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Schleuser packen aus und stützen Vorwürfe der italienischen Staatsanwaltschaft: So kooperieren Seenotretter mit den kriminellen Schleppern

Blick-Logo Blick 02.01.2022 Felder Guido (fel)

Heimliche aufgezeichnete Gespräche, Mitlesen von Whatsapp-Nachrichten und Mails sowie Abhöraktionen: Die italienischen Ermittler haben Beweise gesammelt, wonach Hilfswerke mit Schleppern zusammenarbeiten sollen.

So kooperieren Seenotretter mit den kriminellen Schleppern © Bereitgestellt von Blick So kooperieren Seenotretter mit den kriminellen Schleppern

Seit rund fünf Jahren kursieren Berichte, laut denen Rettungsschiffe von Hilfswerken im Mittelmeer manchmal mit Menschenhändlern zusammenarbeiten. Die «SonntagsZeitung» hat mit drei libyschen Schleppern gesprochen. Sie bestätigen, dass es Kontakte zwischen den Menschenhändlern und den Rettungsschiffen gibt. Sie wollen damit sicherstellen, dass ihre «Kunden», die Migranten, wirklich nach Italien gelangen.

Grosse Nicht-Regierungsorganisationen wie Médecins sans Frontières oder Save the Children dementieren, dass es eine solche Kooperation gibt.

Die Aussagen der Schleuser stützen die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft im sizilianischen Trapani an die Adresse der Hilfswerke. So brachten die Schlepper in etwa einem Dutzend Fällen Migranten direkt zu den Rettungsschiffen und fuhren dann wieder mit leeren Booten zurück nach Libyen.

Fotos gezielt verheimlichen

Wie der mehrfach ausgezeichnete Journalist Kurt Pelda (57) als Co-Autor in der «SonntagsZeitung» schreibt, veröffentlichen die Hilfswerke im Internet Fotos der Rettungsaktionen, auch um Spenden zu generieren. Gewisse Fotos würden aber gezielt zurückbehalten. Zum Beispiel, wenn Schlepper zu sehen sind, die Migranten zu den Rettungsbooten bringen.

Eine solche Bergung hat die Besatzung des Schiffs Vos Hestia der britischen Organisation Save the Children (Rettet die Kinder) am 13. Oktober 2017 gefilmt. Zwei kleine Boote mit drei Schleppern und 21 Migranten an Bord treffen auf die Retter von Save the Children, nur wenige Kilometer nördlich der libyschen Küste.

Dokumentiert ist das alles durch Bildmaterial, das die Staatsanwaltschaft von Trapani auf Sizilien durch aufwendige Ermittlungen ans Licht gebracht hat – verteilt auf rund 650 Aktenseiten. Viele der Fotos und Videos wurden von den Rettern selbst aufgenommen – mit Helmkameras, wie sie auch Biker oder Bergsteiger verwenden.

Bewusst Kriminelle schützen

Die Italiener setzten aber auch verdeckte Ermittler ein. Mit versteckten Mikrofonen nahm die Polizei unzählige Gespräche auf den Kommandobrücken auf, hörte Telefonate ab und las die Whatsapp- und E-Mail-Kommunikation der Retter mit.

Save the Children soll laut «SonntagsZeitung» Schleuser vor Strafverfolgung schützen. So heisst es in den schriftlichen Einsatzregeln des Hilfswerks, die der «SonntagsZeitung» vorliegen: «Save the Children kommt der Aufforderung nicht nach, Foto-/ Medienmaterial zum Zweck der Identifizierung von Menschenhändlern usw. zu übergeben.»

Schleuser unter den Migranten

Ende Oktober 2017 durchsuchte die italienische Polizei die Vos Hestia und beschlagnahmte zahlreiche elektronische Geräte. Kurz darauf kündigte Save the Children die Beendigung seiner Rettungsoperationen im Mittelmeer an. Ähnliches ist laut den Recherchen bei den Bergungsaktionen von Médecins sans Frontières (MSF) passiert.

Es gibt auch Vorwürfe, wonach Hilfsorganisationen gewusst hätten, dass sich Schleuser selber unter den Migranten befanden. Bei der Ankunft in Italien hätten, die Seeretter jedoch verschwiegen, dass sich solche Kriminellen an Bord befänden.

Save the Children dementiert gegenüber der «SonntagsZeitung», wissentlich mit Schleusern kommuniziert oder sie unterstützt zu haben. Die Organisation ist aber stolz darauf, dass die Vos Hestia fast 10'000 Menschen gerettet habe, «die der sehr realen Gefahr des Ertrinkens ausgesetzt» gewesen seien. (gf)

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