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DIE NEUSTEN ENTWICKLUNGEN - Coronavirus weltweit: EU fordert von USA Aufhebung von Einreiseverboten, Israel erlässt neue Beschränkungen

Neue Zürcher Zeitung-Logo Neue Zürcher Zeitung vor 22 Std. NZZ-Redaktion

Rund 199 Millionen Menschen sind laut der Johns-Hopkins-Universität weltweit positiv auf das Virus getestet worden. Mehr als 4,2 Millionen Infizierte sind gestorben. Rund 4,1 Milliarden Impfdosen wurden weltweit verabreicht.

In Valencia erhält eine junge Frau eine Dosis des Pfizer/Biontech-Impfstoffs gegen Sars-CoV-2. Die spanische Region impft nun auch 20 bis 29-Jährige. ; Eva Manez / Reuters © Bereitgestellt von Neue Zürcher Zeitung In Valencia erhält eine junge Frau eine Dosis des Pfizer/Biontech-Impfstoffs gegen Sars-CoV-2. Die spanische Region impft nun auch 20 bis 29-Jährige. ; Eva Manez / Reuters

Die neusten Entwicklungen

    EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen fordert von den USA eine zügige Aufhebung der weitreichenden Corona- Einreiseverbote für Menschen aus Europa. «Wir pochen darauf, dass für Einreisende in beiden Richtungen vergleichbare Regeln gelten», sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (4. 8.). Die epidemiologische Lage in den USA und in der EU sei heute sehr ähnlich. Die EU hatte die Vereinigten Staaten bereits im Juni auf die Liste derjenigen Drittstaaten gesetzt, für die im Normalfall keine strengen Einreisebeschränkungen mehr gelten sollen. Andersherum gilt allerdings weiterhin ein weitreichendes Einreiseverbot für Personen aus der EU. Ausgenommen sind lediglich amerikanische Staatsangehörige und einige andere Personengruppen wie zum Beispiel enge Verwandte von Amerikanern, Diplomaten oder Mitarbeiter internationaler Organisationen.

    Wegen der rapide steigenden Infektionszahlen hat Israel neue Beschränkungen erlassen (3. 8.). So gilt wieder eine Maskenpflicht bei Events im Freien mit mehr als 100 Teilnehmern. Auch Veranstaltungen mit weniger als 100 Teilnehmern dürfen nur noch von Geimpften, Genesenen oder Menschen mit negativem Corona-Testergebnis besucht werden. Auch Kinder müssen nun beim Eintritt ein negatives Corona-Testergebnis vorzeigen. Die neuen Vorschriften sollen am Sonntag (8. 8.) in Kraft treten. Ab nächsten Mittwoch (11. 8.) müssen Israelis, die unter anderem aus Deutschland einreisen, für mindestens sieben Tage in Quarantäne – selbst wenn sie vollständig geimpft sind. Für deutsche und andere ausländische Touristen gilt unterdessen weiterhin ein Einreiseverbot nach Israel. Verteidigungsminister Benny Gantz warnte zudem vor einem Lockdown im September, sollten die Zahlen nicht rückläufig sein. Da im nächsten Monat mehrere jüdische Feiertage anstehen, sei ein Lockdown dann aus ökonomischer Sicht weniger schädigend, sagte Gantz dem Corona-Kabinett.

    Der amerikanische Präsident Joe Biden hat einige republikanische Gouverneure für ihre Corona-Politik gescholten. «Wenn Sie schon nicht helfen, dann gehen Sie wenigstens den Leuten aus dem Weg, die versuchen, das Richtige zu tun», forderte Biden am Dienstag (3. 8.). Zwei Gliedstaaten nannte er explizit als Negativbeispiele. «Nur zwei Staaten, Florida und Texas, sind für ein Drittel aller neuen Covid-19-Fälle im ganzen Land verantwortlich.» Die beiden republikanischen Gouverneure Greg Abbott aus Texas und Ron DeSantis aus Florida hatten sich zuletzt besonders laut gegen eine Maskenpflicht in ihren Staaten ausgesprochen und diese gar verboten. Biden lobte zudem ausdrücklich öffentliche und private Arbeitgeber, die für Ihre Mitarbeiter eine Impfpflicht eingeführt haben. Dies sei kein einfacher Schritt, aber er werde die Unternehmen und Behörden dabei unterstützen, versprach Biden. Im Juni war die Zahl der Corona-Neuinfektionen in den USA im Durchschnitt auf rund 10 000 pro Tag gesunken. Seither ist die Zahl aber wegen der besonders ansteckenden Delta-Variante im Schnitt wieder auf gut 80 000 pro Tag angestiegen.

    Die Vereinigten Staaten haben bisher mehr als 110 Millionen Dosen an Corona-Impfstoffen an mehr als 60 Länder gespendet. Das teilte das Weisse Haus am Dienstag (3. 8.) mit. Nach Angaben der Uno seien dies mehr Impfstoff-Spenden als von allen anderen Ländern zusammengenommen. Die Mehrheit der Vakzine sei über das Impfprogramm Covax verteilt worden. Die 110 Millionen Dosen seien nur ein Anfang, hiess es weiter. Ab Ende August solle die Auslieferung der 500 Millionen Impfdosen des Herstellers Pfizer/Biontech an 100 ärmere Länder beginnen.

    In Israel ist die Zahl der registrierten Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages gestiegen. Nach Daten des israelischen Gesundheitsministeriums von Dienstag (3. 8.) waren am Montag 3818 neue Fälle bestätigt worden. Zuvor hatte die Zahl bei 2121 gelegen. Der Prozentsatz der am Montag positiv getesteten Personen wurde mit 3,78 angegeben – zuvor hatte der Anteil bei 2,96 Prozent gelegen. Die Hälfte der Neuinfektionen fällt auf vollständig Geimpfte zurück. Fast 5,4 Millionen der rund 9,3 Millionen Israelis sind zweimal geimpft. Vor kurzem hatte das Gesundheitsministerium Zahlen vorgelegt, nach denen die Effektivität der in Israel verwendeten Biontech/Pfizer-Impfung seit Anfang Juni stark nachgelassen hat.

    Seit dem Beginn der Corona-Pandemie sind in Europa mittlerweile mehr als 60 Millionen Infektionen nachgewiesen worden. Damit entfallen rund 30 Prozent aller weltweit bisher gemeldeten Corona-Fälle auf die europäische Region, wie am Montag (2. 8.) aus den aktuellen Zahlen der Weltgesundheitsorganisation WHO hervorging. Das WHO-Regionalbüro Europa rief zu mehr Bemühungen auf, beim Impfen gegen Covid-19 schneller und ausgewogener voranzukommen. Die Impf-Fortschritte variierten unter den Staaten stark, die Impfrate sei bei Prioritätsgruppen wie Älteren, Mitarbeitern des Gesundheitswesens, Betreuten in Langzeitpflege und Vorerkrankten in einigen Ländern noch immer niedrig, erklärte die regionale WHO-Notfalldirektorin Dorit Nitzan.

Die Entwicklungen in der Schweiz finden Sie hier.

Die Lage in Europa

Seit es wärmer wurde haben zahlreiche europäische Länder die Einschränkungen für die Bevölkerungen wieder gelockert – manche Staaten etwas zögerlicher als andere. Die Impfaktionen der Regierungen schreiten voran. Harte Lockdowns und Ausgangssperren gibt es zurzeit keine mehr. Restaurants und Hotels, Theater und Kinos sind grösstenteils wieder geöffnet. Auch Sportstätten und Fitnessstudios dürfen unter Auflagen wieder Kunden empfangen. Das Nachtleben wird unterschiedlich gehandhabt, viele Länder haben auch Diskotheken wieder geöffnet. Der Zugang bleibt aber meist Getesteten, Genesenen oder Geimpften vorbehalten.

Seit Mitte Juli steigen die Infektionszahlen in Europa wieder an. Viele Fälle gehen auf die Delta-Variante zurück. Einige Staaten erlauben daher beispielsweise Besuche von Restaurants im Innenbereich, Museen, Fitnessstudios oder Schwimmbädern nur Personen, die geimpft, genesen oder getestet sind. Ferien in beliebten Destinationen sind möglich. Je nach Land gelten andere Bestimmungen (Testnachweis, Gesundheitspass usw.). Hier geht es zur Übersicht.

In Deutschland ist Ende Juni die «Bundesnotbremse» mit schärferen Bedingungen ausgelaufen. Damit endeten all jene Massnahmen, die bundesweit einheitlich galten, wenn in einem Stadt- oder Landkreis der Inzidenzwert an drei aufeinander folgenden Tagen über die Marke von 100 kletterte. Nun entscheidet wieder jedes Bundesland über die Regeln und Einschränkungen. Maskentragpflicht in Innenräumen und Abstandsregeln bleiben bestehen.

Genaueres zur Situation in Deutschland erfahren Sie hier.

Italien hatte am 22. Juli angesichts steigender Infektionszahlen die Corona-Regeln verschärft. Ab dem 6. August ist unter anderem für Restaurantbesuche im Innenbereich, in Museen, Fitnessstudios und Schwimmbädern mindestens ein Impfnachweis, ein negativer Corona-Test oder ein Genesungsnachweis notwendig. Der Notstand wurde bis zum 31. Dezember verlängert. Statt der Inzidenz werden künftig die Auslastung der Spitalbetten auf den Covid-19-Stationen sowie auf den Intensivstationen die entscheidenden Parameter sein.

In Frankreich hat Präsident Emmanuel Macron auf die starke Ausbreitung der Delta-Variante reagiert und Mitte Juli neue Massnahmen angekündigt. Bis zum 15. September muss sich etwa das gesamte Gesundheits- und Pflegepersonal gegen Covid geimpft haben. Zudem soll ein Gesundheitszertifikat für Personen ab 12 Jahren obligatorisch sein, die Kultur- und Freizeitveranstaltungen (Kinos, Museen) ab 50 Teilnehmern besuchen (seit 21. 7.), aber auch in Restaurants, Einkaufszentren, Spitälern oder in Flugzeugen und Zügen für längere Strecken (ab August).

Im Vereinigten Königreich wird der Lockdown schrittweise aufgehoben. In England sind am 19. Juli sogar alle Corona-Massnahmen beendet worden. Abstandsregeln und Maskentragpflicht (ausser in geschlossenen Räumen, öffentlichem Verkehr und Geschäften) fallen ebenso weg wie eine Zuschauerbegrenzung bei Grossereignissen. Die Regierung setzt verstärkt auf nicht bindende Empfehlungen an die Bevölkerung. Bis anhin gehen die Zahlen zurück.

Die Lage in Russland und Osteuropa

Auch in Polen und Tschechien ist das soziale, sportliche und kulturelle Leben in den Innenräumen wieder möglich. Der tschechischen Regierung bereitet allerdings die Ausbreitung der Delta-Variante Sorgen. Das Land hat deshalb im Juli die Einreiseregeln verschärft.

In einigen Ländern ist die Impfbereitschaft sehr gering, in Bulgarien wollen sich laut einer Befragung überhaupt nur 33 Prozent der Bevölkerung impfen lassen. In Russland hält die Impfquote auch nicht Schritt, die Skepsis bei den Leuten ist gross, obwohl dort bereits Mitte August 2020 der weltweit erste Corona-Impfstoff zugelassen wurde: Sputnik V. In Russland schiessen die Ansteckungsraten mit der Delta-Variante auch in die Höhe. Angesichts der Situation hat die Hauptstadt Moskau die Corona-Einschränkungen wieder verschärft.

Die Lage in Südosteuropa

Pünktlich zur Tourismussaison waren Griechenland und die Türkei auf Besucher aus dem Ausland vorbereitet: Auch in Griechenland können Geimpfte, Getestete und Genesene ohne Quarantäne einreisen. Den vom Tourismus abhängigen griechischen Inseln (ausgenommen sind grosse Eilande wie Kreta) hatte die griechische Regierung ein spezielles Impfprogramm auferlegt, um mit Corona-freien Destinationen werben zu können.

Grosse Impfskepsis und Verschwörungstheorien sind auch in Südosteuropa verbreitet, weswegen der Bevölkerung in Serbien sogar Geld angeboten wurde, wenn sie sich impfen lässt.

Die Lage in den USA und in Kanada

Die USA sind das Land mit den weltweit meisten bestätigten Covid-19-Fällen. Auch hier breitet sich derzeit vor allem die Delta-Variante wieder aus. Bisher ist rund die Hälfte der Erwachsenen vollständig gegen das Coronavirus geimpft (Stand 29. 7.). 70 Prozent aller Erwachsenen haben mindestens eine Impfdosis erhalten (Stand 2. 8.). Im täglichen Leben herrscht weitgehend Normalität: Mitte Mai wurde die Maskentragpflicht in der Öffentlichkeit für vollständig Geimpfte mit wenigen Ausnahmen aufgehoben. Masken bleiben aber im Reiseverkehr und in speziellen Einrichtungen – beispielsweise Spitälern, Pflegeheimen oder Gefängnissen – Vorschrift. Das Weisse Haus meldete Ende Juli, dass die USA an den Einreisebeschränkungen für Europäer festhalten.

Für Kanada besteht nach wie vor eine Einreisesperre. Einreisen können nur Staatsbürger, Personen mit Wohnsitz in Kanada und direkte Verwandte. Reisende, die über Land aus den USA einreisen, müssen einen negativen Test vorweisen. Je nach Region ist das Tragen einer Maske in öffentlichen Innenräumen und Verkehrsmitteln Pflicht.

Die Lage in Mittel- und Südamerika

Einige Länder in Mittel- und Südamerika wurden von der Pandemie stark getroffen. Vielerorts kamen das Gesundheitswesen und die Intensivstationen an ihr Limit, so etwa in Chile und Brasilien. Letzteres ist nach den USA und Indien das Land mit am drittmeisten Infizierten. Nach wie vor verzeichnet es hohe Todesraten. Brasilien hat mit verschiedenen Mutationen des Virus zu kämpfen.

Die Lage in Asien, Australien und Ozeanien

China ist das Ursprungsland der Pandemie. Mit rigorosen Massnahmen hatte es das Virus für lange Zeit unter Kontrolle bekommen – wie viele andere asiatische Länder auch. 28 Prozent der Bevölkerung wurden mindestens einmal geimpft (Stand 29. 7.). Als Reaktion auf die sich nun verbreitende Delta-Variante lässt das einstige Pandemie-Epizentrum Wuhan seine gesamte Bevölkerung von 11 Millionen Menschen testen, wie die staatliche Volkszeitung am 2. August berichtete.

Südkorea hatte die Pandemie trotz gelegentlichen Ausbrüchen lange Zeit gut unter Kontrolle und musste nie einen landesweiten Lockdown durchführen. Inzwischen steigen die Neuinfektionen stark an, vor allem mit mutierten Viren. Bei den Impfungen kommen viele Länder in diesen Regionen nur schleppend voran, zum Beispiel Taiwan, auch weil der Zugang erschwert ist. Auch die Regierung Japans steht wegen der schleppenden Impfungen in der Kritik. Wegen der Corona-Notlage finden die Olympischen Spiele ohne Zuschauer statt.

Indien verzeichnet nach den USA am zweitmeisten Infektionen und nach den USA und Brasilien die drittmeisten Todesfälle. Lange waren die Spitäler völlig überlastet, der medizinische Sauerstoff ging aus. Einige Länder – darunter die Schweiz, Deutschland, Grossbritannien und die USA – lieferten Beatmungsgeräte und Sauerstoff an den Subkontinent. Verantwortlich für den Anstieg seit Mitte April war eine neue Mutation, die als «Doppelmutation» bezeichnet wird. Inzwischen ist die Zahl der Ansteckungen wieder deutlich gesunken.

Neuseeland und Australien hatten das Virus durch strenge Massnahmen schon weitgehend in den Griff bekommen. Aber wegen einer Ausbreitung der Delta-Variante wurde ab 26. Juni 2021 für 6,5 Millionen Menschen in Sydney und Umgebung ein Lockdown verhängt und später bis Ende August verlängert. Bis zum 8. August gilt auch im benachbarten Gliedstaat Queensland für die Metropole Brisbane und die beliebte Ferienregion Gold Coast ein strikter Lockdown. Die Menschen dürfen nur noch in Ausnahmefällen ihre Häuser verlassen. Das Nachbarland Neuseeland hat seine quarantänefreie Reiseblase mit Australien am 23. Juli ausser Kraft gesetzt. Die Gesundheitsbehörde des australischen Gliedstaates New South Wales hat den «nationalen Notfall» erklärt und drängt auf die schnelle Beschaffung und Verteilung von Pfizer-Vakzinen, um vor allem die arbeitende Bevölkerung zu impfen. In Australien sind bisher nur etwa 19 Prozent der Erwachsenen voll geimpft (Stand: 4. 8.). Für Touristen aus dem Ausland bleiben die Grenzen bis mindestens Mitte 2022 geschlossen.

Die Lage im Nahen und im Mittleren Osten

Die Unterschiede zwischen den Ländern in diesen Regionen ist gross. Bahrain und Israel impfen ihre Bevölkerungen effizient. Israel ist sogar «Impfweltmeister»: Knapp 59 Prozent der Einwohner sind bis 29. Juli zweimal gegen Sars-CoV-2 geimpft worden. Zuletzt gab es allerdings eine gewisse Stagnation. Wegen der steigenden Zahl der Neuinfektionen steigen nun auch wieder die Zahl der Impfwilligen. Dennoch verhängt Israel deswegen wieder Beschränkungen. So müssen seit Ende Juni wieder in allen Innenräumen Masken getragen werden. Ende Juli wurde der Grüne Pass für Geimpfte, Genesene oder negativ Getestete wieder eingeführt. Er kommt bei Events mit über 100 Personen, in Fitnessstudios, Restaurants und Gebetshäusern zum Einsatz. Weil die Effektivität der Biontech/Pfizer-Impfung nachgelassen hat, empfiehlt das Gesundheitsministerium eine dritte Auffrischungsimpfung für Erwachsene – allen voran den über 60-Jährigen.

Im Juni litt Afghanistan stark unter der dritten Welle. Als Treiber wird die hochansteckende Delta-Variante gesehen, die zuerst in Indien entdeckt wurde. Seit Juli sind die Infektionen wieder stark gesunken. Es gibt keine Beschränkungen für Reisen nach Afghanistan.

Die Lage auf dem afrikanischen Kontinent

Auch wenn nach Ansicht von Experten die Dunkelziffer höher liegen könnte, ist der gesamte afrikanische Kontinent im globalen Vergleich bisher aber am wenigsten von der Pandemie betroffen. Die Delta-Variante des Coronavirus lässt die Fallzahlen in Afrika nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation aber rapide steigen.

Der vergleichsweise stärkste Ausbruch von Corona-Infektionen verzeichnete lange Südafrika. Auch hier verbreiten sich vor allem Mutationen. Wegen der hohen Fallzahlen und der niedrigen Impfquote werden die strikten Corona-Massnahmen im Juli erneut verlängert.

Afrika setzt im Kampf gegen das Coronavirus seit Mitte Mai auch bis zu 300 Millionen Dosen des russischen Impfstoffs Sputnik V ein. Der Kontinent liegt bei den Impfungen weit zurück und kann sein Ziel, 60 Prozent der Bevölkerung zu impfen, voraussichtlich erst 2022 erreichen. Von den benötigten 820 Millionen Dosen sind erst 82,7 Millionen in Afrika (Stand: 29. 7.). 74 Prozent davon wurden verabreicht. Die internationale Impfstoff-Initiative Covax peilt für dieses Jahr die Lieferung von 520 Millionen Dosen nach Afrika an. Davon sind bisher erst 25 Millionen Dosen an 44 Länder in Afrika geliefert worden.

Mittlerweile haben alle Staaten landesweite Impfaktionen gestartet – ausser Eritrea und Burundi.

Wie schreitet die weltweite Impfaktion voran?

Das erste Land, das einen Impfstoff zugelassen hat, war Russland. Noch vor Abschluss der üblichen klinischen Tests wurde am 11. August 2020 das Vakzin Sputnik V für Impfungen freigegeben. Insgesamt forschen rund 300 Institute an diversen Corona-Impfstoffen. Bereits in einzelnen Ländern Zulassungen erhalten haben rund zehn Impfstoffe. Anfang Dezember 2020 haben einige Länder wie Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate den Impfstoff des chinesischen Unternehmens Sinopharm zugelassen. In China selbst erhielt das Vakzin die Zulassung am 30. Dezember 2020.

In der Europäischen Union und der Schweiz wurde Mitte Dezember der erste Impfstoff gegen Sars-CoV-2 zugelassen, das Vakzin der deutschen und amerikanischen Biotech- und Pharmaunternehmen Biontech/Pfizer. Im Januar wurde in den meisten EU-Staaten und der Schweiz mit dem Impfen begonnen. In der EU sind mittlerweile vier Vakzine zugelassen, nämlich die Impfstoffe von Biontech/Pfizer (dieses ist in der EU seit Ende Mai sogar für Kinder ab 12 Jahren zugelassen), Moderna (Zulassungsantrag für Impfung von Jugendlichen eingereicht), Johnson & Johnson und AstraZeneca. Einige europäische Länder warten auf mehr Daten zur Wirksamkeit von AstraZeneca unter älteren Personen, darunter auch die Schweiz. Der Impfstoff geriet in Verruf, weil als Nebenwirkungen einige Fälle von Blutgerinnseln gemeldet wurden. In der Schweiz sind drei Impfstoffe zugelassen: Biontech/Pfizer, Moderna und Johnson & Johnson.

Die grosse Impfaktion gegen das Coronavirus ist im Dezember angelaufen. Inzwischen wurden weltweit schon über 4 Milliarden Impfdosen verabreicht (Stand: 29. 7.). Rund 28 Prozent der Weltbevölkerung ist mindestens einmal geimpft (Stand 29. 7). Allerdings muss in der Regel zweimal geimpft werden. Künftig könnten regelmässige Auffrischungen nötig werden.

Die wichtigsten Fragen und Antworten rund um die Corona-Impfung finden Sie hier.

Welche wirtschaftlichen Folgen hat die Pandemie?

Die Pandemie hat die Welt seit über einem Jahr im Griff. Sie hat das Wirtschaftsleben zeitweise fast zum Erliegen gebracht. Zahlreiche Länder wurden in Lockdowns oder Shutdowns geschickt, Unternehmen standen teilweise still, Lieferketten waren unterbrochen. Millionen von Menschen waren arbeitslos. Gesundheitssysteme kamen an den Rand eines Kollapses. Staaten investierten Tausende von Milliarden im Kampf gegen die Krise.

Es ist schwierig, die Schäden effektiv zu beziffern. Jedenfalls wurden gigantische Summen vernichtet. Die IMF-Chefökonomin Gita Gopinath rechnet damit, dass bis zum Jahr 2025 gegen 28 Billionen Dollar an Wertschöpfung verloren gehen. Sie befürchtet, dass 90 Millionen Menschen wieder in extreme Armut zurückfallen könnten.

Die Autoren Eduardo Levy Yeyati und Federico Filippini haben Mitte Mai 2021 auf der Ökonomie-Website voxeu.org versucht, die Kosten der Pandemie aufzurechnen. Um die Beträge der in Prozent gerechneten Einbussen abzuschätzen: Im Jahr 2020 betrug das globale Bruttoinlandprodukt rund 84,5 Billionen Dollar.

Einfacher beziffern lassen sich die Effekte auf das Wirtschaftswachstum. Klar ist, dass im Jahr 2020 in keinem Land – ausser in China – die Weltwirtschaft gewachsen ist. Mitte 2021 zeichnet sich eine wirtschaftliche Trendwende ab. So rechnet die Weltbank in ihrer am 8. Juni veröffentlichten Prognose mit dem kräftigsten Aufschwung seit 80 Jahren. Nach dem Corona-bedingten Einbruch der Wirtschaft um 3,5 Prozent im vergangenen Jahr wird jetzt für 2021 ein kräftiges Wachstum von 5,6 Prozent vorausgesagt. Lokomotiven sind China und die USA (auch dank den riesigen Konjunkturprogrammen von Biden).

Mit dem kräftigen Aufschwung ist die Krise aber noch nicht ausgestanden. Unter dem Strich wird die globale Wirtschaftsleistung bis Ende 2021 immer noch mindestens 2 Prozent unter dem Vor-Corona-Niveau liegen.

Zudem profitieren längst nicht alle von der Erholung: Vor allem Schwellen- und Entwicklungsländer kämpfen immer noch mit vielen Corona-Neuinfektionen, Hindernissen bei der Impfung und beschränkten staatlichen Hilfen. In zwei Dritteln dieser Länder werden die Pro-Kopf-Einkommensverluste auch bis im kommenden Jahr nicht aufgeholt werden können. In den vielen einkommensschwachen Volkswirtschaften hat die Pandemie frühere Erfolge in der Armutsbekämpfung zunichtegemacht. Die Pandemie werde somit Armut und Ungleichheit verstärken, schreibt die Weltbank. Nötig seien deshalb weltweite Impfprogramme und Schuldenerlasse.

In der Corona-Krise verändert sich die Wirtschaftslage fast im Wochenrhythmus. Wir zeigen mit neuartigen Daten den Verlauf der Krise.

Wo nahm das Virus seinen Anfang?

Anfang Januar 2020 teilte die WHO mit, dass eine mysteriöse Lungenerkrankung in der zentralchinesischen Metropole Wuhan durch ein neuartiges Coronavirus verursacht werde. Die chinesischen Behörden meldeten die Krankheit der WHO erstmals am 31. Dezember 2019. Laut verschiedenen Studien sind die ersten Fälle von Covid-19 in Wuhan Ende November oder Anfang Dezember 2019 aufgetreten. Gleichzeitig gibt es auch Hinweise darauf, dass das neue Coronavirus schon Wochen oder Monate früher in Südchina zirkuliert haben könnte, möglicherweise sogar im August. Der Stammbaum des Virus lässt sich über die Veränderungen in seinem Genom nachvollziehen (Details hier).

Die am engsten mit Sars-CoV-2 verwandten Viren sind Fledermausviren, was darauf hindeuten könnte, dass Fledermäuse an der Infektionskette beteiligt sind. Die WHO hält einen tierischen Ursprung für das wahrscheinlichste Szenario. Zum Erklärstück

Coronavirus, Covid-19, Sars-CoV-2 – was bedeuten die verschiedenen Bezeichnungen?

Sars-CoV-2: Die WHO gab dem neuartigen Coronavirus den Namen Sars-CoV-2 («severe acute respiratory syndrome coronavirus 2»). Mit der Bezeichnung ist das Virus gemeint, das Symptome verursachen kann, aber nicht muss.

Covid-19: Die durch Sars-CoV-2 ausgelöste Atemwegserkrankung wurde Covid-19 («coronavirus disease 2019») genannt. Covid-19-Patienten sind dementsprechend Menschen, die den Erreger Sars-CoV-2 in sich tragen und Symptome zeigen.

Ein ausführliches Glossar mit den zwanzig wichtigsten Begriffen im Zusammenhang mit der Pandemie finden Sie hier.

Mitarbeit: toc., wej., ran., kus., ni., slz., koe., gam., nyf., bso., esb., kkl., nbe., tsm., lat., ela., koa., nth., joe., cke., jum., ful., nad., ebl., lat., wde., fma., med., vmo., bet., ann., win., bbu., naw., cov., ine., nil., dho. mit Agenturmaterial

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