Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Schweizer Touristen melden sich aus der Flammenhölle Südtürkei: «Vom Himmel regnet es Asche und Russ»

Blick-Logo Blick 30.07.2021 Nicolas Lurati

In der Türkei brennts. Zum Leidwesen der Riviera-Feriengänger. Auch Touristen aus der Schweiz wollen Strand und Meer geniessen. Stattdessen treffen sie auf Rauch und Flammen. «So hab ich mir meine Türkei-Ferien nicht vorgestellt», sagt Ferhat Temiz aus Gossau SG.

«Vom Himmel regnet es Asche und Russ» © Bereitgestellt von Blick «Vom Himmel regnet es Asche und Russ»

In der Türkei wüten seit Mittwoch Waldbrände. Die Feuer verwandeln das Ferienparadies an der Mittelmeerküste in eine Flammenhölle. 63 Brände wurden bis Freitagmorgen gezählt.

Gemäss offiziellen Angaben starben drei Menschen. Darunter ein Mann (25), der Löschwasser beisteuern wollte, wie das Staatsfernsehen TRT berichtet. Auf dem Weg zur Brandstelle kam er bei einem Verkehrsunfall ums Leben.

Auch Touristen aus der Schweiz sind vom Inferno betroffen. Einer davon ist Ferhat Temiz (40) aus Gossau SG. Der Key-Account-Manager ist in den Türkei-Ferien mit seiner Frau und den beiden Kindern. Die Familie hat in Marmaris an der türkischen Riviera ein Ferienhaus gemietet.

Heisser Geburtstag statt entspanntes Feiern

Am Donnerstag hatte Temiz Geburtstag. Aber: «Es war uns nicht nach Feiern zumute», sagt der St. Galler am Freitag am Telefon zu Blick. «Wir mussten kontrollieren, ob der Wind das Feuer nicht in unsere Nähe weht.»

Auch am Freitag brennt es noch. «Etwa fünf Kilometer vom Ferienhaus entfernt ist ein ganzer Waldstrich am brennen.» Da die ganze Stadt Marmaris von Wald umgeben ist, könne plötzlich akute Gefahr drohen, erklärt Temiz: «Von unserem Ferienhaus zum nächstgelegenen Waldstück sind es nur 50 Meter!»

Am Samstag will die Familie nach Bodrum reisen. Das Problem: «Das Hotel, in dem wir acht Tage verbringen wollten, wurde gestern wegen der Brände evakuiert.» Der Reiseveranstalter in der Schweiz habe ihm jedoch versichert, dass die Familie keinerlei Einbussen zu befürchten habe. Konkret: «Es gibt die Möglichkeit, in einem anderen Hotel in Bodrum unterzukommen», sagt der 40-Jährige.

«Die Flammen waren für uns alle eindrücklich»

Dennoch: Die Ferien in der Türkei hat sich der Gossauer so nicht vorgestellt. «Die Flammen waren für uns alle eindrücklich.» Seine fünfjährige Tochter sei sehr mitgenommen. «Es hat bei ihr Eindruck hinterlassen.» Temiz macht es auch traurig, dass die wunderschönen Buchten von Marmaris verbrannt sind.

Am Freitagnachmittag geht er mit seiner Frau näher zu den Bränden hin. «Wir wollen versuchen, Hilfe zu leisten», sagt Temiz. Als die beiden vor Ort sind, wirds plötzlich gefährlich. «Gleich vor uns ist ein Feuer entflammt», erzählt der Familienvater später Blick. «Wir waren etwa fünf Meter davon entfernt. Wir hatten Angst.»

Wetziker bereiten Brände Kopfschmerzen

Shahyar Jahangiri (47) aus Wetzikon ZH weilt mit seinen Liebsten ein paar 100 Kilometer östlich von Marmaris. Der Familienvater weilt mit seiner Frau und den zwei Kindern im Hotel in Side. Auch bei ihnen habe es Brände. «Keine zehn Kilometer entfernt», sagt er am Freitag zu Blick.

Nicht ohne Folgen. «Gestern Nachmittag hatte ich Kopfschmerzen. Wohl wegen des Kohlenmonoxids, das aufgrund der Brände in der Luft ist.»

Das Problem an der Situation seien Hitze, Trockenheit und Wind. «Die letzten Tage war es über 40 Grad heiss. Durch den Wind beginnt das Feuer immer wieder an anderen Stellen zu brennen.»

Auch im Hotel seien Spuren zu sehen, erklärt Jahangiri. «Asche fällt vom Himmel. Das Personal ist auf den Balkonen und beim Pool die ganze Zeit am Putzen.»

Solothurner berichtet von angespannter Stimmung

Auch in der Nähe befindet sich Mischa Jeger (24) aus Nunningen SO mit seiner Freundin. Das Paar macht Ferien in einem Hotel zwischen Manavgat und Kizilagac. «Bei uns im Hotel war die Stimmung angespannt», sagt er am Freitag zu Blick. «Vor allem gestern, als die Helikopter direkt bei uns am Strand das Wasser geholt haben und hinter dem Hotel verschwunden sind.»

An der Küste bei Manavgat ist Corina Abdelgalil (39) aus Zürich. Sie macht dort Ferien mit ihrem Mann und den drei Söhnen. Am meisten störe sie, dass sie keinerlei Infos über die aktuelle Situation haben. «Wir wissen nicht, ob das Feuer für uns gefährlich werden könnte.»

Kaum mehr Personal im Hotel

Am Samstag um 6.10 Uhr fliegt die Familie von Antalya nach Zürich zurück. «Ob und wie wir zum Flughafen kommen, wissen wir nicht», sagt Abdelgalil. «Wir haben nichts darüber gehört, ob uns jemand abholen wird.»

Auch im Hotel herrsche Weltuntergangsstimmung: «Es ist kaum mehr Personal hier, es putzt niemand.» Und: «Vom Himmel regnet es den ganzen Tag Asche und Russ», sagt die Zürcherin.

Unklar ist bis jetzt die Brandursache. Gemäss Türkei-Aussenminister Mevlüt Cavusoglu seien drei Personen in Zusammenhang mit den Bränden verhaftet worden. Das löste Spekulationen aus, ob Brandstiftung hinter dem Inferno stehen könnte.

| Anzeige
| Anzeige

MEHR VON BLICK

| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon