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Briten wollen Unterstützung für Kinder streichen – Reaktion dieses Fussball-Stars sitzt

watson.ch-Logo watson.ch 15.06.2020 Corsin Manser
Marcus Rashford im Trikot der englischen Nationalmannschaft: Der 22-Jährige setzt sich auch während der Fussball-Pause für seine Landsleute ein. © Kirsty Wigglesworth/keystone-sda.ch Marcus Rashford im Trikot der englischen Nationalmannschaft: Der 22-Jährige setzt sich auch während der Fussball-Pause für seine Landsleute ein.

Fussball-Stars werden gerne mit teuren Autos, langen Playstation-Nachmittagen und inhaltsleeren Interviews assoziiert. Bei einigen Aushängeschildern des am meisten gespielten Sports der Welt mögen diese Klischees zutreffen. Es gibt jedoch auch Beispiele, die zeigen, dass die Millionen-Saläre nicht allen zu Kopf gestiegen sind.

Einer, der die Bodenhaftung ganz sicher nicht verloren hat, ist Marcus Rashford. Der 22-Jährige stürmt für Manchester United und ist bereits 38 Mal für die englische Nationalmannschaft aufgelaufen.

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Rashford sammelt 20 Millionen Pfund

Die Corona-Krise hat auch den Alltag des Stürmerstars ziemlich auf den Kopf gestellt. Seit dem 8. März steht in England die Liga still. Erst diese Woche geht die Premier League weiter.

Untätig war Rashford in der Zwischenzeit indes nicht. Im Gegenteil: Zusammen mit Manchester United sammelte er während des Lockdowns über 20 Millionen Pfund für die Wohltätigkeitsorganisation «FareShare», welche Food Waste und Hunger bekämpft. Bis Ende Juni werden so voraussichtlich 3 Millionen Mahlzeiten an Menschen verteilt, die besonders unter der Corona-Krise leiden.

Für seinen Einsatz in der Umgebung von Manchester erhielt Rashford vergangene Woche den «High Sheriff Special Recognition Award».

Regierung will Unterstützung streichen

Rund fünf Millionen Menschen in Haushalten mit Kindern hatten Schwierigkeiten, während der Corona-Krise genügend Essen zu besorgen. Die britische Regierung griff den Menschen mit niedrigen Einkommen unter die Arme und verteilte ab März Gutscheine im Wert von 15 Pfund pro Woche. Kindern, die im Normalfall Gratis-Mahlzeiten in der Schule bekommen, konnte so geholfen werden.

Doch nun plant die britische Regierung, diese Unterstützung während den Sommerferien zu streichen. Für Marcus Rashford die falsche Entscheidung.

Rashfords Reaktion

In einem emotionalen Schreiben fordert der Fussballer, die Parlamentsmitglieder dazu auf, ihren Entschluss zu überdenken. In nur wenigen Stunden wurde der Aufruf zehntausende Mal geteilt.

Rashford, der als Kind selber von den Gratis-Mahlzeiten in der Schule abhängig war, sagt darin, dass er weiter dafür kämpfen werde, dass Kinder nicht hungrig sein müssten. «Nahrungsmittel-Armut in England ist eine Pandemie, die sich über Generationen erstrecken wird, wenn wir jetzt nicht handeln», so Rashford. Es gehe hier nicht um «Politik», sondern um «Menschlichkeit».

Gemäss der Wohltätigkeitsorganisation «Food Foundation» mussten in Grossbritannien 200'000 Kinder während des Lockdowns Mahlzeiten auslassen. Rashford schreibt: «Dies ist England im Jahr 2020, und dies ist ein Thema, das dringend Unterstützung benötigt. Bitte, während die Augen der Nation auf Sie gerichtet sind, machen Sie eine Kehrtwende und machen Sie den Schutz des Lebens einiger unserer Schwächsten zur obersten Priorität.»

Rashford blickt in seinem Schreiben auf seine eigene Kindheit zurück. Seine Mutter zog ihn und seine vier Geschwister alleine gross: «Meine Geschichte ist vielen Familien in England nur allzu vertraut: Meine Mutter arbeitete Vollzeit und verdiente einen Mindestlohn, um sicherzustellen, dass wir immer ein gutes Abendessen auf dem Tisch hatten. Aber das war nicht genug.»

Er habe in den vergangenen Wochen viele Tweets gelesen, in denen Leute die Eltern beschuldigten, unter solchen Umständen überhaupt Kinder zu bekommen. «Diesen Finger hätte man auch auf meine Mutter zeigen können, dennoch bin ich in einem liebevollen Umfeld gross geworden.»

Rashford schreibt abschliessend an die Parlamentarier: «Die Regierung handelt nach einem ‹Wir-Machen-Alles›-Prinzip, um die Wirtschaft zu retten – Ich bitte Sie heute, dasselbe Denken anzuwenden, um alle verletzlichen Kinder in England zu schützen. »

Die Antwort des Bildungsministeriums

Das Bildungsministerium reagierte auf Rashfords Schreiben und bestätigte, dass das Gutschein-Programm während der Sommerferien nicht fortgeführt wird. Man gehe davon aus, dass in den kommenden Wochen immer mehr Schulen wieder aufgingen und Mahlzeiten verteilen könnten.

Das Gesundheitsministerium verwies zudem auf ein 63-Millionen-Pfund schweres Hilfspaket, welches bedürftigen Personen helfen soll, die besonders unter der Corona-Krise leiden.

Ob die Parlamentarier ihre Entscheidung nochmals überdenken, ist derzeit nicht abzusehen. Der Druck auf sie ist mit Rashfords Schreiben jedenfalls merklich gestiegen. Der Fussballer sagte am Montagmorgen gegenüber der BBC, ob der Brief jetzt etwas verändere oder nicht, «ich weiss, dass ich das richtige gemacht habe, in dem ich versucht habe, diesen Menschen zu helfen.»

(cma)

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