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Experten erwarten harte Marktbereinigung in der Autoindustrie, öffentliche Banken kündigen Tarif-Pakt mit privaten Instituten – und weitere Wirtschaftsmeldungen

Neue Zürcher Zeitung-Logo Neue Zürcher Zeitung 16.06.2020

Experten erwarten harte Marktbereinigung in der Autoindustrie

(dpa) Die Corona-Krise wird in der Autoindustrie nach Einschätzung der Unternehmensberatung AlixPartners zu Übernahmen und einer knallharten Auslese führen. Die weltweiten Verkaufszahlen dürften dieses Jahr um 20 Millionen unter denen des Vorjahres liegen - «als wäre ein Markt von der Grösse Europas über Nacht verschwunden», erklärte sie in einer am Dienstag veröffentlichten Studie. Die Erholung werde Jahre dauern. Die Folge sei «Darwinismus» in der Branche: «Nur die finanz- und innovationsstarken Hersteller und Zulieferer überstehen die bevorstehende Marktbereinigung.»

Eine Reduzierung auf bis zu zehn grössere Autohersteller sei möglich, «mit Tesla auf dem Weg in diese Gruppe». Die deutschen Autobauer dürften zu den Überlebenden gehören, sagte Elmar Kades, Leiter der Autosparte bei AlixPartners, der Deutschen Presseagentur: «Bei der Elektrifizierung und der Software gibt es zwar heftige Geburtswehen, aber sie sind stark genug, es zu schaffen.»

Die Renditen seien wegen der Investitionen in neue Technologien schon seit Jahren im Sinkflug. Die Corona-Krise wirke nun wie ein Brandbeschleuniger. «Die Autobranche insgesamt wird dieses Jahr wohl keine Gewinne erwirtschaften», sagte Kades. Mit einem Einbruch von 21 auf 14 Millionen verkaufte Fahrzeuge habe Europa den stärksten Einbruch zu verkraften. Das Vor-Krisen-Niveau dürfte hier erst in fünf Jahren wieder erreicht werden.

Nach aktuellem Stand dürften die meisten Hersteller die CO2-Ziele für 2021 verfehlen, Strafzahlungen drohten. Die bis 2024 angekündigten Investitionen in Elektromobilität in Höhe von 234 Milliarden Dollar dürften angesichts der Umsatzeinbrüche deutlich reduziert werden. «Jetzt ist die Zeit, alles infrage zu stellen», die Modellvielfalt zu reduzieren und die Transformation zu beschleunigen, sagte Kades. Der Anteil elektrifizierter Fahrzeuge werde 2025 weltweit 12 Prozent betragen: in Europa 20 Prozent, in China 18 und in den USA 8 Prozent.

Öffentliche Banken kündigen Tarif-Pakt mit privaten Instituten

(Bloomberg) Der Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB) verhandelt künftig die Tarifverträge seiner Institute eigenständig mit den Gewerkschaften. Die Verhandlungsgemeinschaft mit dem Arbeitgeberverband des privaten Bankgewerbes - dem AGV Banken - werde zum Jahresende 2020 gekündigt, hiess es in einer Mitteilung vom Montag.

Der VÖB hatte zuvor den Verlauf der zurückliegenden Tarifrunden analysiert. Nach Überzeugung des Vorstandes sei es schwieriger geworden, die Interessen der öffentlichen und privaten Banken zu vereinigen. Diese Entwicklung schade «Beschäftigten wie Arbeitgebern gleichermassen», erklärte der Verband, ohne ins Detail zu gehen.

Die Mitgliederversammlung des VÖB hatte vergangenes Jahr den Vorstandsvorsitzenden der NRW Bank, Eckhard Forst, zum Präsidenten gewählt. Der Verband vertritt die Interessen von 59 Mitgliedern, darunter die Landesbanken sowie die Förderbanken des Bundes und der Länder.

Hinter dem AGV Banken stehen unter anderem die Deutsche Bank AG und die Commerzbank AG.

BP erschreckt mit Abschreibung in Milliardenhöhe: Erdöl könnte noch schneller an Wert verlieren

Konzernchef Bernard Looney möchte BP bis zum Jahr 2050 weitaus klimafreundlicher machen. Luke Macgregor / Reuters © Bereitgestellt von Neue Zürcher Zeitung Konzernchef Bernard Looney möchte BP bis zum Jahr 2050 weitaus klimafreundlicher machen. Luke Macgregor / Reuters

bet. London · Die voraussichtlich gedämpfte Nachfrage nach Erdöl in den kommenden Jahrzehnten zwingt den Konzern BP zu einer Buchkorrektur von selten gesehenem Ausmass. Das britische Unternehmen wird Wertberichtigungen auf seine Erdölfelder und Anlagen zwischen 13 Mrd. und 17,5 Mrd. $ nach Steuern vornehmen, wie es am Montag mitteilte. Das entspricht bis zu 20,9 Mrd. Fr. und ist die grösste Abschreibung des Konzerns seit dem Untergang der Bohrplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko im Jahr 2010. Nicht nur werde der Klimawandel die Energienachfrage zulasten von fossilen Brennstoffen weiterhin verändern, hiess es zur Begründung, sondern der Trend dürfte sich durch die Covid-19-Pandemie noch beschleunigen.

Geringere Nachfrage bedeutet geringere Preise: BP rechnet bis zum Jahr 2050 neu mit einem durchschnittlichen Erdölpreis von 55 $ je Fass. Das ist fast ein Drittel weniger als der Konzern im vergangenen Jahr als Berechnungsgrundlage genommen hatte. Auch der erwartete Erdgaspreis wird in ähnlichem Ausmass gesenkt. Durch die niedrigeren Preise lohnt sich die Erschliessung gewisser Vorkommen nicht mehr, und bereits angezapfte Vorkommen werden weniger rentabel. Zuvor hatte BP im Branchenvergleich sehr optimistische Preisannahmen zur Kalkulation gemacht. Nun könnte zum Beispiel der Wert von Vorkommen in der frühen Erschliessungsphase, der per Ende März mit 14 Mrd. $ angegeben wurde, um bis zu 10 Mrd. $ gesenkt werden.

Wenn auch nicht in dieser Höhe, so waren die Abschreibungen doch zumindest grundsätzlich ein zu erwartender Schritt im laufenden Umbau von BP. Der neue Konzernchef, Bernard Looney, möchte das Unternehmen bis zum Jahr 2050 weitaus klimafreundlicher machen. Jede Emission durch die Förderung und Verarbeitung fossiler Brennstoffe soll ausgeglichen werden sowie der relative Schadstoffausstoss durch den Verbrauch bei den Kunden immerhin um die Hälfte sinken. BP verfolgt damit das ambitionierteste Klimaziel der Branche. Looney hat hierfür eine tiefgreifende Restrukturierung, einen stärkeren Fokus auf Erdgas zulasten von Erdöl und die Erschliessung neuer, «grüner» Geschäftsfelder in Aussicht gestellt. Details sollen im September folgen.

Dann wird bereits klar sein, ob die enormen Wertberichtigungen dem Unternehmen im zweiten Quartal den höchsten Vierteljahrverlust der Geschichte eingebrockt haben. Die Korrekturen haben zwar keine direkten Auswirkungen auf das operative Geschäft, werden aber die Vermögenswerte schrumpfen und damit die relative Schuldenlast stark ansteigen lassen. Analytiker bezweifeln, dass BP an der Höhe der Dividende festhalten kann, die traditionell eine entscheidende Rolle für Investoren spielt. Der grössere Konkurrent, Shell, hatte im Frühjahr zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg die Ausschüttung gekürzt. Doch wenn es um die niedrigere Bewertung der Rohölvorkommen geht, sind es nun die Wettbewerber, die BP demnächst nachfolgen dürften.

Deutsche Regierung steigt beim Impfstoff-Entwickler Curevac ein

Die deutsche Regierung übernimmt ;23 Prozent am Tübinger Impfstoffentwickler Curevac. Matthias Hangst / Getty Images Europe © Bereitgestellt von Neue Zürcher Zeitung Die deutsche Regierung übernimmt ;23 Prozent am Tübinger Impfstoffentwickler Curevac. Matthias Hangst / Getty Images Europe

(awp/sda/dpa) In der Corona-Krise ruhen grosse Hoffnungen und Erwartungen darauf, dass bald ein Impfstoff gefunden werden kann. Nun beteiligt sich der deutsche Staat an einem Unternehmen, das daran arbeitet.

Der Bund steigt beim Tübinger Biotech-Unternehmen Curevac ein, das unter anderem einen Impfstoff gegen das Coronavirus entwickelt. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sagte am Montag, für 300 Millionen Euro übernehme die bundeseigene Förderbank KfW rund 23 Prozent der Anteile.

Ziel sei, dem Unternehmen von Mehrheitseigner Dietmar Hopp finanzielle Sicherheit zu geben. Der Staat wolle keinen Einfluss auf geschäftspolitische Entscheidungen nehmen.

Altmaier sagte, die Beteiligung sei zugleich industriepolitisch von hoher Bedeutung. Wichtige Forschungsergebnisse und Technologien würden in Deutschland und Europa gebraucht. Hintergrund sei auch das Konjunktur- und Zukunftspaket der Bundesregierung in der Corona-Krise.

Hopp erklärte, er freue sich, dass auch von staatlicher Seite die Bedeutung der Biotechnologie erkannt und diese Schlüsselindustrie über die frühe Forschung hinaus unterstützt werde.

Weltweit gab es nach Angaben des Verbands forschender Pharma-Unternehmen (vfa) vom Mai mehr als 120 Impfstoff-Projekte, von kleinen Firmen wie Biontech aus Mainz oder Curevac in Tübingen bis zu Konzernen wie Sanofi und GlaxoSmithKline. Doch wann eine Impfung zugelassen wird, weiss derzeit niemand.

Modekette Hennes & Mauritz brechen wegen Corona die Umsätze weg

Die Schliessung von Filialen hat empfindliche Folgen für ;H&M. Jan Huebner/Imago ; © Bereitgestellt von Neue Zürcher Zeitung Die Schliessung von Filialen hat empfindliche Folgen für ;H&M. Jan Huebner/Imago ;

(awp/sda/dpa) Der schwedischen Modekette Hennes & Mauritz (H&M) sind wegen der Corona-Krise im zweiten Geschäftsquartal die Umsätze weggebrochen. Die Erlöse sanken zwischen März und Mai im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um die Hälfte.

Sie betrugen noch 28,66 Mrd. schwedische Kronen (2,9 Mrd. Fr.), wie der Konzern am Montag in Stockholm mitteilte. Im Zuge der Pandemie musste der Modekonzern weltweit Filialen schliessen.

Mitte April waren davon rund 80% der Läden betroffen. Mittlerweile seien es nur noch 18%, hiess es. Bereits Anfang April hatte der Konzern angekündigt, dass er für das zweite Quartal einen Verlust erwartet. Den vollständigen Halbjahresbericht veröffentlicht das Unternehmen Ende Juni.

CS-Ökonomen senken BIP-Prognosen für 2020 auf -4 Prozent

(awp/sda) Die Ökonomen der Credit Suisse haben ihre Prognose für die Schweizer Konjunktur im laufenden Jahr leicht nach unten revidiert. Damit sind sie aber immer noch optimistischer eingestellt als Kollegen anderer Institute und Forschungsstellen.

Für das laufende Jahr rechnen die Wirtschaftsexperten der Grossbank neu mit einem Rückgang des Bruttoinlandprodukts (BIP) von 4,0 Prozent, wie einer am Montag veröffentlichten Studie zu entnehmen ist. Zuletzt, Mitte April, waren sie noch von einem Rückgang von 3,5 Prozent ausgegangen. Für das kommende Jahr stellen sie aber unverändert ein Wachstum von 3,5 Prozent in Aussicht.

Mit ihren Prognosen heben sich die Ökonomen der CS von jenen anderer Kollegen ab. So erwarten beispielsweise die Experten der UBS für 2020 ein BIP-Rückgang von 5,5 Prozent und die OECD rechnet gar mit -7,7 Prozent.

Aber auch die Experten der CS gehen davon aus, dass die Erholung insgesamt schleppend verlaufen wird, mit einem Konjunkturprofil, das einem «schiefen V» ähnelt. Das BIP-Niveau von Ende 2019 werde erst Ende 2021 wieder erreicht, heisst es weiter.

Immerhin konstatieren die Wirtschaftsexperten der CS, dass sich mit der Lockerung des Lockdowns erste Erholungszeichen zeigen. So habe beispielsweise der Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor bereits knapp die Hälfte seines Einbruchs wieder gutgemacht und die finanzielle Verfassung der meisten Haushalte sei besser, als dies der Wirtschaftseinbruch während dem Lockdown erwarten liesse.

Der Einkommensverlust der Haushalte wird jedoch aufgrund von Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit gemäss Berechnungen der Ökonomen der Credit Suisse nicht vollständig durch staatliche Zahlungen kompensiert. Deshalb dürften die Haushaltseinkommen 2020 um knapp 5 Prozent fallen.

Indessen schätzen die Ökonomen, dass die Haushalte während des Lockdown 20 Prozent weniger ausgegeben haben, sodass netto dennoch zusätzliche Mittel angespart werden. Konkret schätzen sie, dass die Haushalte zwei Drittel der akkumulierten Mittel, also rund 5,5 Milliarde Franken, wieder in den Umlauf bringen werden. Damit würde rund die Hälfte des Konsumeinbruchs wieder wettgemacht.

Gemäss den Ökonomen der Credit Suisse kann die Schweiz den markante Anstieg der Staatsschulden zudem problemlos verkraften. Zwar würden die bisher gesprochenen Massnahmen ein massives Defizit im Haushalt des Bundes verursachen. Indes sei die erwartete Neuverschuldung wegen der hohen Barbestände des Bundes wesentlich geringer als das Defizit, heisst es weiter.

Unter der Annahme, dass der Schuldenstand der Kantone und Gemeinden unverändert bleibt, würde sich gemäss Schätzungen der CS-Ökonomen die Schuldenquote von 26,7 Prozent im Jahr 2019 auf 34,1 Prozent im Jahr 2020 erhöhen. Damit würde die Schweiz auch nach der Corona-Krise die Maastricht-Kriterien der Euro-Zone ohne Weiteres erfüllen.

Angesichts dieser Umstände ist es gemäss den Ökonomen der Credit Suisse ratsam, den pandemiebedingten einmaligen Anstieg der Staatsschulden zu akzeptieren und keinen raschen, potenziell wachstumshemmenden Schuldenabbau zu erzwingen. Konkret gehen sie in einer Simulation davon aus, dass die Schuldenquote des Bundes bereits innert 17 Jahren wieder auf ihr Niveau von 2019 fallen könnte.

Chinas Industrie steigert Produktion langsamer als erwartet

(reu) In China kommt die Industrie nach den Coronavirus-Beschränkungen nur langsam wieder in Fahrt. Im Mai wuchs die Produktion um 4,4 Prozent im Jahresvergleich, wie amtliche Daten am Montag zeigten. Der Zuwachs fiel allerdings geringer aus, als in der Finanzwelt erwartet worden war. Analysten hatten mit einem Wachstum gegenüber dem Vorjahr von fünf Prozent gerechnet, da mehr Unternehmen ihre Produktion wieder aufgenommen hatten. Diese Daten deuten nunmehr darauf hin, dass die Wirtschaft Chinas nach der Coronavirus-Krise immer noch darum kämpft, wieder auf Kurs zu kommen.

Die Einzelhandelsumsätze Chinas gingen zudem um 2,8 Prozent zurück. Hierbei lag die Schätzung der Analysten bei rund minus zwei Prozent. Der Umsatz ist damit vier Monate in Folge gesunken, da Geschäfte, Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten während der Coronavirus-Pandemie geschlossen waren und die Verbraucher trotz der Wiedereröffnung zurückhaltend bleiben.

Volkswagen plant Wiedereröffnung seiner Werke in Mexiko

(reu) Der deutsche Autobauer Volkswagen (VW) und seine Tochter Audi wollen am Dienstag mit den Vorbereitungen zur Wiedereröffnung nach dem Produktionsstopp infolge des Coronavirus-Ausbruchs in Mexiko beginnen. Dies teilte der Konzern in der Nacht auf Montag mit.

Volkswagen will seine Werke in Mexiko wieder öffnen. ; Leonhard Foeger / Reuters © Bereitgestellt von Neue Zürcher Zeitung Volkswagen will seine Werke in Mexiko wieder öffnen. ; Leonhard Foeger / Reuters

Die Arbeiter würden in das Werk in Puebla zurückkehren, um «die Vorbereitung und Ausbildung für einem schrittweisen Start weiter voranzutreiben», hiess es. VW hatte vergangene Woche noch erklärt, er sei wegen Bedenken bezüglich des Coronavirus-Ausbruchs nicht bereit, die Produktion an dem Standort wieder hochzufahren. Mexiko hat offiziellen Angaben zufolge bisher mehr als 17 000 Todesfälle infolge von Covid-19 registriert.

Orascom DH rutscht noch tiefer in die roten Zahlen

(awp/sda) Orascom DH hat im ersten Quartal 2020 die Coronakrise zu schaffen gemacht. Unter dem Strich rutschte der Immobilienentwickler und Hotelbetreiber noch tiefer in die roten Zahlen.

Während die Hotelschliessungen im März auf das Ergebnis drückten, zeigte sich bei den Immobilien eine leichte Belebung. Der Umsatz der Gruppe ging im ersten Quartal um 5,3 Prozent auf 92,9 Millionen Franken zurück, wie die Gesellschaft des ägyptischen Investors Samih Sawiris am späten Sonntagabend mitteilte.

Der bereinigte Betriebsgewinn auf Ebitda-Stufe, bei dem Währungseinflüsse, Sondereffekte und Wertberichtigungen ausgeklammert sind, sank um 26 Prozent auf 15,2 Millionen. Unter dem Strich resultierte ein Verlust nach Minderheiten von 4,9 Millionen, nach einem Fehlbetrag von 1,9 Millionen im Vorjahr.

Bei den Hotels brachen die Umsätze um 23 Prozent auf 35,8 Millionen ein. Nach einem guten Jahresstart seien im März mit den verordneten Schliessungen ein Grossteil der Erträge weggebrochen. Ausserdem seien alle Veranstaltungen und Konferenzen an den verschiedenen Destinationen abgesagt worden.

Einen besseren Auftakt ins 2020 hatte die Immobiliensparte, bei der die Nettoverkäufe um 1,8 Prozent auf 107,7 Millionen zulegten. Der Zuwachs sei vor allem auf Verkäufe in Ägypten, namentlich in El Gouna und im «O-West-Projekt» in Kairo, zurückzuführen, schreibt die Gruppe. Den zurückgestellten Verkaufsumsatz - also Einnahmen die bis 2023 umsatzwirksam werden - beziffert das Unternehmen auf 530 Millionen Franken nach 300 Millionen im Vorjahr.

Im Immobilienbereich habe das positive Momentum auch in den Monaten April und Mai weiter angehalten, heisst es weiter. Auch bei den Hotels seien die Belegungsraten nach der Wiederaufnahme des Betriebs «vielversprechend» und zeigten einen positiven Trend. Zudem gebe der Buchungsstand für die Wintersaison in Ägypten und Oman Anlass zu Optimismus.

Einen Ausblick auf das laufende Jahr gibt die Gruppe weiterhin nicht ab. Dank verschiedener Massnahmen zur Sicherung der Liquidität und einer starken Bilanz sieht sich das Unternehmen aber gut gerüstet, um gestärkt aus der Krise hervor zu kommen.

Fed-Banker Kaplan: Systemischer Rassismus verlangsamt US-Wirtschaftswachstum

(reu) Systemischer Rassismus und hohe Arbeitslosenquoten bei Afro- und Hispanoamerikanern bremsen die US-Konjunktur nach Einschätzung eines amerikanischen Notenbankers. Eine offenere Volkswirtschaft, in der jeder eine Chance habe, bedeute ein schnelleres Wachstum der Erwerbsbevölkerung und der Produktivität. Dies sagte der Chef des Notenbank-Ablegers in Dallas, Robert Kaplan, am Sonntag (Ortszeit) dem Sender «CBS». Eine solche Entwicklung sei im Interesse der USA. Die am schnellsten wachsenden demographischen Gruppen in diesem Land seien die Afro- und Hispanoamerikaner. Falls diese nicht gleichermassen partizipieren könnten, würden die USA langsamer vorankommen, sagte er.

Mit seinen Äusserungen stiess Kaplan ins gleiche Horn wie der amerikanische Notenbanker Raphael Bostic, der rund drei Wochen nach der Tötung des Afroamerikaners George Floyd bei einem Polizeieinsatz in Minneapolis ein Ende des Rassismus forderte. Bostic ist der einzige Afroamerikaner in der Führungsspitze der Federal Reserve. Die Fed könne eine wichtige Rolle dabei spielen, die Ungleichheit zwischen Schwarzen und Weissen zu verringern und eine integrativere Wirtschaft zu schaffen, schrieb Bostic, der Präsident des Notenbank-Bezirks von Atlanta ist, am Wochenende. Die Wirtschaft müsse «für alle Amerikaner funktionieren».

Italien entscheidet über Atlantias Autobahnkonzession in 15 Tagen

(reu) Die italienische Regierung will bis Ende Juni über die Autobahnkonzession des Infrastrukturkonzerns Atlantia entscheiden. Man habe eine umfangreiche Prüfung eingeleitet und wolle innerhalb von 15 Tagen zu einem Beschluss kommen. Dies sagte Verkehrsministerin Paola De Micheli am Sonntag dem Sender «Rainews24». Die Atlantia-Tochter Autostrade per l’Italia (ASPI) ist für gut 3000 Kilometer an Autobahnen und Schnellstrassen in Italien zuständig und kassiert dafür Mautgebühren.

Insider hatten zuvor berichtet, die Gruppe sei in Gesprächen mit der italienischen Regierung, um einen erbitterten Streit über ihre Autobahnkonzession zu beenden, nachdem eine von ihr betriebene Brücke im Jahr 2018 zusammengebrochen war und 43 Menschen getötet hatte. Die Regierung in Rom drohte mit dem Entzug der Konzession.

Sánchez setzt sich für Spanierin Calviño als Eurogruppen-Chefin ein

Würde die spanische Wirtschaftsministerin Nadia Calviño im Juli tatsächlich zur Vorsitzenden der Eurogruppe gewählt, wäre sie erste Frau, welche die Geschicke der 19 Euro-Länder koordiniert. Kiko Huesca / Imago © Bereitgestellt von Neue Zürcher Zeitung Würde die spanische Wirtschaftsministerin Nadia Calviño im Juli tatsächlich zur Vorsitzenden der Eurogruppe gewählt, wäre sie erste Frau, welche die Geschicke der 19 Euro-Länder koordiniert. Kiko Huesca / Imago

(dpa) Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez hat sich für seine Wirtschaftsministerin Nadia Calviño als neue Vorsitzende der Eurogruppe ausgesprochen. Der Posten muss mitten in der Corona-Krise neu besetzt werden, nachdem der bisherige Vorsitzende, der Portugiese Mário Centeno, vergangenen Dienstag als Finanzminister seines Landes zurückgetreten war. Somit steht auch fest, dass der 53 Jahre alte Volkswirt in Brüssel nach Ende seines zweieinhalbjährigen Mandats am 13. Juli nicht weitermacht. Der einflussreiche Eurogruppen-Chef organisiert die Beratungen der Finanz- und Wirtschaftsminister der Währungsgemeinschaft und lotet bei strittigen Themen Kompromisse aus.

Sánchez bezeichnete es als eine Ehre, dass Calviño für ein derart wichtiges Amt in Frage komme. «Natürlich wäre die spanische Regierung sehr an einer solchen Aufgabe interessiert», betonte der linke Regierungschef bei einer Video-Pressekonferenz am Sonntag. Nun werde man mit den europäischen Partner erörtern, ob diese Kandidatur Aussichten habe. «Aber ich sehe das sehr wohlwollend», betonte er.

Calviño wäre die erste Frau, die die Geschicke der 19 Euro-Länder koordiniert. Sie hat bereits langjährige Erfahrungen in der EU-Kommission in Brüssel gesammelt. Sie ist seit Mitte 2018 Wirtschaftsministerin. Über die Nachfolge Centenos soll in der Juli-Sitzung der Eurogruppe entschieden werden. Offiziell sind noch keine Bewerbungen bekannt.

Autokonzernen droht Entlassungswelle

Der Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht die Autoindustrie in Deutschland von Kurzarbeit in die Entlassungswelle steuern. Von Januar bis Ende Mai 2020 seien in den inländischen Werken nur noch knapp 1,2 Millionen Autos hergestellt worden - 44 Prozent weniger als im Vergleich zum Vorjahr.

Weil die Nachfrage in Europa, Afrika und Südamerika schwach bleibe, rechnet Dudenhöffer für das Gesamtjahr mit einem Rückgang der Produktion in Deutschland um 26 Prozent auf 3,4 Millionen Autos. Das wäre der niedrigste Wert seit 1974.

«Nach unserer Einschätzung kostet die Krise in Deutschland gut 100 000 Arbeitsplätze in der Automobil- und Zulieferindustrie», sagte der Professor. Das Konjunkturpaket der Bundesregierung gebe der Branche kaum Impulse, weil es mit Elektroautos nur einen Nischenmarkt fördere.

Dass die SPD eine Autoprämie für moderne Verbrenner vereitelt habe, sei für die deutschen Autobauer und Zulieferer ein grosses Handicap. Mit einem grossen Konjunkturpaket hätten sie in Deutschland 300 000 Autos mehr herstellen und verkaufen können.

IG Metall befürchtet Insolvenzwelle infolge der Corona-Krise

Im Kampf gegen eine durch die Corona-Krise möglicherweise drohende Insolvenzwelle hat die IG Metall weitere Konjunkturhilfen empfohlen. «Wenn das Konjunkturpaket, das viele gute und wichtige Punkte enthält, nicht in der Breite wirkt (...), dann müssen wir im Herbst noch einmal darüber reden, ob wir nicht nachsteuern müssen», sagte IG Metall-Chef Jörg Hofmann dem «Tagesspiegel» (Samstag). Gerade bei den Zulieferern in der Automobilindustrie sei die Insolvenzgefahr in Deutschland stark gestiegen. «Unsere jüngste Umfrage zeigt: Über 80 000 Beschäftigte in 270 Betrieben sind in hoher oder akuter Insolvenzgefahr.» Er fügte hinzu: «Und diese Zahlen steigen.»

Durch den beschlossenen Verzicht auf eine an den Emissionen orientierte Kaufprämie für Autos und die stattdessen erfolgende Mehrwertsteuersenkung ab Juli werde keine vernünftige Klimaschutz-Lenkungswirkung erreicht, sagte Hofmann. «Jetzt wird selbst der Verkauf von alten Gebrauchtwagen und SUV-Boliden gefördert, egal, was aus dem Auspuff kommt.» Um die Autobranche als Schlüsselindustrie zu stärken, hatte die IG Metall eine Umweltprämie auch für emissionsarme Verbrenner gefordert.

Früher Bär-Chef Collardi und andere Manager im Visier der Justiz

Die Finma untersucht die Geschäftstätigkeit des früheren Julius-Bär-Chefn Boris Collardi. Arnd Wiegmann / Reuters © Bereitgestellt von Neue Zürcher Zeitung Die Finma untersucht die Geschäftstätigkeit des früheren Julius-Bär-Chefn Boris Collardi. Arnd Wiegmann / Reuters

(awp/sda) Im Fall Julius Bär gerät nun der frühere Konzernchef Boris Collardi ins Visier der Justiz. Die Zürcher Staatsanwaltschaft ist wegen Collardi und weiteren Verantwortlichen der Bank aktiv geworden.

«Basierend auf einem anonymen Hinweis vom Februar laufen bei der Zürcher Staatsanwaltschaft Vorabklärungen, ob ein Anfangsverdacht für strafrechtliches Fehlverhalten vorliegt», bestätigte ein Sprecher der Justiz am Freitag einen Bericht des Branchenportals «Inside Paradeplatz».

Noch ist somit kein Strafverfahren gegen Collardi und weitere aktive oder ehemalige Mitarbeitende von Julius Bär eröffnet worden. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Unter Boris Collardi, heute Partner bei der Genfer Privatbank Pictet, hatte Julius Bär rasch expandiert und war dabei offenbar in den Strudel mit dubiosen reichen Kunden geraten. Vor gut vier Monaten war die Privatbank von ihrer Vergangenheit eingeholt worden. Die Schweizer Finanzmarktaufsicht (Finma) stellte bei Bank der schwere Mängel bei der Geldwäsche-Bekämpfung fest.

Finma: «Umfassend versagt»

Julius Bär habe von 2009 bis Anfang 2018 bei der Prüfung von gefährlichen Kunden «umfassend versagt», rügte die Finma. Die monierten Verfehlungen fielen damit in die Zeit des früheren Konzernchefs Collardi. Und die Finma hielt damals ebenfalls fest, man werde «in einem zweiten Schritt prüfen, ob Verfahren gegen Einzelpersonen eröffnet» würden.

Die Auflistung der Finma las sich wie ein «who is who» der mutmasslichen Schmiergeld-Empfänger, die bei der Bank «Asyl» erhalten haben: Funktionäre des Fussballverbandes Fifa sowie venezolanische Beamte und Eliten, die den staatlichen Erdölkonzern PDVSA ausgenommen haben sollen.

Wie erst vor wenigen Tagen bekannt wurde, ist Julius Bär auch wegen eines weiteren Geldwäscherei-Falls in das Visier der Finma geraten. Die Behörde führt ein Enforcement-Verfahren im Fall eines argentinischen Unternehmers gegen die Zürcher Bank.

Ina Invest erfolgreich an der Schweizer Börse gestartet

Ina Invest startet heute zum Börsengang an der SIX. Christian Beutler / Keystone © Bereitgestellt von Neue Zürcher Zeitung Ina Invest startet heute zum Börsengang an der SIX. Christian Beutler / Keystone

(awp/sda) Das Implenia-Abspaltung Ina Invest Holding hat bei seinem Börsendebut am Freitag an der SIX einen verhalten positiven Start hingelegt. Derzeit notieren die Titel bei 23,00 Franken.

Verglichen mit dem Ausgabepreis von 22,42 Franken ist das ein Plus von 2,6%, während der Gesamtmarkt (SPI) 0,3 Prozent verliert. Zum Ausgabepreis kommt die Holding mit rund 8,87 Millionen Aktien auf einen Marktwert von knapp 200 Millionen Franken.

Bei der Ausgliederung gingen rund 75% der Holding-Aktien über eine Sachdividende und im Rahmen einer Kapitalerhöhung an die Implenia-Aktionäre. Der Rest wurde Investoren angeboten.

Die Holding hält rund 57% an der Ina Invest Ltd., in die der Baukonzern Implenia rund die Hälfte seines Immobilien- und Projektportfolios ausgegliedert hat. Die übrigen 43% an Ina besitzt Implenia.

Implenia-Aktien geben ab

Die Ausgliederung belastet am Freitag den Implenia-Aktienkurs, der im frühen Handel 7,6 Prozent auf 34,78 Franken nachgibt. Analytiker verweisen auf den Verwässerungseffekt durch die Kapitalerhöhung bei Ina sowie die Ausgliederung eines Teils des Unternehmenswerts. Die Aussichten für Ina werden jedoch grundlegend positiv bewertet. Die Gesellschaft habe durch die Kapitalerhöhung einen grösseren finanziellen Spielraum, als dies Implenia hatte.

Dadurch könnten Wachstumschancen besser genutzt werden. Ob die angestrebte integrierte Zusammenarbeit zwischen der Immobilienfirma und dem Baukonzern die erwarteten Resultate zeigen werde, müsse sich aber erst zeigen.

Ina Invest ist der erste Börsengang in der Schweiz im laufenden Jahr. 2019 hatten insgesamt sieben Unternehmen den Sprung an die Schweizer Börse SIX gewagt, darunter der Augenheilkonzern Alcon, der Zugbauer Stadler Rail oder der Informatikdienstleister Softwareone.

Das Ina-Portfolio besteht zunächst nur aus Neubau-Entwicklungsprojekten mit einem hohen Mischnutzungsanteil. Das Verhältnis von Wohnungen und Gewerbe sei ausgewogen, und der Schwerpunkt liege auf erstklassigen Lagen in Zürich, Winterthur, Basel, Lausanne oder Genf, betont das Unternehmen.

Zu den prominenteren Projekten zählen etwa das Quartier «Lokstadt» in Winterthur mit verschiedenen Gebäuden oder die Arealentwicklung Tivol in Neuenburg mit Wohnungen, Büroflächen sowie Gastronomie und Kultur.

Implenia hatte sich lange gegen eine Aufspaltung gewehrt. Im vergangenen Jahr nahm dann der Druck zu, als die aktivistische Beteiligungsgesellschaft Veraison bei Implenia einstieg und später mit dem Grossaktionär Max Rössler und seiner Beteiligungsgesellschaft Parmino zusammenspannte.

Im Oktober hatte dann Implenia seine Pläne für eine Teil-Abspaltung von einem Viertel des Portfolios an einer Investorenkonferenz präsentiert. Nachdem sich der Implenia-Verwaltungsrat und Aktionär Rössler auf diesen Weg geeinigt hatten, warf Veraison das Handtuch und stieg bei Implenia wieder aus.

Telekommunikationsverband will Blockade bei 5G-Einführung lösen

(sda) Der Schweizerische Verband der Telekommunikation (Asut) will die Ausbau- und Investitionsblockade bei der Einführung der neuen Mobilfunkgeneration 5G lösen. Denn die stark verzögerte Einführung von 5G habe gravierende Konsequenzen. Innert drei Jahren könnten gemäss einer Studie über 60 Prozent des mobilen Internetverkehrs nicht mehr bewältigt werden.

Asut fordert in einer Mitteilung vom Freitag Politik und Behörden auf, die notwendige Erneuerung der Mobilfunknetze zu unterstützen und die Ausbau- und die Investitionsblockade zu lösen. Gerade die letzten Monate hätten gezeigt, wie wichtig leistungsfähige Kommunikationsnetze für die Gesellschaft und die Wirtschaft seien.

Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Situation sei es unverständlich, dass die Mobilfunkbranche daran gehindert werde, in den wichtigen Infrastrukturausbau der Schweiz zu investieren. Die Mobilfunkanbieter würden jährlich zwischen einer halben und einer Milliarde Franken in den Mobilnetzausbau investieren

Bei der Einführung der letzten Mobilfunkgeneration 4G/LTE in der Schweiz seien innert weniger Jahre über 10'000 Sendeanlagen mit der damals neuen Technologie ausgerüstet worden. Innert drei Jahren seien über 60 Prozent der Standorte ausgerüstet und 2017 sei 4G/LTE flächendeckend verfügbar gewesen.

Obwohl die funktechnischen Unterschiede zwischen 4G und 5G im Vergleich mit älteren Mobilfunkgenerationen viel geringer seien, werde die Einführung von 5G in vielen Kantonen und Gemeinden verzögert oder gar blockiert, kritisiert Asut.

So habe bei neuen Anlagen oder bei bewilligungspflichtigen Umbauten die Zeitdauer bis zum Vorliegen einer erstinstanzlichen Baubewilligung seit 2018 um 37 Prozent zugenommen und es dauere heute über sieben Monate. Rekurse bis zum Bundesgericht könnten den Bau oder Umbau einer Anlage über Jahre weite verzögern.

Zusätzlich zu den längeren Verfahren zeige sich auch, dass viele Gemeinden und Kantone Anträge für neue Anlagen oder Anlageveränderungen gar nicht mehr behandelten. Die Blockade betreffe aber nicht nur Bewilligungsverfahren. Auch Anpassungen an bestehenden Mobilfunkanlagen, die nur eine Notifikation erforderten, dauerten heute sieben Mal länger als 2018.

Industrieproduktion in der Euro-Zone schrumpft rasant

(awp/sda/Reuters) Die Industriebetriebe im Euro-Raum haben ihre Produktion wegen der Corona-Krise so stark gedrosselt wie noch nie. Im April stellten sie 17,1% weniger her als im Vormonat, weil geschlossene Fabriken, unterbrochene Lieferketten und die fehlende Nachfrage durchschlugen.

«Dies sind mit Abstand die grössten monatlichen Rückgänge seit Beginn der Zeitreihe», erklärte das Statistikamt Eurostat am Freitag. Zum Vergleich: Selbst in der Finanzkrise 2008/09 waren die Rückgänge mit 3 bis 4 Prozent deutlich milder ausgefallen. Allerdings war der Einbruch diesmal nicht so stark wie von Ökonomen befürchtet: Sie hatten mit einem Minus von 20% gerechnet.

In den einzelnen Euro-Ländern schrumpfte die Industrie in sehr unterschiedlichem Tempo. Luxemburg (-43,9%), Italien (-42,5%) und die Slowakei (-42%) meldeten die stärksten Rückgänge in der Produktion. In Deutschland fiel das Minus mit 21% ebenfalls überdurchschnittlich aus. Nur Irland stemmte sich erfolgreich gegen den Abwärtstrend und schaffte ein Wachstum von 5,5 Prozent.

Laut der Industriestaaten-Organisation OECD wird die Wirtschaft der Euro-Zone 2020 zwischen 9,1 und 11,5 Prozent schrumpfen. Dem soll sich im kommenden Jahr ein Wachstum von 3,5 bis 6,5% anschliessen.

Britische Wirtschaft bricht in Rekordtempo ein

(awp/sda/dpa/reu) Die britische Wirtschaft ist infolge der Corona-Pandemie in Rekordtempo eingebrochen. Nach Angaben des Statistikamts ONS vom Freitag lag die Wirtschaftsleistung (BIP) im April 20,4 Prozent unter dem Niveau von März.

Das ist der stärkste Rückgang seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1997. Analytiker hatten im Schnitt mit einem Einbruch um 18,7 Prozent gerechnet.

Wie das ONS mittelte, verzeichneten alle betrachteten Wirtschaftssektoren Rückgänge in bisher ungekanntem Ausmass. Sowohl die Industrie, die Dienstleister als auch der Bau waren von den Massnahmen zur Eindämmung der Virus-Pandemie massiv betroffen. Der Einbruch folgt auf einen bereits starken Rückgang des BIP im März um 5,8 Prozent.

«Ebenso wie viele andere Volkswirtschaften der Welt hat das Coronavirus schwerwiegende Auswirkungen auf unsere Konjunktur», sagte Finanzminister Rishi Sunak. Die Massnahmen der Regierung wie Zuschüsse, Darlehen und Steuersenkungen würden aber «Tausende von Unternehmen und Millionen von Arbeitsplätzen schützen», sagte der Minister. «So haben wir die besten Chancen, uns rasch zu erholen, sobald die Wirtschaft wieder Tritt fasst.»

Die Industriestaaten-Organisation OECD sagt der britischen Wirtschaft in diesem Jahr einen Einbruch von 11,5 Prozent voraus, dem 2021 ein Wachstum von neun Prozent folgen soll. Sollte es zu einer zweiten Coronawelle kommen, dürfte das Bruttoinlandprodukt sogar um 14,0 Prozent sinken und im kommenden Jahr nur um 5 Prozent wachsen.

Japans Regierung verabschiedet weiteres Milliardenpaket

(awp/sda/reu) Die japanische Regierung sieht die weltweit drittgrösste Volkswirtschaft nach den Corona-bedingten Einbrüchen auf Erholungskurs. «Wie stark die Belebung ausfallen wird, hängt nicht nur von den Bedingungen im Inland, sondern auch von den Entwicklungen in Übersee ab», sagte Finanzminister Taro Aso am Freitag vor dem Parlament. Die Konjunktur habe ihren Tiefpunkt hinter sich. Es sei gelungen, den Abschwung zu stoppen.

Das Parlament stimmte einem zweiten Nachtragshaushalt in Höhe von 31,9 Billionen Yen (281 Milliarden Franken) zu. Mit dem Geld soll die Wirtschaft angeschoben werden. Ein drittes Paket lehnt der Minister vorerst ab. «Wir müssen erst einmal sehen, wie sich die Massnahmen, die wir bisher ergriffen haben, auf die Wirtschaft auswirken», sagte Aso.

Die Regierunge hatte Ende Mai den zur Eindämmung der Corona-Pandemie verhängten Ausnahmezustand aufgehoben. Dennoch erwarten Experten, dass das Bruttoinlandsprodukt im zu Ende gehenden zweiten Quartal auf das Jahr hochgerechnet um mehr als 20 Prozent abstürzen wird. Bereits im ersten Quartal ist Japan in die Rezession gerutscht.

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