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Corona-Welle nach US-Partys: Superspreading-Event unter Geimpften

Blick-Logo Blick 01.08.2021 Hillig Johannes (hln)

Eigentlich schützt eine Impfung vor Corona. Wenn da nicht die Delta-Variante wäre. Denn sie verbreitet sich auch unter Geimpften, wie ein Superspreading-Event aus den USA zeigt.

Superspreading-Event unter Geimpften © AFP Superspreading-Event unter Geimpften

Im Juli fanden im US-Bundesstaat Massachusetts diverse Sommerfeste statt. Die Menschen feierten, auf engem Raum, ohne Masken. Mittlerweile ist klar: 469 Personen infizierten sich an diesen Festen mit dem Coronavirus. 346 von ihnen waren geimpft. Dieser Superspreader-Event, von dem der «Spiegel» zuerst berichtete, zeigt einmal mehr: Gegen Delta nützt auch der Piks nur bedingt etwas.

274 der Betroffenen hätten Symptome gezeigt, heisst es im Artikel. Vier der vollständig Geimpften mussten ins Spital. Alle Infizierten hatten mit einer Ausnahme mit Vorerkrankungen zu kämpfen. Trotzdem gibt der Event der Forschung Rätsel auf.

«Veranstaltungen ohne jedwede Vorsichtsmassnahmen sind nicht sicher»

«Bisher ist man in der Wissenschaft davon ausgegangen, dass eine Infektion von Geimpften deutlich seltener als von Ungeimpften weitergegeben werden kann, vor allem nicht an andere Geimpfte», sagt Hajo Zeeb, Leiter der Abteilung Prävention und Evaluation am Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen, zum «Spiegel».

Der Bericht aus den USA sei dennoch kein Grund zur Panik, zeige aber, wie hoch die Viruslast auch bei Geimpften sein kann. Und was passiere, wenn die Corona-Regeln komplett ignoriert werden. Generell seien solche Impfdurchbrüche selten. Aber sie können passieren. Das Fazit von Zeeb: Der Vorfall in den USA «zeigt, dass solche Veranstaltungen ohne jedwede Vorsichtsmassnahmen nicht sicher sind.»

Konservative Kreise mit Vorbehalten

Weil die Impfung trotzdem das effektivste Mittel gegen Corona ist, will US-Präsident Joe Biden (78) das Impftempo wieder erh��hen. Genug Impfstoff ist zwar da, doch die Bereitschaft schwindet, während die Corona-Zahlen wieder steigen. Dies ist vor allem auf Vorbehalte gegen die Corona-Impfungen zurückzuführen, die besonders in konservativen Kreisen und Regionen ausgeprägt sind. Viele Vertreter der oppositionellen Republikaner heizen diese Impfskepsis an. Nun sollen 100 US-Dollar pro Impfung als Anreiz dienen.

Zudem wurden die Corona-Regeln für US-Bundesbeschäftigte verschärft. Die Behördenmitarbeiter müssen nach den neuen Direktiven ihre vollständige Impfung nachweisen oder aber ununterbrochen Masken am Arbeitsplatz tragen, wie das Weisse Haus mitteilte. Die Maskenpflicht gilt unabhängig vom Abstand zu Kolleginnen und Kollegen. Die ungeimpften Bundesbediensteten müssen sich zudem ein- oder zweimal wöchentlich auf das Coronavirus testen lassen.

Fast schon eine Impfpflicht

Biden appellierte an die Privatwirtschaft, gleiche Regeln zu erlassen. Mehrere grosse US-Unternehmen, darunter die Internetkonzerne Google und Facebook, hatten bereits kurz zuvor angekündigt, für die Arbeit im Büro künftig eine Corona-Impfung vorzuschreiben. Auch der Fahrdienstleister Uber führt eine solche Impfpflicht ein, wie US-Medien am Donnerstag berichteten.

Die neuen Corona-Vorschriften für die Beschäftigten der Bundesbehörden kommen zwar keiner Impfpflicht gleich, wie sie von der US-Regierung für diese Arbeitnehmer erwogen worden war. Doch liegen die neuen Regeln nur knapp unterhalb der Schwelle zur Impfpflicht. Die US-Bundesbehörden haben vier Millionen Beschäftigte.

Doch kein «Sommer der Freiheit»

Noch vor einigen Wochen hatte Biden vorhergesagt, dass die Pandemie in den USA deutlich abebben würde. Er sagte damals seinem Land einen «Sommer der Freiheit» voraus. Nun schaut die Welt etwas anders aus – schuld ist die Delta-Variante.

Währenddessen hat die US-Gesundheitsbehörde CDC wieder das Tragen von Masken in Innenräumen empfohlen. Das gilt auch für Geimpfte. Die Wirksamkeit der Impfstoffe sei auch bei der Delta-Variante hoch, erklärte CDC-Behördenleiterin Rochelle Walensky (52). Doch die zunehmenden Indizien, dass bei der Delta-Variante auch Geimpfte ansteckend sein können, bezeichnete Walensky als «besorgniserregend». .(jmh/AFP)

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