Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Frankreich und Niederlande einig über Air-France-KLM-Milliardenhilfe – und weitere Wirtschaftsmeldungen

Neue Zürcher Zeitung-Logo Neue Zürcher Zeitung 26.06.2020

Auch Verizon setzt Werbung auf Facebook aus

(Reuters) Auch der Kommunikationskonzern setzt in der Kontroverse über Hass-Postings auf Facebook seine Werbung auf dem sozialen Netzwerk aus. Dies werde so lange geschehen bis Facebook eine «akzeptable Lösung» vorweisen könne. Facebook-Managerin Carolyn Everson erklärte, man respektiere die Entscheidung und arbeite weiter daran, derartige Inhalte zu entfernen. Die Boykott-Bewegung «Stop Hate For Profit» war von US-Bürgerrechtsgruppen ins Leben gerufen worden. Unter anderem haben sich Ben & Jerry's, Patagonia und The North Face ihr angeschlossen.

Frankreich und Niederlande einig über Air-France-KLM-Milliardenhilfe

Auch Air France erhält Staatshilfe. ; Charles Platiau / Reuters © Bereitgestellt von Neue Zürcher Zeitung Auch Air France erhält Staatshilfe. ; Charles Platiau / Reuters

(Reuters) Frankreich und die Niederlande haben sich über den Beitrag der Regierung in Den Haag zur Rettung der Fluggesellschaft Air France-KLM verständigt. Air France veröffentlichte am späten Donnerstagabend eine Erklärung auf ihrer Website, in der eine Summe von etwa 3,4 Milliarden Euro genannt wurde. Dies werde KLM helfen die Krise zu meistern und sich auf die Zukunft vorzubereiten. Das Büro des niederländischen Finanzministers Wopke Hoekstra lud für Freitag zu einer Pressekonferenz ein, um Einzelheiten zum Hilfspaket für KLM vorzustellen. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte zuvor von Insidern erfahren, dass die Niederlande etwa 3,4 Milliarden Euro in Kreditgarantien und direkten Darlehen für KLM freigeben werde.

Die Regierungen in Paris und Den Haag besitzen jeweils etwa 14 Prozent an Air France-KLM. Im April hatten sie französische Staatshilfen in Höhe von 7 Milliarden Euro bekanntgegeben. Zudem war davon die Rede, dass die Niederlande voraussichtlich 2 bis 4 Milliarden beisteuern würden. Frankreich lehnte die Forderung der Niederlande nach einem Vertreter in der Konzernleitung bisher aber ab, da es die Machtposition von Paris gegenüber der niederländischen Tochter schwächen würde. Nun solle ein Treuhänder ohne Stimmrecht in die Konzernleitung geschickt werden, um sicherzustellen, dass das niederländische Steuergeld ausschliesslich der KLM zugute komme, hiess es in den Kreisen. Frankreich und die Niederlande streiten seit langem über das Management und die Strategie der Fluggesellschaft, die 2004 aus der Fusion aus den beiden nationalen Airlines entstanden war.

Deutsche Bank meistert Stresstest - strenge Corona-Auflagen der Fed

(dpa) Die Deutsche Bank ist das zweite Jahr in Folge ohne Probleme durch den Stresstest der US-Notenbank Fed gekommen. Allerdings erteilten die Finanzaufseher den grössten Geldhäusern im Land angesichts der Corona-Krise strikte Auflagen zur Schonung der Kapitalausstattung. Gewinnausschüttungen durch Aktienrückkäufe und Dividendenerhöhungen sind deshalb mindestens bis Ende September tabu, wie die Fed am Donnerstag (Ortszeit) in Washington mitteilte.

Bei der Deutschen Bank überwog dennoch die Erleichterung, von den Aufsehern eine tadellose Bewertung erhalten zu haben. Deutschlands grösstes Geldhaus war mit seinem US-Geschäft in den vergangenen Jahren mehrmals bei den Prüfungen der Fed durchgefallen, umso mehr freuten sich die US-Chefin Christiana Riley und der Vorstandsvorsitzende Christian Sewing, dass diesmal wie schon 2019 alles klappte. Das Stresstest-Ergebnis sei «ein wichtiger Schritt nach vorne», schrieben Riley und Sewing in einem Memo an die Mitarbeiter. Der Wandel brauche Zeit, doch die Deutsche Bank mache spürbare Fortschritte und sei auf dem richtigen Weg, hiess es in dem Schreiben weiter. Investoren, Kunden und auch die Aufseher würden die positive Entwicklung des Unternehmens anerkennen.

Obwohl die Fed allen 33 getesteten Banken ein gutes Zeugnis ausstellte, war der Stresstest für die Branche letztlich eher eine bittere Pille. Denn eine Analyse der möglichen Belastungen durch die Corona-Pandemie habe Risiken offengelegt, erklärte die Notenbank. Die Fed werde deshalb weitere Massnahmen ergreifen, um die Krisenfestigkeit intensiver zu prüfen. Wegen der Ungewissheit müssen die Banken ihr Geld in den nächsten Monaten erstmal zusammenhalten.

Bei Anlegern kam die Nachricht nicht gut an, Bankaktien reagierten nachbörslich zunächst mit Kursverlusten. Fed-Vize Randal Quarles lobte die Geldhäuser zwar: «Das Bankensystem war in dieser Krise bislang ein Quell der Stärke». Dennoch will die Fed die Grossbanken zunächst genau im Blick behalten. Wegen der Gefahr von enormen Kreditausfällen will die Fed auf Nummer sicher gehen. Die Banken müssen ihre Kapitalpläne - die auch Dividenden und Aktienrückkäufe betreffen - darum später in diesem Jahr erneut vorlegen.

Die strikten Auflagen der Notenbank für den Finanzsektor zeigen, wie ernst die Fed die Risiken der Pandemie weiterhin nimmt. Die Corona-Krise hatte die US-Wirtschaft vorübergehend bereits weitgehend lahmgelegt und hat die Arbeitslosigkeit rapide ansteigen lassen. Ausgestanden ist die Pandemie, obwohl die Lockdown-Massnahmen vielerorts gelockert wurden, noch nicht. Im Gegenteil: Zuletzt stiegen die Fallzahlen in vielen Bundesstaaten wieder bedenklich an. Auch für die Deutsche Bank könnten die Vorschriften der Fed indirekt Konsequenzen haben. Anders als bei den US-Rivalen hängen bei den Töchtern ausländischer Geldhäuser zwar nicht die Dividenden und Aktienrückkäufe von der Zustimmung der Fed ab, dafür aber die Gewinnausschüttungen an ihre Konzernmütter. Die Stresstests der US-Notenbank sind eine Folge der grossen Finanzkrise von 2008. Sie sollen sicherstellen, dass Banken bei einem Finanzmarkt-Kollaps nicht wieder mit Steuergeld gerettet werden müssen.

Euro-Gruppen-Chef Centeno soll portugiesische Zentralbank leiten

(afp) Der scheidende Eurogruppen-Chef Mário Centeno soll neuer Chef der portugiesischen Zentralbank werden. Regierungschef António Costa nominierte ihn am Donnerstag für den Anfang Juli frei werdenden Chefposten bei der Banco de Portugal, wie die Regierung in Lissabon mitteilte. Offiziell ernannt werden kann der ehemalige Finanzminister erst nach einer Anhörung durch das Parlament. Centeno hatte Anfang Juni seinen Rückzug als portugiesischer Finanzminister bekanntgegeben. Kurz darauf teilte er mit, dass er sich auch nicht für eine zweite Amtszeit als Eurogruppen-Chef bewirbt.

In der Eurogruppe kommen monatlich die Finanzminister der 19 EU-Länder mit der Gemeinschaftswährung zusammen. Centeno hatte den Posten seit Dezember 2017 inne. Der 53-Jährige galt Medienberichten zufolge schon länger als amtsmüde. Um die Nachfolge von Centeno bewerben sich drei Kandidaten. Bis zum Bewerbungsschluss am Donnerstag erklärten neben der spanischen Wirtschaftsministerin Nadia Calviño auch die Finanzminister Irlands und Luxemburgs, Paschal Donohoe und Pierre Gramegna, ihre Kandidatur. Die Entscheidung über die Neubesetzung des Postens an der Spitze der Währungsunion soll am 9. Juli fallen.

Lockdown lässt Nikes Umsatz deutlich einbrechen

(reuters) Die wochenlangen Schliessungen der Sportgeschäfte angesichts des Lockdowns in der Coronavirus-Krise haben Nike einen Umsatzeinbruch und tiefrote Zahlen eingebrockt. Der weltgrösste Sportschuh-Hersteller wies am Donnerstagabend nach US-Börsenschluss für sein viertes Geschäftsquartal (per Ende Mai) einen Verlust von 790 Millionen Dollar aus. Vor Jahresfrist hatte noch knapp eine Milliarde Dollar Gewinn in den Büchern gestanden. Der Umsatz brach unerwartet stark um rund 38 Prozent auf 6,31 Milliarden Dollar ein. Analysten hatten mit Verkäufen in Höhe von 7,32 Milliarden Dollar gerechnet. Nike-Aktien verloren nachbörslich rund 4 Prozent.

Novartis und Alcon zahlen Busse wegen Korruptionsvorwürfen

(sda/awp) Der Pharmakonzern Novartis und seine frühere Tochter Alcon zahlen in den USA eine hohe Busse wegen Korruptionsvorwürfen in Griechenland. Die an die US-Behörden zu bezahlende Gesamtsumme beträgt 345 Millionen US-Dollar.

Konkret müssen Novartis und Alcon eine Busse von 233 Millionen US-Dollar an das US-Justizdepartement (DoJ) im Zusammenhang mit Verstössen gegen den sogenannten Foreign Corrupt Practices Act (FCPA) berappen, wie das DoJ am Donnerstabend (25. 6.) mitteilte. Eine weitere Zahlung von 112 Millionen US-Dollar geht an die US-Börsenaufsicht SEC.

Der Fall geht schon einige Jahre zurück. Dem Basler Pharmakonzern und seiner früheren Tochter wurde vorgeworfen, Mitarbeiter staatlicher und staatlich kontrollierter Krankenhäuser und Kliniken in Griechenland bestochen zu haben.

Die Tochtergesellschaften von Novartis hätten von Bestechungsgeldern profitiert, die Mediziner, Krankenhäuser und Kliniken dazu veranlasst hätten, Pharmazeutika der Marke Novartis zu verschreiben und chirurgische Produkte von Alcon zu verwenden, sagte der stellvertretende Generalstaatsanwalt Brian A. Benczkowski gemäss der Mitteilung. Zudem hätten sie ihre Bücher und Aufzeichnungen gefälscht, um diese Bestechungsgelder zu verbergen.

Hotelplan streicht 425 Stellen wegen der Coronakrise

Die Corona-Krise hat gravierende Auswirkungen für den Reiseveranstalter Hotelplan. ; Martin Ruetschi / Keystone © Bereitgestellt von Neue Zürcher Zeitung Die Corona-Krise hat gravierende Auswirkungen für den Reiseveranstalter Hotelplan. ; Martin Ruetschi / Keystone

(awp/imr.) Harter Einschnitt bei Hotelplan: Wegen der Coronakrise muss der Reiseveranstalter in der Schweiz rund 170 von knapp 1200 Stellen abbauen. Gruppenweit werden bis zu 425 der gesamthaft 2277 Jobs gestrichen.

«Die Auswirkungen der Coronapandemie haben die gesamte Reisebranche auf der ganzen Welt erschüttert und praktisch lahmgelegt», teilte Hotelplan am Donnerstag mit. Da eine rasche Erholung zudem nicht zu erwarten sei, werde das Unternehmen zu schmerzlichen Massnahmen gezwungen.

Betroffen vom Jobabbau seien alle Personalbereiche des Unternehmens, erklärte Hotelplan-Sprecherin Bianca Gähweiler auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP. In der Schweiz habe man die meisten Kündigungen schon ausgesprochen. Der Grossteil der betroffenen Mitarbeitenden werde per Ende Juli freigestellt.

Kleineres Filialnetz

Wegen des Einbruchs in der Reisebranche setzt Hotelplan die Schere auch beim Filialnetz an. Hierzulande werden 12 der 98 Reisebüros dichtgemacht. Im Grossraum Basel sei der Einschnitt mit fünf Filialschliessungen besonders gross, sagte Gähweiler dazu.

Aber auch im Ausland werden gemäss Hotelplan sämtliche Geschäftseinheiten des Konzerns in Deutschland und Grossbritannien auf die veränderten Rahmenbedingungen ausgerichtet. Laut der Sprecherin will das Unternehmen aber nicht ganze Tochtergesellschaften abstossen.

Erst 2022 wieder auf Vorkrisenniveau

«Die Entwicklung im Reisegeschäft ist ein Albtraum für uns alle. Es tut weh, dass wir nicht mehr allen Mitarbeitenden eine Perspektive bieten können», erklärte Hotelplan-Gruppenchef Thomas Stirnimann. Die Massnahme solle aber möglichst viele Arbeitsplätze langfristig sichern und das Unternehmen wettbewerbsfähig halten.

Für die betroffenen Mitarbeiter in der Schweiz sei zusammen mit Personalvertretern ein Sozialplan erarbeitet worden. In Deutschland seien Verhandlungen mit dem Betriebsrat in Gange und in Grossbritannien starte das Konsultationsverfahren in den nächsten Tagen, hiess es dazu.

Beim Blick in die Zukunft bleibt Hotelplan vorsichtig. Zum jetzigen Zeitpunkt geht das Unternehmen davon aus, das man das Niveau von vor der Coronakrise erst wieder im Jahr 2022 erreichen wird, wie Gähweiler erläuterte.

Neue Chefin des Private Banking der ZKB

tsf. Die ZKB hat in nicht ganz einem Jahr eine neue Chefin des Private Banking. Wie die Zürcher Kantonalbank mitteilt, wird Christoph Weber, Leiter Private Banking und stellvertretender Vorsitzender der Generaldirektion, nach rund 30 Jahren bei der Zürcher Kantonalbank seine Funktion per 1. Mai 2021 übergeben und sich anschliessend neuen Projekten ausserhalb der Bank widmen. Neue Leiterin des Private Banking wird Florence Schnydrig Moser. Sie war seit dem Jahr 2000 bei der Credit Suisse in verschiedenen Funktionen im Private-Banking-Umfeld tätig, unter anderem in Zürich, Australien und Hongkong. Seit 2018 leitet sie als CEO die Swisscard AECS GmbH in Horgen, ein Unternehmen im Besitz der Credit Suisse und American Express, mit rund 700 Mitarbeitern.

V-Zug wird bei Börsenstart mit 463 Millionen Franken bewertet

(awp/sda) Die Aktien des Haushaltsgeräteherstellers V-Zug sind seit Donnerstagmorgen neu an der Schweizer Börse SIX kotiert. Die Papiere der Metall-Zug-Abspaltung wurden in der ersten Transaktion zu einem Eröffnungskurs von 72 Franken gehandelt.

Das entspricht einer Marktkapitalisierung von 463 Millionen Franken. Verglichen mit dem reinen Buchwert des Unternehmens von rund 351 Millionen Franken stellt die Marktkapitalisierung einen Aufschlag von rund 32 Prozent dar. Der höchste Kurs in der ersten Handelsstunde erreichte 77 Franken.

Die Preisfindung für die V-Zug-Aktien fand nicht im Vorfeld über ein öffentliches Angebot oder einen Bezugsrechtehandel statt. 70 Prozent der Anteile wurde an die Aktionäre von Metall Zug als Sachdividende ausgeschüttet, die restlichen 30 Prozent blieben bei der Muttergesellschaft. Der erste Preis wurde also im Eröffnungs-Trading für von den Alt-Aktionären zum Kauf angebotene Aktien ermittelt.

Zweiter Börsengang im Jahr 2020

V-Zug ist nach Ina Invest der zweite Börsengang des Jahres und auch bereits die zweite Abspaltung. Vor rund zwei Wochen hatte der Baukonzern Implenia sein Immobilienabspaltung an der SIX kotiert. Das Umfeld für IPOs ist angesichts der volatilen Situation an den Finanzmärkten durch die Coronapandemie schwierig. Im gesamten vergangenen Jahr hatte es sieben Neuzugänge an der Schweizer Börse gegeben.

Mit einem Umsatz von rund 550 Millionen Franken war V-Zug der wichtigste Pfeiler von Metall Zug, die im vergangenen Jahr insgesamt rund 1,22 Milliarden Umsatz erreichte. Der Haushaltsgerätehersteller allein beschäftigt mehr als 2'000 Mitarbeitende.

Entsprechend belastet die Ausgliederung den Wert der Muttergesellschaft Metall Zug deutlich. Die Aktien des Zuger Traditionsunternehmens verlieren ein Drittel an Wert und notieren im frühen Donnerstagshandel auf 1480 Franken, nach einem Schlusskurs von 2220 Franken am Mittwoch.

EU-Kommission genehmigt Rettungspaket für Lufthansa

Der Rettungsplan für die Lufthansa wird startklar, auch aus Brüsseler Sicht. ; Kai Pfaffenbach / Reuters © Bereitgestellt von Neue Zürcher Zeitung Der Rettungsplan für die Lufthansa wird startklar, auch aus Brüsseler Sicht. ; Kai Pfaffenbach / Reuters

(dpa)

Die Wettbewerbshüter der EU-Kommission haben das Lufthansa-Rettungspaket der Bundesregierung genehmigt. Die Freigabe der Rekapitalisierungshilfen in Höhe von sechs Milliarden Euro unterliegt allerdings der Bedingung, dass die grösste deutsche Fluggesellschaft Verpflichtungen zur Vermeidung von Wettbewerbsverzerrungen einhält.

Zu diesen zählt, dass die Lufthansa Start- und Landerechte an den Hauptstandorten Frankfurt und München abgeben muss. Dies soll es der Konkurrenz ermöglichen, eine Basis mit bis zu vier Flugzeugen an den Standorten aufzubauen.

Der Rettungsplan für die Lufthansa sieht vor, dass der staatliche Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) im Zuge einer Kapitalerhöhung Aktien zeichnet, um eine Beteiligung von 20 Prozent am Grundkapital der Fluggesellschaft aufzubauen. Zudem sind stille Einlagen von insgesamt bis zu 5,7 Milliarden Euro sowie ein Kredit in Höhe von bis zu 3 Milliarden Euro geplant. Letzterer unterliegt allerdings nicht den Auflagen und war grundsätzlich bereits im März genehmigt worden.

Notwendig sind die Hilfen für die Lufthansa, weil die Corona-Pandemie mit den folgenden Reisebeschränkungen die Geschäfte des Unternehmens mit Ausnahme der Fracht nahezu zum Erliegen gebracht hat. In dem Konzern mit rund 138 000 Beschäftigten stehen deswegen Zehntausende Arbeitsplätze auf der Kippe.

Der weltweite Personalüberhang wurde zuletzt auf 22 000 Stellen beziffert. Davon entfallen rund 11 000 Stellen auf Deutschland.

Die Lufthansa-Aktionäre sollen an diesem Donnerstag über die Kapitalbeteiligung des Bundes und damit indirekt auch über das gesamte Rettungspaket von 9 Milliarden entscheiden. Nachdem der grösste Lufthansa-Aktionär, der Milliardär und Industrielle Heinz Hermann Thiele, seine Zustimmung angekündigt hat, wird mit grünem Licht gerechnet.

Die Brüsseler EU-Kommission hatte die Regeln für Staatshilfen wegen der Corona-Krise zuletzt deutlich gelockert. Sie wacht allerdings weiter darüber, dass Hilfspakete nicht zu unverhältnismässigen Wettbewerbsverzerrungen im Binnenmarkt führen. Sieht sie diese Gefahr, kann sie wie im Fall der Lufthansa besondere Auflagen fordern.

Als generelle Auflage gilt zum Beispiel, dass die mit dem Geld der Steuerzahler finanzierte Unterstützung für Unternehmen hinreichend vergütet wird. Zudem dürfen staatlich rekapitalisierte Unternehmen keine Dividenden mehr ausschütten und keine Bonuszahlungen mehr leisten.

Australische Qantas streicht Tausende von Stellen

Qantas will sich mit niedrigeren Umsätzen neu positionieren. Cameron Spencer / Getty ; © Bereitgestellt von Neue Zürcher Zeitung Qantas will sich mit niedrigeren Umsätzen neu positionieren. Cameron Spencer / Getty ;

(dpa) Die australische Fluggesellschaft Qantas hat am Donnerstag die Streichung von 6000 Stellen angekündigt. Qantas müsse sich für mehrere Jahre mit deutlich niedrigeren Umsätzen neu positionieren, sagte Konzernchef Alan Joyce. «Und das bedeutet, kurzfristig eine kleinere Fluggesellschaft zu werden.»

Mindestens 100 Maschinen sollen bis zu einem Jahr lang am Boden bleiben. Dazu gehört ein Grossteil der internationalen Flotte. Über die nächsten drei Jahre sollen die Kosten so um 15 Milliarden Australische Dollar (rund 9,1 Milliarden Euro) reduziert werden, hiess es. Qantas begeht im November den 100. Jahrestag seiner Inbetriebnahme.

Softbank-Chef Son und Alibaba-Chef Ma gehen getrennte Wege

(dpa) Zwei Shooting-Stars der asiatischen Tech-Welt machen künftig nicht mehr gemeinsame Sache: Softbank-Chef Masayoshi Son und Alibaba-Gründer Jack Ma. Son steigt aus dem Verwaltungsrat des chinesischen E-Commerce-Konzerns Alibaba aus, wie er am Donnerstag an der Hauptversammlung von Softbank ankündigte. Zuvor hatte Alibaba-Gründer Jack Ma bekanntgegeben, dass er nicht mehr dem Verwaltungsrat des japanischen Telekom- und Internetkonglomerats Softbank angehören wird. Son betonte, dass die Trennung «vollkommen freundschaftlich» erfolgt sei.

Die Geschichte der beiden Firmen ist eng miteinander verbunden. Im Jahr 2000 hatte Masayoshi Son 20 Millionen US-Dollar in das Internetportal eines jungen Jack Ma investiert. Mittlerweile ist der Anteil 150 Milliarden Dollar wert. Das hat Sons Ruf als Investor gestärkt und ihm später dabei geholfen, das Geld für den 100 Milliarden Dollar schweren Vision Fund einzutreiben.

Raiffeisen Schweiz-GV stimmt allen VR-Anträgen zu

(awp/sda) Die Vertreter der Raiffeisenbanken haben an der Generalversammlung (GV) sämtlichen Anträgen des Verwaltungsrats zugestimmt. Sie genehmigten unter anderem die Jahresrechnung 2019 von Raiffeisen Schweiz und die konsolidierte Jahresrechnung 2019 der Raiffeisen Gruppe.

Die GV, die erstmals seit 30 Jahren wieder nach dem Prinzip «eine Bank, eine Stimme» durchgeführt wurde, wurde in Form einer digitalen Orientierungsveranstaltung mit anschliessender elektronischer Abstimmung abgehalten, wie die Genossenschaftsbank am Donnerstag mitteilte.

Dabei hiessen die Mitglieder in einer Konsultativabstimmung den Vergütungsbericht und den Vergütungsrahmen des Verwaltungsrats und der Geschäftsleitung von Raiffeisen Schweiz für das laufende Geschäftsjahr mit klarer Mehrheit gut.

Auch wurden alle bestehenden Verwaltungsratsmitglieder von Raiffeisen Schweiz mit grosser Mehrheit für weitere zwei Jahre in ihrem Amt bestätigt. Verwaltungsratspräsident Guy Lachappelle wurde ebenfalls mit deutlichem Mehr wiedergewählt.

Zudem wählte die GV als neue Revisionsstelle Ernst&Young für die Periode 2021 bis 2023. Damit übernimmt EY das Mandat der bisherigen Prüfgesellschaft PriceWaterhouseCoopers.

Coronavirus und Zollsorgen bringen Rückschlag an der Börse

(dpa) Die Angst vor einer neuen Corona-Infektionswelle hat am Mittwoch die Börsen in den USA ins Stolpern gebracht. Gemeinsam mit der Spekulation über zusätzliche amerikanische Zölle für europäische Waren überlagerten die Sorgen der Anleger nun doch wieder die zuletzt spürbare Hoffnung auf eine Konjunkturerholung. Der Leitindex Dow Jones Industrial schloss 2,72 Prozent tiefer bei 25 445,94 Punkten.

Unter diesen Umständen fand auch die Rekordjagd an der Nasdaq-Börse am Mittwoch vorerst ein Ende. Der technologielastige Auswahlindex Nasdaq 100 verlor 2,03 Prozent auf 10002,69 Punkte. Mit Mühe konnte er sich letztlich über der 10 000er Marke halten. Der marktbreit gefasste S&P 500 büsste 2,59 Prozent auf 3050,33 Zähler ein.

Die Neuinfektionen in den USA erreichten am Mittwoch einen Tageshöchstwert seit April – und der führende amerikanische Immunologe Anthony Fauci sprach von einem «beunruhigenden Anstieg» in mehreren Gliedstaaten. Die Gliedstaaten New York, New Jersey und Connecticut verhängten eine zweiwöchige Quarantäne für all diejenigen, die aus Gliedstaaten mit stärkerem Infektionsgeschehen einreisen.

«Der Weg zur neuen Normalität war immer voller Schlaglöcher», kommentierte Marktexperte Craig Erlam vom Broker Oanda. Die Wiederöffnung der Volkswirtschaften führe unweigerlich zu einer steigenden Anzahl von Infektionen, aber nun werde der Umgang damit entscheidend dafür sein, ob der Kampf gegen den Virus erfolgreich bleibt oder neue Einschränkungen erforderlich wird.

Derweil wenden sich die USA offenbar wieder dem Handelsstreit mit der EU und Grossbritannien zu. Aus einer Mitteilung des amerikanischen Handelsbeauftragten geht hervor, dass die Regierung über Zölle auf Waren im Wert von 3,1 Milliarden US-Dollar nachdenkt. Davon betroffen sein könnten unter anderem Bier, Schokolade, Oliven und Gin.

Swissport will die Hälfte seiner Stellen in Grossbritannien streichen

Der Flughafendienstleister Swissport will wegen der Coronavirus-Pandemie rund die Hälfte seiner 8500 Stellen in Grossbritannien streichen. Das teilte das Unternehmen am Mittwoch in London mit. Der Verband der britischen Flughäfen AOA (Airports Operators Association) warnte unterdessen vor dem Verlust von mehr als 100 000 Arbeitsplätzen landesweit in der Branche als Folge der Coronavirus-Krise. Anfang kommender Woche will sich die britische Regierung zu Ausnahmeregelungen für die umstrittene Quarantänepflicht für Reisende nach Grossbritannien äussern.

Bei Swissport kommt es in Grossbritannien zu einem grossflächigen Stellenabbau. Francois Lenoir / Reuters © Bereitgestellt von Neue Zürcher Zeitung Bei Swissport kommt es in Grossbritannien zu einem grossflächigen Stellenabbau. Francois Lenoir / Reuters

Swissport begründete den Schritt mit einem Umsatzeinbruch von 75 Prozent bis Mai. Das Unternehmen müsse sich «nun der unangenehmen Realität stellen, dass einfach nicht genügend Flugzeuge fliegen, um unseren Betrieb so aufrechtzuerhalten wie vorher», sagte Jason Holt, der Swissport-Chef für Grossbritannien und Irland, der Mitteilung zufolge.

Bei der Ankündigung handle es sich um «verheerende Neuigkeiten», teilten die britischen Gewerkschaften Unite und GMB mit. Sie forderten die Regierung in London auf, ein Rettungspaket für die britische Luftfahrtbranche zu schnüren. Swissport ist nach Gewerkschaftsangaben der grösste Anbieter von Bodenabfertigung in Grossbritannien.

«Die Erwägung von Swissport, Jobs in dieser Grössenordnung zu streichen, macht uns zutiefst besorgt über die Überlebensfähigkeit vieler regionaler Flughäfen und die Vorteile für regionale Anbindung, die sie bringen», sagte Nadine Houghton von GMB.

Die britische Regierung ist seit Wochen schwer in der Kritik wegen der Einführung einer Quarantänepflicht für alle Reisenden nach Grossbritannien. Die Regelung gilt seit dem 8. Juni. Mehrere Fluggesellschaften haben dagegen Klage eingereicht. Am kommenden Montag sollen Erleichterungen vorgestellt werden. Medienberichten zufolge könnten dann Reisende aus beliebten Urlaubszielen wie Frankreich, Italien, Spanien und Griechenland durch sogenannte Luftbrücken von der Quarantänepflicht ausgenommen werden. Betreffen würde das wohl vor allem Rückkehrer aus Grossbritannien.

Jet Aviation streicht 200 Arbeitsplätze am Flughafen Basel-Mulhouse

(awp/afp) Der Luftfahrt-Dienstleister Jet Aviation wird an seinem Standort am Flughafen Basel-Mulhouse rund 200 Stellen abbauen. Das erfuhr die Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch vom Management der Betreibergesellschaft.

Die Umstrukturierung werde zu mindestens 190 Stellenstreichungen führen, teilte die Unternehmensleitung in einer internen Mitteilung mit. Jet Aviation beschäftigt derzeit am Euroairport Basel-Mulhouse für die Umrüstung von Verkehrsflugzeugen in Privatjets für wohlhabende Kunden etwa 1200 Mitarbeiter. Es handle sich dabei mehrheitlich um französische Staatsangehörige oder in Frankreich wohnhafte Personen.

Das Unternehmen, eine Tochtergesellschaft des amerikanischen Verteidigungsluftfahrtkonzerns General Dynamics, hatte bereits im Mai die Absicht angekündigt, seine Belegschaft reduzieren zu wollen. Dabei berief es sich auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Luftfahrtindustrie.

Allerdings könnte das Unternehmen noch Probleme mit den französischen Behörden erhalten. Gemäss Jean-Luc Johaneck von der Grenzgänger-Vereinigung «Comitée de défense des travailleurs frontaliers» entspreche der Entlassungsplan nicht den französischen Vorschriften für Sozialpläne. «Aber es gilt französisches Recht, weil der Flughafen auf französischem Territorium liegt», habe Johaneck betont.

Im Wirecard-Skandal wird eine Hauptfigur der Affäre in Südostasien vermutet

Hält sich der ehemalige Wirecard-Vorstand Jan Marsalek in der philippinischen Hauptstadt Manila auf? Eloisa Lopez / Reuters © Bereitgestellt von Neue Zürcher Zeitung Hält sich der ehemalige Wirecard-Vorstand Jan Marsalek in der philippinischen Hauptstadt Manila auf? Eloisa Lopez / Reuters

(dpa) Die philippinische Einwanderungsbehörde sucht den ehemaligen Wirecard-Vorstand Jan Marsalek, wie Justizminister Menardo Guevarra am Mittwoch in Manila sagte. Marsalek war demnach am 3. März in der philippinischen Hauptstadt und reiste zwei Tage später wieder aus. «Es gibt jedoch einige Hinweise darauf, dass er kürzlich zurückgekehrt ist und möglicherweise noch dort ist», sagte Guevarra. Ausserdem haben die Philippinen im Zusammenhang mit der Affäre um mutmassliche Luftbuchungen in Höhe von 1,9 Milliarden Euro Geldwäsche-Ermittlungen eingeleitet.

Marsalek galt beim Zahlungsabwickler Wirecard als rechte Hand des gestürzten Vorstandschefs Markus Braun. Er war für das Tagesgeschäft verantwortlich, wurde aber vergangene Woche zuerst suspendiert, am Montag dann fristlos entlassen - ein klares Anzeichen, dass Wirecard-Aufsichtsrat und -Vorstand mittlerweile davon ausgehen, dass Marsalek gegen seine Pflichten verstossen hat.

Interessiert an Marsalek sind naturgemäss auch die Münchner Ermittler. Laut «Handelsblatt» wird Marsalek per Haftbefehl gesucht, eine Bestätigung dafür gab es nicht. Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft hatte allerdings schon am Vortag dazu gesagt, sie könne das «weder bestätigen noch dementieren» - die traditionelle Formel für zutreffende Nachrichten, die eine Behörde nicht offiziell machen will.

Corona-Lockdown trifft den Westschweizer Maschinenhersteller Bobst hart

df.

Die Firma Bobst aus Mex bei Lausanne hat laut vorläufigen Berechnungen in der ersten Hälfte dieses Jahres mehr als 200 Mio. Fr. weniger Umsatz erwirtschaftet als in derselben Vorjahresperiode. Dies entspricht gegenüber dem letztjährigen Erlös von 737 Mio. Fr. einem Einbruch von über einem Viertel. Laut Unternehmen wurden die Geschäfte schwer durch Reisebeschränkungen infolge der Coronavirus-Pandemie beeinträchtigt. So hätten zahlreiche neue Maschinen bei Kunden nicht installiert werden können. Auch Servicearbeiten seien deutlich erschwert worden. Wegen des schwachen Geschäftsverlaufs rechnet das Unternehmen mit einem Semesterverlust in Höhe von 35 Mio. bis 45 Mio. Fr. Für das Gesamtjahr sieht sich die Firmenführung ausserstande, eine Prognose abzugeben. Trotz meistenorts wieder geöffneten Grenzen sei zurzeit nicht absehbar, wie weit wieder Flugreisen unternommen werden könnten und wie sich die Konjunktur entwickeln werde.

Trump-Regierung denkt über neue Zölle im Umfang von 3,1 Milliarden US-Dollar nach

(dpa) Die USA erwägen neue Zölle gegen die Europäische Union (EU) und Grossbritannien. Die Regierung von Präsident Donald Trump denkt über Zölle auf Waren im Wert von 3,1 Mrd. US-Dollar nach, wie aus einer Mitteilung des US-Handelsbeauftragten vom späten Dienstagabend hervorgeht. Betroffen davon seien Güter aus Frankreich, Deutschland, Spanien und Grossbritannien.

Neue Zölle sollen auf Oliven, Bier, Gin und Lastkraftwagen erhoben werden. Zudem sollen höhere Zölle für Flugzeuge, Käse und Joghurt gelten. Die Massnahmen sollen jedoch nicht vor dem 26. Juli in Kraft treten. Die EU und Grossbritannien können also noch darauf reagieren.

Der Androhung steht offenbar im Zusammenhang mit dem jahrelangen Streit zwischen den USA und Europa über verbotene Subventionen für die Flugzeugbauer Airbus und Boeing. Das Vorgehen der USA kommt zu einer denkbar ungünstigen Zeit. Die Erholung der Weltwirtschaft von der Corona-Krise könnte so ausgebremst werden.

Bern lehnt Kurzarbeitsgesuch von Postauto ab – auch die SBB laufen auf

Ein Postauto am Dorfausgang von Tschlin. Christian Beutler / NZZ © Bereitgestellt von Neue Zürcher Zeitung Ein Postauto am Dorfausgang von Tschlin. Christian Beutler / NZZ

(sda) Die Postauto AG erhält im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie keine Kurzarbeitsentschädigung. Die zuständige Stelle beim Kanton Bern hat das Gesuch der Post-Tochter abgelehnt.

Die Medienstelle bestätigte auf Anfrage eine Meldung von Schweizer Radio SRF vom Mittwoch. Laut dem Radiobericht wurde auch das Kurzarbeitsgesuch der SBB abgelehnt. «Der Antrag der SBB auf Kurzarbeit ist von den kantonalen Arbeitsmarktbehörden abgelehnt worden», zitierte SRF eine Mitteilung des Bahnunternehmens.

Postauto hatte für Fahrerinnen und Fahrer sowie Fahrausweiskontrolleure Kurzarbeitsentschädigung beantragt, wie Sprecher Urs Bloch auf Anfrage von Keystone-SDA mitteilte. Für diese Angestellten habe der Entscheid keine unmittelbaren Konsequenzen. Sie hätten in der Phase der Kurzarbeit den vollen Lohn erhalten.

Wie es nach dem Entscheid weitergehen soll, liess der Sprecher offen. Der Bescheid aus Bern werde zurzeit analysiert und das weitere Vorgehen geprüft, schrieb er.

Obwaldner Motorenbauer Maxon erzielt 2019 Rekordergebnis

(sda/awp) Die Obwaldner Maxon Gruppe hat im vergangenen Jahr ein Rekordergebnis erzielt. Der Hersteller von Elektromotoren steigerte den Umsatz um 7,9 Prozent auf 567,8 Millionen Franken. Wegen der Coronapandemie befindet man sich allerdings im Sparmodus.

Das Wachstum 2019 sei durch den Ausbau von Märkten und Kunden erreicht worden, heisst es in einer Mitteilung vom Mittwoch. Für 2020 wird jedoch wegen der Coronapandemie mit einem Umsatzrückgang von 10 Prozent gerechnet. Das Wachstum sei trotz einer weltweit spürbaren konjunkturellen Abschwächung erreicht worden.

Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen mehr als 40 Millionen Franken in mobile Sachanlagen und in den Bau neuer Büro- und Produktionsanlagen investiert. Diesbezüglich sei man derzeit zurückhaltend, seit mit dem Ausbruch der Coronapandemie ein globales Sparprogramm eingeführt wurde, sagte ein Sprecher auf Anfrage.

Zum Umfang machte er keine Angaben, sagte aber, es seien alle Bereiche betroffen - von Einstellungen, über neue Maschinen bis zu Gebäuden. Entlassungen seien keine vorgesehen.

Im März hatte das Unternehmen Kurzarbeit beantragt und angekündigt, dass wohl sämtliche 1300 Mitarbeitende am Hauptsitz in Sachseln OW davon betroffen sein würden. So weit kam es indes nicht. Von der zweimonatigen Kurzarbeit, die mittlerweile wieder aufgehoben wurde, seien rund 400 Mitarbeitende betroffen gewesen, ausgenommen waren die Produktion sowie weitere Abteilungen.

Entgegen der Befürchtungen sei es nicht zum Abbruch der Lieferketten gekommen. Einen Nachfrageeinbruch verzeichnete Maxon laut dem Sprecher in den Bereichen Transport und Luftfahrt. Dagegen sei die Nachfrage aus der medizinischen Branche hoch gewesen, etwa nach Teilen für Beatmungsgeräte.

Maxon baut Antriebe für die Medizintechnik und den Bereich «Industrie Automation und Robotik». Daneben gehören auch Mess- und Prüftechnik, Luft- und Raumfahrt sowie die Automobilindustrie zu dem Marktsegmenten.

Ende Jahr beschäftigte Maxon 3050 Mitarbeitende an weltweit neun Produktionsstandorten und in über 30 Ländern mit Vertriebsgesellschaften, wie es weiter heisst. In den letzten zehn Jahren hat die Gruppe ihren Umsatz mehr als verdoppelt.

Reisedetailhändler Dufry plant Stellenabbau

(awp/sda) Dufry will die massiven Folgen der Coronapandemie mit einer harten Restrukturierung auffangen. Der Reisedetailhändler setzt die Schere auch bei den und 35'000 Mitarbeitern an.

Insgesamt will Dufry 20 bis 35% der Personalkosten einsparen, wie es in der Medienmitteilung vom Mittwoch heisst. Damit will das Unternehmen den Umsatzeinbruch von 40 bis 70% auffangen, den Dufry bereits im Mai bekannt gegeben hatte.

Das Unternehmen kündigt nun Frühpensionierungen und eine eingeschränkte Beschäftigungen von Temporärmitarbeitern an. Die Personalkosten sollen aber auch über staatliche Unterstützungsprogramme und den Abbau von Stellen auf allen Organisationsebenen und in allen Regionen gesenkt werden.

Aufgrund von Konsultationsverfahren in mehreren Ländern sei es derzeit nicht möglich, Details zur Anzahl und den Standorten der betroffen Stellen zu nennen, teilte Dufry weiter mit. Umsetzen will der Duty-Free-Shop-Betreiber die Massnahmen zwischen Juni und Oktober 2020.

EZB-Chefökonom: Euro-Wirtschaft erst 2022 auf Niveau vor Corona

(awp/sda/dpa) Die Europäische Zentralbank (EZB) rechnet nicht vor 2022 mit einer Rückkehr der Wirtschaft im Euroraum zum Wachstumsniveau vor der Corona-Krise. Angesichts der allmählichen Lockerungen gebe es zwar «einige Anzeichen für eine erste Erholung», sagte EZB-Chefökonom Philip Lane am Mittwoch in einer Videokonferenz.

Man müsse sich jedoch auf einen längeren Prozess einstellen, «da es einige Zeit dauern wird, bis sich Verbraucher und Unternehmen von diesem Schock erholt haben». Lane bekräftigte: «Wir glauben nicht, dass wir vor Ende 2022 zum Niveau von 2019 zurückkehren werden.»

Mit ihrem Anleihenkaufprogramm leistet die EZB nach Lanes Einschätzung einen massgeblichen Beitrag zur Stabilisierung der Märkte. Die EZB hatte Anfang Juni ihr Notkaufprogramm PEPP (Pandemic Emergency Purchase Programme) um 600 Milliarden auf 1,35 Billionen Euro fast verdoppelt.

Zudem verlängerten die Währungshüter die Mindestlaufzeit des Programms um ein halbes Jahr bis Ende Juni 2021. Die EZB kauft im Rahmen des PEPP verschiedene Arten von Wertpapieren, hauptsächlich Staatsanleihen der Euroländer.

«Ich diesen Zeiten sind die Vorteile der Käufe viel grösser als normal», sagte Lane mit Blick auf grundsätzliche Kritik an Anleihenkäufen der Notenbank. Er betonte zugleich, das PEPP sei eine zeitlich begrenzte Sondermassnahme. «Diese aussergewöhnliche Massnahme wird eindeutig enden, wenn die Pandemie vorbei ist.» Zentralbanken sollten nicht «permanent eine übermässige Rolle» spielen, sagte der EZB-Chefökonom.

Wirecard-Kunden beginnen, sich nach Alternativen umzuschauen

Kunden von Wirecard rund um die Welt suchen nach neuen Lösungen. Michael Dalder / Reuters © Bereitgestellt von Neue Zürcher Zeitung Kunden von Wirecard rund um die Welt suchen nach neuen Lösungen. Michael Dalder / Reuters

(Bloomberg) Der Skandal um vermutete Bilanzmanipulationen bei der Wirecard AG versetzt inzwischen nicht mehr nur Börse und Aufsichtsbehörden in Aufruhr. Angesichts der Verhaftung von Ex-Chef Markus Braun, der inzwischen gegen Kaution frei ist, bekommen allmählich auch die ersten Kunden kalte Füsse.

In Singapur teilte der Fahrdienstleister Grab mit, der eine Partnerschaft mit Wirecard plante, mit der Integrationsvorbereitung nicht zu beginnen. Der französische Telekomkonzern Orange SA wird für seine Tochter Orange Bank informierten Kreisen zufolge in Kürze auf einen neuen Zahlungspartner umschwenken. Ein Orange-Sprecher lehnte eine Stellungnahme ab. Die Zusammenarbeit beider Firmen reicht mindestens bis 2013 zurück.

Der niederländische Arm der Fluggesellschaft Air France-KLM prüft nach Angaben eines Sprechers die Lage. Die Londoner Onlinebank Revolut Ltd. hat sich entschieden, Kunden auf einen anderen Anbieter umzustellen, um Probleme beim Service zu vermeiden.

Mindestens genauso dringend wie die Sicherung der Kundenbasis ist für den neuen Wirecard-Interims-CEO James Freis, die Zusammenarbeit mit den Kreditkarten-Anbietern zu sichern. Wirecard verfügt über Lizenzen von Mastercard, Visa und JCB International. Über sie gibt die Banksparte des Konzerns ihre Karten aus.

Wenn Wirecard die verschollenen 1,9 Milliarden Euro nicht auffinden kann, könnten sich die Kreditkartenfirmen gezwungen sehen, die Lizenzen zu widerrufen. Ein Wirecard-Sprecher lehnte eine Stellungnahme ab. «Ob sie die Lizenzen von Visa und Mastercard halten können, ist die grosse Frage», sagt Analyst Neil Campling von Mirabaud. «Ohne sie, haben sie kein Geschäft mehr.»

Ein Sprecher der Mastercard Inc. erklärte, das Unternehmen verfolge die Entwicklung bei Wirecard, wollte sich zu den Gesprächen mit einzelnen Kunden aber nicht äussern. Eine Sprecherin der Visa Inc. sagte, man beobachte weiterhin, was vor sich gehe.

| Anzeige
| Anzeige

Mehr von Neue Zürcher Zeitung

Neue Zürcher Zeitung
Neue Zürcher Zeitung
| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon