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Im Wylerdörfli ist der Wahlkampf ausgebrochen

Der Bund-Logo Der Bund 12.04.2019 Sophie Reinhardt

Um das Präsidium der Wohnbaugenossenschaft Wylerdörfli in Bern kämpfen zwei Bewohner.

Im Wylergut herrscht sonst eigentlich Idylle. Doch derzeit ist alles anders. © Andreas Blatter Im Wylergut herrscht sonst eigentlich Idylle. Doch derzeit ist alles anders.

In der Freizeit Sitzungen leiten, Geschäftsberichte verfassen und am Quartierblatt mitarbeiten? Um das, was sich nach eher langweiliger Freiwilligenarbeit anhört, reissen sich gerade zwei Bewohner im Berner Wylergut. Seit drei Jahren sucht Thomas Gees, noch Präsident der Siedlungsgenossenschaft Wylergut, einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin. Lange Zeit meldete niemand sein Interesse an – bis sich die Verwaltung einen PR-Coup ausdachte. Auf der Titelseite der Zeitschrift der Genossenschaft prangte im Dezember gross «Oligarch kauft Wylergut».

Der Verkauf sei möglich, da die Genossenschaft niemanden für das Präsidialamt gefunden habe, hiess es im nicht ganz wahrheitsgetreuen Editorial des Magazins der Genossenschaft. Und schwups meldeten sich vier Interessenten. Man könnte also davon ausgehen, dass sich der jetzige Präsident am grossen Interesse an seinem Posten freue. Doch so einfach ist die Sache nicht. Denn von den anfangs vier interessierten Kandidaten sind noch zwei verbissene übrig – und nun ist der harte Wahlkampf ausgebrochen im sonst eher ruhigen Wylerdörfli.

Auch auf den sozialen Medien gebe die Wahl Anlass zu kontroversen Diskussionen.

Auf dem Spielplatz und in den Waschküchen sei die Kampfwahl das grosse Thema, erzählt eine Bewohnerin des Wylerdörfli. Generationen und Hauseigentümer seien gespalten in der Frage: «Es geht ein Graben durchs Dörfli», sagt sie. Auch auf den sozialen Medien gebe die Wahl Anlass zu kontroversen Diskussionen. Nun hat die Verwaltung der Genossenschaft juristische Hilfe beigezogen, die dafür sorgen soll, dass die geheime Wahl am 16. Mai mit rechten Dingen zu- und hergeht – auch deshalb, weil ein Kandidat der Verwaltung bereits erklärte, dass er eine Beschwerde einreichen werde, wenn er nicht gewählt werde. Dies weil die Verwaltung den andern Kandidaten empfahl.

Weil die Wogen so hochgehen, wird nun zu einer moderierten Wahlkampfveranstaltung eingeladen, an der sich die Genossenschafter ein Bild von den beiden Kandidaten machen können. Zudem machen Motivationsschreiben der beiden die Runde. Der eine wirbt darin, dass er gut verschiedene Menschen, Wünsche und Meinungen an einen Tisch bringen könne. Und dass er seit Jahren in der Männerkochgruppe und am Brunch im Wylergut mithelfe. Sein Gegner wirbt mit dem Wahlspruch «Mit Härzbluet fürs Wylerguet», fordert, dass der Bus auch sonntags durchs Quartier fahren soll, und schlägt eine Kinder-Generalversammlung vor. In dieser dürften künftig die jungen Bewohner sagen, was sie sich von der Wohngenossenschaft wünschten. Nur Wahlkampfplakate habe er noch keine gesichtet, sagt Gees.

Wovon profitiert man als Präsident der Genossenschaft? Besondere Vorteile sind nicht zu erwarten. So steht ihm weder eine Gratis-Wohnung noch ein Vorverkaufsrecht zur Verfügung. Aber er wird sich mit der Zukunft der Mehrfamilienhäuser an der Polygonstrasse beschäftigen müssen, sagt Gees. Die Genossenschaftshäuser nahe an den SBB-Gleisen sind in die Jahre gekommen, und so steht die Frage im Raum, ob diese einst Ersatzbauten weichen sollen.

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