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Apple rüstet seine Macs für das Home-Office-Zeitalter

Neue Zürcher Zeitung-Logo Neue Zürcher Zeitung 11.11.2020 Alexander Demling, San Francisco

Leiser, leistungsfähiger und günstiger: Apple stattet seine Mac-Laptops mit dem selbst entwickelten Chip M1 aus. Doch die Trennung von Intel klappt nur schrittweise.

Der Apple-Manager John Ternus ;stellt den neuen M1-Prozessor vor. Apple Inc. / Reuters © Bereitgestellt von Neue Zürcher Zeitung Der Apple-Manager John Ternus ;stellt den neuen M1-Prozessor vor. Apple Inc. / Reuters

Der «PC» ist zurück. Apple hatte in den späten 2000ern eine Reihe von Werbespots, in denen ein aufgeblasener Mann mit Schnauzer, Krawatte und Tweed-Sakko einen klassischen Computer personifizierte, der sich Viren einfing und gegen den lässigen, jüngeren «Mac» immer schlecht aussah.

Am Ende des Apple-Events am Dienstag war der Komiker John Hodgman als «PC» wieder da und beschwerte sich über all die Innovationen, die Apple gerade vorgestellt hatte. «Ich mache eben GNGNGNGNGN, das ist mein Ventilator», sagte Hodgman. So schnell wie der Mac könne er auch sein: «PC» schwingt die Arme, rennt auf der Stelle und ist bald so erschöpft, dass er an sein Ladekabel muss.

Die Vorteile der neuen Mac-Generation hatten der Apple-Chef Tim Cook und seine Manager in den 45 Minuten davor bereits ausgebreitet. Das MacBook Air, Pro und der kleine, viereckige Desktop-Computer Mac Mini sollen leistungsfähiger und leiser sein. Die Batterie soll auf dem flachen MacBook Air sechs Stunden länger durchhalten und dabei so kühl bleiben, dass es keinen Ventilator mehr braucht.

Möglich soll das der M1 machen – Apples erster selbstentwickelter PC-Chip seit 15 Jahren, der in allen drei Geräten mit 13 Zoll Bildschirm-Diagonale stecken wird. Dass Intel als Chiplieferant für die Macs aussortiert wird, hatte das Unternehmen bereits an seiner Entwickler-Konferenz WWDC angekündigt. Apples ältestes Produkt folgt als letztes ins Reich von «Apple Silicon». Die Chips mit fünf Nanometern Strukturgrösse basieren auf einem Design des britischen Unternehmens ARM, der taiwanische Auftragsfertiger TSMC wird sie produzieren.

M1 kombiniere verschiedene Funktionen wie Prozessor, Speicher und Sicherheit in einem einzelnen Chip und sei so der schnellste und energieeffizienteste Zentralprozessor auf dem Markt, sagt Johny Srouji, Apples Senior-Vizepräsident für Hardware-Entwicklung. Der M1 liefere teilweise die doppelte Rechenleistung pro Watt, was zur längeren Akku-Laufzeit beitrage – mit konkreten Vergleichszahlen geizt die Präsentation allerdings an vielen Stellen.

PC sind wieder ein Wachstumsmarkt

Die PC-Industrie, lange ein schrumpfender Markt, erlebt in der Corona-Krise eine Renaissance, weil mehr Menschen zu Hause arbeiten und lernen. Im vergangenen Quartal übersprangen die Macs die Marke von 9 Milliarden Dollar Umsatz und überholten sogar die – ebenfalls gutgehenden – Accessoires wie Apple Watch und AirPods in Apples Bilanz.

Vertikale Integration ist eines von Apples Erfolgsrezepten, die nicht so geheim sind. Dadurch, dass der Computerkonzern aus Cupertino wichtige Funktionen selbst erledigt, statt sie an Zulieferer auszulagern, gelingt es ihm, Hardware und Software eng aufeinander abzustimmen. Nun soll das auch bei den Macs passieren.

Weil Chipdesign und das neue Betriebssystem Big Sur aus einer Hand kämen, springe etwa der Bildschirm beim MacBook nun direkt beim Aufklappen an, Apps und Websites im Safari-Browser würden schneller laden, sagt Craig Federighi, Apples Vorstand für Software-Entwicklung. Anwendungen, die JavaScript nutzten, liefen eineinhalb Mal so schnell wie bisher.

Besonders wichtig ist das für die kreative Kernzielgruppe des MacBook Pro, in der die Apple-Geräte sakralen Status geniessen: Designer, Videokünstler oder Spieleentwickler. Der Zentralprozessor des M1 rechne auf dem Pro-Laptop fast dreimal so schnell, der Grafikprozessor sei fünfmal schneller.

Eine App für alle Apple-Geräte

Dazu fährt Apple eine Legion von Filmemachern, App-Entwicklern und den Musiker Fineas O’Connell, Bruder von Billie Eilish, auf. Die loben, wie leise und kühl der Laptop selbst nach Stunden Arbeit sei und dass der Akku Energie für 20 Stunden Videoabspielen hätte. «Länger, als ich überhaupt wach bleibe», ist das Urteil eines Neurotechnologen im Video, der den Computer via EEG-Elektroden mit seinem Kopf verbindet.

Die engere Integration der Macs ins Apple-Ökosystem soll auch andere Vorteile bringen: iPhone- oder iPad-Apps können nun auch auf dem Mac laufen und spiegeln den Trend des Home-Office-Zeitalters, in dem Arbeits- und Privatleben ineinanderfliessen, wenn die Arbeit auf dem Sofa mit dem Smartphone angefangen und am Mac auf dem Schreibtisch beendet wird.

Doch zahlreiche grosse App-Entwickler wie Google oder Facebook und beliebte Apps wie Candy Crush haben ihre Anwendungen noch nicht auf den neuen Mac Store abgestimmt, wie das Fachportal 9to5Mac berichtete.

Selbst Adobe Photoshop, eine der wichtigsten Apps für Designer, wird erst im kommenden Jahr auf den Mac abgestimmt. Bis dahin müssen derartige Apps mit einem Programm namens Rosetta kompatibel gemacht werden, was allerdings etwas von der neu gewonnenen Leistung kosten dürfte.

Das zeigt, dass der Umstieg auf eigene Chips ein Prozess für Apple ist. Selbst ohne Intel, den verschmähten Lieferanten, kommt der Mac-Hersteller noch nicht ganz aus. Der Analytiker Patrick Moorhead spottete auf Twitter, dass es das 13-Zoll-MacBook Pro für 300 Dollar mehr mit Intel-Chips gebe, die beispielsweise mehr Speicher hätten – in Deutschland sind es sogar 600 Euro.

«M1 ist der Einstiegsprozessor, Intel das höherwertige Produkt», schreibt der Chef der Analysefirma Moor Insights. Die 16-Zoll-Geräte laufen bis auf weiteres mit Intel-Chips. Der Deutsche-Bank-Analytiker Jeriel Ong rechnet damit, dass die eine Hälfte der verkauften Macs im kommenden Jahr M1-Chips haben wird, die andere Intel-Prozessoren.

Immerhin hält Apple die Preise seiner mit M1 ausgestatteten PC gegenüber den Vorgängermodellen konstant oder senkt sie sogar: Den Mac Mini gibt es künftig für 778 Euro, 112 Euro weniger als bisher. Das MacBook Air wird 1100 Euro kosten, das MacBook Pro 1412 Euro.

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