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Die Pandemie bremst den chinesischen Online-Shop Aliexpress in der Schweiz

Neue Zürcher Zeitung-Logo Neue Zürcher Zeitung 29.12.2020 Natalie Gratwohl

Der Vormarsch der Alibaba-Tochter ist ins Stocken geraten. Aliexpress bietet Produkte deutlich günstiger an. Doch die Vorteile gegenüber Schweizer Online-Händlern schwinden.

Aliexpress ist zum viertgrössten Online-Shop in der Schweiz aufgestiegen. ; Andrey Rudakov / Bloomberg © Bereitgestellt von Neue Zürcher Zeitung Aliexpress ist zum viertgrössten Online-Shop in der Schweiz aufgestiegen. ; Andrey Rudakov / Bloomberg

Mit der Corona-Krise ist der Vormarsch von Aliexpress und anderen chinesischen Online-Shops in der Schweiz ins Stocken geraten. Wegen der Pandemie waren Lieferwege teilweise blockiert. Laut Schätzungen von Handelsverband.swiss sind die Kleinwarensendungen aus Asien 2020 vor allem wegen der Verwerfungen im Gütertransport um rund einen Fünftel eingebrochen. Bereits 2019 nahm die Zahl der Sendungen (kleine Pakete oder weich gepolsterte Umschläge) nach Jahren rasanten Wachstums leicht ab.

Dieser rückläufige Trend zeigt sich auch in der Umsatzentwicklung von Aliexpress. Im vergangenen Jahr erzielte die E-Commerce-Tochter von Alibaba laut Schätzungen der Beratungsfirma Carpathia hierzulande einen Umsatz von rund 500 Mio. Fr., 5% mehr als im Vorjahr. 2018 hatte Aliexpress den Umsatz noch um 70% gesteigert und im Jahr zuvor sogar verdoppelt.

Aliexpress ist 2019 zum viertgrössten Online-Shop in der Schweiz aufgestiegen, nach der Migros-Tochter Digitec Galaxus, Zalando und Amazon. Die Alibaba-Tochter erzielt hierzulande zwar weniger Umsatz als Amazon, ist in der Vergangenheit aber deutlich rascher gewachsen als der US-Konkurrent.

Alibaba bereitet mehr Sorgen

Den Schweizer Online-Händlern bereitet Aliexpress jedenfalls grundsätzlich mehr Sorgen als der US-Konkurrent Amazon. Ob Smartphone-Accessoires, Schmuck oder Haushaltsgeräte – bei Aliexpress sind die Produkte deutlich günstiger zu haben. Dies lässt sich unter anderem auf den Direktimport der Waren zurückführen. Aber auch Mehrwertsteuerregelungen und Posttarife spielen eine Rolle.

Trotz Regulierungsbestrebungen, die für gleich lange Spiesse zwischen in- und ausländischen Online-Händlern sorgen sollen, werden laut dem Geschäftsführer von Handelsverband.swiss, Patrick Kessler, chinesische Online-Händler bei der Mehrwertsteuer und bei den Zöllen vorläufig noch bevorzugt. Darüber hinaus profitierten chinesische E-Commerce-Anbieter beim Versand von günstigeren Posttarifen. Diese werden nun aber schrittweise angehoben, womit der Kostenvorteil der Anbieter aus dem Reich der Mitte schwindet. Zudem ist in Sachen Mehrwertsteuer per 1. Januar 2023 eine Gesetzesänderung geplant. Mit der Einführung der Plattformbesteuerung würde die steuerliche Wettbewerbsverzerrung aufgehoben, sagt Kessler.

Er rechnet nicht damit, dass die Kleinwarensendungen aus Asien substanziell weiter zunehmen werden. Schweizerinnen und Schweizer dürften in den kommenden Jahren aber mehr Vertrauen in chinesische Anbieter wie Aliexpress fassen und insbesondere Produkte mit einem höheren Warenwert bestellen.

Gleichzeitig haben Qualität und Produktesicherheit in China mittlerweile einen höheren Stellenwert, und die Online-Plattformen sind für Produktfehler und Fälschungen verantwortlich. Auch wenn Aliexpress künftig etwas weniger Produkte in die Schweiz liefern dürfte, erwartet Kessler, dass der Umsatz von Aliexpress im Zuge des höheren Warenwerts trotzdem weiter zulegen wird.

Keine Läden in der Schweiz

In dieses Bild passen auch die Aussagen der Alibaba-Tochter. Smartphone-Accessoires, Kopfhörer sowie Mode und Schmuck gehören demnach hierzulande zwar weiterhin zu den meistgekauften Produkten. Doch längst werden nicht mehr nur kleinere, günstige Produkte wie Handyhüllen bestellt. Am schnellsten wachsen laut Angaben von Aliexpress Produktkategorien wie Möbel, Hochzeiten und Events sowie Zubehör und Ersatzteile für Autos und Motorräder.

Dass es solche Waren in der Schweiz bald auch im Aliexpress-Laden zu kaufen gibt, ist allerdings nicht zu erwarten. Anders als in Spanien, wo die Alibaba-Tochter in Madrid und Barcelona Läden betreibt, plant das Unternehmen bis jetzt kein stationäres Geschäft. Zu den weiteren Plänen für den hiesigen Markt will sich das chinesische Unternehmen nicht in die Karten blicken lassen.

Die vertiefte Analyse zu Alibabas Geschäftsmodell und Internationalisierungsstrategie lesen Sie in NZZ PRO Global (www.nzz.ch/pro-global), unserem digitalen Spezialangebot für global Interessierte und Executives. Dort erscheint am Dienstag, dem 29. Dezember der zweite Teil zu Alibabas Verteilzentrum in Belgien und Aktivitäten in Spanien.

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