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Flexible Buchungen, Schutzkonzepte: So bereiten sich Skiorte auf den Corona-Winter vor

Blick-LogoBlick 03.10.2020 Milena Stadelmann und Sven Zaugg
So bereiten sich Skiorte auf den Corona-Winter vor © Bereitgestellt von Blick So bereiten sich Skiorte auf den Corona-Winter vor

Gemächlich schlängelt sich die Rhätische Bahn von Landquart durchs Prättigau nach Klosters und weiter ins Land­wassertal, das bereits unter einem feinen weissen Teppich liegt. In ­Davos ist der erste Schnee ­gefallen. Hält die Winter­saison, was dieser Auftakt verspricht, ist Vidal Schertenleib (33), Geschäftsleitungsmitglied der ­Davos Klosters Bergbahnen, glücklich. ­Zumindest fast.

Regionaler Lockdown?

Neben Schnee- und Wetterlage bereitet ihm in diesem Jahr noch etwas anderes Sorgen: das Corona­virus. Wie werden sich die Fall­zahlen entwickeln? Welche Regeln werden Bundesamt für Gesundheit und Kantone erlassen? Bleiben die Grenzen offen? Kommen Einreisebeschränkungen? Müssen Touristen in Quarantäne? Oder droht etwa ein regionaler Lockdown?

All dies wird eine wichtige Rolle dabei spielen, ob die Wintersaison erfolgreich wird – oder nicht. «Die Unsicherheit in der Planung ist momentan das grösste Problem», sagt Schertenleib. Die Bergbahnen rechnen mit 20 bis 30 Prozent weniger Fahrgästen.

Der Luzerner Tourismus-Professor Jürg Stettler (55) spricht von einer «fragilen ­Situation»: «Die Wintersportler werden in diesem Jahr sehr kurzfristig buchen.» Der Sommer habe einen Vorgeschmack davon gegeben, was die Hotels zu erwarten haben: «Es wird zwangsläufig zu Stornierungen kommen, denn die Situa­ tion ändert sich dauernd.» Gerade bei ausländischen Gästen ist das ein Dilemma, vor dem kein Hotelier, kein Gastronom und keine Bergbahn gefeit ist.

Ein riesiges Geschäft, normalerweise

Der Schweizer Tourismus ist ein riesiges Geschäft. Internationale Gäste generierten 2019 Erträge von fast 18 Milliarden Franken. Bei den Einnahmen gibt es grosse ­saisonale Unterschiede: Während in Graubünden die Einnahmen im Winter mit 92 Prozent den höchsten Ertragsanteil darstellen, ist im Tessin das Sommergeschäft mit 80 Prozent wichtiger. Über alle Regionen hinweg spült das Wintergeschäft aber klar mehr Geld in die Kassen der Tourismusdes­tinationen als der Sommer.

Genau das werden die Davoser Hotels zu spüren bekommen. Für sie ist der Wintertourismus die ­wichtigste Einnahmequelle. «Wir erzielten bis anhin 80 Prozent unseres Umsatzes in den Wintermo­naten und 20 Prozent im Sommer», sagt Cyrill Ackermann (46), Direktor des ­Hotels Grischa. Der Grund sei die Durchführung von Spengler Cup und World Economic Forum in Davos. Beide Veranstaltungen sind für diese Saison abgesagt. «Unsere Buchungen für die Wintermonate liegen massiv unter Vorjahr», sagt Ackermann und hofft, dass sich die Zahlen bald nach oben bewegen. «Bereits im Sommer buchten die Tou­risten sehr kurzfristig. Die Lage ist sehr volatil.»

Mit der Veröffentlichung ihrer Schutzkonzepte ver­ suchen sowohl die Hotels als auch die Bergbahnen, bei den Touristen Vertrauen zu gewinnen. Der Davoser ­Tourismusdirektor Reto Branschi (61) glaubt: «Die Skisaison wird ­unter Einhaltung der ­Sicherheitsvorschriften stattfinden können. Worauf Gäste diesen Winter wohl verzichten müssen, ist ausgelassenes Après-Ski-Feiern ohne Mindestabstand.»

Hoffen auf einheimische Touristen

Weil es wohl allen Skigebieten in der Alpen­region gleich ergehen wird, hofft Branschi auf einzelne zusätzliche Ferien- oder Wochenendgäste aus dem Inland. Davos beherbergt generell viele Schweizer, aber auch Touristen aus dem süddeutschen Raum. Deshalb ist diese Hoffnung nicht unberechtigt.

Gäste dieses Typs zieht es seit Ausbruch der Pandemie auch vermehrt nach Grindelwald. Dennoch sind einige Hotels des Berner Oberländer Evergreens auf mehr ausländische Touristen angewiesen.

Im letzten Winter beherbergte das Hotel Belvedere zwischen Dezember 2019 und April 2020 nur knapp über 32 Prozent Schweizer Touristen. Die anderen kamen aus EU und Übersee. «Den Anteil an ausländischen Gästen werden wir in der Wintersaison kaum kompensieren können», erzählt Hoteldirektor Philip Hauser (32) in der Lobby seines Hotels – mit Blick auf die Eigernordwand und die neue Seilbahn im Hintergrund, die gerade erste Testrunden für die anstehende Eröffnung dreht.

Düstere Aussichten

Die Buchungen bestätigen Hausers Annahmen: Der aktuelle Stand für Januar liegt lediglich bei 22 Prozent des Vorjahres. Einzig für den ­Februar sieht es aufgrund der Schulferien besser aus. Einmal mehr bereitet hier die Planungssicherheit die grössten Sorgen. Auch in Grindelwald setzt man deshalb die Hoffnung auf kurzfris­tige Buchungen. «Wir schauen von Woche zu Woche.»

Das zwingt Hotels und Bergbahnen zu mehr ­Kulanz. «Die Anbieter müssen sich zugunsten der Kunden kulant zeigen», sagt Tourismus-Professor Stettler. «Es ist jederzeit möglich, dass ein Wintersportler die Reise aufgrund von Einreisebeschränkungen oder einer Erkrankung nicht antreten kann.»

Deshalb müssten sämtliche Akteure das finan­zielle Risiko der Kunden minimieren. «Das gehört ab sofort zu einem attraktiven Paket», betont Stettler. Das sieht Matthias Supersaxo (33) genauso, als er SonntagsBlick im Allalin zum ­Kaffee empfängt, dem höchstgelegenen Dreh­restaurant der Welt auf 3500 Meter über Meer.

Mit Blick auf den Feegletscher, wo sich derzeit Skistars aus der ganzen Welt auf die Saison vorbereiten, sagt der Tourismusdirektor der Region Saas-Fee/Saastal: «Fast alle Hotels und die Bergbahnen waren sich schnell einig, dass wir unsere Buchungsbedingungen flexibler gestalten müssen. Nur so haben wir Chancen auf einen guten Winter.»

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