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30 Jahre «Fingerlibüez»

BZ BERNER ZEITUNG-Logo BZ BERNER ZEITUNG 12.06.2020

Anfang der 90er-Jahre haben Fredy und Ruth Märki in 1300 Arbeitsstunden ein Puppenhaus für ihre Grosskinder gebaut – ein Abbild eines Bauernhauses in Huttwil. Das Hobby ist ihnen bis heute geblieben.

Fredy Märki hat bereits Hunderte Stunden in seiner Werkstatt an Möbeln für Puppenhäuser gearbeitet. © Christian Pfander Fredy Märki hat bereits Hunderte Stunden in seiner Werkstatt an Möbeln für Puppenhäuser gearbeitet.

Fredy Märki sagt, er werde sein Haus in Thierachern nur auf eine Art für immer verlassen: Füsse voran. Für den 86-Jährigen steht fest, dass er den Rest seines Lebens zusammen mit seiner Frau Ruth dort verbringen will, denn: «In diesem Haus steckt sehr viel Herzblut.» Gebaut hat das Paar das Haus in den 60er-Jahren grösstenteils selber. «Als wir mit dem Bau anfingen, hatten wir 100 Franken auf dem Konto. Als wir fertig waren, waren die 100 immer noch drauf.»

Häuser und Möbel baut Fredy Märki auch heute noch – nur etwas kleiner. In der Werkstatt im Keller des Hauses fertigt er Möbel für Puppenhäuser im Massstab 1 zu 10. Mit Fräse, Bohrer und Schleifmaschine gestaltet er Kommoden und Tische, Hocker und Schränke, und zwar möglichst so, wie ein Schreiner die Möbel in gross fertigen würde. «Meist gehe ich vormittags zwei Stunden in die Werkstatt und manchmal am Nachmittag noch eine Stunde.» Seit einem Herzinfarkt müsse er sich öfter ausruhen, aber verzichten will er nicht. «Es ist eine Fingerlibüez – ich habe den Plausch daran.»

Alles wie im Original

Zu diesem Hobby gefunden hat Fredy Märki Anfang der 90er-Jahre. Damals war er noch als Steuerungsbauer für Seilbahnen tätig, seine Frau als Dekorateurin. Zusammen wollten Ruth und Fredy Märki ihren Grosskindern mit einem Puppen-Bauernhaus eine Freude machen. «Bauernhäuser haben mich schon als Kind fasziniert», sagt Fredy Märki, der in der Stadt Bern aufgewachsen ist. In einem Kalender der damaligen Winterthurer Versicherung habe er ein Bild eines Bauernhauses in Huttwil gesehen und gedacht: Das ist es.

«Die Grosskinder haben bei uns gelernt, mit Werkzeugen umzugehen.»

Das Paar fuhr nach Huttwil, um das Haus zu fotografieren und zu vermessen. Zu Hause haben sie es dann in 1300 Arbeitsstunden nachgebaut – von den 1000 Schindeln auf dem Dach über die getäferten Wände und Parkettböden bis zum Licht in den Räumen. In der Adventszeit 1993 stand das Puppenhaus in einem Schaufenster der Loeb-Filiale Thun, dann erhielten es die Grosskinder. «Und bei ihnen ist es immer noch, genau so, wie wir es verschenkt haben», sagt Fredy Märki. «Mit diesem Puppenhaus ist sehr, sehr viel gespielt worden.»

Der Bastler-Grosspäpu

Für einige seiner Grosskinder, so erzählt Fredy Märki, waren er und seine Frau immer die Grosseltern, bei denen man basteln konnte. «Sie kamen zu mir und sagten: ‹Grosspäpu, ich brauche einen Wagen für meine Puppe.› Oder: ‹Ich will einen Stall.›» Er habe dann Holz gesucht, mit ihnen einen Plan gezeichnet, gemessen, gesägt. «Sie haben bei uns gelernt, mit Werkzeugen umzugehen.»

Nun sind die Grosskinder alle um die 30 und die beiden Urgrosskinder noch zu klein, um mit Puppenhäusern zu spielen. Für wen also baut Fredy Märki die Möbel in seiner Werkstatt? «Sie werden lachen: für meine Frau», sagt er. Als alle Grosskinder eingedeckt waren, habe sie zu ihm gesagt: «Eigentlich könntest du auch für mich ein paar Möbel machen.» Und das macht er nun und hat den Plausch dabei.

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