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Jetzt auch Sido: So verbreitet der deutsche Rapper krude Verschwörungstheorien

watson.ch-Logo watson.ch 13.05.2020 Leo Helfenberger
Teaserbild © FRIEDEMANN VOGEL/keystone-sda.ch Teaserbild Bild © FRIEDEMANN VOGEL/keystone-sda.ch Bild

Der deutsche Rapper Sido macht in einem neuen YouTube-Video auf sich aufmerksam. In einer fast 40 minütigen Sitzung mit Ali Bumaye im Format «Ali therapiert» kommt der Berliner immer wieder auf diverse Verschwörungstheorien zu sprechen. «Ich will jetzt hier nicht zu tief rein, sonst setzen mir die Leute wieder einen Aluhut auf», sagt Sido. Es seien aber alles Fakten, wie er beteuert.

Im Gespräch exerziert Sido praktisch die ganze Palette der kruden Theorien bis hin zum Antisemitismus durch. Den internationalen Kinderhändlerring, die Rothschildfamilie und die Medien, die nur Lügen verbreiten. Hier die wichtigsten Punkte aus dem Video und was der Rapper selbst dazu sagt:

Sido verteidigt Xavier Naidoo

Xavier Naidoo sprach jüngst in einem seiner Videos davon, dass eine Sekte Kinder entführen würde und deren Blut als Verjüngungsdroge an Reiche und Mächtige verkaufe. Sido sagt dazu im Video: «Kinder verschwinden auf unerklärliche Weise und wir können sie nicht wieder finden.»

Als Beispiel führt der deutsche Rapper Madeleine McCann an, die 2007 aus ihrer Ferienwohnung in Portugal verschwand und seither nicht wieder aufgetaucht ist. Dokumentarfilmer hätten den Fall ebenfalls untersucht und seien dann aber zu tief reingeraten. «Sehr reiche und mächtige Leute» hätten sich an der Recherche gestört, so Sido.

Auf die Frage, ob Xavier Naidoo durchgedreht ist, sagt Sido: «Xavier ist einfach zu tief drin.»

Rothschild in Frankfurt

Xavier Naidoo aus Frankfurt gerät wegen seiner Verschwörungstheorien immer wieder in die Kritik. © KARL-JOSEF HILDENBRAND/KEYSTONE Xavier Naidoo aus Frankfurt gerät wegen seiner Verschwörungstheorien immer wieder in die Kritik.

Sido scheint aber den Grund dafür zu kennen. Denn es sei eben so, dass der «alte Rothschild» einen seiner Söhne nach Frankfurt geschickt habe. «Die haben dann da angefangen, ihr Geschäft zu machen», sagt Sido. Deshalb sei Frankfurt – wo Xavier Naidoo herkommt – auch eine Stadt, in der diese Theorien verbreiteter sind.

Und woher weiss das Sido? Er kenne mehrere Rapper «aus Frankfurt und der Ecke», die ebenfalls «mit komischen Fragen konfrontiert» worden seien.

Die Medien sind unterwandert

Von den Kinderhändlerringen über die Rothschildfamilie gelangt Sido schliesslich zu «den grossen Medien», die alle «unterwandert» seien: «Die gehören alle irgend einem reichen Typen und der wird immer dafür sorgen, dass er und seinesgleichen geschützt werden.»

Deshalb brauche es «alternative Medien», die «gut recherchieren» und auch mal sagen: «Ich weiss es nicht, aber es könnte so sein.»

Die Situation in den USA ist nicht so schlimm

Die Coronavirus-Epidemie in den USA hat laut der WHO bereits 78'000 Menschen das Leben gekostet. © JUSTIN LANE/keystone-sda.ch Die Coronavirus-Epidemie in den USA hat laut der WHO bereits 78'000 Menschen das Leben gekostet.

Als Beispiel dafür, wie wenig Medien zu trauen ist, führt Sido die Coronavirus-Epidemie in den USA an. «Die Situation da ist ja richtig schlimm», hat Ali Bumaye gehört. Darauf Sido: «Ja, das hast du gehört. Wie es wirklich ist, wissen wir nicht.»

Also alles erfunden? Sido weiss es nicht. Aber man höre es ja nur in den «richtigen Medien». Und sowieso, schaue Sido gar keine Nachrichten mehr. Wirklich informiert über die Lage in den USA scheint Sido also dann doch nicht zu sein.

Die Reaktionen

Das Video wurde innert drei Tagen über 300'000 mal angeschaut und den meisten Usern scheint der Inhalt zu gefallen, wie die fast 12'000 Likes zeigen. Doch es stösst nicht überall auf Begeisterung, wie die ersten Reaktionen zeigen:

So äussert sich Sido zum Video:

Nun hat Sido in einigen kurzen Statements auf hiphop.de auf die Kritik reagiert. Zur Verschwörungstheorie von Xavier Naidoo sagt er:

«Wenn es so ist, wie er sagt, ist es doch gut, dass jemand mit seiner Reichweite darüber aufklärt. Wenn es nicht so ist, wie er es sagt, [...] dann ist es einfach nur verrückt. [...] Ich bin auf keiner Seite. Ich weiß nicht, ob Dinge so sind oder nicht.» //Sido zu hiphop.de

Dann findet der Berliner doch noch einige klare Worte:

«Ich möchte nur nicht in einer Ecke stehen mit den Attila Hildmanns und KenFMs dieses Landes. Ich habe mit sowas nichts zu tun. Ich sitze zu Hause und gucke mir diese Videos an und lache mich kaputt über die. Ich habe mit diesen Menschen nichts zu tun.» //Sido zu hiphop.de

(leo)

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