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Mein Sohn, ein Mörder

Tages-Anzeiger-Logo Tages-Anzeiger 29.04.2020

Die Apple-Serie «Defending Jacob» handelt von einem Staatsanwalt, dessen eigenes Kind in einem Mordfall zum Verdächtigten wird.

Die Familie muss vor Gericht antreten: Szene aus «Defending Jacob». © Bereitgestellt von Tages-Anzeiger Die Familie muss vor Gericht antreten: Szene aus «Defending Jacob».

Was haben wir denn hier? Ein fast altmodisches Justizdrama, in dem Cops Absperrbänder bewachen und Anwälte diskutieren, ob beim Angeklagten eine Fluchtgefahr besteht. Zum «Hollywood Reporter» sagte Showrunner Mark Bombach, vor 30 Jahren hätte man diesen Stoff als «Kinofilm mit Harrison Ford» verfilmt, heute würden «solche Dinge» aber nicht mehr gemacht. Stattdessen bestellte Apples Streamingdienst TV+ «Defending Jacob» als achtteilige Serie. Vorlage ist der Roman von William Landay, Regie führte der Norweger Morten Tyldum («Passengers»). Dass die Hauptrolle des Staatsanwalts Andy Barber von Chris Evans ausgefüllt wird, besser bekannt als Captain America in der «Avengers»-Reihe, taugt als Erinnerung daran, dass diese Schauspieler noch andere Talente haben, als nur die Welt vor Bösewichten zu retten.

Barber wohnt mit seiner Familie in einem noblen Vorort von Boston und arbeitet in der Staatsanwaltschaft; er ist fleissig und beliebt, und Chris Evans stattet ihn mit der Sensibilität eines Kämpfers aus. Barber ermittelt zum Mord an einem Klassenkameraden seines Sohnes Jacob; das Opfer wurde beim Joggen erstochen. Als er die Schüler vernimmt, hört er immer dieselbe Gegenfrage: «Sind Sie nicht der Vater von Jacob?» Komplizierter wird die Situation, als Jacob ( Jaeden Martell) selbst der Mordtat verdächtigt wird, hat er doch ein Springmesser gekauft und seinen Kollegen in der Schule präsentiert. Und was bedeuten die Anschuldigungen gegen ihn in den sozialen Medien? Barber wird in den Urlaub geschickt; jetzt tun er und seine Frau (Michelle Dockery) alles, um die Unschuld des Teenagers zu beweisen. Der Staatsanwalt wird zum Verteidiger.

Die Handlung von «Defending Jacob» verläuft vorhersehbar, aber Jacob ist eine spannende Figur. Einmal formuliert er eine durchaus nachvollziehbare Kritik an der Metaphorik von «Catcher in the Rye», aber als Zuschauer fragt man sich, ob er da nicht kalt und zynisch klingt. Und wie war das früher, als Jacob andere Kinder quälte und nie aufhörte zu schreien? Der Stoff erinnert an «We Need to Talk About Kevin» (2011) von Lynne Ramsay, aber das war eine weitaus radikalere Geschichte über Gewalt und die Frage, inwiefern Eltern Schuld tragen am Verhalten ihrer Kinder. Diese Serie wirkt dagegen wie gestreckter Grisham. Aber weil man irgendwie alles schon kennt, schaut man es auch gern.

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