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Nach dem Erdbeben in der Ägäis steigt die Zahl der Toten auf 51, mehr als 800 Menschen werden verletzt

Neue Zürcher Zeitung-Logo Neue Zürcher Zeitung 01.11.2020

(dpa) Zwei Tage nach dem Erdbeben in der Ägäis ist die Zahl der Todesopfer auf 51 gestiegen, 49 davon in der Türkei, zwei auf der griechischen Insel Samos. Von mehr als 800 Verletzten seien rund 200 noch in Behandlung, teilte die türkische Katastrophenschutzbehörde Afad am Sonntag mit. Es gebe weiterhin Nachbeben. Zahlreiche Menschen in der türkischen Küstenstadt Izmir konnten auch die zweite Nacht in Folge nicht in ihre Häuser zurückkehren. Für sie seien 1800 Zelte errichtet worden.

In der westtürkischen Küstenstadt Izmir hat das Erdbeben ganze Gebäude einstürzen lassen. Tuncay Dersinlioglu / Reuters © Bereitgestellt von Neue Zürcher Zeitung In der westtürkischen Küstenstadt Izmir hat das Erdbeben ganze Gebäude einstürzen lassen. Tuncay Dersinlioglu / Reuters

Izmir ist besonders stark vom Erdbeben getroffen. Vier Gebäude waren vollständig eingestürzt. Die Rettungsarbeiten gingen auch am Sonntag weiter. Die Hoffnung, noch Überlebende zu finden, schwand stündlich.

Das erste Beben Freitagnachmittag hatte nach Angaben der türkischen Katastrophenbehörde eine Stärke von 6,6. Das Zentrum lag demnach in der Ägäis vor der türkischen Provinz Izmir. Die für Erdbeben zuständige US-Behörde USGS gab die Stärke des Bebens sogar mit 7 an.

Das Beben, das auch in Istanbul und Athen zu spüren war, löste nach Angaben der Behörden einen «Mini-Tsunami» aus, der sowohl auf der griechischen Insel Samos als auch an der türkischen Westküste Überschwemmungen auslöste. Das Potsdamer Helmholtz-Zentrum stufte den Tsunami als moderat ein, eine zweite grosse Welle blieb entgegen vereinzelter Warnungen aus. Aufnahmen aus Samos zeigten weggespülte Autos, die anschliessend quer auf der Strasse zum Stehen kamen; Läden und Keller wurden überschwemmt.

In Vathy auf der griechischen Insel Samos wurde nach dem Erdbeben die Strandpromenade überflutet. Handout / Reuters © Bereitgestellt von Neue Zürcher Zeitung In Vathy auf der griechischen Insel Samos wurde nach dem Erdbeben die Strandpromenade überflutet. Handout / Reuters

Türkische Stadt Izmir besonders stark betroffen

«Es fühlte sich an wie zehn Minuten, als würde es nie enden», sagte Gökhan Kan über die Dauer des Erdbebens in Izmir. «Ich hatte in diesem Moment nicht um mich selbst Angst, sondern um meine Familie, meine Frau und meinen vierjährigen Sohn.»

Über der Stadt stieg eine Zeit lang dichter weisser Rauch auf. Im Sender TRT war zu sehen, wie Rettungskräfte, Polizisten und Einwohner versuchten, sich mit Hilfe von Kettensägen und per Hand Zugang zu möglichen Verschütteten in einem komplett zerstörten siebenstöckigen Wohngebäude zu verschaffen.

Andernorts brach Jubel aus, als die Retter eine Frau aus den Trümmern zogen. Nach Angaben des Gouverneurs der Region Izmir, Yavuz Kösger, konnten insgesamt 70 Verschüttete lebend gerettet werden.

Auch griechische Insel Samos betroffen

Auf der griechischen Insel Samos wurden zwei Schüler im Alter von 15 und 17 Jahren von einer einstürzenden Mauer erschlagen, wie der Fernsehsender Ert berichtete. Mehrere Gebäude auf Samos wurden zerstört, mindestens vier Menschen wurden nach Behördenangaben verletzt. «Es herrschte Chaos», sagte der Vize-Bürgermeister der Insel, Giorgos Dionysiou. «So etwas haben wir noch nie erlebt.»

Die Bewohner von Samos waren dazu aufgerufen, die Nacht im Freien – gegebenenfalls in ihren Autos – zu verbringen. Griechische Geologen waren nicht sicher, ob es sich bereits um das Hauptbeben gehandelt hatte. Auch könnten stärkere Nachbeben manche ohnehin schon beschädigte Häuser endgültig zum Einsturz bringen, warnten sie.

Wie auf Samos trat auch in der dem Bebenzentrum am nächsten gelegenen türkischen Stadt Seferihisar das Meer über die Ufer und überflutete mehrere Strassen.

In der Kleinstadt Vathy gab es einen Tsunami. Griechische Fernsehsender zeigten Bilder von der überfluteten Küstenpromenade, wo das Wasser Autos wegspülte. Auch auf Bildern aus der Türkei waren überflutete Gassen zu sehen. Berichten zufolge hatte es auch dort einen kleinen Tsunami gegeben. In Teilen der betroffenen Regionen fiel der Strom aus. Laut dem Deutschen Geoforschungs-Zentrum (GFZ) in Potsdam erreichten die Wellen Höhen von mehr als 1,5 Metern. Sie könnten an der Küste womöglich bis zu drei Meter hoch auflaufen. Tilmann Frederik, Seismologe des Zentrums, sagte, das Beben habe sich in einer Gegend mit grosser tektonischer Aktivität ergeben. Das letzte Erdbeben dieser Stärke habe es in der Gegend in den Fünfzigerjahren gegeben. Erdbeben-Institute berichteten am Freitag über erste Nachbeben weiter westlich des Hauptbebens bis zur Stärke 5.

Immer wieder Erdbeben

In der Türkei gibt es immer wieder schwere Erdbeben, da das Land auf mehreren seismischen Platten liegt. Im Januar waren mehr als 40 Menschen nach einem Erdbeben der Stärke 6,7 in Elazig im Osten des Landes ums Leben gekommen. 2011 starben bei einem Beben der Stärke 7,1 in der Provinz Van mehr als 600 Menschen. Und 1999 kamen bei einem Beben der Stärke 7,4 mehr als 17 000 Menschen in Izmit, Istanbul und anderen Orten ums Leben.

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