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Was, wenn es zwei Internets gäbe?

watson.ch-Logo watson.ch 19.10.2018 Philipp Löpfe
China schottet sich zunehmend vom westlichen Internet ab und stellt eine Alternative auf die Beine. Andere Länder wie Russland und die Türkei folgen dem Beispiel. Warnt vor einer Balkanisierung des Internets: Eric Schmidt, Ex-CEO von Google. © AP/AP Warnt vor einer Balkanisierung des Internets: Eric Schmidt, Ex-CEO von Google.

In der Theorie ist das Internet ein Kommunikationsnetz, das die ganze Welt überzieht und allen Menschen erlaubt, Grenzen überschreitend miteinander in Kontakt zu kommen. In der Praxis ist eine ganz andere Entwicklung zu beobachten. Constanze Kurz und Frank Rieger beschreiben sie in ihrem Buch «Cyberwar» wie folgt:

«Insbesondere China hat sich weitgehend gegen ausländische Einflussoperationen immunisiert. Grosse Teile der westlichen Medien sind in der Volksrepublik blockiert, die westlichen Social-Media-Dienste sind faktisch ausgesperrt. Stattdessen hat die chinesische Regierung einheimische, äquivalente oder sogar technisch überlegene Systeme gefördert, (…). Russland verfolgt eine ähnliche Strategie, indem durch staatliche Regulierung lokale Anbieter gefördert werden.»

Die Stars des Silicon Valley, Google, Facebook & Co., werden zunehmend als neue Imperialisten betrachtet. Länder wie die Türkei versuchen deshalb, sie mit Zensursystemen abzublocken. «Aus Sicht der Strategen im Westen ist eine ungünstige asymmetrische Situation entstanden, in der Länder wie Russland die offenen und zugänglichen Netze im Westen für ihre Manipulation nutzen können, während sie selbst gegen solche Operationen westlicher Staaten relativ immun sind», stellen Kurz/Rieger fest.

Der ehemalige Google-CEO Eric Schmidt ist überzeugt, dass diese Entwicklung erst der Anfang eines historischen Bruchs sei. An einem privaten Anlass im Silicon Valley erklärte er kürzlich: «Ich denke, die wahrscheinlichste Entwicklung der nächsten zehn bis 15 Jahre wird sein, dass sich das Internet nicht aufsplittert, sondern dass es eine Zweiteilung geben wird. Ich gehe davon aus, dass wir fantastische Produkte und Dienstleistungen aus China sehen werden.» 

Der Vater des chinesischen Wirtschaftswunders: Deng Xiaoping (links) in Militäruniform. © AP XINHUA NEWS AGENCY VIA KYODO Der Vater des chinesischen Wirtschaftswunders: Deng Xiaoping (links) in Militäruniform.

Als China nach dem Tod von Mao Zedong begann, seine Wirtschaft zu modernisieren und in die Weltwirtschaft zu integrieren, folgte es jahrzehntelang dem Rat des legendären Reformers Deng Xiaoping: «Behalte einen kühlen Kopf und deine unauffällige Art. Ergreife niemals die Führung – aber strebe danach, etwas Grosses zu erreichen.»

Unter dem Präsidenten Xi Jinping hat sich in Peking ein ganz anderes Selbstbewusstsein entwickelt. China ist überzeugt, bereits Grosses erreicht zu haben, und sieht sich wieder auf Augenhöhe zum Westen; eine Rolle übrigens, die das Reich der Mitte während Jahrtausenden gespielt hat. Präsident Xi hat denn auch die «Belt and Road»-Initiative lanciert, ein aufwändiges Entwicklungsprojekt, welches Asien, Afrika und Europa an China binden soll.

«Ich gehe davon aus, dass wir fantastische Produkte und Dienstleistungen aus China sehen werden.» //Eric Schmidt

Das Internet spielt dabei eine zentrale Rolle. Was die Technologie betrifft, braucht sich China dabei nicht zu verstecken. Es hat nicht nur das Ziel, die führende Tech-Nation der Welt zu werden, es hat auch die Mittel dazu: Die Suchmaschine Baidu kann mit Google, Alibaba und Tencent können mit Amazon und Facebook mithalten.

Als bekannt wurde, dass die chinesische Regierung die Accounts von Dissidenten gehackt hatte, zog sich Google 2010 aus China zurück. Co-Gründer Sergey Brin erklärte damals: «Es gibt einen Punkt, an dem man sagen muss: Das geht über das hinaus, womit wir leben können und wo man aus moralischen Gründen Grenzen ziehen muss.»

Hat die Machenschaften der US-Geheimdienste aufgedeckt: Edward Snowden. © EPA/WIKILEAKS Hat die Machenschaften der US-Geheimdienste aufgedeckt: Edward Snowden.

Inzwischen können sich die USA die moralische Überlegenheit abschminken. Die Enthüllungen von Edward Snowden haben aufgedeckt, dass auch die amerikanischen Geheimdienste vor nichts zurückschrecken. Dass Präsident Donald Trump am besten mit Diktatoren kann, zeigt sein Verhalten in der Affäre Khashoggi einmal mehr.

Das Internet als freies Kommunikationsnetz für freie Menschen wird somit zu einer Illusion. «Gehen die Dinge so weiter», stellt die «New York Times» in einem redaktionellen Kommentar resigniert fest, «dann könnte das Internet in den nächsten zehn Jahren bloss eine neue Front in einem neuen Kalten Krieg sein.»

Viola Amherd, Swiss Defense Minister, attends a news conference on next-generation fighter jets and ground-based air defense systems (Air2030 program) for the Swiss army in Bern, Switzerland May 2, 2019. REUTERS/Denis Balibouse Nächste Geschichte

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