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Anschlag in Nizza: Polizei nimmt dritten Verdächtigen in Gewahrsam

DER SPIEGEL-Logo DER SPIEGEL 31.10.2020 Alexander Preker

Die Rolle des 33-Jährigen ist unklar: Französische Ermittler haben nach dem Anschlag von Nizza einen dritten Mann in Gewahrsam genommen. Der mutmaßliche Messerstecher liegt in kritischem Zustand in der Klinik.

© Norbert Scanella / imago images/PanoramiC

Die französische Polizei hat nach dem mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlag von Nizza mit drei Toten einen dritten Verdächtigen in Gewahrsam genommen. Der 33-Jährige habe sich am Freitagabend während der Durchsuchung bei einem weiteren Verdächtigen in dessen Wohnung aufgehalten, hieß es am Samstag aus französischen Justizkreisen. "Wir versuchen, seine Rolle in dem Ganzen zu klären."

Damit befinden sich nun insgesamt drei Männer in Polizeigewahrsam. Die Polizei hatte zuvor bereits einen 35-Jährigen festgenommen, die verdächtigt werden, am Tag vor dem Anschlag mit dem mutmaßlichen Attentäter in Kontakt gewesen zu sein. Auch ein 47-Jähriger wird dies zur Last gelegt, er befindet sich ebenfalls in Gewahrsam.

Der Angreifer hatte am Donnerstag in der Basilika Notre-Dame im südfranzösischen Nizza zunächst einen Mann und eine Frau getötet; eine verletzte Frau konnte in eine Bar flüchten, erlag dort aber ihren Verletzungen. Bei dem mutmaßlichen Täter handelt es sich nach Angaben der Ermittler um einen 21-jährigen Tunesier namens Brahim Issaoui. Er war erst vor kurzem aus Italien nach Frankreich eingereist.

Innenmister spricht von "Krieg gegen die islamistische Ideologie"

Der Angreifer soll laut Nizzas Bürgermeister Christian Estrosi mehrfach "Allahu Akbar" (Gott ist groß) gerufen haben, bevor ihn die Polizei mit Schüssen verletzte und festnahm. Er konnte wegen seiner schweren Verletzungen zunächst nicht vernommen werden. In Frankreich ermittelt die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft in dem Fall. Auch die Behörden in Tunesien eröffneten eine Untersuchung.

Frankreichs Innenminister Gerald Darmanin hatte zuletzt die Sorge geäußert, dass es nach der tödlichen Messerattacke in Nizza weitere Vorfälle wie "diese schrecklichen Anschläge" geben werde. Frankreich befinde sich in einem "Krieg gegen die islamistische Ideologie", sagte er dem Radiosender RTL. "Wir befinden uns in einem Krieg gegen einen Feind, der sowohl innen als auch außen ist."

Anti-Terror-Staatsanwalt Jean-François Ricard hatte am Donnerstagabend gesagt, Ermittler wollten herausfinden, ob der Täter von Komplizen unterstützt worden sei. Auch die tunesischen Behörden ermitteln gegen den Tatverdächtigen. Gemäß dem Recht des Landes werde jeder Tunesier strafrechtlich verfolgt, der in Terrorakte verstrickt sei, egal ob im Inland oder Ausland, sagte ein tunesischer Justizsprecher.

Der Angriff ereignete sich knapp zwei Wochen nach der Enthauptung des französischen Lehrers Samuel Paty. Dieser war in Paris von einem mutmaßlichen Islamisten tschetschenischer Herkunft auf offener Straße mit einem Messer getötet worden.

Im Unterricht hatte der Lehrer zu dem Thema Meinungsfreiheit umstrittene Mohammed-Karikaturen genutzt. Der französische Finanzminister Bruno Le Maire sagte dazu am Freitag dem Radiosender France Inter: "Ich mag diese Cartoons nicht". Er verteidige aber das Recht, sie zu veröffentlichen.

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