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Ein Pfad für jene, die man nicht sieht

BZ BERNER ZEITUNG-Logo BZ BERNER ZEITUNG 14.01.2022 Cornelia Leuenberger

Der Fischereiverein an der Emme Burgdorf wird 100 Jahre alt. Aus diesem Anlass stellen die Mitglieder einen Fischlehrpfad auf die Beine.

Adrian Menzi (l.) und Urs Schäppi erklären, wo die Stationen des Fischlehrpfades entstehen werden. © Foto: Nicole Philipp Adrian Menzi (l.) und Urs Schäppi erklären, wo die Stationen des Fischlehrpfades entstehen werden.

Schlafen Fische? Sind sie stumm? Was fressen sie? Haben sie Stress? Und welche Arten sind eigentlich in der Emme unterwegs?

Antworten auf diese und andere Fragen bekommen Interessierte schon bald auf einem Spaziergang an der Emme. Zwischen der Waldegg- und der Lochbachbrücke in Burgdorf richten die Mitglieder des Fischereivereins an der Emme Burgdorf einen rund 3,9 Kilometer langen Fischlehrpfad ein.

«Etwas, das bleibt»

«Unser Verein wird heuer 100 Jahre alt, und wir haben uns überlegt, wie wir dieses Ereignis feiern könnten», erklärt Urs Schäppi. Er ist bei den Burgdorfer Fischern für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig und erklärt im Vereinsgebäude an der Heimiswilstrasse: «Wir möchten etwas schaffen, das bleibt, zugleich den Leuten unser Hobby näherbringen und – vor allem – unser Wissen über Fische und ihre Lebensweise teilen.»

Denn Fische, sagt Schäppi, würden oft nicht wahrgenommen: «Man sieht sie halt nicht.» Dabei gebe es viel zu erfahren über die Geschöpfe im Wasser. Und darüber, was ihnen das Leben vereinfacht oder erschwert.

Mit QR-Code und Natel

Wer nun glaubt, die Fischer würden entlang der Emme einfach ein paar Schautafeln aufstellen und fertig, sieht sich getäuscht. «Am Anfang des Weges bei der Waldeggbrücke wird eine Tafel die Besucherinnen und Besucher begrüssen», erklärt Adrian Menzi, der für die didaktische Umsetzung des Pfades zuständig ist. Die übrigen Posten würden aus Pfosten mit QR-Code bestehen.

Die Emme bei der Waldeggbrücke in Burgdorf. Hier beginnt und endet der Fischlehrpfad. © Foto: Nicole Philipp Die Emme bei der Waldeggbrücke in Burgdorf. Hier beginnt und endet der Fischlehrpfad.

Nicht von ungefähr arbeiten die Fischer mit QR-Codes statt mit Stift und Papier: «Wir wollen vor allem junge Leute ansprechen», sagt Menzi. Als Lehrer weiss er, wie man Jugendliche ins Freie lockt: «Gib ihnen eine Aufgabe, die sie mit dem Handy erledigen können, und sie sind dabei.» So sind bei den 11 Posten hinter den Codes verschiedene Informationen, Bilder, Texte und Rätsel zu finden.

Buch und Malbuch

Natürlich haben die Verantwortlichen die älteren Semester nicht vergessen: «Für sie gibt es ein Buch mit allen Informationen.» Und für die Kleinen ein Malbüchlein. Ist der Weg einmal eröffnet, werden die Fischerinnen und Fischer auch Führungen anbieten, in deutscher und englischer Sprache, wie Menzi erwähnt. Auch hier setzt man auf die Jugend: «Unser Zielpublikum sind vor allem Schulklassen.» Der Pädagoge ist sicher, dass das Angebot auf Nachfrage stossen wird, nicht zuletzt darum: «Der Lehrplan sieht vor, dass der Unterricht vermehrt auch draussen stattfindet.»

Finanziert wird das Vorhaben einerseits durch Sponsoren, anderseits durch die Arbeit der Vereinsmitglieder. «20’000 Franken an Spendengeldern haben wir gesammelt», sagt Urs Schäppi. Für 30’000 Franken «oder eher mehr» werde Freiwilligenarbeit geleistet. So etwa durch Grafiker Gino Menzi, des Lehrers Sohn. Er hat für den Lehrpfad das «Ämmeli» entworfen, einen kleinen, freundlich lächelnden Fisch, den die Besucherinnen und Besucher auf dem Weg immer wieder antreffen werden.

Das «Ämmeli» taucht immer wieder auf. © Foto: Gino Menzi / PD Das «Ämmeli» taucht immer wieder auf.

Seinesgleichen sucht man in der Emme selbstverständlich vergebens – ausser, man glaubt an Fabeltiere. Aber wer schwimmt denn dort nun eigentlich? «Die Bachforelle und die Groppe», gibt Adrian Menzi zur Antwort. Diese beiden Arten gehören seit je in die Emme. Dann gibt es noch aus Zuchten entflohene Regenbogenforellen, die hier eigentlich nichts zu suchen haben. Von der Aare her verirren sich Alet, Barbe oder auch mal Karpfen. «Diese Fische sind aber selten unterwegs und nur etwa bis Utzenstorf zu finden, weiter hinauf kommen sie nicht.»

Und was fressen Bachforelle und Groppe? Selbstverständlich wissen Adrian Menzi und Urs Schäppi auch die Antwort auf diese Frage. Aber verraten wird sie hier nicht. Schliesslich gibt es bald einen Pfad, auf dem man das erfahren kann. Und auch, wie das ist mit dem Schlaf und dem Stress.

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