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«Das Boot» läuft wieder aus – aber lohnt sich das für uns Landratten?

watson.ch-Logo watson.ch 24.04.2020 Daniel Schurter
Bevor es auf «Feindfahrt» geht, ein wichtiger Hinweis: Dieser Review enthält Spuren von Adrenalin und Meerwasser, aber KEINE Spoiler zur 2. Staffel.

«Jetzt habt ihr auch mal Blut geleckt, ihr Jungfrauen!»

«Da sind 40 gute Männer an Bord.» – «Ja, beim Auslaufen waren sie das vielleicht.»

«Hol den Smut!»

Was läuft?

Die zweite Staffel der deutschen «Sky Original»-Produktion «Das Boot» ist ab Freitag für Serien-Fans in der Schweiz und Deutschland verfügbar. Die erste Staffel sorgte 2018 für Furore und wurde in 100 Länder weltweit verkauft. watson konnte die Fortsetzung der Erfolgsserie vorab anschauen.

Worum geht's?

Die Geschichte beginnt im Dezember 1942. Vom Stützpunkt an der französischen Atlantikküste läuft ein deutsches U-Boot in streng geheimer Mission aus. Mit an Bord: drei SS-Männer. Der Kapitän: ein kriegsmüder Kriegsheld.

Ein zweiter Handlungsstrang dreht sich um Nazi-Kollaborateure und jüdische Flüchtlinge im besetzten Frankreich. Und um einen Gestapo-Mann, der über Leichen geht.

Im Vergleich zur ersten Staffel kommt ein dritter Handlungsstrang hinzu, der in den USA spielt. Mitten in New York tummeln sich Nazis und Geschäftemacher. Und es wächst eine unmöglichen Liebe zwischen einem «gestrandeten» U-Boot-Kapitän und einer schwarzen Jazz-Sängerin.

Ist die Serie gut gemacht?

Absolut. «Das Boot» bietet auch in der Fortsetzung ziemlich grosses deutsches «Kino». Zur ersten Staffel will ich mich nicht im Detail äussern, nur so viel: Die starken Frauen an Land hatten da den Männern auf See einiges voraus.

Ingesamt würde ich «Das Boot» als Mischung aus Kriegsdrama, Thriller und Seifenoper bezeichnen. Die zwischenmenschlichen Konflikte nehmen (erneut) sehr viel Raum ein.

Auf ihre Kosten kommen U-Boot-Fans und Kenner des legendären Originals von Wolfgang Petersen aus den 1980ern: Bei der modernen Fortsetzung mangelt es nicht an epischen U-Boot-Szenen, sei dies an der Wasseroberfläche, auf Periskoptiefe oder während Schleichfahrten. Allerdings gelingt es wegen der drei Handlungsstränge nicht in gleichem Masse, die unausweichliche klaustrophobische Enge einer Zwangsgemeinschaft in einem «Stahlsarg» zu vermitteln.

Teilweise sind die Charaktere überzeichnet. Und die Serien-Macher übertreiben es mit symbolischen Bildern, obwohl sie dies nicht nötig hätten, angesichts der beeindruckenden Schauplätze, respektive perfekten Kulissen. Warum zum Beispiel muss einer der Akteure mit einem Aschenbecher erschlagen werden, der von SS-Runen geziert ist?

Wie war's wirklich?

Zur Erinnerung: «Das Boot» ist eine fiktive Erzählung. Die Macher der 1. Staffel gerieten trotzdem massiv unter Beschuss, weil sie laut Kritikern die Geschichte des Zweiten Weltkriegs in einem entscheidenden Punkt falsch erzählten. Dabei ging es um die angebliche Kriegs- und Rüstungsfinanzierung der Wehrmacht durch amerikanische Magnaten.

Bei der 2. Staffel werden solche Fehler tunlichst vermieden. Jedenfalls konnte ich keine historisch fragwürdigen Darstellungen erkennen, als ich die ersten sechs Folgen vorab (über die Screening-Plattform von Sky Deutschland) anschaute.

Wie gesagt, es stehen die zwischenmenschlichen Konflikte im Mittelpunkt. Wer sich für Geschichtliches und historische Fakten interessiert, sucht lieber im Internet. Dort gibt's auch gute Dokumentionen über die deutschen U-Boote.

Wer sich für packende Zeitdokumente und Schilderungen interessiert, wird auf der privaten Website von Carsten Corleis fündig. Dort erfährt man sehr viel über die berüchtigte Rudeltaktik der deutschen Weltkriegs-U-Boote, sie wurden deswegen auch als graue Wölfe bezeichnet. Dort erfährt man auch, dass sie häufig «oben» unterwegs waren.

«Vielfach glaubt man, dass ein U-Boot immer unter Wasser fährt, getaucht seine Torpedos verschiesst und nur auftaucht, um seine Batterien nachzuladen und der Besatzung eine Atempause zu gönnen, während die Ventilatoren die Räume des Bootes durchlüften. Bis zum Jahr 1945, dem Beginn des Atomzeitalters, war das nicht so. Über Wasser fuhren die Boote 16 bis 18 Knoten [bis zu 33 km/h], getaucht höchstens 7 Knoten. (...) Die Angriffe fanden in der Nacht statt.»

Muss man/frau «Das Boot» gesehen haben?

Ich würde nicht von einem Must-See reden. Aber die zweite Staffel bietet packende, handwerklich perfekt inszenierte und bildgewaltige Serien-Unterhaltung.

Auch schwere Themen werden angegangen, wie die Judenverfolgung und das Denunzieren im besetzten Frankreich, sowie die mutigen Taten der Résistance-Bewegung.

In der Preview-Version gefielen mir die sprachlichen Darbietungen auf Französisch (mit Untertiteln). Offenbar wurden viele Nebendarsteller in Frankreich selbst rekrutiert.

Anmerkung: Sky hat die erste Folge der zweiten Staffel am vergangenen Dienstag als Free-TV-Premiere auch für Nicht-Abonnenten gezeigt. Zu Werbezwecken in Corona-Zeiten. Ich will nur verraten, dass die zweite Staffel im weiteren Verlauf hammerhart einschlagen wird – wie ein Torpedo.

Was ist mit Sex und Gewalt?

Wie es sich für eine grosse Produktion gehört, kommen Nackt- und Sexszenen vor. Entblösste Genitalien und Frauenbrüste dürften höchstens ein paar prüde Amerikaner stören. Auch sexuelle Nötigung und Vergewaltigung werden thematisiert, bzw. inszeniert. Abgesehen davon halten sich die Gewaltdarstellungen in Grenzen, wobei doch einiges an Filmblut vergossen wird und ein paar Szenen so richtig an den Nerven zerren werden, versprochen!

Was ist nicht so gut?

«Der Spiegel» bringt es perfekt auf den Punkt:

«Deutlich leidet ‹Das Boot› wie andere Serien der Gegenwart daran, dass Geschichten in immer kleinteiligere Einheiten und Mini-Cliffhanger portioniert werden, sodass grössere Handlungsbögen darunter zu verschwinden drohen. Dahinter steht auch die Angst vor einem Zuschauer, der angesichts eines Überangebots von Fernsehunterhaltung schnell umschaltet.(...)‹Das Boot› ist zu einer internationalen Marke geworden, die in mehr als hundert Länder verkauft wurde. Damit geht auch ein stilistischer Gesichtsverlust einher, der nostalgisch stimmen kann.»

Wo läuft das?

Die zweite Staffel der Serie «Das Boot» ist ab 24. April 2020 immer freitags um 20.15 Uhr in Doppelfolgen auf Sky One HD zu sehen. Alle acht (knapp einstündigen) Episoden gibt's für Abonnenten des Streaming-Dienstes auf Abruf.

Muss man die 1. Staffel gesehen haben?

Nein, nicht zwingend. Auch wenn die 2. Staffel direkt ans Geschehen der 1. Staffel im Dezember 1942 anschliesst und viele wichtige Figuren in der Fortsetzung dabei sind.

Die 1. Staffel wurde Anfang 2020 vom ZDF als Free-TV-Premiere ausgestrahlt und ist gratis in der Online-Mediathek verfügbar, allerdings nur unter Zuhilfenahme eines VPN-Dienstes.

Das war der watson-Review zur ersten Staffel (2018):

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