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Alles genau so in echt passiert

Tages-Anzeiger-Logo Tages-Anzeiger 14.04.2020

Im zeitlichen Stereoblick: Anke Kuhls autobiografischer Comic «Manno!» erzählt in treffenden Cartoons von der turbulenten Liebe zweier Schwestern.

Im zeitlichen Stereoblick: Anke Kuhls autobiografischer Comic «Manno!» erzählt in treffenden Cartoons von der turbulenten Liebe zweier Schwestern.

«Manno!» ist deshalb so gelungen, weil Anke Kuhl einen zeitlichen Stereoblick hat: Immer sieht man die Welt durch ihre Kinderaugen. © Foto: Klett Kinderbuch «Manno!» ist deshalb so gelungen, weil Anke Kuhl einen zeitlichen Stereoblick hat: Immer sieht man die Welt durch ihre Kinderaugen.

Genau so war es. Und genau so ist es. Der Gemüseladen noch mit der alten Waage, aber zu Hause die ersten plastikbunten Gartenstühle. Die Grosseltern mit ihrem seltsamen Vertriebenenakzent, und Samstagabend schauen alle Generationen gemeinsam «Am laufenden Band» auf riesigen Couchgarnituren. Genauso waren die späten Siebziger-, frühen Achtzigerjahre.

Und genau so ist das Leben mit Geschwistern: Einander die Unterhosen klauen. Mit Klobürsten fechten. Wütend sein aufeinander und sich durch den Garten jagen, aber eigentlich ist man unzertrennlich. Abends noch eine Doku über das Weltall sehen, und dann mit schreckgeweiteten Augen wach liegen, weil eines Tages die Sonne explodieren wird und was wird denn dann aus unseren Hasen?

Alles fängt bei der Augenärztin an

Die, die da nachts wach liegt, heisst Anke und man erkennt sie immer sofort an der riesigen roten Brille. Eigentlich ist die Mutter mit Ankes Schwester zur Augenärztin gekommen, aber dann stellt sich raus, die hat gar nichts, während Anke mit starker Kurzsichtigkeit geboren wurde. Und plötzlich kann sie Flugzeuge nicht nur hören, sondern auch sehen. Und dieser Rudi Carrell ist ja noch schöner, als sie bisher schon immer dachte. Die Frankfurter Illustratorin Anke Kuhl beginnt ihren autobiografischen Kindheitscomic mit dieser Anekdote vom Arztbesuch. Das ist nur folgerichtig, schliesslich ist es fast, als käme sie mit dieser Brille ein zweites Mal auf die Welt.

«Manno!» ist deshalb so gelungen, weil Anke Kuhl einen zeitlichen Stereoblick hat: Immer sieht man die Welt durch ihre Kinderaugen. Der Streit zwischen den Eltern, bei dem die Sprechblasen der verbitterten Mutter zu Regenwolken mutieren. Die Begeisterung über das «Quälspiel», bei dem diejenige, die verliert, zehn Sekunden an der «Stinkvase» riechen muss. Die Liebe zu Opa und Oma, die so unzertrennlich auf die Schwestern wirken, dass ihre Namen zu Openom verschmelzen.

Aber zugleich wirkt da hinter den Kulissen der Buntstiftpanels immer die erfahrene Illustratorin, die es schafft, das grosse wilde Kindsein in gerade mal 18 Kurzgeschichten zu bündeln. Hätte der kleine Nick neben der neunjährigen Anke Kuhl gelebt, die beiden wären garantiert beste Freunde geworden.

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Anke Kuhl: Manno! Alles genau so in echt passiert. Klett Kinderbuch, Leipzig 2020. 136 S., ca. 26 Fr.

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