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Digitalbank Alpian nimmt grosse Hürde

Handelszeitung-Logo Handelszeitung 08.04.2021 Michael Heim
Private Banking aus der App: Vorschau auf der Website von Alpian © HZ/hec Private Banking aus der App: Vorschau auf der Website von Alpian

Der Ableger der Bank Reyl beschafft sich weiteres Kapital. Anders als andere Digitalbanken zielt Alpian auf vermögende Affluent-Kunden.

Schon bald dürfte eine spannende, neue digitale Bank an den Start gehen. Sie heisst «Alpian», wurde im Umfeld der Genfer Privatbank Reyl gegründet und wartet auf eine eigene Finma-Lizenz. Und nun hat sie auch finanziell eine grosse Hürde genommen, wie CEO Schuyler Weiss gegenüber der «Handelszeitung» ankündigt. In einer so genannten B-Serie konnte Alpian weitere 17 Millionen Franken Risikokapital aufnehmen, nachdem das Startup 2020 in einer ersten Runde bereits zwölf Millionen eingesammelt hat.

«Das war ein grosser Schritt für uns», so Weiss. «Das bringt uns dem eigentlichen Start näher.» Technisch gesehen, könnte Alpian morgen loslegen, würde nicht noch die Banklizenz ausstehen. «Wann effektiv loslegen können, entscheidet die Finma.»

Alpian unterscheidet sich klar von anderen Startups, auch wenn sie einiges mit Mobile-Banken wie Yapeal oder Neon gemeinsam hat. Wie diese setzt sie auf das Handy als primärer Kanal zum Kunden. Und genauso will sie das Banken-Alltagssortiment mit einer günstigen, selbst ausgegebenen Visa-Karte, guten Wechselkursen und einem flinken Zahlungsverkehr abdecken. Doch dann enden die Gemeinsamkeiten.

Zielpublikum sind Kunden mit einem sechsstelligen Nettovermögen

Alpian ziele auf das Segment der Mass-Affluent-Kunden, sagt Weiss. Konkret seien es Kunden mit einem Nettovermögen im sechsstelligen Bereich. Denn Alpian will mehr sein als ein Payment-Fintech. Als «hybride Bank» sollen die Kunden beim Startup auch ein Vollsortiment aus der Vermögensverwaltung erhalten. Von der Möglichkeit, Wertschriften zu handeln bis hin zum voll delegierten Vermögensverwaltungsmandat.

«Unsere Kunden werden jederzeit die Möglichkeit haben, mit Beratern zu reden.» Erste Berater seien bereits angestellt worden, sagt Weiss. Ferner komme in der Vermögensverwaltung die Zusammenarbeit mit Reyl zum Tragen, erklärt Weiss. So liefere die Privatbank die taktische Asset Allocation für die Mandatkunden. Ziel sei es, den Affluent-Kunden die Produkte und Dienstleistungen anzubieten, die sie normalerweise benötigen aber derzeit vielleicht nicht erhalten. Allerdings werde man keine Kredite anbieten. 

Bankchef Weiss ist gewissermassen ein Quereinsteiger. Als schweizerisch-amerikanischer Doppelbürger in den USA aufgewachsen, arbeitete er erst für IBM, später dann für Morgan Stanley. Erst seit 2017 lebt er in der Schweiz, ab 2018 arbeitete er für die Bank Reyl. Und so passt er zu einer Digitalbank, die ein wenig anders aufgestellt ist als andere. Entstanden ist Alpian «im Umfeld» von Reyl, wie es offiziell heisst. Die Bank ist zwar beteiligt, ist aber nicht alleinige Eigentümerin. Wer die Aktionäre sind, legt Weiss nicht offen. Nur so viel: Die meisten seien vermögende Privatinvestoren oder Family Offices. 60 Prozent der Investoren der Serie B hätten zudem schon in der ersten Runde Geld investiert.

Handout / © Bereitgestellt von Handelszeitung Handout /

Eher speziell ist auch die Geschichte der Bank Reyl. Das 1973 von Dominique Reyl gegründete Unternehmen hält erst seit 2010 eine Banklizenz. Zuvor war sie mit einer Effektenhändler-Lizenz unterwegs. Ende 2019 verwaltete Reyl – nach einem Starken Wachstum – rund 14 Milliarden Franken Kundenassets.

Über Reyl gehört Alpian ins Universum von Intesa Sanpaolo

Zu grossen Veränderungen kam es im vergangenen Jahr, als die Italienische Bank Intesa Sanpaolo bei Reyl einstieg und 70 Prozent der Aktien übernahm. Seither gehört Reyl zur zweitgrössten Bank Italiens, die Reyl nun mit ihren bisherigen Ablegern in der Schweiz fusionieren kann.

Weiss betont, dass Alpian unabhängig von Reyl operieren werde. «Wir werden mit einer eigenen Banklizenz reguliert sein und operativ von Reyl getrennt sein.» Aber natürlich werde man kooperieren, wo es sinn mache. «Mit unserem hybriden Modell können wir Kunden den Zugang zu Privatbanken-Knowhow verschaffen, die es sich nicht leisten könnten, direkt bei einer Privatbank Kunde zu werden.»

Die Gebühren der Bank legt weiss noch nicht offen. Das Angebot werde nicht kostenlos sein. «Aber der Nutzen wird die Kosten und die Erwartungen der Kunden sicher übersteigen.» Es sei auch möglich, Alpian nur für Debitkarten-, Devisen- und Zahlungstransaktionen zu nutzen.

Alpian ist das erste Startup, das auf Affluent-Kunden abzielt. Konkurrenten wie Neon, Zak oder Yapeal sprachen bisher eher klassische Retailkunden an. Allerdings dürfte Alpian nicht die letzte Bank sein, die dieses lukrative Segment der vermögenden Mittelschicht anvisiert. So ist bereits bekannt, dass die Basellandschaftliche Kantonalbank (BLKB) an einer digitalen Anlagebank arbeitet, die ebenfalls auf Affluent-Kunden zielen wird. Die Bank will demnächst konkreter über ihre Pläne informieren.

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