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Die USA verlieren den Kampf gegen das Coronavirus – hier der Beweis

watson.ch-Logo watson.ch 27.03.2020 Daniel Schurter
Zwei US-Unternehmen visualisieren Bewegungsdaten, die mit Smartphone-Tracking gesammelt wurden. Ziel sei es, die Welt zu sensibilisieren.

Smartphones verraten jeden Schritt, den wir tun. Dazu brauchts keine Hacker oder Geheimdienste, die heimlich in Mobilgeräte eindringen, um sie anzuzapfen.

Die folgenden Visualisierung stammen aus einer Kooperation von zwei US-Unternehmen: X-Mode und Tectonix arbeiten laut eigenen Angaben zusammen, «um die Veränderungen der menschlichen Bewegungen in den von COVID-19 betroffenen Städten auf der ganzen Welt zu verfolgen».

Sogenannte «Heat Maps» bilden ab, wie viele Smartphones sich an einem Ort befinden. Je mehr Smartphones, desto heller leuchend wird es auf der Karte angezeigt. Und dies kann nun auch verwendet werden, um aufzuzeigen, wie sich Menschen in Zeiten der Corona-Pandemie bewegen.

Das Resultat: «Erschreckend», titelt Slash Dot.

«Spring Break» in Florida

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Das Video oben zeigt Smartphones während einer Spring-Break-Party an einem Strand in Fort Lauderdale, Florida, also während der US-Frühjahrsferien. Als das kollektive Besäufnis endet, reisen die Mobilgeräte mit ihren Besitzern in alle Teile der Vereinigten Staaten und ins Ausland. Und tragen möglicherweise das Coronavirus in alle Ecken: Denn trotz eindringlicher Warnungen und der Aufforderung der US-Regierung, zu Hause zu bleiben, feierten die US-Studenten munter und ausgelassen, mit Teilnehmern aus aller Welt.

New York City

Abgesehen von Florida gibt es auch eine Bewegungsdaten-Analyse von New York City, das derzeit das Epizentrum der Pandemie in den USA ist. Genau wie Florida zeigten die Daten über New York, insbesondere Manhattan, eine weit verbreitete Bewegung während des gesamten Monats März. Sprich: Viele Leute hielten sich nicht an #StayHome.

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Die Tracking-Firma schreibt:In den nächsten Wochen wird X-Mode Berichte und Erkenntnisse veröffentlichen, die auf den Standortdaten unserer Plattform bezüglich der laufenden COVID-19-Pandemie basieren. Diese datenbasierten Erkenntnisse – die sowohl von X-Mode als auch von unseren Partnerorganisationen zur Verfügung gestellt werden – sollen in einer Zeit der Unsicherheit klare Antworten geben.

Wie ist das möglich?

Hunderte Millionen Smartphone-User weltweit geben ihren Standort, bzw. den des Geräts, mehr oder weniger freiwillig preis. Die Daten werden an Firmen-Server übermittelt. Dort werden sie gespeichert und aggregiert, also zwecks Auswertung zusammengeführt.

Häufig akzeptierten User beim Installieren einer Anwendung, dass entsprechende Informationen über sie gesammelt und verwertet werden: Allerdings nicht zuhanden des Gemeinwohls, sondern aus kommerziellen Gründen, für einen relativ jungen Wirtschaftszweig, der sich in den USA und weltweit auf die Verwertung von «Location Data» spezialisiert hat.

Jedem Mobilgerät wird eine einzigartige Werbe-ID zugewiesen. Diese Geräte-ID ermöglicht es zahlreichen Unternehmen, personalisierte Werbeinhalte auszuliefern, auf der Grundlage der Browsing-Historie und der Aktivität der User.

Wie funktioniert das Smartphone-Tracking?

Es handelt sich um ausgeklügelte Methoden, die immer zum Ziel haben, den genauen Aufenthaltsort eines Mobilgeräts zu bestimmen und an einen Server zu übermitteln.

Dies geschieht über:

Das SDK von X-Mode war 2018 bei mehr als 300 Smartphone-Apps implementiert. Das Unternehmen konnte schon damals 15 Prozent der US-Bevölkerung ständig «überwachen». Die Daten wurden zu Werbezwecken monetarisiert.

Die aktuellen Angaben der Firma:

Tectonix beschreibt sich selbst als eine Plattform zur Visualisierung von Geodaten, die speziell für die Verarbeitung grosser Datensätze in nahezu Echtzeit entwickelt wurde. Mit einer Rechenleistung, die mit keiner anderen Engine dieser Art vergleichbar sei, könne man Milliarden von Datenpunkten gleichzeitig visualisieren, so dass sich «in einer einzigen Erkundungs-Session» Muster und Trends auf globaler, nationaler, staatlicher und lokaler Ebene erkennen liessen.

Ist die Anonymität wirklich gewährleistet?

Nein.

X-Modus versichert zwar, dass die verwendeten Daten «anonymisiert» seien, das heisse, der Standort eines Mobiltelefons sei nicht mit der Identität des Nutzers verknüpft.

«Wir sammeln, verarbeiten oder speichern niemals persönlich identifizierbare Informationen , wie z.B. Ihren Namen, Ihre Telefonnummer, E-Mail, Ihr Geburtsdatum oder Ihr Geschlecht.»

Doch haben Forscher mehrfach belegt, dass sich trotzdem Rückschlüsse auf die Identität der Smartphone-User ziehen lassen. Datenschützer zeigten sich alarmiert.

Die meisten Benutzer haben, oft unwissentlich, eingewilligt, dass ihre Daten zu Werbezwecken gesammelt werden.

X-Mode erwähnt auf der Firmen-Website, dass die eigene Technologie sowohl mit dem DSGVO der EU als auch mit dem kalifornischen Datenschutzgesetz konform sei. Die Nutzer hätten zudem die Möglichkeit, sich gegen die Verwendung ihrer Daten durch das Unternehmen zu entscheiden.

Was hat das mit den Handy-Daten zu tun, die die Swisscom dem Bund zur Verfügung stellt?

Der Bund verwertet gemäss eigenen Angaben keine Daten, die von Smartphone-Tracking stammen.

Wie wir seit Donnerstag wissen, meldet die Swisscom, als grösste Mobilfunk-Anbieterin der Schweiz, dem Bund, wo sich grössere Menschenansammlungen bildeten. Aber nicht in Echtzeit, sondern mit 24 Stunden Verspätung, wie die Verantwortlichen an einer Medienkonferenz versicherten.

Laut Swisscom-Sprecher Christian Neuhaus signalisiere das Unternehmen dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) die Orte, in denen sich zwanzig oder mehr Handys auf einer Fläche von hundert mal hundert Meter befinden.

Diese Analysen würden nur im öffentlichen Raum durchgeführt. Wohngebäude und Geschäftsräume seien nicht betroffen, sagte Neuhaus. Nur wenige BAG-Mitarbeiter hätten Zugriff auf diese Daten. Die Informationen dürften nur für die Pandemie-Bekämpfung verwendet werden.

Innenminister Berset ist jedoch der Ansicht, dass eine Diskussion über eine breitere Verwendung dieser Technologie in Zukunft erforderlich ist. So müsse darüber diskutiert werden, der Bevölkerung die Möglichkeit zu geben, freiwillig persönliche Informationen zu teilen, die es den Behörden ermöglichten, die Entwicklung einer Epidemie zu verfolgen.

Mit Material der SDA

(dsc)

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