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Das Wunder von Bern

Basler Zeitung-Logo Basler Zeitung 19.04.2020

Am 4. Juli 1954 wurde die deutsche Nationalmannschaft im Wankdorfstadion von Bern gegen die scheinbar übermächtige Elf von Ungarn erstmals Fussball-Weltmeister. 2003 kam die Geschichte der «Helden von Bern» auf die Kinoleinwand.

Am 4. Juli 1954 wurde die deutsche Nationalmannschaft im Wankdorfstadion von Bern gegen die scheinbar übermächtige Elf von Ungarn erstmals Fussball-Weltmeister. 2003 kam die Geschichte der «Helden von Bern» auf die Kinoleinwand.

Szene aus dem Film nach wahrer Begebenheit: Der deutsche Captain Fritz Walter nimmt den Weltpokal von FIFA-Präsident Jules Rimet entgegen. © Bild: Keystone Szene aus dem Film nach wahrer Begebenheit: Der deutsche Captain Fritz Walter nimmt den Weltpokal von FIFA-Präsident Jules Rimet entgegen.

Radioreporter Herbert Zimmermann ist ausser sich. Etwas mehr als 83 Minuten sind gespielt im Final der Fussballweltmeisterschaft 1954, es steht 2:2 zwischen Ungarn und Deutschland.Dann sorgt der Essener Stürmer Helmut Rahn für die Sensation und die Entscheidung des Spiels. Zimmermann schmettert die wohl berühmtesten Phrasen hinaus, die je ein Fussballkommentator von sich gegeben hat: «Er hat den Ball – verloren diesmal, gegen Schäfer, Schäfer nach innen geflankt – Kopfball – abgewehrt – aus dem Hintergrund müsste Rahn schiessen – Rahn schiesst! – Tooooor! Tooooor! Tooooor! Tooooor!»

Einige Minuten später pfeift Schiedsrichter Ling aus England die Partie ab. Deutschland ist erstmals Fussballweltmeister. Doch für das in dieser Form noch junge Land, in mehrerer Hinsicht gepeinigt durch die Jahre nach dem zweiten Weltkrieg, erstreckte sich die Bedeutung des Triumphs von Bern über rein sportliche Dimensionen hinaus.

Titel half Deutschland, den Krieg zu überwinden

Der WM-Titel löste in Deutschland einen lange nicht mehr da gewesenen Freudentaumel aus. Da der Titelgewinn zeitlich am Anfang des wirtschaftlichen Aufschwungs in Deutschland stand, wird er oftmals als die eigentliche Geburtsstunde der Bundesrepublik genannt. Das wegen des Krieges geächtete Deutschland gewann international wieder an Ansehen, Akzeptanz und Respekt.

Dass der erste WM-Titel der Deutschen gemeinhin als «Wunder» bezeichnet wird, hat viele Gründe. 1954 war die erste Teilnahme Deutschlands an einer Fussball-WM seit dem zweiten Weltkrieg. 1950 war man aufgrund der auferlegten Kriegsschuld vom Turnier ausgeschlossen worden.

Die deutsche Mannschaft war spielerisch ordentlich aufgestellt, die Kader von England, Brasilien oder Titelverteidiger Uruguay wurden beispielsweise jedoch als deutlich stärker eingeschätzt.

Absoluter Turnierfavorit war die ungarische Auswahl. Die «magischen Magyaren» haben bis zum WM-Final 1954 über vier Jahre kein Spiel mehr verloren, wurden Olympiasieger und waren damals die zweifellos stärkste Mannschaft der Welt.

Bereits in der Vorrunde bekam es die deutsche Elf mit den Ungarn zu tun. Im Basler Joggeli unterlag die Elf von Trainer Sepp Herrberger der Mannschaft um Starspieler Ferenc Puskás gleich mit 3:8.

Kein Wunder daher, dass die deutsche Auswahl als krasser Aussenseiter das Endspiel antrat, welches man mit den oft genannten «deutschen Tugenden» Kampf- und Teamgeist erreichte. Mut machte dem deutschen Team das regnerische Wetter, auf welchem die Ungarn ihr Spiel nicht so effizient entfalten konnten. Zudem konnte Deutschlands betagter Captain und bester Spieler, Fritz Walter, aufgrund seiner Malaria-Erkrankung vor allem bei Regenwetter Bestleistungen zeigen. So entstand der Ausdruck «Fritz-Walter-Wetter».

0:2 aus deutscher Sicht nach acht Spielminuten

Die Klatsche aus der Vorrunde vielleicht noch in den Köpfen, startete die deutsche Auswahl auch katastrophal in den Final. Nach acht Minuten lag man bereits mit 0:2 hinten. Alles deutete darauf hin, dass das Spiel den erwarteten Lauf nehmen würde.Die deutsche Mannschaft erholte sich jedoch, glich zehn Minuten später bereits aus, erzielte kurz vor Schluss das besagte Siegtor und schrieb Fussballgeschichte, während die ungarischen Ballkünstler in ihrer Heimat von Volk und kommunistischem Regime verschmäht wurden.

Es darf verwundern, dass es fast fünfzig Jahre dauerte, bis die Geschichte der Helden von Bern verfilmt wurde. Sönke Wortmann («Der bewegte Mann») nahm sich dem Projekt als Regisseur und Produzent 2003 schliesslich an. Der Film mit dem ikonischen Titel «Das Wunder von Bern» legt den Fokus jedoch nicht primär auf den Alltagsbetrieb der deutschen Nationalmannschaft und das Turnier selbst.

Im Mittelpunkt steht die Geschichte von Mattes Lubanski, einem Jungen aus Essen, dessen Familie von den Strapazen der Nachkriegszeit geprägt ist. Der elfjährige Knabe sieht Helmut Rahn als Vorbild und Vaterfigur und ist mit dem Stürmer des damaligen Spitzenvereins Rot-Weiss Essen befreundet. Die Beziehung der beiden führt sie bis nach Bern, in den Final der Weltmeisterschaft gegen Ungarn.

Der Film überzeugt vor allem durch die Entwicklungen und die Beziehungen der einzelnen Charaktere zueinander. Der Sport in Form der Fussballweltmeisterschaft dient als kontextuelles Bindeglied zwischen den verschiedenen Handlungssträngen, ohne dass er dabei zu kurz kommt. Ein Muss für jeden, der die Geschichte des Fussballsports schätzt und die besonderen Momente, die er schaffen kann. Auch wenn diese in «Das Wunder von Bern» teilweise erfunden sind.

Die BaZ-Serie «Sport in der guten Stube» gibt täglich Tipps für zu Hause, die dabei helfen sollen, die Corona-Zeit halbwegs sportlich zu überbrücken.

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