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HBO Max ist da! Alles, was du über den neuen Streaming-Dienst wissen musst

watson.ch-Logo watson.ch 28.05.2020 Pascal Scherrer
In den USA ist mit HBO Max ein Schwergewicht in die Streaming-Welt gestartet. Hinter dem Dienst steckt ein riesiges Medienimperium mit weltbekannten Film- und Serienmarken.

Neuer Monat, neuer Streaming-Dienst möchte man fast sagen. Nachdem in der Schweiz erst gerade Disney Plus gestartet ist, geht der Streaming-Krieg in den USA schon in die nächste Runde: Mit HBO Max steigt einer der wohl bekanntesten Namen ins Streaming-Geschäft ein.

Bei uns ist HBO vor allem für gute Serien bekannt: «Game of Thrones», «True Detective» oder «Westworld» verdanken wir Home Box Office. HBO selbst gehört aber nur zu einem viel grösseren Unternehmen, das nun mit aller Macht versucht, den verlorenen Boden im Streaming-Geschäft wieder gutzumachen.

Wer steckt hinter HBO Max?

HBO Max ist ein Tochterunternehmen von Warner Media. Dieses ist eines der grössten Medienunternehmen der USA. Die bekannteste Division von Warner Media kennt ihr sicher: Es ist das Filmstudio Warner Bros. Es ist eines der fünf grossen, sogenannten Major-Studios, die Hollywood «regieren». 2019 hatte Warner Bros. den zweitgrössten Marktanteil in der US-Kinobranche – wenn auch weit abgeschlagen hinter Disney.

Auch bei den TV-Sendern gehören Warner Media einige auch bei uns bekannte Namen. Nebst HBO sind unter anderem auch Cinemax, TBS, TNT, Comedy Central, Adult Swim und Cartoon Network Tochterunternehmen von Warner. Im Bereich der News-Sender ist CNN wohl der bekannteste Name. Ebenfalls gehört der Comicverlag DC zu Warner, wodurch das Unternehmen auch gleich die Film- und Serienrechte hält.

Warner Media selbst ist aber auch nur wieder ein Teilbereich einer viel grösseren Firma: AT&T. Der Mischkonzern gilt mit seiner Sparte AT&T Communications als grösster Telekommanbieter der Welt. Dadurch konnte man sich 2018 auch den Kauf von Warner Media für knapp 85 Milliarden US-Dollar leisten.

Weshalb der neue Streaming-Dienst nun HBO Max heisst und nicht etwa Warner Max (oder AT&T Max), dürfte wohl an der guten Reputation von HBO liegen. In den USA ist Home Box Office eine Institution, die einen ausgezeichneten Ruf für qualitativ hochwertige Serien geniesst. HBO hatte bereits 2017 über 140 Millionen Kunden zahlende Zuschauer, die nun theoretisch zu HBO Max transferiert werden können. Zum Vergleich: Netflix hatte im April 2020 weltweit knapp 183 Millionen Abonnenten.

Welche Inhalte gibt es?

Laut Warner Media sollen aktuell rund 2000 Filme zur Verfügung stehen. Nebst einigen wenigen Streifen, die extra für die Plattform produziert wurden, sind das vor allem Titel aus der riesigen Bibliothek von Warner.

Warner hält unter anderem die Rechte an bekannten Filmreihen wie «Harry Potter», «The Matrix», «Der Herr der Ringe» und «Der Hobbit» und natürlich allen DC-Filmen. Im Bereich der Serien gehören beispielsweise «Supernatural», «The Big Bang Theory», «Friends» oder auch die «Sesamstrasse» zum Portfolio.

Wie viele Serien verfügbar sind, ist nicht klar. Zusammen mit den Filmen sollen aber knapp 10'000 Stunden an Inhalten verfügbar sein. Diese werden dann, wie bei Streaming-Diensten üblich, nach und nach ausgebaut.

Zum Vergleich: Am 27. April standen Kunden eines US-Netflix-Accounts 3712 Filme und 1845 TV-Serien zur Verfügung. Übersetzt in Stunden, sollen US-Netflix-Kunden so rund 36'000 Stunden an Inhalten zur Verfügung haben.

Was kostet der Dienst?

WarnerMedia lässt sich seine bekannten Inhalte teuer bezahlen. Ein Monatsabo kostet – für die USA – stolze 15 Dollar. Zu Beginn versucht man die Leute noch mit einer Aktion von 11,99 Dollar anzulocken. Ob die Amerikaner wirklich Lust haben, beinahe das Doppelte als für andere Streaming-Dienste auszugeben, ist fraglich. Vor allem im Angesicht der Coronakrise, wo bei vielen potenziellen Neukunden wohl eher Sparmassnahmen angesagt sind, könnte diese Taktik nach hinten losgehen.

Zum Vergleich: Netflix verlangt beim günstigsten Tarif nur gerade 8.99 Dollar, beim teuersten 15,99 Dollar. Disney Plus ist mit einer einzigen Gebühr von monatlich 6,99 Dollar sogar noch günstiger. Bei Hulu, in den USA mit 75,8 Millionen Abonnenten der drittgrösste Dienst, kostet 5,99 Dollar – dann allerdings mit Werbung. Aber auch ohne Werbung ist man mit 11,99 Dollar noch günstiger als HBO Max.

Wie sind die ersten Reaktionen?

Eher verhalten. Eines der Hauptkriterien ist der hohe Preis – und das, obwohl beispielsweise kein 4k oder HDR verfügbar ist. Ebenfalls negativ fällt auf, dass man die Streaming-Auflösung nicht selbst wählen kann und auch keine Audiodeskription verfügbar ist.

Immerhin kann man bis zu fünf Profile erstellen und Inhalte offline speichern. Gelobt werden auch die Inhalte, die dank Warners grossem Katalog fast nur bekannte Titel enthalten. So ist beispielsweise bereits der neue DC-Film «Joker» abrufbar.

Dem gegenüber stehen einige eher unerklärliche Lücken, wie The Verge festhält. So sei beispielsweise die komplette «Herr der Ringe»-Trilogie verfügbar. Bei der «Hobbit»-Trilogie fehle aber aus unerfindlichen Gründen der zweite Film. Damit wird die Reihe natürlich nutzlos.

Ebenfalls finde man auf HBO Max keinen einzigen Film und keine Serie mit Superman. Selbst die alten Filme mit Christopher Reeves seien unauffindbar. Und auch Christopher Nolans Batman-Trilogie sei nicht verfügbar – und das, obwohl HBO Max für die Werbung Ausschnitte daraus verwende!

The Verge vermutet die Problematik zum einen bei den Lizenzen, die noch bei anderen Streaming-Diensten liegen. Ein weiteres Problem dürfte sein, dass Warner 2018 bereits einen Streaming-Dienst namens DC Universe gestartet hat. Die Plattform sollte die Streaming-Zentrale für DC-Inhalte sein. Nun, mit HBO Max stellt sich natürlich die Frage, was DC Universe noch genau bringt.

Wann kommt der Dienst in die Schweiz?

Ein offizielles Startdatum gibt es nicht. HBO plant aber, nächstes Jahr nach Lateinamerika, die Karibik und Teile Europas zu expandieren. Welche Länder das genau sind, ist aktuell noch unklar. Dass die Schweiz aber dabei sein wird, ist sehr unwahrscheinlich. Dafür ist unser Land schlicht zu klein und mit seinen vier Sprachen sehr kompliziert, inhaltlich zu bewirtschaften.

Viel wichtiger dürfte aber sein, dass HBO mit Sky eine Programmpartnerschaft über mehrere Jahre abgeschlossen hat. Dies beinhaltet unter anderem Output-Deals für HBO-Serien, aber auch Koproduktionspartnerschaften. So ist beispielsweise die gefeierte «Chernobyl» genau durch diese Zusammenarbeit entstanden. In der Schweiz ist diese Serie, wie auch viele HBO-Serien, exklusiv auf Sky Show verfügbar.

Im Oktober 2019 hat Sky Show gegenüber watson mitgeteilt, dass die Programmpartnerschaft mit Warner Media im Rahmen eines neuen Vertrags verlängert wurde. Warner wird HBO Max wohl kaum in der Schweiz starten, wenn die Streaming-Rechte der wichtigsten Titel bei Sky liegen.

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