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Jordan: Corona-Krise trifft die Schweizer Wirtschaft hart, Elon Musk will wegen Corona-Frust Teslas Firmensitz verlegen – und weitere Wirtschaftsmeldungen

Neue Zürcher Zeitung-Logo Neue Zürcher Zeitung 08.05.2020

Geldpolitik - Jordan: Corona-Krise trifft die Schweizer Wirtschaft hart

(sda) Die Schweiz wird nach Ansicht von Thomas Jordan, Präsident der Schweizerischen Nationalbank, noch Jahre an den Kosten der Corona-Krise zu kauen haben. Die Krise sei weltweit dramatisch und und treffe auch die Schweizer Wirtschaft hart.

Die Aktivität der Schweizer Wirtschaft entspreche derzeit nur etwa 70 bis 80 Prozent des normalen Niveaus, sagte Jordan in einem Interview mit der «SonntagsZeitung». Das verursache pro Monat Kosten von 11 bis 17 Milliarden Franken.

Viele könnten sich vielleicht noch gar nicht vorstellen, was diese Zahlen für den Wohlstand der Schweiz bedeuteten. Es sei mit dem grössten Wirtschaftseinbruch seit dem Zweiten Weltkrieg respektive seit der grossen Depression der 30er Jahre zu rechnen.

Erholung wird länger dauern

Anfänglich habe man noch davon ausgehen können, dass auf einen starken Einbruch eine schnelle Erholung folge, so dass sich das Bruttoinlandprodukt Ende des Jahres wieder auf dem Niveau von Anfang Jahr befände. Nun zeige sich jedoch, dass es noch länger Nachwirkungen der Corona-Krise geben werde.

Wenn sich die Schweizer Wirtschaft nicht rasch erhole, sei es möglich, dass auch gesunde Firmen untergingen, die in einer normalen Rezession überlebt hätten, und dass dabei auch Arbeitsplätze verloren gingen. Es gelte nun, Folgeschäden für die Wirtschaft zu verhindern, sagte der SNB-Präsident weiter.

Suche nach dem Königsweg

Es sei sehr wichtig, einen Königsweg zu finden, um die wirtschaftliche Aktivität wieder zu erhöhen und dabei die Ausbreitung des Virus so unter Kontrolle zu halten, dass es nicht zu einer zweiten Welle von Infektionen komme.

Die Nationalbank sehe ihre Rolle darin, die monetären Bedingungen auf einem adäquaten Niveau zu halten. Dazu gehörten der Wechselkurs und der Zinssatz. Beide spielten im Moment eine sehr wichtige Rolle. Die SNB helfe, die Kreditversorgung der Wirtschaft sicherzustellen.

Interventionen am Devisenmarkt

Am Devisenmarkt setze die Nationalbank alles daran, um mit Interventionen den Aufwertungsdruck auf den Franken zu verringern. Der Franken werde in Krisenzeiten nach wie vor als sicherer Hafen für Anlagen gesucht. Doch auch geldpolitische Massnahmen anderer Länder zur Stabilisierung ihrer Wirtschaft stärkten den Franken.

«Falls nötig haben wir noch Handlungsspielraum», sagte Jordan in einem Interview mit der Zeitung «Tribune de Geneve». Der Franken habe zum Euro zwar zugelegt. Dennoch hätten die milliardenschweren Interventionen eine grosse Wirkung erzielt.

«Ohne die Geldpolitik der Nationalbank würden wir in der gegenwärtigen Situation einen ganz anderen Franken-Kurs sehen», sagte Jordan weiter. Er sehe keine Alternative zur Fortführung der gegenwärtigen ultralockeren Geldpolitik und negativen Zinsen.

Elon Musk will wegen Corona-Frust Teslas Firmensitz verlegen

(dpa) Tesla-Chef Elon Musk will den Firmensitz des Elektroauto-Herstellers wegen anhaltender Corona-Beschränkungen in Kalifornien in einen anderen US-Bundesstaat verlegen.

Tesla werde die Zentrale und kommende Unternehmungen sofort nach Texas oder Nevada verlegen, schrieb Musk am Samstag (Ortszeit) auf Twitter. «Ehrlich, das ist das i-Tüpfelchen», schrieb er in Bezug auf Auflagen des Bezirks Alameda bei San Francisco, die eine Wiedereröffnung der dortigen Tesla-Fabrik vor Juni verhindern würden.

Er werde sofort gegen die Entscheidung des Bezirks klagen, zürnte Musk. Ein Fortbestand der Produktion am Standort Fremont hänge davon ab, wie die Firma dort künftig behandelt werde, schrieb er weiter. «Tesla ist der letzte verbliebene Autohersteller» in Kalifornien und sei zudem ein wichtiger Exporteur, schrieb er.

Musk ist dafür bekannt, mit skurrilen und meinungsstarken Auftritten bei Twitter für Aufsehen und Verwirrung zu sorgen. Erst vergangene Woche hatte er mit einer Serie eigenwilliger Tweets dafür gesorgt, dass Teslas Börsenwert um Milliarden Dollar absackte. 2018 hatte sich Musk mit seinen Tweets sogar Ärger von der US-Börsenaufsicht SEC eingebrockt. Eigentlich muss er sich einer Vereinbarung mit der SEC zufolge relevante Tweets vorab vom Unternehmen freigeben lassen.

Ein Angestellter mit Schutzmaske in einem Siemens-Werk in Schanghai, Februar 2020. ; Aly Song / Reuters © Bereitgestellt von Neue Zürcher Zeitung Ein Angestellter mit Schutzmaske in einem Siemens-Werk in Schanghai, Februar 2020. ; Aly Song / Reuters

Siemens kippt die Prognose nach Gewinneinbruch

(dpa)

Nach einem schwierigen zweiten Geschäftsquartal mit einem deutlichen Gewinneinbruch hat nun auch Siemens seine Prognose für das laufende Jahr einkassiert. Statt einer moderaten Steigerung geht das Unternehmen wegen der Corona-Pandemie nun von einem moderaten Umsatzrückgang aus, wie Siemens am Freitag bei der Vorlage der Quartalszahlen berichtete. Für das Ergebnis gibt der Konzern noch keine neue Prognose.

Für das laufende Quartal ist noch nicht mit Besserung zu rechnen. «Wir erwarten, im dritten Quartal unseres Geschäftsjahres die Talsohle zu erreichen», sagte Konzernchef Joe Kaeser. Er betonte: «Wir haben trotz komplizierten Umfeldbedingungen ein robustes Quartal abgeliefert.» Auch für die weiteren Herausforderungen sieht sich der Konzern gerüstet: Man verfüge über eine «sehr solide Liquiditätsposition», sagte Finanzvorstand Ralf P. Thomas. Zudem habe man ein «sehr widerstandsfähiges und diversifiziertes Geschäftsportfolio». Hinzu kommt ein laut Siemens «sehr komfortables Auftragspolster» von 69 Milliarden Euro - ohne Siemens Energy gerechnet.

Während der Umsatz stabil blieb, brach der Gewinn ein. Unter dem Strich verdiente Siemens von Januar bis März 697 Millionen Euro, ein Rückgang von fast zwei Drittel im Vergleich zum starken Vorjahresquartal. Dabei machten sich unter anderem Verluste aus dem Energiegeschäft bemerkbar. Am Plan, Siemens Energy im September an die Börse zu bringen, hält der Konzern allerdings weiter fest. In diesem Zusammenhang setzt das Unternehmen auch sein Aktienrückkaufprogramm aus. Dies habe aber technische Gründe und nichts mit der Corona-Krise zu tun, betonte ein Sprecher. Nach der Abspaltung soll der Aktienrückkauf fortgesetzt werden.

Dropbox schafft in Corona-Krise ersten Quartalsgewinn

(awp/sda/dpa) Der Online-Speicherdienst Dropbox hat mit dem verstärkten Arbeiten von zu Hause in der Corona-Krise seinen ersten Quartalsgewinn geschafft. Die Firma verbuchte schwarze Zahlen von 39,3 Mio. Dollar nach einem Verlust von 7,7 Mio. Dollar im Vorjahresquartal.

Der Umsatz stieg um 18% auf 455 Mio. Dollar. Dropbox habe neue Kunden unter andrem aus dem Gesundheitswesen, der Bildung und der Versicherungsbranche gewonnen, sagte Finanzchef Ajay Vashee in einer Telefonkonferenz mit Analysten in der Nacht zum Freitag.

Weiteres Neugeschäft könnte bereits unterwegs sein: In einer Testphase befänden sich 40% mehr potenzielle Kunden als vor der Corona-Zeit. Zugleich schränkte Gründer und Chef Drew Houston in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg ein, dass ein allgemeiner wirtschaftlicher Abschwung auch Dropbox treffen würde: «Wir verspüren Rückenwind - aber alles, was unseren Kunden das Leben schwer macht, könnte sich auch auf unser Geschäft niederschlagen.»

Dropbox war 2018 an die Börse gegangen und hatte seitdem noch kein Quartal mit einem Gewinn abgeschlossen. Das Unternehmen hatte zugleich kontinuierlich Kosten gesenkt. Dropbox hat auch eine kostenlose Version mit Einschränkungen und verdient Geld mit Abos für seine Business-Variante.

Corona-Pandemie bremst Dormakaba

(awp/sda) Dormakaba hat im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2019/20 die Auswirkungen der Corona-Pandemie zu spüren bekommen. Vor allem der schwache Geschäftsverlauf in China im Februar und März 2020 bremste das Schliesstechnikunternehmen.

Wegen der geringen Visibilität auf den weiteren Geschäftsgang kassiert Dormakaba die bisherigen Finanzziele und verzichtet auch auf weitere finanzielle Prognosen für das laufende Geschäftsjahr 2019/20. Dormakaba verzeichnete im dritten Quartal 2019/20 laut einer Mitteilung vom Freitag einen Umsatzrückgang von rund 3 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Die Ebitda-Marge lag um rund 150 Basispunkte unter dem Vorjahresquartal. Absolute Zahlen nannte der Konzern nicht.

Das Unternehmen habe frühzeitig ein umfassendes Krisenmanagement eingesetzt, hiess es in dem Communiqué. Parallel dazu sei die finanzielle Steuerung der Gruppe angepasst worden.

Dormakaba verfüge nicht nur über eine solide Bilanz, sondern auch über hohe zugesagte und noch nicht in Anspruch genommene Kreditlinien internationaler Banken. Dazu zähle ein Konsortialkredit von 500 Millionen Franken mit Option zur Erhöhung des Betrags und zur Verlängerung des Fälligkeitsdatums.

Eine «strikte» Kostenkontrolle habe die Profitabilität trotz des Volumenrückgangs gestützt. Zudem wurden bereits genehmigte Investitionsvorhaben sowie Projekte neu bewertet und angepasst. Weitere Massnahmen umfassten den Abbau von Überzeit und Urlaubstagen, eine signifikante Reduktion von temporären Arbeitskräften, einen weitgehenden Einstellungsstopp sowie die schrittweise Einführung von Kurzarbeit in ausgewählten Ländern.

Der Verwaltungsrat, die Konzernleitung und das Senior Management von Dormakaba stimmten ausserdem einem temporären Verzicht von 10 Prozent des monatlichen Basisgehalts zu.

Das Unternehmen beurteilt die weitere wirtschaftliche Entwicklung und den Einfluss der Corona-Pandemie als nicht vorhersehbar. Während sich die Situation in China stabilisiert habe und sowohl Produktion als auch lokale Nachfrage bereits wieder auf einem zufriedenstellenden Niveau seien, spüre Dormakaba seit der zweiten Märzhälfte zunehmend ungünstige Auswirkungen in Nord- und Südamerika sowie in Teilen von Asien und Europa.

Je nach weiterem Verlauf der Coronakrise könnte es zu weiteren Massnamen und damit verbunden zu einmaligen und ausserordentlichen Restrukturierungsaufwendungen kommen, warnte der Konzern.

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