind Bars, Cafés und Restaurants geöffnet, es gelten jedoch weiterhin nächtliche Ausgangssperren. In der Türkei sind die Touristen davon ausgenommen.

Grosse Impfskepsis und Verschwörungstheorien sind auch in Südosteuropa verbreitet, weswegen der Bevölkerung in Serbien sogar Geld angeboten wurde, wenn sie sich impfen lässt. Die Einwohner können dort zwischen vier verschiedenen Impfstoffen wählen (Pfizer/Biontech, AstraZeneca, Sputnik V und Sinopharm).

Die Lage in den USA und in Kanada

Die USA sind das Land mit den weltweit meisten bestätigten Covid-19-Fällen. Die Zahl der täglichen Neuinfektionen ist aber rückläufig. Das Land zählt knapp 33,5 Millionen Infektionsfälle. Mehr als 600 000 Menschen sind nach einer Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben (Stand 17. 6.). Bisher ist fast die Hälfte der Erwachsenen vollständig gegen das Coronavirus geimpft (Stand 17. 6.). Bis zum amerikanischen Unabhängigkeitstag am 4. Juli sollen 70 Prozent aller Erwachsenen in den USA mindestens die erste Impfung erhalten haben. Im täglichen Leben kehrt allmählich Normalität zurück: Mitte Mai wurde die Maskentragpflicht in der Öffentlichkeit für vollständig Geimpfte mit wenigen Ausnahmen aufgehoben. Masken bleiben aber im Reiseverkehr und in speziellen Einrichtungen – beispielsweise Spitälern, Pflegeheimen oder Gefängnissen – Vorschrift.

Für Kanada besteht derzeit eine Einreisesperre. Einreisen können nur Staatsbürger, Personen mit Wohnsitz in Kanada und direkte Verwandte. Reisende, die über Land von den USA einreisen, müssen einen negativen Test vorweisen. Je nach Region ist das Tragen einer Maske in öffentlichen Innenräumen und Verkehrsmitteln Pflicht.

Die Lage in Mittel- und Südamerika

Einige Länder in Mittel- und Südamerika wurden von der Pandemie stark getroffen. Vielerorts kommen das Gesundheitswesen und die Intensivstationen an ihr Limit, so etwa in Chile und Brasilien. Letzteres ist nach den USA und Indien das Land mit am drittmeisten Infizierten. Nach wie vor verzeichnet es hohe Todesraten. Trotz hohen Ansteckungszahlen ist nur die Einreise auf dem Landweg beschränkt. Brasilien hat mit verschiedenen Mutationen des Virus zu kämpfen.

Peru ist nach Angaben der Johns Hopkins University das Land mit der höchsten Sterberate pro Kopf und steht nach den USA, Brasilien, Indien und Mexiko auf dem fünften Platz in der Gesamtzahl der Todesfälle weltweit.

Die Lage in Asien, Australien und Ozeanien

China ist das Ursprungsland der Pandemie. Mit rigorosen Massnahmen hat es das Virus unter Kontrolle bekommen – wie viele andere asiatische Länder auch. In Peking sind Stand Mitte Juni über 80 Prozent der erwachsenen Bevölkerung (über 15,6 Millionen Menschen) vollständig geimpft. Seit Anfang Juni sinken die Ansteckungen in vielen asiatischen Ländern erneut, wie etwa in Südkorea. Das Land hat die Pandemie trotz gelegentlichen Ausbrüchen insgesamt gut unter Kontrolle und musste nie einen landesweiten Lockdown durchführen. Bei den Impfungen kommen viele Länder in diesen Regionen nur schleppend voran, zum Beispiel Taiwan, auch weil der Zugang erschwert ist. Die Regierung Japans stand deswegen in der Kritik. Vor den Olympischen Spielen weitete das Land den Notstand nochmals aus.

Indien verzeichnet nach den USA am zweitmeisten Infektionen und nach den USA und Brasilien die drittmeisten Todesfälle. Lange waren die Spitäler völlig überlastet, der medizinische Sauerstoff ging aus. Einige Länder – darunter die Schweiz, Deutschland, Grossbritannien und die USA – lieferten Beatmungsgeräte und Sauerstoff an den Subkontinent. Verantwortlich für den Anstieg Mitte April war eine neue Mutation, die als «Doppelmutation» bezeichnet wird. Seit Anfang Mai sinkt die Zahl der Ansteckungen wieder. Der indische Regierungschef Narendra Modi hat zudem kostenlose Impfungen für alle Erwachsenen ab 18 Jahren ab 21. Juni angekündigt.

Neuseeland und Australien haben das Virus durch strenge Massnahmen in den Griff bekommen. In Australien ist die Impfkampagne in Verzug geraten, weil das Land stark auf den AstraZeneca-Impfstoff gesetzt hatte, dieser aber wegen möglicher Nebenwirkungen bei jüngeren Personen neu nur an über 50-Jährige verabreicht wird. Für Touristen aus dem Ausland bleiben die Grenzen bis mindestens Mitte 2022 geschlossen.

Die Lage im Nahen und im Mittleren Osten

Die Unterschiede zwischen den Ländern in diesen Regionen ist gross. Bahrain und Israel impfen ihre Bevölkerungen effizient. Israel ist sogar «Impfweltmeister»: Knapp 60 Prozent der Einwohner sind bis 8. Juni zweimal gegen das Coronavirus geimpft worden. Anfang Juni wurden nach dem starken Rückgang von Neuinfektionen und schweren Erkrankungen die Beschränkungen nahezu komplett aufgehoben.

Derweil leidet etwa Afghanistan stark unter der dritten Welle. Als Treiber wird die hochansteckende Delta-Variante gesehen, die zuerst in Indien entdeckt wurde. Es gibt keine Beschränkungen für Reisen nach Afghanistan.

Die Lage auf dem afrikanischen Kontinent

Auch wenn nach Ansicht von Experten die Dunkelziffer höher liegen könnte, ist der gesamte afrikanische Kontinent im globalen Vergleich aber am wenigsten von der Pandemie betroffen. Die Ansteckungszahlen blieben bisher unter den Prognosen.

Der vergleichsweise stärkste Ausbruch von Corona-Infektionen verzeichnete lange Südafrika. Wie in Grossbritannien ist auch in Südafrika eine Mutation des Virus aufgetreten, die weltweit Sorgen bereitet, die Variante heisst Beta. Daher haben viele Staaten den Flugverkehr nach Südafrika eingestellt oder eingeschränkt. Seit Anfang Mai steigen in Südafrika die Ansteckungen wieder an.

Afrika setzt im Kampf gegen das Coronavirus seit Mitte Mai auch bis zu 300 Millionen Dosen des russischen Impfstoffs Sputnik V ein. Die bisher beschafften 270 Millionen Dosen von AstraZeneca, Pfizer/Biontech und Johnson & Johnson seien bereits von den 55 Mitgliedsstaaten der Afrikanischen Union gebucht worden.

Wie schreitet die weltweite Impfaktion voran?

Das erste Land, das einen Impfstoff zugelassen hat, war Russland. Noch vor Abschluss der üblichen klinischen Tests wurde am 11. August 2020 das Vakzin Sputnik V für Impfungen freigegeben. Insgesamt forschen rund 300 Institute an diversen Corona-Impfstoffen. Bereits in einzelnen Ländern Zulassungen erhalten haben rund zehn Impfstoffe. Anfang Dezember 2020 haben einige Länder wie Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate den Impfstoff des chinesischen Unternehmens Sinopharm zugelassen. In China selbst erhielt das Vakzin die Zulassung am 30. Dezember 2020.

In der Europäischen Union und der Schweiz wurde Mitte Dezember der erste Impfstoff gegen Sars-CoV-2 zugelassen, das Vakzin der deutschen und amerikanischen Biotech- und Pharmaunternehmen Biontech/Pfizer. Im Januar wurde in den meisten EU-Staaten und der Schweiz mit dem Impfen begonnen. In der EU sind mittlerweile vier Vakzine zugelassen, nämlich die Impfstoffe von Biontech/Pfizer (dieses ist in der EU seit Ende Mai sogar für Kinder ab 12 Jahren zugelassen), Moderna (Zulassungsantrag für Impfung von Jugendlichen eingereicht), Johnson & Johnson und AstraZeneca. Einige europäische Länder warten auf mehr Daten zur Wirksamkeit von AstraZeneca unter älteren Personen, darunter auch die Schweiz. Der Impfstoff geriet in Verruf, weil als Nebenwirkungen einige Fälle von Blutgerinnseln gemeldet wurden. In der Schweiz sind drei Impfstoffe zugelassen: Biontech/Pfizer, Moderna und Johnson & Johnson.

Die grosse Impfaktion gegen das Coronavirus ist im Dezember angelaufen. Inzwischen wurden weltweit schon über 2,2 Milliarden Impfdosen verabreicht (Stand: 10. 6.), Anfang Juni waren rund 16 Prozent der Weltbevölkerung mindestens einmal geimpft. Allerdings muss in der Regel zweimal geimpft werden. Künftig könnten regelmässige Auffrischungen nötig werden.

Die Weltgesundheitsorganisation erteilte am 7. Mai für den chinesischen Corona-Impfstoff von Sinopharm eine Notfallzulassung. Dank der Zulassung können Uno-Organisationen das Mittel nun kaufen und verteilen. Das könnte die weltweite Impfkampagne beflügeln, wenn China wie versprochen an das internationale Impfprogramm Covax liefert.

Im dritten Quartal 2021 will auch US-Hersteller Novavax eine Zulassung für seinen Impfstoff beantragen. Dessen Entwicklung war von der US-Regierung finanziell stark gefördert worden. Wie das Unternehmen am Montag (14. 6.) mitteilte, bietet er nach ersten Studien einen hohen Schutz vor Covid-19. Die Wirksamkeit liege bei 90,4 Prozent. Im Gegensatz zu den bisher zugelassenen Impfstoffen handelt es sich weder um einen mRNA- noch um einen Vektor-Impfstoff: Das Vakzin enthält Partikel, die aus einer im Labor hergestellten Version des Spike-Proteins des Virus bestehen.

Die wichtigsten Fragen und Antworten rund um die Corona-Impfung finden Sie hier.

Welche wirtschaftlichen Folgen hat die Pandemie?

Die Pandemie hat die Welt seit über einem Jahr im Griff. Sie hat das Wirtschaftsleben zeitweise fast zum Erliegen gebracht. Zahlreiche Länder wurden in Lockdowns oder Shutdowns geschickt, Unternehmen standen teilweise still, Lieferketten waren unterbrochen. Millionen von Menschen waren arbeitslos. Gesundheitssysteme kamen an den Rand eines Kollapses. Staaten investierten Tausende von Milliarden im Kampf gegen die Krise.

Es ist schwierig, die Schäden effektiv zu beziffern. Jedenfalls wurden gigantische Summen vernichtet. Die IMF-Chefökonomin Gita Gopinath rechnet damit, dass bis zum Jahr 2025 gegen 28 Billionen Dollar an Wertschöpfung verloren gehen. Sie befürchtet, dass 90 Millionen Menschen wieder in extreme Armut zurückfallen könnten.

Die Autoren Eduardo Levy Yeyati und Federico Filippini haben Mitte Mai 2021 auf der Ökonomie-Website voxeu.org versucht, die Kosten der Pandemie aufzurechnen. Um die Beträge der in Prozent gerechneten Einbussen abzuschätzen: Im Jahr 2020 betrug das globale Bruttoinlandprodukt rund 84,5 Billionen Dollar.

Einfacher beziffern lassen sich die Effekte auf das Wirtschaftswachstum. Klar ist, dass im Jahr 2020 in keinem Land – ausser in China – die Weltwirtschaft gewachsen ist. Mitte 2021 zeichnet sich eine wirtschaftliche Trendwende ab. So rechnet die Weltbank in ihrer am 8. Juni veröffentlichten Prognose mit dem kräftigsten Aufschwung seit 80 Jahren. Nach dem Corona-bedingten Einbruch der Wirtschaft um 3,5 Prozent im vergangenen Jahr wird jetzt für 2021 ein kräftiges Wachstum von 5,6 Prozent vorausgesagt. Lokomotiven sind China und die USA (auch dank den riesigen Konjunkturprogrammen von Biden).

Mit dem kräftigen Aufschwung ist die Krise aber noch nicht ausgestanden. Unter dem Strich wird die globale Wirtschaftsleistung bis Ende 2021 immer noch mindestens 2 Prozent unter dem Vor-Corona-Niveau liegen.

Zudem profitieren längst nicht alle von der Erholung: Vor allem Schwellen- und Entwicklungsländer kämpfen immer noch mit vielen Corona-Neuinfektionen, Hindernissen bei der Impfung und beschränkten staatlichen Hilfen. In zwei Dritteln dieser Länder werden die Pro-Kopf-Einkommensverluste auch bis im kommenden Jahr nicht aufgeholt werden können. In den vielen einkommensschwachen Volkswirtschaften hat die Pandemie frühere Erfolge in der Armutsbekämpfung zunichtegemacht. Die Pandemie werde somit Armut und Ungleichheit verstärken, schreibt die Weltbank. Nötig seien deshalb weltweite Impfprogramme und Schuldenerlasse.

In der Corona-Krise verändert sich die Wirtschaftslage fast im Wochenrhythmus. Wir zeigen mit neuartigen Daten den Verlauf der Krise.

Wo nahm das Virus seinen Anfang?

Anfang Januar 2020 teilte die WHO mit, dass eine mysteriöse Lungenerkrankung in der zentralchinesischen Metropole Wuhan durch ein neuartiges Coronavirus verursacht werde. Die chinesischen Behörden meldeten die Krankheit der WHO erstmals am 31. Dezember 2019. Laut verschiedenen Studien sind die ersten Fälle von Covid-19 in Wuhan Ende November oder Anfang Dezember 2019 aufgetreten. Gleichzeitig gibt es auch Hinweise darauf, dass das neue Coronavirus schon Wochen oder Monate früher in Südchina zirkuliert haben könnte, möglicherweise sogar im August. Der Stammbaum des Virus lässt sich über die Veränderungen in seinem Genom nachvollziehen (Details hier).

Die am engsten mit Sars-CoV-2 verwandten Viren sind Fledermausviren, was darauf hindeuten könnte, dass Fledermäuse an der Infektionskette beteiligt sind. Die WHO hält einen tierischen Ursprung für das wahrscheinlichste Szenario. Zum Erklärstück

Coronavirus, Covid-19, Sars-CoV-2 – was bedeuten die verschiedenen Bezeichnungen?

Sars-CoV-2: Die WHO gab dem neuartigen Coronavirus den Namen Sars-CoV-2 («severe acute respiratory syndrome coronavirus 2»). Mit der Bezeichnung ist das Virus gemeint, das Symptome verursachen kann, aber nicht muss.

Covid-19: Die durch Sars-CoV-2 ausgelöste Atemwegserkrankung wurde Covid-19 («coronavirus disease 2019») genannt. Covid-19-Patienten sind dementsprechend Menschen, die den Erreger Sars-CoV-2 in sich tragen und Symptome zeigen.

Ein ausführliches Glossar mit den zwanzig wichtigsten Begriffen im Zusammenhang mit der Pandemie finden Sie hier.

Mitarbeit: toc., wej., ran., kus., ni., slz., koe., gam., nyf., bso., esb., kkl., nbe., tsm., lat., ela., koa., nth., joe., cke., jum., ful., nad., ebl., lat., wde., fma., med., vmo., bet., ann., win., bbu., naw., cov., ine., nil., dho. mit Agenturmaterial

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