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Initiative #StopHateForProfit gegen Facebook und Instagram gewinnt weitere Unterstützer, oberstes deutsches Gericht setzt Facebook Grenzen beim Datensammeln – und weitere Wirtschaftsmeldungen

Neue Zürcher Zeitung-Logo Neue Zürcher Zeitung 24.06.2020

Initiative #StopHateForProfit: Auch Ben & Jerry's schliesst sich Protestaktion gegen Facebook und Instagram an

(dpa) Der amerikanische Glace-Hersteller Ben & Jerry's will aus Protest gegen Facebooks Umgang mit rassistischen, hetzerischen und manipulativen Inhalten vorerst keine Werbung mehr bei dem Online-Netzwerk schalten. Facebook müsse mehr tun, um die Nutzung seiner Plattform zur Spaltung Amerikas zu verhindern, forderte das zum Konsumgüterkonzern Unilever gehörende Unternehmen am Dienstag (Ortszeit). Ben & Jerry's schliesse sich deshalb der Initiative #StopHateForProfit an und stoppe in den USA ab 1. Juli bis auf Weiteres sämtliche bezahlten Anzeigen bei Facebook und Instagram.

Amerikanische Bürgerrechtsorganisationen hatten Firmen in der vergangenen Woche zu dem Boykott aufgerufen. So soll Facebook an einer empfindlichen Stelle getroffen werden – der Konzern macht fast seinen ganzen Umsatz mit Werbeerlösen. Mit The North Face und Patagonia schlossen sich bereits andere bekannte Marken an. Die Protestwelle gegen Rassismus und Polizeigewalt hat die Kritik an Facebook, zu nachlässig mit kontroversen Beiträgen umzugehen, wieder stark aufflammen lassen. Dazu trug auch Facebook-Chef Mark Zuckerberg wesentlich bei, der sich weigerte, gegen umstrittene Aussagen von Präsident Donald Trump einzuschreiten.

Oberstes deutsches Gericht setzt Facebook Grenzen beim Datensammeln

Facebook missbraucht nach Überzeugung der Richter seine marktbeherrschende Stellung. Elijah Nouvelage / Reuters © Bereitgestellt von Neue Zürcher Zeitung Facebook missbraucht nach Überzeugung der Richter seine marktbeherrschende Stellung. Elijah Nouvelage / Reuters

(dpa) Facebook muss seinen Nutzern künftig eine Wahlmöglichkeit bei der Sammlung und Verknüpfung von Daten aus anderen Internetdiensten anbieten. Der Bundesgerichtshof (BGH) hob am Dienstag in Karlsruhe eine Entscheidung des Oberlandesgerichts (OLG) Düsseldorf auf, mit der der Vollzug einer entsprechenden Verfügung des Bundeskartellamtes aufgeschoben worden war. Die Behörde hatte dem Betreiber des sozialen Netzwerks untersagt, von seinen Nutzern die pauschale Zustimmung zum Sammeln und Verknüpfen von Daten zu verlangen, ohne die Alternative einer weniger umfangreichen Datennutzung anzubieten.

Der Vorsitzende Richter des Kartellsenats, Peter Meier-Beck, sagte zur Begründung, es bestünden weder ernsthafte Zweifel an der marktbeherrschenden Stellung von Facebook auf dem deutschen Markt für soziale Netzwerke noch daran, «dass Facebook diese marktbeherrschende Stellung mit den vom Kartellamt untersagten Nutzungsbedingungen missbräuchlich ausnutzt». Missbräuchlich sei, dass Facebook seinen Nutzern keine Wahl lasse: Ob sie das Netzwerk mit einer intensiveren Personalisierung verwenden wollen, die potenziell unbeschränkt auf alle Daten zugreift, die auch ausserhalb von Facebook entstanden sind. Oder ob sie eine Personalisierung wollen, die nur auf Daten beruht, die sie auf Facebook selbst preisgeben.

Anders als vom Kartellamt angenommen, ist nach Angaben der BGH-Richter aber nicht entscheidend, ob die Nutzungsbedingungen gegen die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) verstossen. Es bestehe auch kein grundsätzliches kartellrechtliches Verbot der erweiterten Datennutzung, solange eine Auswahl für den Kunden bestehe. Diese sei auch für den Wettbewerb wichtig.

Der Anwalt von Facebook hatte in der Verhandlung vergeblich argumentiert, die Nutzung der sogenannten Off-Facebook-Daten sei ein grosser Vorteil für die Kunden. Facebook werde dadurch zu einem besseren Produkt. Er wies auch auf erhebliche wirtschaftliche Konsequenzen hin, die ein sofortiger Vollzug der Anordnung hätte.

Facebook bietet seinen Nutzern unter anderem speziell auf sie zugeschnittene Werbung an. Grundlage dafür sind zum Beispiel andere besuchte Internetseiten oder die Nutzung des Like-Buttons. Auch werden Daten von WhatsApp und Instagram mit Facebook zusammengeführt.

Der Präsident des Kartellamts, Andreas Mundt, äusserte sich zufrieden über die Entscheidung. Daten seien ein entscheidender Faktor für wirtschaftliche Macht und für die Beurteilung von Marktmacht im Internet. «Die Entscheidung gibt uns wichtige Hinweise, wie wir mit dem Thema Daten und Wettbewerb umgehen sollen. Wenn Daten rechtswidrig gesammelt und verwertet werden, muss ein kartellrechtlicher Eingriff möglich sein, um den Missbrauch von Marktmacht zu verhindern.»

Italienische Justiz lässt 13 Personen verhaften

(awp/sda/reu) Die italienische Justiz ist einem Bestechungsfall bei millionenschweren U-Bahn-Aufträgen in Mailand auf der Spur. 13 Personen, darunter Führungskräfte von Siemens und Alstom, seien von der Steuerpolizei verhaftet worden, teilte die Staatsanwaltschaft in Mailand am Dienstag mit.

Auch gegen die Unternehmen selbst wird ermittelt. Sie können nach italienischem Recht für Straftaten ihrer Manager haftbar gemacht werden. Im Zusammenhang damit wurden Wohnungen und Büros in 15 Städten durchsucht, wie die Ermittler erklärten. Konkret geht es um Bestechungsgelder über 125.000 Euro, die von Oktober 2018 bis Juli 2019 für acht Aufträge im Gesamtwert von 150 Millionen Euro geflossen sein sollen.

In Haft sitzen auch zwei Beamte des kommunalen Nahverkehrsbetreibers in Mailand, ATM, sowie des IT-Dienstleisters Engineering Informatica. Die Verhafteten stünden unter anderem im Verdacht der Bestechung, der Störung einer Ausschreibung und des Amtsmissbrauchs.

Alstom und Siemens bestätigten die Ermittlungen und sagten zu, mit den Behörden zu kooperieren. Auch Geschäftsräume von Siemens Mobility seien durchsucht worden, sagte ein Sprecher in München. «Unsere Maxime lautet: Keinerlei Toleranz gegenüber Korruption, Wettbewerbsverstössen sowie anderen Verstössen gegen anwendbares Recht.»

Corona-Impfstoff von Hersteller Sanofi soll innerhalb eines Jahres die Zulassung erhalten

(awp/sda/reu) Der französische Pharmakonzern Sanofi kommt bei seinem Corona-Impfstoffprojekt mit GlaxoSmithKline schneller voran als erwartet. Die Zulassung des gemeinsam mit Glaxo entwickelten Corona-Impfstoffes könnte bereits im ersten Halbjahr 2021 erteilt werden statt wie zunächst avisiert in der zweiten Jahreshälfte.

Das sei den Gesprächen mit den zuständigen Behörden zu entnehmen, teilte Sanofi am Dienstag mit. Die Erfolgswahrscheinlichkeit für Sanofi sei «höher als für alle anderen», sagte Konzernchef Paul Hudson. Zwar gebe es andere Unternehmen, die schneller seien.

Aber Geschwindigkeit habe auch Nachteile. So nutzten die Wettbewerber vorhandene Forschungsarbeiten, die in vielen Fällen für das Sars-Virus ausgeführt worden seien. Dies könne auf Kosten der Wirksamkeit gehen. Zudem gebe es keine Garantie für eine Lieferung in grösseren Mengen. Hudson geht davon aus, jährlich bis zu eine Milliarde Dosen seines Impfstoffes aus der Zusammenarbeit mit Glaxo herstellen zu können.

Bislang gibt es noch keinen Impfstoff gegen das Coronavirus, mit dem sich weltweit mehr als neun 9 Millionen Menschen infiziert haben und an dem bisher über 469 000 Menschen gestorben sind.

Sanofi, dessen Impfstoffsparte Pasteur besonders bei Grippeimpfstoffen einen guten Ruf hat, arbeitet derzeit an zwei Impfstoffprojekten. Eines davon verwendet ein von Glaxo hergestelltes sogenanntes Adjuvans, um die Wirksamkeit des Impfstoffes zu steigern. Klinische Studien mit diesem Impfstoff sollen im September beginnen.

Ein anderer Impfstoff, den Sanofi mit dem US-Unternehmen Translate Bio entwickelt, basiert auf der so genannten Boten-RNA (mRNA). Diesen Ansatz verfolgen auch die Corona-Impfstoffprojekte des US-Rivalen Moderna sowie der deutschen Biotechunternehmen CureVac und BionTech. Bis Jahresende sollen klinische Studien mit diesem Projekt beginnen.

Die Kooperation mit Translate Bio weitet Sanofi nun aus, um weitere mRNA-Impfstoffe gegen andere Infektionskrankheiten zu entwickeln. Der US-Biotechfirma winken dadurch mögliche Zahlungen der Franzosen von mehr als zwei Milliarden Dollar. Sanofi erwirbt zudem einen Anteil von gut sieben Prozent an Translate Bio.

Zahl der Jobangebote sinkt laut einer Erhebung um 27%

(awp/sda) Die Corona-Krise hat im zweiten Quartal zu einem massiven Einbruch bei den Stelleninseraten gesorgt. Sämtliche Berufsgruppe waren davon betroffen, allerdings in unterschiedlichen Ausmass.

Das zeigt eine Erhebung des Arbeitsvermittlers Adecco und der Universität Zürich. Unternehmen schrieben im zweiten Jahresviertel 27% weniger Stellen aus als im ersten Quartal 2020, heisst es in der am Dienstag veröffentlichten Auswertung.

Der Einbruch im Vergleich zum Vorquartal sei abrupt und im Ausmass stärker als in vergangenen Krisen wie beispielsweise der Bankenkrise gewesen.

In allen Berufsgruppen gab es laut der Studie einen Einbruch im Stellenangebot - auch in Berufen, die sich fürs Homeoffice besonders gut zu eignen scheinen oder in Berufen, die keinen direkten Kontakt zu anderen Menschen bedingen.

Noch am wenigsten rückläufig waren die Stelleninserate für Berufe in der Technik und den Naturwissenschaften (-17%) sowie im Bau und Ausbau (-18%). Am stärksten betroffen waren dagegen Berufe des Gastgewerbes und der persönlichen Dienstleistungen (-39%).

Überraschend sei vor allem der Rückgang von 35 Prozent bei Büro- und Verwaltungsberufen. Denn in diesen liessen sich Massnahmen wie Homeoffice oder Distanzierungsregelungen in vielen Fällen einfacher einführen als beispielsweise im Gastgewerbe, heisst es. Allerdings würden Berufe in Büros und der Verwaltung bereits seit längerem eine unterdurchschnittliche Entwicklung aufzeichnen.

Die Zahlen zeigen, wie einschneidend die Covid-19-Effekte für eine grosse Zahl der Berufe waren. «Wir gehen davon aus, dass durch die aktuelle Situation Transformationsprozesse beschleunigt werden, sodass Produktions- und Arbeitsprozesse weiter automatisiert und digitalisiert werden», heisst es in der Mitteilung weiter.

Hartes Ringen um die Zukunft der grössten deutschen Airline

(dpa) Die angepeilte staatliche Rettung des Lufthansa-Konzerns in der Corona-Krise steht weiter auf der Kippe. Drei Tage vor der ausserordentlichen Hauptversammlung blieb am Montag die Strategie des neuen Grossaktionärs Heinz Hermann Thiele unklar. Auch in den fortgesetzten Verhandlungen mit den Gewerkschaften um Sparbeiträge der Beschäftigten zeichnete sich zunächst keine Einigung ab. Wegen der Unsicherheiten musste die Aktie des Dax-Absteigers an ihrem ersten Handelstag im MDax deutliche Abschläge hinnehmen.

Laut Berichten mehrerer Medien wollten in Berlin die Bundesminister Olaf Scholz (SPD/Finanzen) und Peter Altmaier (CDU/Wirtschaft) mit dem Lufthansa-Grossaktionär Heinz Hermann Thiele und Vorstandschef Carsten Spohr zusammenkommen.

Der 79 Jahre alte Milliardär und Industrielle Thiele hatte sich in den vergangenen Monaten mehr als 15 Prozent der Lufthansa-Aktien gesichert und anschliessend den angepeilten Staatseinfluss kritisiert. Da laut Spohr weniger als 38 Prozent der Stimmrechte bei der Hauptversammlung am Donnerstag vertreten sein werden, könnte Thiele allein die notwendige Zweidrittel-Mehrheit für den Staatseinstieg verhindern.

Das Unternehmen hat sich nach Spohrs Worten bereits auf das mögliche Scheitern des Rettungsplans vorbereitet. Man habe umfangreiche Vorbereitungen getroffen, um einen abrupten Stopp des Flugbetriebs zu verhindern, hatte er am Wochenende seiner Belegschaft schriftlich versichert. In der verbleibenden Zeit bis zur Anmeldung einer Insolvenz würde man dann mit der Bundesregierung weitere Optionen besprechen.

Bundesfinanzminister Scholz verteidigte erneut das staatliche Rettungspaket. «Wir hatten eine sehr gute Diskussion mit dem Lufthansa-Management und haben einen sehr guten Plan entwickelt, über den es auch Einigung mit Brüssel gibt», sagte Scholz am Montag bei einer Konferenz in Frankfurt, zu der sich der Minister per Video aus Berlin zuschaltete. «Der Plan ist wohlüberlegt.»

Die Gewerkschaft Verdi warnte vor einer Ablehnung des Rettungspakets. Der Lufthansa drohe in diesem Fall ein Insolvenzverfahren, erklärte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Christine Behle. «Eine Insolvenz würde die Beschäftigtenstrukturen der Lufthansa zerstören und das öffentliche Vertrauen in die Lufthansa nachhaltig beschädigen. Mit der staatlichen Hilfe können Arbeitsplätze erhalten und Einkommen gesichert werden», betonte Behle.

Der neun Milliarden Euro umfassende Rettungsplan für die Lufthansa sieht vor, dass der staatliche Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) im Zuge einer Kapitalerhöhung Aktien zeichnet, um eine Beteiligung von 20 Prozent am Grundkapital der Fluggesellschaft aufzubauen. Zudem sind stille Einlagen von insgesamt bis zu 5,7 Milliarden Euro sowie ein Kredit in Höhe von bis zu 3 Milliarden Euro geplant. Im Gegenzug für die Hilfe muss die Lufthansa 24 Start- und Landerechte an ihren wichtigen Flughäfen in Frankfurt und München an die Konkurrenz abgeben.

Das Ringen um Einsparungen beim Personal ging weiter. Unternehmen sowie Vertreter der Gewerkschaften Ufo und Vereinigung Cockpit bestätigten nur die Fortsetzung der Verhandlungen am Montag, wollten aber keinen Zeitpunkt für eine mögliche Einigung mehr nennen. Ursprünglich war dieser Montag als Termin avisiert worden, um die Ergebnisse zumindest für das fliegende Personal noch vor der Hauptversammlung präsentieren zu können. Für das Bodenpersonal verhandelt Verdi nach eigenen Angaben erst am kommenden Freitag weiter.

Der von der Corona-Krise hart getroffene Konzern hat wegen der dauerhaft geringeren Nachfrage den weltweiten Personalüberhang auf 22 000 Stellen beziffert. Davon entfallen rund 11 000 Stellen auf Deutschland. Bei den Verhandlungen sollen nun Massnahmen vereinbart werden, um möglichst viele Mitarbeiter an Bord zu halten. Das sind zum Beispiel ausgeweitete Teilzeitmodelle und der Verzicht auf Gehaltssteigerungen und Zulagen.

Die Sorgen um das Rettungspaket drückten die Anteile des Dax-Absteigers zwischenzeitlich deutlich um bis zu 9 Prozent, im weiteren Tagesverlauf erholte sich der Kurs aber wieder. Der Konzern mit 138 000 Beschäftigten rechnet damit, dass sich die Nachfrage im Luftverkehr nur langsam erholt. Derzeit hebt nur ein kleiner Teil der Lufthansa-Flotte ab. Im ersten Quartal brockte die Corona-Krise dem Konzern einen Verlust von 2,1 Milliarden Euro ein, und die Geldreserven schwinden schnell.

Wirecard steht mit Rücken zur Wand - Aktie sackt weiter ab

(dpa) Der Bezahldienstleister Wirecard gerät immer stärker unter Druck - die Zukunft des Dax-Konzerns hängt vom Wohlwollen der Banken ab. Die vermissten 1,9 Mrd. Euro auf Treuhandkonten in Asien gibt es nach Angaben des Unternehmens vom frühen Montagmorgen mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht. Deshalb bekommt Wirecard auch kein Testat für die Jahreszahlen 2019. Damit scheint ein Milliardenbetrug offensichtlich. An der Börse wurden die Nachrichten mit Schrecken aufgenommen.

Das Wirecard-Papier stürzte in den ersten Handelsminuten erneut ab. Nach dem Börsenstart büsste die Aktie fast weitere 50 Prozent auf rund 13 Euro ein. Damit knüpften die Wirecard-Anteile nahtlos an die immensen Verluste der vergangenen beiden Handelstage an. Der Börsenwert brach bereits am Donnerstag und Freitag um insgesamt 75 Prozent auf etwas mehr als drei Milliarden Euro ein, nachdem Wirecard eingestehen musste, dass der Konzern 1,9 Mrd. Euro nicht auffinden kann.

Die Banken könnten Wirecard jetzt den Geldhahn abdrehen. Interims-Chef James Freis kämpft ums Überleben des Konzerns: Man stehe weiterhin mit Hilfe der am Freitag angeheuerten Investmentbank Houlihan Lokey in «konstruktiven Gesprächen» mit den kreditgebenden Banken. Am Finanzplatz Frankfurt war zumindest am Wochenende zu hören, dass die Banken Wirecard weiter am Leben halten wollen. Die Sorgen vor den Schockwellen sind wohl zu gross.

Der Wirecard-Vorstand geht nach einer Mitteilung aus der Nacht vom Montag davon aus, dass die Bankguthaben auf Treuhandkonten in Höhe von insgesamt 1,9 Mrd. Euro «mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht bestehen». Die Gesellschaft war bisher von der Existenz dieser Konten ausgegangen und hatte sie als Aktivposten ausgewiesen.

Gleichzeitig nahm Wirecard die vorläufige Einschätzungen des Geschäftsjahres 2019, die Zahlen für das erste Quartal und die Prognosen für 2025 zurück. «Mögliche Auswirkungen auf die Jahresabschlüsse vorangegangener Geschäftsjahre können nicht ausgeschlossen werden», heisst es in der Mitteilung weiter.

Die Hoffnung auf ein Stillhalten der Banken wurde von einem Zeitungsbericht gestützt: Wie die «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung» berichtete, wollen die Banken das Unternehmen nicht fallen lassen. «Keiner hat ein Interesse daran, den Kredit zu kündigen», hiess es demnach am Samstag aus einem der beteiligten Geldhäuser. «Alle wollen jetzt das Ding kurzfristig stabilisieren.»

Wirecard will dem Bericht zufolge Schritte prüfen, das Geschäft fortzuführen. Darunter seien Kostensenkungen sowie Umstrukturierungen, Veräusserung oder Einstellungen von Unternehmensteilen und Produktsegmenten. Die IT-Systeme von Wirecard liefen ohne Einschränkungen, hiess es weiter. Doch Wirecard muss jetzt auch damit rechnen, dass die Kunden angesichts des Vertrauensverlustes das Weite suchen.

Seit Donnerstag vergangener Woche haben sich die Ereignisse im Bilanzskandal um Wirecard dramatisch zugespitzt. Auch der umstrittene Vorstandschef Markus Braun musste seinen Posten räumen. Die Ratingagentur Moody's stufte die Kreditwürdigkeit von Wirecard auf «Ramsch» herab.

Am Freitag hatten die philippinischen Banken BDO Unibank und Bank of the Philippine Islands mitgeteilt, dass der deutsche Dax-Konzern kein Klient bei ihnen sei. Dokumente externer Prüfer, die das Gegenteil besagten, seien gefälscht. Auf den Konten der beiden Banken hätte die Summe eigentlich liegen sollen. Am Sonntag hat auch die Zentralbank in Manila mitgeteilt, dass die fehlenden Milliarden wohl nicht auf den Philippinen sind.

Die Finanzaufsicht Bafin zeigt sich entsetzt über den Bilanzskandal beim Zahlungsdienstleister Wirecard. «Das ist ein komplettes Desaster, das wir da sehen, und es ist eine Schande, dass so etwas passiert ist», sagte der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, Felix Hufeld, am Montag bei einer Konferenz in Frankfurt. «Wir befinden uns mitten in der entsetzlichsten Situation, in der ich jemals einen Dax-Konzern gesehen habe.»

Wirecard wickelt bargeldlose Zahlungen für Händler ab, sowohl an Ladenkassen als auch online. Das Unternehmen ist seit über einem Jahr in Bedrängnis, seit die Londoner «Financial Times» dem Management in einer Serie von Artikeln Bilanzmanipulationen vorwarf. Auch die Finanzaufsicht Bafin und die Münchner Staatsanwaltschaft untersuchen verschiedene Aspekte im Fall Wirecard.

Wohnflächen für Eigentum werden laut Studie kleiner

(awp/sda) Käufer von neuen Wohnungen und Häusern müssen sich mit immer kleineren Wohnflächen begnügen. Denn die in den letzten vier Jahren gebauten Eigenheime wurden laut einer Studie des Hypothekarberaters MoneyPark auf weniger Fläche erstellt als ältere Liegenschaften.

Dies liege vor allem daran, dass die Immobilienpreise in den letzten Jahren stark angestiegen seien und das Bauland dabei als einer der grössten Preistreiber gelte, heisst es in einer Mitteilung vom Montag.

Konkret habe die Nettowohnfläche von Neubauten, die in den letzten vier Jahren erstellt wurden, gesamtschweizerisch um 3,2 Prozent abgenommen im Vergleich zu bestehenden Bauten. Dies gelte zumindest für Bauten, die über MoneyPark finanziert wurden.

Besonders ausgeprägt war der Flächenschwund demnach in Zürich (-4,6%) und der Zentralschweiz (-7,8%). Demgegenüber sei die Ostschweiz die einzige Region mit einer leichten Zunahme der Nettowohnfläche (+1,7%).

Das gleiche gilt laut MoneyPark auch für Landflächen bei Einfamilienhäusern. Die in den letzten vier Jahren gebauten Eigenheime brachten es im gesamtschweizerischen Durchschnitt auf 527 Quadratmeter Landfläche, rund 100 Quadratmeter oder 16 Prozent weniger als bei älteren Einfamilienhäusern. Der Rückgang ist laut der Studie im Mittelland (-18%) und in Zürich (-22%) besonders ausgeprägt.

Generell verwundere das Ergebnis der Analyse aber kaum, heisst es weiter. Einerseits seien die Immobilienpreise in den letzten zehn Jahren über fünfmal mehr gestiegen als die Einkommen und andererseits sei verdichtetes Bauen Teil des Raumplanungsgesetzes des Bundes.

Ansteckungszahlen in verschiedenen Ländern steigen: SMI beginnt im Minus

(awp) Die Sorgen um eine Beschleunigung der Corona-Neuinfektionen schicken den Schweizer Aktienmarkt zum Handelsauftakt am Montag ins Minus. Damit folgt er den schwächeren Vorgaben der Wall Street, die am vergangenen Freitag nach dem europäischen Börsenschluss klar ins Minus gedreht war. Vor allem die steigenden Neuinfektionszahlen in vielen Ländern würden die Investoren derzeit verunsichern, kommentiert ein Händler.

Einen erneuten Lockdown würde die globale Konjunktur wohl nicht verkraften, heisst es von Händlerseite. Andere Stimmen ergänzen, dass nach der starken Vorwoche die Wahrscheinlichkeit einer Konsolidierung ohnehin gestiegen seien. Generell herrsche an der Börse derzeit Krieg zwischen Bullen und Bären, kommentierte ein weiterer Händler das Geschehen.

Der SMI notiert gegen 09.15 Uhr 0,47% tiefer bei 10 217,83 Punkten. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, fällt um 0,60% auf 1 515,79 und der breite SPI um 0,39% auf 12 639,46 Zähler. Bei den 30 SLI-Werten stehen 27 Verlierern drei Gewinner gegenüber.

Erneut werden Finanzwerte verstärkt gemieden. Dabei fallen die Aktien der CS mit -1,5% am stärksten. Julius Bär, Swiss Re, Zurich, Swiss Life und UBS folgen mit Verlusten zwischen 1,3 und 0,4%.

Lediglich die Aktien von Partners Group scheren aus der Gruppe aus und steigen um 0,9%. Hier haben die Experten von Goldman Sachs neu eine Kaufempfehlung für die Aktien ausgegeben. Freundlich tendieren sonst nur noch Vifor Pharma (+1,2%) und Logitech (+0,3%).

Auf der Verliererliste sind neben den Finanzwerten auch einmal mehr die konjunktursensibleren Werte wie Temenos, ABB, Ams oder die beiden Uhrenhersteller Richemont und Swatch zu finden, die allesamt mehr als 1% fallen. Bei Ams dürften auch die Nachrichten von Apple belasten. Wegen der steigenden Corona-Neuinfektionen hat der Konzern in einigen Ländern seine Geschäfte wieder geschlossen.

Credit Suisse schafft Maestro-Karten ab

(awp/sda) Die Grossbank Credit Suisse lanciert eine neue Mastercard-Debitkarte. Diese ersetzt die bisherigen Maestro-Karten und soll dank kostenlosen Auslandstransaktionen eine Alternative zu Karten von Online-Banken wie Revolut bieten.

Ab dem 7. Juli 2020 seien bei Bestellungen von Neu- und Ersatzkarten nur noch Debitkarten von Mastercard erhältlich, teilte die Credit Suisse am Montag mit. Die bisherige Maestro-Karte verschwindet somit schrittweise. Kunden mit einer bestehenden Maestro-Karte erhalten laut der Bank bei Ablauf automatisch eine Debit Mastercard als Nachfolgekarte.

Mit der neuen Karte könne im Unterschied zur Maestro-Karte auch im Internet sowie in Apps bezahlt werden. Zur Sicherheit greift die Bank dabei auf das «3D Secure»-Authentifizierungsverfahren zurück, bei dem Kunden ihre Zahlungen mit dem Mobiltelefon bestätigen müssen.

Mit den neuen Karten sei ausserdem das kontaktlose Zahlen möglich und erfordere - wie gewohnt - in der Schweiz bis 80 Franken keine Eingabe der PIN. Die Zahlung werde direkt dem Konto belastet. Neu falle auch für den Einkauf im Ausland keine Transaktionsgebühr an, heisst es weiter.

Ex-Nationalbankpräsident Philipp Hildebrand hält Corona-Krise für weniger gravierend als die Finanzkrise 2008

(sda) Der Ex-Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Philipp Hildebrand, sieht die aktuelle Wirtschaftskrise als nicht so gravierend an, wie die jüngste Finanzkrise im Jahr 2008. Er glaubt zudem nicht, dass Unternehmen ihre Arbeitsweise grundlegend ändern werden.

Für ihn seien aber zwei Bedingungen notwendig, damit die Wirtschaft wieder durchstartet. «Die erste besteht darin, eine zweite Welle der Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern», sagte er. Als zweite Bedingung sei zu verhindern, dass die aktuelle Krise zu einer Bankenkrise werde, hiess es. Dank der Lehren aus der Finanzkrise und den neuen Vorschriften sei «das Finanzwesen heute in einer viel besseren Position als 2008», sagte er zudem.

Die Globalisierung werde zudem weitergehen. Der derzeitige Vizepräsident des amerikanischen Finanzkonglomerats Blackrock, ein weltweit führender Vermögensverwalter, glaubt nicht, dass die Pandemie die Arbeitsweise von Unternehmen gross verändern werde. «Die Globalisierung wird anders sein. Aber sie wird nicht verschwinden», sagte er.

Viele Unternehmen hätten sich aber zu sehr auf die Effizienz und Gewinnmaximierung konzentriert, sagte er. «Die Kosten eines übermässig effizienten Systems sind im Falle eines Unfalls zu hoch», kommentierte er. Von «just in time» werde es künftig wahrscheinlich zu einem System «just in case» übergehen. Viele Gegebenheiten, wie Rechenzentren in Indien oder die Abhängigkeit von chinesischen Zulieferer, würden künftig hinterfragt.

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