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Die SBB versuchen die Kunden mit neuen Sparangeboten zurück in die Züge zu bringen

Neue Zürcher Zeitung-Logo Neue Zürcher Zeitung 24.06.2020 Christof Forster, Bern

Trotz milliardenschweren Corona-Einbussen verzichtet der öffentliche Verkehr auf Preiserhöhungen. Neue Angebote für Kinder, junge Erwachsene und Kleingruppen sollen das Bahnfahren attraktiver machen. Inhaber von 2.-Klasse-Billetten können – je nach Verfügbarkeit – vergünstigt in die 1. Klasse wechseln.

Fast leer unterwegs - aber die Kosten laufen weiter. Trotz Einbussen wegen Corona verzichten die SBB ;auf Tariferhöhungen. Christian Beutler / Keystone © Bereitgestellt von Neue Zürcher Zeitung Fast leer unterwegs - aber die Kosten laufen weiter. Trotz Einbussen wegen Corona verzichten die SBB ;auf Tariferhöhungen. Christian Beutler / Keystone

Nur langsam kommen die Menschen wieder zurück in Züge, Busse und Trams. Vor allem am Wochenende und im Ausflugsverkehr zieht die Nachfrage nach dem Corona-bedingten Unterbruch wieder an. Der Fernverkehr hingegen verzeichnet nur die Hälfte der Kunden im Vergleich zum Vorjahr. Im Regionalverkehr sind es 60 Prozent. Bis Ende Jahr rechnen die Unternehmen des öffentlichen Verkehrs deshalb mit Ertragseinbussen von 25 bis 30 Prozent. Dies entspricht rund 1,5 Milliarden Franken. Insbesondere der Verkauf von Einzelbilletten ist in der Corona-Zeit fast komplett eingebrochen. Die Branche gehe erst gegen Ende 2021 von einer Rückkehr zu einer normalen Nachfrage aus, sagte Bernard Guillelmon, der Präsident der Branchenorganisation Alliance Swisspass, am Mittwoch vor den Medien.

Die zögerliche Rückkehr der Kunden führt Guillelmon auch auf Aussagen der Behörden zurück. Es sei problematisch, dass man lange gesagt habe, die Benutzung des öV sei gefährlich. Es sei derzeit schwierig, das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen, auch weil man nicht wisse, wie sich die Pandemie entwickeln werde.

Gruppen zwischen drei und neun Personen fahren günstiger

Nun versucht die Branche, die Kunden über den Preis anzusprechen. Trotz der Milliardeneinbusse verzichtet die Branche für 2021 auf Preiserhöhungen. Damit bleibt laut Guillelmon das Preisniveau seit vier Jahren im Schnitt stabil. Veränderungen im Sortiment, die teilweise schon länger angedacht waren, sollen nun den öV attraktiver machen.

So können Kunden künftig eine GA-Monatskarte kaufen, ohne dazu ein Halbtax-Abo zu benötigen. Damit will man die Hürde für den Umstieg auf den öffentlichen Verkehr senken. Die Einführung von Sparkleingruppen soll den öV gegenüber dem Auto finanziell interessanter machen. Wenn nur die Benzinkosten berücksichtigt werden, ist das Auto ab zwei Personen oft günstiger als die Bahn. Ab Frühjahr 2021 erhalten Gruppen zwischen drei und neun Personen vergünstigte Sparbillette. Sie funktionieren nach demselben Prinzip wie die heutigen Sparbillette für Einzelpersonen. Das Angebot richtet sich nach der Verfügbarkeit und der Belegung der Züge. Die Billette werden über die Website und Mobiltelefone verkauft.

Zwei Stunden länger in den Ausgang

Je nach Auslastung wird per Dezember 2020 auch der Wechsel von der 2. in die 1. Klasse günstiger. Der Klassenwechsel muss über die Website oder das Mobiltelefon gekauft werden. Änderungen gibt es ebenfalls im Angebot für Kinder. Künftig reisen Kinder bis sechs Jahre auch unbegleitet gratis. Diese Massnahme wird vor allem im Schülerverkehr zum Tragen kommen. Die Branche rechnet mit Ausfällen im hohen einstelligen Millionenbereich. Die Umsetzung erfolgt jedoch erst im Dezember 2021 – aus «technischen Gründen». Kinder zwischen sechs und sechzehn Jahren können die Kindertageskarte neu auch unbegleitet nutzen. Sie kostet 19 Franken in der 2. Klasse. Das bedeutet, dass Kinder bis zum 16. Geburtstag für maximal 19 Franken pro Tag reisen.

Gute Nachrichten gibt es für Jugendliche und junge Erwachsene, die lange in den Ausgang gehen. Das «seven25» ist an Samstagen, Sonntagen und allgemeinen Feiertagen neu bis 7 Uhr gültig (bisher bis 5 Uhr). Mit dem Abo, das monatlich 39 Franken kostet, erhalten junge Erwachsene bis 25 Jahre ab 19 Uhr freie Fahrt im öV. Um den Kostensprung vom GA Junior zum Erwachsenen-GA abzufedern, erhalten 25-Jährige künftig einen einmaligen Rabatt von 500 Franken. Hingegen wird das GA für Studenten zwischen 25 und 30 Jahren gestrichen. Damit korrigiere man eine Ungleichbehandlung innerhalb dieser Altersgruppe.

Entschädigung bei Verspätung

Eine wichtige Neuerung im öffentlichen Verkehr ist die Erweiterung der Rechte von Reisenden bei Verspätungen ab Januar 2021. Reisende haben künftig einen Anspruch auf Entschädigung bei Verspätungen. Beträgt die Verspätung am Reiseziel über eine Stunde, erhalten Reisende mit Einzel- und Streckenbilletten 25 Prozent des Fahrpreises zurück. Beträgt sie über zwei Stunden, werden 50 Prozent entschädigt. Auch Abonnementsinhaber werden bei Verspätungen entschädigt. Der Betrag richtet sich dabei am Tageswert des Abos aus.

Beträge unter 5 Franken werden nicht ausbezahlt. Das heisst, Billette werden erst ab einem Wert von 20 Franken (bei einer Verspätung von über einer Stunde) beziehungsweise 10 Franken (bei einer Verspätung von über zwei Stunden) entschädigt.

Dämpfer für SBB und Postauto

Einen Dämpfer erhielten SBB und Postauto vom Kanton Bern. Dieser hat die Gesuche für Kurzarbeit abgelehnt, wie SRF am Mittwoch gemeldet hat. SBB Cargo hingegen wurde die Kurzarbeit bewilligt. Beide Unternehmen prüfen das weitere Vorgehen. Das Parlament fordert vom Bundesrat eine Vorlage, um die Corona-bedingten Etragsausfälle abzufedern.

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