Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Marco Odermatt behält trotz wenig Schlaf die Nerven

Der Bund-Logo Der Bund 08.01.2021
Marco Odermatt (rechts) holt sich erstmals eine der begehrten Kuhglocken von Adelboden. Bezwungen wird der Nidwaldner nur von Alexis Pinturault (Mitte) und Filip Zubcic. © Bereitgestellt von Der Bund Marco Odermatt (rechts) holt sich erstmals eine der begehrten Kuhglocken von Adelboden. Bezwungen wird der Nidwaldner nur von Alexis Pinturault (Mitte) und Filip Zubcic.

Marco Odermatt (3.), Justin Murisier (5.) und Loïc Meillard (6.) sorgen für ein starkes Schweizer Teamergebnis am Chuenisbärgli. Doch über allen steht Alexis Pinturault.

Marco Odermatt (rechts) holt sich erstmals eine der begehrten Kuhglocken von Adelboden. Bezwungen wird der Nidwaldner nur von Alexis Pinturault (Mitte) und Filip Zubcic. © Bereitgestellt von Der Bund Marco Odermatt (rechts) holt sich erstmals eine der begehrten Kuhglocken von Adelboden. Bezwungen wird der Nidwaldner nur von Alexis Pinturault (Mitte) und Filip Zubcic.

Ein bisschen ist es fast wie immer in Adelboden. Weil bei der Siegerehrung in den letzten Jahren schon einige Hymnen ertönten – nur nicht der Schweizerpsalm. An diesem äusserst kalten Freitagnachmittag, es herrschen minus 8 Grad, ist es die Marseillaise, die durch den Zielraum hallt. Gespielt wird sie für Alexis Pinturault.

Dem Franzosen gelingt auf einer der anspruchsvollsten Riesenslalom-Pisten eine Machtdemonstration. Bereits im ersten Lauf nimmt er der Konkurrenz eine knappe Sekunde ab. Im zweiten Durchgang kann er den Vorsprung auf die ersten Verfolger Filip Zubcic und Marco Odermatt gar noch ausbauen. Doch im Prinzip ist es in diesem Klassiker eine 3-Klassen-Gesellschaft: Denn Zubcic und Odermatt setzen sich ebenfalls um über eine Sekunde von den nachfolgenden Fahrern ab.

Odermatt: «Wollte Podestplatz unbedingt»

Nun hat vor allem Pinturault in Adelboden schon einiges erlebt. 2017 etwa gelang ihm das Kunststück, die damalige Überfigur Marcel Hirscher um den Hauch von vier Hundertstelsekunden zu bezwingen – auf einer von dessen Lieblingspisten. Er weiss entsprechend genau, welcher Lärmpegel üblicherweise herrscht, wenn ein Fahrer die Ziellinie überquert.

Aber dieses Mal ist alles anders. Wären nicht ein paar jubelnde Betreuer zugegen, würden nicht einige Anwohner Fahnen von ihren Balkons schwenken, die Szenerie wäre mit einem völlig emotionslosen Trainingslauf vergleichbar. Nichts, aber auch gar nichts erinnert an den Hexenkessel, der sonst hier am Kochen ist.

Was besonders schade ist, weil die Schweizer nach Jahren der Demütigungen am Chuenisbärgli wieder einmal auftrumpfen. Seit 2008 haben sie auf einen Podestplatz im Riesenslalom warten müssen, nun liefern sie einen weiteren Beleg ihrer Stärke. Denn hinter Odermatt sorgen Justin Murisier (5.) und Loïc Meillard (6.) für ein vorzügliches Teamergebnis. «Dabei habe ich sehr schlecht geschlafen», hält Odermatt fest. In den vier vorangegangenen Riesenslaloms holten die Schweizer fünf Podestplätze. Der damit entstandene Druck ging nicht spurlos an ihm vorbei.

Doch wie der 23-jährige Nidwaldner damit umgeht, ist bemerkenswert. Als er sich vor dem zweiten Lauf am Start befindet, hört er die kroatischen Betreuer jubeln. Er weiss: Zubcic hat geliefert. Und behält dennoch die Nerven. «Ich versuchte ans Limit zu gehen, und das ist mir gelungen», sagt er. «Diesen Podestplatz wollte ich unbedingt. Nun ist der Druck weg, und ich kann am Samstag hoffentlich befreit Gas geben.»

Es spricht für den Wandel der Schweizer, freuen sie sich zwar über das gute Ergebnis, sehen aber gleichwohl Verbesserungspotenzial. Exemplarisch dafür steht Murisier, der an seinem 29. Geburtstag so stark wie nie zuvor in Adelboden fährt und trotzdem festhält: «Rang 5 ist schön, aber die Plätze 1, 2 oder 3 sind schöner.»

Wieder ein Duell Pinturault vs. Kilde

Die Schweizer dürften im zweiten Riesenslalom am Chuenisbärgli am Samstag der Konkurrenz zweifellos wieder einheizen. Wobei der Weg nach ganz vorne erneut über Pinturault führt. Der wohl kompletteste Fahrer im Weltcup befindet sich in einer starken Form. In Adelboden holt er seinen zweiten Riesenslalom-Sieg in diesem Winter, er hat zudem ein Parallel-Rennen gewonnen und Spitzenplätze in Super-Gs und Slaloms erzielt.

Auf den Punkt gebracht: Pinturault ist auch in diesem Winter der grosse Favorit auf den Gesamtweltcup. Das war er jedoch auch letzte Saison nach dem Rücktritt Hirschers, doch da schnappte ihm Aleksander Aamodt Kilde die grosse Kugel weg. Was einerseits an der Konstanz des Norwegers lag – und andererseits am Coronavirus. Denn die Saison wurde am 12. März 2020 abgebrochen, bei noch je zwei ausstehenden Riesenslaloms und Slaloms. Nun führt Pinturault im Gesamtweltcup wieder vor Kilde.

Das Duell zwischen den beiden dürfte für viel Spannung sorgen. Zumal Kilde in Adelboden mit Rang 4 seine Ambitionen unterstrichen hat. Der Norweger ist einer von nur wenigen Speedspezialisten, die auch im Riesenslalom eine sehr gute Figur abgeben.

| Anzeige
| Anzeige

Mehr Von Der Bund

| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon