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Neue Dokumente enthüllen: Experimente mit Coronaviren geplant – vor Pandemie

Blick-Logo Blick 25.09.2021 Hillig Johannes (hln)

Ein Jahr, bevor die Pandemie in Wuhan ihren Lauf nahm, gab es Pläne für Experimente mit Coronaviren. Das belegen Dokumente, die nun veröffentlicht wurden.

Experimente mit Coronaviren geplant – vor Pandemie © AP Experimente mit Coronaviren geplant – vor Pandemie

Noch immer ist unklar, wo das Coronavirus seinen Ursprung hat. Eine Theorie besagt, dass ein Labor-Unfall im chinesischen Wuhan zur Pandemie führte. Beweise dafür fehlen bislang. Nun sind aber Dokumente aufgetaucht, die zumindest zeigen, dass Experimente mit Coronaviren geplant waren – und zwar ein Jahr vor der Pandemie.

Konkret geht es um Gen-Experimente, bei denen Coronaviren aus Fledermäusen manipuliert werden sollten. Der britische Zoologe Peter Daszak hatte dazu einen Antrag gestellt, um Fördergelder zu bekommen, wie die «NZZ» berichtet. Aber nicht nur er alleine wollte die Experimente durchführen. Darunter auch Wissenschaftler des Virologie-Instituts in Wuhan.

Aktivisten machten Antrag öffentlich

Der Fördergelder-Antrag wurde allerdings abgelehnt. Unklar ist auch, ob die Experimente trotzdem stattgefunden haben. Publiziert wurde zumindest keine Ergebnisse.

Nur so viel ist bekannt: Bei den Viren, die die Forscher nutzen wollten, handelt es sich um keine Vorläufer des Coronavirus, das für die Pandemie verantwortlich ist.

Der Antrag war bislang nicht öffentlich einsehbar und wurde erst durch die Aktivisten-Gruppe Drastic publik. Die Dokumente heizen die Gerüchte, rund um den Ursprung der Pandemie weiter an.

Biden setzte US-Geheimdienst an

Die Laborunfall-Theorie hat viele Anhänger. Der frühere US-Präsident Donald Trump (75) und seine Anhänger bauschten dies zu einem Vorwurf gegen China auf, manche meinten sogar, das Virus sei womöglich absichtlich freigesetzt worden.

Trumps Nachfolger Joe Biden (78) ordnete im Mai eine Untersuchung durch den US-Geheimdienst an. Doch auch das brachte kein eindeutiges Ergebnis.

In dem Bericht des Geheimdienstes werden sowohl eine Übertragung von Tier zu Mensch als auch ein Laborunfall in China als «plausible Hypothesen» bezeichnet. Für eine abschliessende Bewertung fehlten klinische Proben oder Daten zu den frühen Infektionsfällen in China, erklärten die Geheimdienste.

Unterschiedliche Gewichtung der Berichte und Veröffentlichungen

Die Nachrichtendienste seien «weiterhin gespalten» in der Frage, was der «wahrscheinlichste Ursprung» der Corona-Pandemie sei, hiess es in dem Bericht. Vier US-Geheimdienste kommen demnach mit «niedriger» Sicherheit zu dem Schluss, dass die Pandemie auf eine Virusübertragung von Tier zu Mensch zurückgeht.

Zwei andere Geheimdienste gehen dagegen mit «mittlerer» Sicherheit davon aus, dass ein Laborunfall zu der Pandemie führte. Analysten in drei anderen Diensten wiederum konnten sich nicht auf eine Zuordnung einigen.

Grund für die Unterschiede sei die unterschiedliche Gewichtung der «nachrichtendienstlichen Berichte und wissenschaftlichen Veröffentlichungen sowie der nachrichtendienstlichen und wissenschaftlichen Lücken», hiess es.

Keine biologische Waffe

In dem von US-Präsident Joe Biden angeforderten Bericht der Nationalen Geheimdienstdirektion wird allerdings ausgeschlossen, dass das Coronavirus als «biologische Waffe» entwickelt wurde. Die meisten Geheimdienste gehen auch nicht davon aus, dass das Virus durch Genmanipulation entstand - auch wenn zwei Dienste sich diesem Urteil nicht anschliessen wollten, weil die Sachlage nicht ausreichend eindeutig sei.

Hervorgehoben wird in dem Bericht schliesslich, «dass Chinas Regierungsvertreter vor dem ursprünglichen Ausbruch von Covid-19 keine vorherige Kenntnis über das Virus» hatten.

Transparenz von China gefordert

Biden warf China nach der Veröffentlichung vor, nach wie vor wichtige Informationen zum Ursprung der Pandemie zurückzuhalten. Chinesische Regierungsvertreter hätten internationale Ermittler und die internationale Gesundheitsgemeinschaft von Anfang an am Zugang zu solchen Informationen gehindert. «Bis heute weist die Volksrepublik China Forderungen nach Transparenz zurück und hält Informationen zurück», erklärte der Präsident.

«Unsere Bemühungen, die Ursprünge dieser Pandemie zu verstehen, werden nicht ruhen», versprach Biden. «Wir werden alles uns Mögliche tun, um die Wurzeln dieses Ausbruchs aufzuspüren, der weltweit so viel Schmerz und Tod verursacht hat.» Dies sei notwendig, um eine neue Pandemie zu verhindern.

China will nicht als Sündenbock herhalten

Die Corona-Pandemie, der mittlerweile weltweit rund 4,5 Millionen Menschen zum Opfer gefallen sind, hatte Ende 2019 in der chinesischen Stadt Wuhan ihren Ausgang genommen. Schon bald war darüber spekuliert worden, dass das Virus bei einem Unfall aus dem Institut für Virologie in Wuhan entwichen sein könnte, in dem an Coronaviren geforscht wird. Die chinesische Regierung bestreitet dies energisch.

Die chinesische Botschaft in Washington wies die Vorwürfe erneut zurück, Peking halte Informationen über das Coronavirus unter Verschluss. Der Bericht der US-Geheimdienste zeige einmal mehr die Entschlossenheit Washingtons, «den falschen Weg der politischen Manipulation» fortzusetzen, erklärte sie. Ziel des Berichts sei es, die Volksrepublik als «Sündenbock» abzustempeln.

Weitere Untersuchungen wurden abgelehnt

Erst im Januar dieses Jahres konnte ein Team internationaler Experten im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Wuhan besuchen - mehr als ein Jahr nach Entdeckung des Virus. Ihr Bericht wurde Ende März veröffentlicht, lieferte aber keine klaren Ergebnisse. Die sogenannte Labor-Theorie stuften die WHO-Experten als «extrem unwahrscheinlich» ein.

An der Untersuchung und dem Bericht wurden aber schnell Zweifel laut. Viele Länder äusserten Besorgnis darüber, dass den internationalen Experten bei ihrer Untersuchung in China Zugang zu wichtigen Daten verwehrt worden sei. Weitere Untersuchungen, wie auch von WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus (56) gefordert, lehnt die chinesische Regierung vehement ab. (jmh/AFP)

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