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Identität von «Anonymous» gelüftet

20 Minuten-Logo 20 Minuten 29.10.2020

Zwei Jahre nachdem ein kritischer Insider-Bericht über das Weisse Haus unter Trumps Regierung veröffentlicht wurde, wurde die Identität des Autors bekannt gegeben. Es handelt sich dabei um Miles Taylor, ehemaliger Stabschef aus dem Ministerium für Heimatschutz.

Kirstjen Nielsen, damalige US-Ministerin für Heimatschutz und Miles Taylor, damaliger Stabschef aus dem Ministerium für Heimatschutz. Nach gut zwei Jahren gab sich Taylor als Autor eines kritischen Insider-Artikels über das Weisse Haus von Trump zu erkennen. © Keystone/AP/Alex Brandon Kirstjen Nielsen, damalige US-Ministerin für Heimatschutz und Miles Taylor, damaliger Stabschef aus dem Ministerium für Heimatschutz. Nach gut zwei Jahren gab sich Taylor als Autor eines kritischen Insider-Artikels über das Weisse Haus von Trump zu erkennen.

Das Geheimnis um einen kritischen Insider-Artikel über das Weisse Haus von US-Präsident Donald Trump ist gelüftet: Nach gut zwei Jahren hat sich am Mittwoch der frühere Stabschef aus dem Ministerium für Heimatschutz, Miles Taylor, als Autor zu erkennen gegeben.

Er hatte einen Aufsehen erregenden Artikel auf der Meinungsseite der «New York Times» und das spätere Enthüllungsbuch «A Warning» unter dem Pseudonym «Anonymous» veröffentlicht.

Trump machte seiner Verärgerung über den 33-Jährigen während einer Wahlkampfveranstaltung in Goodyear (Arizona) Luft. Er nannte Taylor einen «Niemand», einen «verärgerten Angestellten» und einen «Mitarbeiter auf niedriger Ebene, einen Widerling, der nie im Weissen Haus gearbeitet hat.» Trump fügte hinzu: «Dieser Kerl sollte, meiner Meinung nach, strafrechtlich verfolgt werden.»

Taylor ist scharfer Kritiker Trumps

Taylors Einstellung zu Trump kommt wenig überraschend: Er tritt bereits seit einiger Zeit als scharfer Kritiker des Präsidenten auf, unter anderem bei CNN. Allerdings hatte die Umschreibung des Autors bei der Veröffentlichung des Artikels im September 2018 als «ranghohen Beamten der Trump-Regierung» viele vermuten lassen, dass «Anonymous» jemand aus dem inneren Machtzirkel im Weissen Haus ist. Der Artikel und das Buch führten dort zu einer fieberhaften Suche nach dem Urheber und diversen Verdächtigungen. Seine falschen Berichte und sein erfundenes Buch seien nur ein weiterer riesiger «Schwindel» des politischen Establishments, sagte Trump am Mittwoch.

Der Autor hatte sich damals als Teil eines «Widerstandes» gegen den Präsidenten beschrieben und ihm unter anderem «antidemokratische Impulse» und ein unberechenbares Verhalten vorgeworfen.

Taylor war als Stabschef von Heimatschutzministerin Kirstjen Nielsen an der Umsetzung kontroverser Entscheidungen der Trump-Regierung beteiligt. Dazu gehören das Einreiseverbot für Bürger aus sieben mehrheitlich muslimischen Ländern und die Trennung von Kindern illegaler Einwanderer von ihren Eltern an der US-Grenze. Trumps Sprecherin Kayleigh McEnany bezeichnete Taylor am Mittwoch als «ineffizient und inkompetent» in seinem Job, weswegen er schnell entlassen worden sei.

Taylor bezeichnet Trump als «ein Mann ohne Charakter»

Taylor schrieb am Mittwoch in einer persönlichen Erklärung: «Ich bin ein Republikaner, und ich wollte, dass dieser Präsident Erfolg hat.» Trump habe aber immer wieder in Krisenzeiten bewiesen, dass er «ein Mann ohne Charakter» sei. Seine persönlichen Makel hätten zu Führungsversagen geführt, das so bedeutsam sei und in verlorenen amerikanischen Menschenleben gemessen werden könne.

Seine Ansicht sei von vielen in den höchsten Regierungsetagen geteilt worden, schrieb Taylor. In den vergangenen Wochen hatten auch diverse andere frühere Mitarbeiter aus Trumps Regierung ihre Unterstützung für Herausforderer Joe Biden in der Präsidentenwahl am Dienstag bekundet.

Taylor verteidigte auch, dass er sich nicht zu erkennen und unter dem Pseudonym «Anonymous» veröffentlicht habe. Dies habe den Präsidenten gezwungen, auf Vorwürfe direkt einzugehen. Trump habe keine Ablenkungen kreieren können, beispielsweise durch kleine Beleidigungen oder Beschimpfungen.

Die Lüftung der Identität von Taylor werde wahrscheinlich die Debatte über seine Motive erneuern und die Frage aufwerfen, ob seine Position in der Trump-Regierung hoch genug gewesen sei, um die Entscheidung der Mitarbeiter der Meinungsseite bei der «New York Times» und des Herausgebers des Buches, sie geheim zu halten, zu rechtfertigen, schrieb das Blatt am Mittwoch. Als Stabschef einer Ministerin habe er einen Spitzenjob in dem 240 000 Mitarbeiter zählenden Ministerium und regelmässigen Zugang zu Trump und hochrangigen Mitarbeitern im Weissen Haus gehabt.

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