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Prädikat «Fehleinkauf» – das sind die grössten Transferflops der letzten 30 Jahre

watson.ch-Logo watson.ch 13.06.2020 Philipp Reich
Sie galten als grosse Hoffnungsträger und wechselten für viel Geld zu einem neuen Klub. Doch dann lief plötzlich nichts mehr nach Plan. Statt international für Furore zu sorgen, gab es den Stempel «Fehleinkauf». Eine Liste mit 22 der grössten Transferflops der letzten 30 Jahre.

Gianluigi Lentini (1992)

Für 10 Millionen Euro (18,5 Milliarden Lire) von Torino zur AC Milan

Anfang der 1990er-Jahre erlebt das «Grande Torino» beinahe ein «Rinascimento». Unter Trainer Emiliano Mondonico wird Torino Calcio einmal Fünfter sowie einmal Dritter und marschiert 1992 bis in den UEFA-Cup-Final, wo man wegen der Auswärtstorregel an Ajax Amsterdam scheitert. Für den Höhenflug der «Granata» mitverantwortlich: Der junge Flügelstürmer Gianluigi Lentini, der bereits mit 17 in der Serie A debütiert hat. Mit 23 ist er zum kompletten Fussballer gereift: schnell, physisch sehr gut und technisch beschlagen.

Es sind die goldenen Jahre der Serie A: Juventus Turin rüstet gerade auf und weil das holländische Trio Gullit/Van Basten/Rijkaard langsam in die Jahre kommt, fürchtet die AC Milan um ihre Vormachtstellung. Präsident Silvio Berlusconi entscheidet im Sommer 1992 , dass Lentini das neue Gesicht der «Rossoneri» werden soll – koste es, was es wolle. Und so kommt es zu einem regelrechten Wettbieten zwischen Milan und Juventus um das Supertalent von Torino. Am Ende macht Milan das Rennen und Lentini wird mit einer Ablösesumme von 18,5 Milliarden Lire zum teuersten Fussballer der Welt.

Die Transfersumme sorgt in der Öffentlichkeit für hitzige Diskussionen, in die sich sogar der Vatikan einschaltet: Als «unanständig» bezeichnet er die horrende Summe für einen einzigen Fussballspieler. Die Milan-Fans lösen einen riesigen Hype um den Frauenschwarm mit Löwenmähne und Brillant-Ohrring aus, dem der Flügelstürmer aber nie gerecht werden kann. Lentini zeigt in seiner ersten Saison bei Milan zwar ansprechende Leistungen, die in Anbetracht der Ablösesumme aber trotzdem als Enttäuschung gewertet werden. Schnell wird Lentini als Fehleinkauf abgestempelt.

Bei Milan überlegen Präsident Berlusconi und Trainer Fabio Capello, den verloren wirkenden Lentini auszuleihen, um ihn in einem einfacheren Umfeld weiter reifen zu lassen. Aber Lentini will bleiben und es allen zeigen. Im August 1993 wird er durch einen Autounfall mit seinem Porsche jedoch jäh ausgebremst. Körperlich kommt er nach einer kurzen Zeit im Koma mit einer Gehirnerschütterung und Prellungen davon, doch die seelischen Narben bleiben. «Es war, als stünde nur noch sein Gespenst auf dem Platz», schreibt die «Gazzetta dello Sport» nach dem Comeback.

Lentini bekommt fast keine Einsatzminuten mehr und wird 1996 schliesslich zu Atalanta Bergamo abgeschoben. Kurz nachdem ihn Alan Shearer endlich als teuersten Fussballer der Welt abgelöst hat. Bis 2012 spielt Lentini weiter, an seine beste Zeit bei Torino kann er aber nie mehr anknüpfen.

Darko Pancev (1992)

Für 7,8 Millionen Euro (14 Milliarden Lire) von Roter Stern Belgrad zu Inter Mailand

Nicht nur bei Milan und Juventus steht im Sommer 1992 ein Umbau an, auch Inter Mailand formiert sich nach einem enttäuschenden 8. Platz und der Entlassung von Trainer Luis Suarez neu. Das deutsche Dreigestirn um Lothar Matthäus, Andreas Brehme und Jürgen Klinsmann verlässt den Klub geschlossen, dafür kommen Ruben Sosa, Toto Schillaci, Igor Schalimow, Matthias Sammer und Darko Pancev.

Vor allem vom 27-jährigen Pancev, für den Inter 14 Milliarden Lire hinblättert, erhoffen sich die Verantwortlichen viel. Der nur 1,75 Meter grosse Stürmer hat Roter Stern Belgrad mit 84 Toren in 91 Spielen zu drei Meistertiteln und 1991 gar zum Sieg im Meistercup geschossen. Bei der Ballon-d'Or-Wahl wird er hinter Jean-Pierre Papin Zweiter.

Doch die neuen Ausländer werden in der Kabine von den Inter-Stammkräften Walter Zenga, Giuseppe Bergomi und Riccardo Ferri nicht sehr freundlich empfangen. Die Stimmung ist trotz sportlichem Erfolg gestört, es bilden sich Grüppchen und Pancev bleibt völlig auf sich alleine gestellt. Sammer flüchtet bereits nach einem halben Jahr zurück nach Deutschland zu Borussia Dortmund. Pancev bleibt trotz der atmosphärischen Spannungen, doch im extrem defensiv ausgerichteten System von Trainer Osvaldo Bagnoli kommt der Knipser mit engem Bewegungsradius einfach nicht zur Entfaltung. Meist spielt deshalb Schillaci. In eineinhalb Jahren absolviert Pancev lediglich 16 Partien im Inter-Trikot, dann wird er leihweise zum VfB Leipzig in die Bundesliga abgeschoben.

Nach einem halben Jahr kehrt der Mazedonier zu Inter zurück, doch auch unter dem neuen Trainer Ottavio Bianchi kommt Pancev nicht über den Mitläufer-Status hinaus. 1995 wagt er einen zweiten Versuch in der Bundesliga bei Fortuna Düsseldorf. Nach nur zwei Toren in 14 Spielen ist aber auch dieses Engagement bald beendet. 1997 beendet Pancev seine Karriere beim FC Sion in der Schweiz. Auch im Wallis kommt er kaum zum Einsatz, nur fünf Mal läuft er in der Nationalliga A auf.

Denilson (1998)

Für 31,5 Millionen Euro von Sao Paulo zu Betis Sevilla

Vor der WM 1998 gilt der 20-jährige Denilson als grösstes Versprechen im Weltfussball. Im kultigen Flughafen-Werbespot der brasilianischen Nationalmannschaft erhält der Edeltechniker fast so viel Screentime wie Ronaldo. An der WM spielt Denilson nur im letzten, unbedeutenden Gruppenspiel von Beginn an, in den restlichen sechs Spielen wird er jeweils eingewechselt. Trotzdem wechselt das Supertalent nach dem Turnier für die Weltrekord-Summe von 51 Millionen Franken von Sao Paulo zu Betis Sevilla.

Denilson und Betis Sevilla – ein teures Missverständnis. © JULIO MUNOZ/KEYSTONE Denilson und Betis Sevilla – ein teures Missverständnis.

Auch die Laufzeit des Vertrags über 10 (!) Jahre ist rekordverdächtig. Doch nach nicht einmal einer Saison ist bereits klar, dass es sich beim Mega-Deal um ein riesiges Missverständnis handelt. Der schüchterne Denilson kommt mit dem Erwartungsdruck und der härteren Spielweise in Spanien nicht zurecht. «Ich bin geholt worden, um zu zaubern. Und das werde ich auch tun», beantwortet er die Kritik an seiner Spielweise. Obwohl er sich nie richtig durchsetzen kann, bleibt der Brasilianer fünf Jahre bei Betis. Danach macht er sich als Wandervogel einen Namen, der den Ansprüchen auch bei sieben weiteren Klubs nicht gerecht werden kann.

Elvir Baljic (1999)

Für 21 Millionen Euro (3,5 Milliarden Peseten) von Fenerbahce zu Real Madrid

18 Treffer in 30 Spielen: Bei Fenerbahce Istanbul lässt Elvir Baljic 1999 mit einer sensationellen Torquote aufhorchen und schon bald steht der 1,85 Meter grosse Stürmer aus Bosnien-Herzegowina zuoberst auf der Einkaufsliste von Real Madrid. Baljic ist zwar schon 25, dennoch trauen ihm viele den Durchbruch zum absoluten Superstar noch immer zu. Vor allem der neue Real-Trainer John Toshack, der zuvor bei Fenerbahces Stadtrivale Besiktas engagiert war. So überweist Real umgerechnet 21 Millionen Euro nach Istanbul und macht Baljic für ganz kurze Zeit – bis zum Kauf von Nicolas Anelka einige Wochen später – zum teuersten Transfer der Klubgeschichte.

Doch der Neuzugang hat grosses Pech. Kurz nach dem Saisonstart zieht sich Baljic einen doppelten Kreuzbandriss im linken Knie zu. Er fällt ein halbes Jahr aus und kommt in der Folge nur auf 15 Teileinsätze. Meist muss sich der teure Neuzugang in der zweiten Mannschaft abrackern. Von der Presse gibt es immer wieder vernichtende Kritiken. Der Flügelstürmer wird daraufhin erst an Fenerbahce und dann an Rayo Vallecano ausgeliehen. Schliesslich schiebt ihn Real 2002 ablösefrei an Galatasaray Istanbul ab. Doch auch zurück in der Türkei kann Baljic nicht mehr zu alter Form auflaufen. 2009 beendet er seine Karriere nach mehreren kurzen Engagements in der Süper Lig mit 35 Jahren.

Victor Ikpeba (1999)

Für 6 Millionen Euro (12 Millionen Mark) von Monaco zu Borussia Dortmund

Kurz vor der Jahrtausend-Wende liefert sich Borussia Dortmund mit Bayern München ein Wettrüsten. Der Champions-League-Sieg ist gerade mal zwei Jahre her und die Kriegskasse von Präsident Gerd Niebaum prall gefüllt. Mit Christian Wörns, Evanilson, Fredi Bobic und Giuseppe Reina verpflichtet der neue Sportdirektor Michael Zorc vier namhafte Verstärkungen. Doch der vermeintliche Königstransfer ist Victor Ikpeba.

Für 12 Millionen Mark eist der BVB den 26-jährigen Stürmer aus Nigeria von der AS Monaco los. Ikpeba wurde 1996 mit den «Super Eagles» Olympiasieger, gehörte im Fürstentum unter Trainer Arsène Wenger zum Stamm, schoss Monaco 1997 zum Meistertitel und wurde im gleichen Jahr zu Afrikas Fussballer des Jahres gewählt.

Doch in Dortmund fühlt sich Ikepba nie wohl. Das Leben im Ruhrpott ist komplett anders als im südfranzösischen Jetset. Teure Autos, Designermode und Partys gehörten bis anhin zu seinem Lifestyle, der Wechsel nach Dortmund ist da ein regelrechter Kulturschock. In den ersten Monaten fällt der 1,75 Meter kleine Stürmer nur durch eine Anzeige wegen Beamtenbeleidigung, wegen einer Ohrfeige für Mitspieler Sead Kapetanovic und durch eine Geldstrafe wegen öffentlicher Kritik an Trainer Michael Skibbe auf. Zwei Treffer in 21 Spielen lautet seine bescheidende Bilanz in der ersten Saison.

Im Mai 2000 wird der Grund für das Formtief bekannt. Seine Frau Victoria stirbt mit 24 Jahren an Brustkrebs, ihre Krankheit hat der Nigerianer monatelang geheim gehalten. Ikepba versucht, seinen Verlust in positive Energie umzuwandeln, doch auch unter dem neuen BVB-Trainer Matthias Sammer findet er seine Form nicht mehr. Der einstige Toptorjäger wird an Betis Sevilla ausgeliehen und rechnet in einem wirren Interview mit der «L'Equipe» mit dem BVB ab. 2002 wechselt Ikpeba nach Libyen, spielt dort für Al-Ittihad, den Verein des Sohnes des damaligen Diktators Muammar al-Gaddafi. 2005 beendet er seine Karriere.

Luizão (2002)

Ablösefrei von Gremio Porte Alegre zu Hertha BSC

2002 wird Brasilien in Japan und Südkorea zum fünften Mal Weltmeister und die Spieler der «Seleção» sind auf der ganzen Welt heiss begehrt. Doch nicht jeder Weltmeister ist ein Ronaldo oder Ronaldinho. Das muss Hertha BSC schmerzlich erfahren. Ablösefrei als vermeintliches Schnäppchen verpflichtet Manager Dieter Hoeness von Gremio Porto Alegre den Stürmer Luizão. Neben Alex Alves und Marcelinho ist der Wandervogel bereits der dritte Brasilianer bei der Hertha. Dass der Neuzugang rund 2,5 Millionen Euro im Jahr verdient, wird nicht an die grosse Glocke gehängt.

Den frisch verpflichteten Weltmeister lässt Hoeness im Juli 2002 mit dem Helikopter zu einem Testspiel im Erzgebirgsstadion von Aue einfliegen. Dort nimmt der Stürmer gleich seinen Stammplatz ein – und zwar auf der Tribüne. Zwar erklärt der Brasilianer, dass er «viele Tore und viel Freude nach Berlin bringen» wird, doch davon ist dann allerdings wenig bis nichts zu sehen.

Statt zu zaubern, schleppt sich Luizão in Berlin von Verletzung zu Verletzung. Erst zwickt die Wade, dann das Knie, zuletzt die Leiste. Nach 592 Tagen und 26 Spielen mit vier Toren beendet Hoeness das Bundesliga-Abenteuer des Weltmeisters. Luizão kehrt in die Heimat zurück, wo er einem Ruf als Wandervogel erneut gerecht wird. Bis zu seinem Rücktritt im Jahr 2009 spielt er für insgesamt acht Klubs.

Francesco Coco (2002)

Im Tausch für Clarence Seedorf von der AC Milan zu Inter Mailand

Unmittelbar vor der Jahrtausendwende ist in Mailand allen klar: Francesco Coco wird bei der AC Milan dereinst in die grossen Fussstapfen von Alessandro Nesta treten. Damit er Spielpraxis sammeln kann, leihen die «Rossoneri» ihr Verteidiger-Juwel für je ein Jahr an Vicenza, Torino und an den FC Barcelona aus.

Bei «Barça» kommt der Junge mit dem Engelsgesicht unter Trainer Carlos Rexach auf der linken Abwehrseite regelmässig zum Einsatz und kann so viel Spielpraxis sammeln. Doch fix verpflichten wollen ihn die Katalanen nicht und bei Milan ist die linke Abwehrseite durch Kakha Kaladze besetzt, weshalb Geschäftsführer Adriano Galliani einen Abnehmer für den 17-fachen Nationalspieler sucht. Mit Inter handelt er schliesslich einen spektakulären Deal aus. Im Tausch für Clarence Seedorf, dessen Marktwert damals rund 29 Millionen Euro beträgt, wechselt Coco zum Stadtrivalen.

Während Seedorf bei Milan voll einschlägt und schnell zum unverzichtbaren Leistungsträger im defensiven Mittelfeld wird, wird Coco nach einer ordentlichen ersten Saison mit 11 Einsätzen von Beginn an von einer hartnäckigen Rückenverletzung ausgebremst. Fast zwei Jahre lang wird er ausser Gefecht gesetzt. Als Coco endlich wieder fit ist, hat Trainer Roberto Mancini keine Verwendung für ihn. Es folgen zwei Ausleihen zu Livorno und Torino, 2007 beendet das einstige Supertalent im Alter von nur 30 Jahren seine Karriere.

Jonathan Woodgate (2004)

Für 18,5 Millionen Euro von Newcastle zu Real Madrid

Zur Verwunderung der Fussballwelt verpflichtet Real Madrid im Sommer 2004 den verletzungsanfälligen Innenverteidiger Jonathan Woodgate von Newcastle United. 18,5 Millionen Euro überweisen die Königlichen für den damals fünffachen englischen Nationalspieler auf die Insel. Doch bald folgt die grosse Ernüchterung: In seiner ersten Saison in Madrid absolviert Woodgate keine einzige Spielminute.

Woodgate mit Landsmann Beckham 2006 im Real-Training. © DANIEL OCHOA DE OLZA/KEYSTONE Woodgate mit Landsmann Beckham 2006 im Real-Training.

Doch es kommt noch schlimmer: Woodgates Einstand im September 2005 gegen Athletic Bilbao verläuft nämlich katastrophal: Der Engländer erzielt in der 25. Minute ein Eigentor und fliegt in der 66. Minute mit Gelb-Rot vom Platz. Danach zeigt seine Formkurve zwar steil nach oben, doch weil er immer wieder verletzt ist, wird er 2006 an seinen Stammklub Middlesbrough ausgeliehen und ein Jahr später für 9,6 Millionen Euro an «Boro» verkauft.

Woodgate schafft es während seiner Zeit bei Tottenham gar zurück in die englische Nationalmannschaft, doch in Spanien ist sein Ruf längst ruiniert. Bei einer Umfrage der Sportzeitung «Marca» wird der achtfache englische Nationalspieler nachträglich mit grosser Mehrheit zu Reals grösstem Fehleinkauf des 21. Jahrhunderts gewählt.

César Carignano (2004)

Für 4,7 Millionen Euro von CA Colon zum FC Basel

Drei Länderspiele für Argentinien, Gabriel Omar Batistuta als grosses Vorbild und der Ruf, ein echter Knipser zu sein – im Sommer 2004 gibt der FC Basel nicht ohne Stolz die Verpflichtung von César Carignano bekannt. 4,7 Millionen Euro kostet der 22-jährige, grosse Hoffnungsträger, der von CA Colón erstmals nach Europa wechselt. Noch immer ist der 1,89-Meter-Stürmer der teuerste Super-League-Einkauf der Geschichte.

Die erste Saison verläuft zufriedenstellend: Obwohl der FCB mit Christian Gimenez und Julio Hernan Rossi über ein Top-Sturmduo verfügt, kommt Carignano regelmässig zum Einsatz und erzielt in 27 Spielen neun Tore. Wegen verschleppter Leistenprobleme und weiterer kleinen Verletzungen steht der Argentinier in der Folge aber kaum mehr auf dem Platz. In der Liga kommt er noch auf drei Kurzeinsätze, im Cup darf er fünfmal ran.

Nach etwas mehr als drei Jahren beim FCB verlässt der teuerste Super-League-Spieler aller Zeiten die Stadt am Rheinknie wieder und wechselt zu seinem Heimatklub nach Santa Fe zurück, wo er aber auch keine grossen Stricke zerreisst. 2015 beendet Carignano seine Karriere bei einem Provinzklub.

César Carignano: Zu mehr als einer ordentlichen Saison beim FCB reichte es nicht. © MARKUS STUECKLIN/KEYSTONE César Carignano: Zu mehr als einer ordentlichen Saison beim FCB reichte es nicht.

Anderson (2007)

Für 31,5 Millionen Euro von Porto zu ManUnited

Bei der U17-WM 2005 wird Anderson Luis de Abreu Oliveira zum besten Spieler gewählt. Der schmächtige Mittelfeldspieler fällt durch seine elegante Spielweise und seine feine Technik auf. Der FC Porto holt den 17-jährigen Brasilianer danach für fünf Millionen Euro nach Europa, wo er als Joker gleich seinen Teil zum Gewinn der Meisterschaft beiträgt und einem gewissen Sir Alex Ferguson ins Auge sticht. Für 31,5 Millionen Euro holt ihn dieser zu Manchester United.

Verletzungen und Sprachprobleme machten Anderson bei ManUnited das Leben schwer. © Magi Haroun/KEYSTONE Verletzungen und Sprachprobleme machten Anderson bei ManUnited das Leben schwer.

Mit den «Red Devils» wird Anderson viermal englischer Meister und holt 2008 die Champions League, wobei der eingewechselte Brasilianer im finalen Penaltyschiessen gegen Chelsea die Nerven behält und seinen Versuch souverän versenkt. Allerdings macht der einstige WG-Kollege von Cristiano Ronaldo in acht Jahren nur gerade 105 Spiele für die United. 2010 zieht er sich einen Kreuzbandriss zu, wovon er sich nie mehr richtig erholt. Auch nach seiner Genesung hat er immer wieder mit Knieproblemen zu kämpfen und oft ein, zwei Kilos zu viel auf den Rippen. Ausserdem spricht er auch nach vier Jahren auf der Insel kein Englisch.

Als Fürsprecher Ferguson bei ManUnited aufhört, ist auch Andersons Zeit abgelaufen. Er wird an Fiorentina ausgeliehen, doch bei der «Viola» fehlt ihm der Ehrgeiz, sich durchzusetzen. Eine Wadenverletzung tut schliesslich ihr übriges, am Ende absolviert er kein einziges Spiel über 90 Minuten für Florenz. Der achtfache brasilianische Nationalspieler wechselt zurück in die Heimat, wo er nur noch zwei Mal auffällt. Einmal, als er in der Copa Libertadores in der Höhenluft von La Paz nach 39 Minuten völlig entkräftet ausgewechselt wird und auf der Ersatzbank eine Sauerstoffmaske benötigt, ein anderes Mal, als er im Training bei Internacional dem Teamkollegen William mit einem Faustschlag die Nase bricht.

Rolando Bianchi (2007)

Für 13 Millionen Euro von Reggina zu ManCity

Noch ist Manchester City kein Scheich-Klub, mit Thailands ehemaligem Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra übernimmt aber bereits ein Jahr vor dem Einstieg der «Abu Dhabi United Group» ein reicher Investor den Klub. Der neue Trainer Sven-Göran Eriksson darf für rund 70 Millionen Euro einkaufen. Neben Felipe Caicedo vom FC Basel und Sions Gelson Fernandes holt Eriksson auch Rolando Bianchi als vermeintlichen Königstransfer vom FC Reggina zu den «Citizens».

13 Millionen Euro kostet der 24-jährige Stürmer aus Italien, womit er nach Nicolas Anelka (2002/03) zum zweitteuersten Spieler der Klubgeschichte avanciert. In den Fokus von ManCity schiesst sich Bianchi mit 18 Serie-A-Toren, die massgeblich dazu beigetragen haben, dass Reggina trotz elf Minuspunkten wegen der Verwicklung in einen Manipulationsskandal nicht abgestiegen ist.

Bei den «Citizens» legt Bianchi einen fulminanten Start hin, gleich im ersten Premier-League-Einsatz trifft er erstmals. Trotzdem ist er unter Eriksson hinter Martin Petrov und Darius Vassell meist nur Stürmer Nummer 3. Zu mehr als Kurzeinsätzen kommt Bianchi nicht. Bereits im Januar lässt der schwedische Trainer schliesslich verlauten, dass sich der unzufriedene Italiener einen neuen Verein suchen könne. Bianchi wird zunächst bis zum Saisonende an Lazio Rom ausgeliehen und im Sommer für 7 Millionen Euro an den FC Torino verschachert. Dort zeigt er sich wieder als verlässlicher Torschütze, ausländische Klubs klopfen aber nie mehr bei Bianchi an.

Royston Drenthe (2007)

Für 14 Millionen Euro von Feyenoord zu Real Madrid

Das grosse Vorbild des jungen Royston Drenthe ist Edgar Davids. Kein Wunder, schliesslich ist der Oranje-Superstar sein Onkel. Und das Talent scheint in der Familie zu liegen. Der Sohn surinamischer Einwanderer ist wendig, trickreich, schnell und hat einen guten Schuss. Über die Jugendabteilung von Feyenoord wechselt der Holländer mit 16 zu Excelsior Rotterdam, doch bald holt ihn Feyenoord zurück. Mit 18 gibt der 1,67 Meter kleine Linksfuss sein Debüt in der Eredivisie, ein Jahr später führt er die holländische U21 als Spieler des Turniers zum EM-Titel.

Drenthe hatte bei Real nicht nur Fussball im Kopf. © DANIEL OCHOA DE OLZA/KEYSTONE Drenthe hatte bei Real nicht nur Fussball im Kopf.

Real Madrid ist beeindruckt von seinen frechen Dribblings, den harten Tacklings und den Tempoläufen auf der Aussenbahn und holt ihn für 14 Millionen Euro in Spaniens Hauptstadt. Zum Stammspieler reicht es Drenthe, der plötzlich drei Millionen Euro pro Jahr verdient, bei den Königlichen jedoch nie. Weil er die totale Anerkennung auf dem Platz nicht findet, sucht er sie neben dem Platz. Fasziniert vom Rapper-Lifestyle, lebt Drenthe mit bis zu 15 Kumpels aus der Heimat in einer Madrider Villa. Er stürzt sich ins Nachtleben, ernährt sich ungesund, leistet sich teure Luxuskarren. Wegen Falschparkens und Tempoüberschreitungen sammelt er Strafzettel in der Höhe von 15'000 Euro.

Als José Mourinho 2010 Real-Trainer wird, ist Drenthes Zeit bei den Königlichen endgültig abgelaufen. Es beginnt eine lange Odyssee: Bei Everton, Reading und Sheffield Wednesday lässt er immer mal wieder seine Klasse aufblitzen, aber da sind eben auch immer noch seine Eskapaden. 2013 taucht ein Video auf, das ihn im Temporausch und mit Bierdose in der Hand in seinem weissen Ferrari zeigt. Nach seiner Karriere beschliesst Drenthe, Rapper zu werden. Im Februar 2017 kommt mit Paranoia die erste Single von «Roya2Faces» auf den Markt.

Breno (2008)

Für 12 Millionen Euro von Sao Paulo zu Bayern München

Robust in den Zweikämpfen, schnell und kopfballstark – im Winter 2008 jagt halb Europa das 17-jährige Verteidiger-Wunderkind Breno vom FC Sao Paulo. Am Ende sticht Bayern München Real Madrid und zahlreiche italienische Klubs aus, für 12 Millionen und fünf Jahre wechselt der junge Brasilianer zum deutschen Rekordmeister.

Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge betitelt ihn stolz als «Verpflichtung für die Zukunft», das Supertalent soll in München dereinst Lucio als Abwehrchef beerben. Doch die hohe Ablöse und der Leistungsdruck beim deutschen Rekordmeister sind zu viel für den Teenager. Bei den Bayern kommt Breno kaum zum Einsatz und auch ein Leihgeschäft nach Nürnberg ist keine Erfolgsgeschichte. Im Gegenteil: Der Brasilianer zieht sich nach nur sieben Spielen einen Kreuzbandriss zu.

Richtig dramatisch wird die Geschichte 2011. Kurz nach Saisonbeginn erfährt Breno, dass er sich zum dritten Mal am Knie operieren lassen muss. Aus Frust über seine Situation und unter Alkohol- und Medikamenteneinfluss steckt er deshalb seine Villa in Brand. Der Sachschaden wird auf 1,5 Millionen Euro geschätzt, der 22-jährige Brasilianer wird verhaftet und im Juli 2012 zu einer Haft von drei Jahren und neun Monaten verurteilt.

Kurz vor Weihnachten 2014 wird Breno vorzeitig aus der Haft entlassen. Umgehend kehrt er nach Brasilien zurück, der FC Sao Paulo nimmt ihn wieder auf. Doch auch bei seinem Jugendverein kommt das gefallene Talent nie über die Reservistenrolle hinaus. 2017 scheint er bei Vasco da Gama wieder auf dem richtigen Weg zu sein. Beharrlich kämpft er sich in die Startelf, dann sorgt eine weitere Knieoperation für den erneuten Tiefschlag. Seit August 2018 hat Breno keine einzige Minute mehr gespielt.

Massimo Oddo (2008)

Von der AC Milan für ein Jahr an Bayern München ausgeliehen.

Weil sich Willy Sagnol und auch dessen Stellvertreter Hamit Altintop im Sommer 2008 verletzen, ist Bayern München dringend auf der Suche nach einem Rechtsverteidiger. Kurz vor Ablauf des Transferfensters entscheidet sich Uli Hoeness deshalb, Massimo Oddo für ein Jahr von der AC Milan auszuleihen. 3,5 Millionen Euro kassiert der bereits 32-jährige Italiener für das Gastspiel in München.

Oddo ist mit Italien 2006 Weltmeister und mit Milan 2007 Champions-League-Sieger geworden. Was sich nach einem regelrechten Transfercoup anhört, entwickelt sich allerdings zu einem riesiges Missverständnis. Der Italiener kommt zwar auf 27 Einsätze, wirkt teilweise aber nicht richtig fit und kann sich nie an die Bundesliga gewöhnen. Dass er beim 0:4 im Champions-League-Viertelfinal gegen Barcelona von Lionel Messi und Co. mal für mal vorgeführt wird, hilft seinem Standing in der Mannschaft auch nicht.

Im Mai 2009 künden die Bayern an, dass sie die Kaufoption für Oddo nicht ziehen werden. Der Italiener wird nach Mailand zurückgeschickt. Auch bei den «Rossoneri» findet der Weltmeister den Tritt nicht mehr. In zwei Saisons absolviert er nur noch 24 Partien, nach einem Jahr bei Lecce beendet Bayerns einstiger Notnagel 2012 schliesslich seine Karriere in der Provinz.

Ricardo Quaresma (2008)

Für 24,6 Millionen Euro von Porto zu Inter Mailand

Im Sommer 2008 wird José Mourinho Trainer bei Inter Mailand, ganz zuoberst auf seiner Wunschliste an Verstärkungen steht sein portugiesischer Landsmann Ricardo Quaresma. Und Mourinho kriegt, was er will: Der 24-jährige Dribbelkünstler kommt für 24,6 Millionen Euro vom FC Porto nach Mailand.

Mit Inter wird Quaresma zweimal italienischer Meister und 2010 Champions-League-Sieger. Der Haken: Der launische Rechtsaussen kommt in drei Jahren lediglich während 428 Minuten zum Einsatz und erzielt dabei ein mageres Törchen. Trotz seines überragenden Talents hindert ihn seine mangelnde Professionalität daran, sein enormes Potenzial bei den «Nerazzurri» auszuschöpfen.

Eine Rabona-Flanke da, kein Nachsetzen in der Defensive dort – von Radiosender «Rai Due» wird Quaresma 2008 mit dem «Bidone d'Oro» («Goldener Mülleimer») für die enttäuschendste Leistung der Saison ausgezeichnet. Von Mourinho wird der einstige Wunschspieler bald gar nicht mehr berücksichtigt. Beim Champions-League-Final 2010 steht der Portugiese nicht einmal mehr im Kader.

Zwischendurch an Chelsea ausgeliehen, verlässt Quaresma Inter im Sommer 2010 endgültig. Der Spielmacher wechselt für 7,3 Millionen Euro zu Besiktas Istanbul, wo er insgesamt sechs Jahre spielt und trotz zahlreicher Eskapaden zum Publikumsliebling avanciert. Mittlerweile kickt der Europameister von 2016 bei Besiktas Stadtrivale Kasimpasa Istanbul, wo er auch Captain ist.

Dmytro Tschyhrynskyj (2009)

Für 25 Millionen Euro von Schachtar Donzek zu Barcelona

Champions-League-Gruppenphase 2008: Der FC Barcelona ist bereits für die K.o.-Runde qualifiziert und tritt gegen Schachtar Donezk mit einer B-Elf an. Trainer Pep Guardiola probiert etwas aus. Sergio Busquets soll als Innenverteidiger den verkappten Spielmacher mimen. Der Plan misslingt gegen Donezks Pressing komplett und Guardiola muss mitansehen, wie beim 3:2-Sieg der Ukrainer ein Mann auf der anderen Seite seine Idee perfekt umsetzt: Dmytro Tschyhrynskyj.

Den Auftritt des 1,89 Meter-Mannes von Schachtar vergisst Guardiola nicht mehr, im Sommer 2009 holt er den 22-jährigen Tschyhrynskyj für 25 Millionen Euro nach Barcelona. Bis heute ist der Ukrainer Barças viertteuerster Abwehrspieler aller Zeiten. Von den Fans und Medien wird der Neuzugang mit grosser Skepsis empfangen, doch Guardiola hält an seinem Plan fest. Er will aus Tschyhrynskyj den Nachfolger von Carles Puyol machen, dessen Vertrag nur noch ein Jahr läuft.

Der neue Hoffnungsträger beginnt vielversprechend, doch bald beginnen seine Leistungen stark zu schwanken. Der sensible Ukrainer vermisst sein altes Umfeld, spricht kein Wort Spanisch und leidet bald an Heimweh. Das Selbstvertrauen schwindet, beim Copa-Aus gegen Sevilla verursacht Tschyhrynskyj einen Elfmeter und wird von den Fans gnadenlos ausgepfiffen. Guardiola will zwar an ihm festhalten, doch die Klubführung schickt ihn nach nur einem Jahr mit 12 Einsätzen zurück nach Donezk.

Doch Tschyhrynskyj ist nach seinem missglückten Barça-Abenteuer nicht mehr derselbe. Das Selbstvertrauen hat gelitten, die Selbstverständlichkeit ist weg. Bald verliert er auch bei Schachtar seinen Stammplatz. Für grosses Aufsehen sorgt der Ukrainer später auch bei Dnipro Dnipropetrowsk und AEK Athen nicht mehr.

Alberto Aquilani (2009)

Für 20 Millionen Euro von der AS Roma zu Liverpool

Im Sommer 2009 muss Liverpool-Trainer Rafael Benitez den Abgang von Xabi Alonso zu Real Madrid kompensieren. Auf der Suche nach einem Nachfolger wird der Spanier bei der AS Roma fündig: Für 20 Millionen Euro holen die «Reds» Alberto Aquilani auf die Insel. Mit der Roma wurde der defensive Mittelfeldspieler dreimal Vize-Meister und holte zweimal die Coppa Italia, in Liverpool findet sich der sensible Arbeiter aber nie zurecht.

Zwar deutet Aquilani immer wieder seine Klasse an, doch Benitez macht bei ihm eine mentale Schwäche aus und verzichtet deshalb immer öfter auf den Italiener. Nach einer Saison mit 18 Spielen und einem Treffer kriegt Aquilani keine Chance mehr, sich zu beweisen. Erst wird er an Juventus, dann an Milan ausgeliehen und schliesslich für nur zwei Millionen Euro an die AC Fiorentina verkauft.

In Florenz zeigt der 38-fache italienische Nationalspieler wieder, was eigentlich in ihm steckt. 2014 führt Aquilani die «Viola» bis in den Final der Coppa Italia und auf Rang 4 der Serie. Im Sommer 2015 wird sein Vertrag aber nicht verlängert. Nach je einer Saison bei Sporting Lissabon, Pescara, Sassuolo und Las Palmas beendet er im Sommer 2019 seine Karriere.

Diego (2009)

Für 27 Millionen Euro von Werder Bremen zu Juventus

Beim FC Porto als Nachfolger von Deco aussortiert, gehört der Brasilianer Diego bei Werder Bremen von 2006 bis 2009 zu den grössten Attraktionen der Bundesliga. In 50 Spielen erzielt der begnadete Spielmacher 15 Tore und bereitet 16 weitere vor. 2009 gewinnt er mit Bremen den DFB-Pokal, in der Folge ist der Dribbelkünstler für die «Werderaner» nicht mehr zu halten. Die starken Leistungen von Diego rufen gleich mehrere europäische Topklubs auf den Plan, am Ende macht Juventus Turin das Rennen. 27 Millionen zahlt der italienische Rekordmeister, der nach dem Manipulationsskandal und dem Wiederaufstieg endlich wieder ganz oben stehen will, für den 24-Jährigen.

Die Erwartungen an den Neuzugang sind gross. Er soll so schnell wie möglich in die Fussstapfen des in die Jahre gekommenen Alessandro Del Piero treten. Während der 34-jährige Publikumsliebling noch verletzt ausfällt, verläuft Diegos Start fulminant. Im zweiten Saisonspiel bei der AS Roma trifft er beim 3:1-Sieg doppelt. Die Juve-Verantwortlichen frohlocken schon, doch bald gerät der Motor des Brasilianers ins Stocken. Mit Trainer Ciro Ferrara wird Diego nie richtig warm und auch unter dessen Nachfolger Alberto Zaccheroni blüht Diego nicht mehr auf. Am Ende wird der Brasilianer fast allein für die schwache Juventus-Saison verantwortlich gemacht und das Engagement bei der «Alten Dame» endet nach einer Saison mit sieben Toren in 44 Einsätzen vorzeitig.

Für 15,5 Millionen Euro kehrt Diego im Sommer 2010 zum VfL Wolfsburg in die Bundesliga zurück. Dort knüpft er zwar an seine alten Werder-Leistungen, sorgt am letzten Spieltag aber für einen Eklat, als er einfach davonläuft, weil er nicht in der Startaufstellung steht. In der Folge pendelt er zwischen Wolfsburg und Atlético Madrid hin und her. Nach zwei Jahren bei Fenerbahce Istanbul kehrt er 2016 in seine Heimat Brasilien zurück, wo Diego mit 35 Jahren immer noch für Flamengo kickt. 2019 gewann er mit dem Klub aus Rio de Janeiro die Copa Libertadores, Südamerikas Champions League.

Andy Caroll (2010)

Für 41 Millionen Euro von Newcastle zu Liverpool

41 Millionen Euro – so teuer wie Andy Caroll war zuvor noch kein englischer Fussballer. Der 22-jährige Stürmer wechselt im Januar 2010 von Newcastle zu Liverpool. Für die «Magpies» hatte er in der Saison davor zwar 13 Tore in 26 Spielen erzielt, aber 41 Millionen für einen nicht sehr talentierten Schlaks? Schon damals reiben sich viele verwundert die Augen.

Hintergrund des englischen Rekordtransfers ist der neuste TV-Vertrag für die Premier League, der den Klubs seit Saisonbeginn deutlich höhere Einnahmen bringt. Das lockt Investoren an: Bei Liverpool, das damals nur zur erweiterten Spitze in England gehört, steigt im Oktober 2010 beispielsweise die amerikanische Fenway Sports Group ein. Doch nicht nur die «Reds», auch die englischen Klubs jenseits der «Big 6» haben plötzlich deutlich mehr Geld für Transfers zur Verfügung. Das verschiebt die internationalen Transferströme endgültig in Richtung England und lässt die Ablösesummen von Durchschnittsspielern förmlich explodieren.

Der Wechsel von Carroll zu Liverpool ist im Winter 2011 der erste Auswuchs dieser neuen Entwicklung. Der Rekordmann wird bei den «Reds» jedoch nicht glücklich. Der designierte Nachfolger für den zu Chelsea abgewanderten Fernando Torres trifft in 44 Spielen für die Liverpool nur gerade sechsmal und zieht bereits im Sommer 2012 zu West Ham United weiter, wo er in 142 Spielen 34 Mal trifft. Mittlerweile spielt Caroll wieder bei seinem Stammverein Newcastle.

Roberto Soldado (2013)

Für 38 Millionen Euro von Valencia zu Tottenham

Im Sommer 2013 ist Tottenhams Transferkasse nach dem 101-Millionen-Euro-Wechsel von Gareth Bale zu Tottenham prall gefüllt. Auf der Suche nach einer klassischen Nummer 9 – einem Stürmer, der 20 Tore pro Saison schiessen soll – werden die «Spurs» in Valencia fündig. Roberto Soldado soll der neue Torgarant sein, für 30 Millionen Euro wechselt der damals 28-jährige Spanier an die White Hart Lane.

Soldado kann in seiner Tottenham-Zeit nur selten jubeln. © Petros Karadjias/KEYSTONE Soldado kann in seiner Tottenham-Zeit nur selten jubeln.

Eigentlich war für Soldado aber ein Platz im Starensemble von Real Madrid vorgesehen. Mit 15 kommt er im Jahr 2000 zu den Königlichen und überzeugt in allen Nachwuchsmannschaften, doch den Sprung ins A-Team schafft das Sturmtalent knapp nicht. Dennoch macht er sich in der Primera Division einen Namen als absoluter Knipser: Für Osasuna, Getafe und Valencia erzielt er Tore am Laufmeter – 99 in 191 Spielen.

Bei Tottenham kommt der nur gerade 1,79 Meter grosse Soldado mit dem viel körperlicheren Spiel auf der Insel aber nicht zurecht. Als reiner Strafraumstürmer kommt er kaum zu Abschlüssen, er landet deshalb immer öfter auf der Bank. Nach zwei Saisons mit 16 Toren in 76 Spielen ziehen die «Spurs» einen Schlussstrich und verkaufen Soldado für 16 Millionen Euro an den FC Villarreal, wo er mehr als Vorbereiter denn als Vollstrecker glänzt. Nach zwei Jahren bei Fenerbahce Istanbul spielt Soldado mit 35 mittlerweile bei Granada.

João Mario (2016)

Für 40 Millionen Euro von Sporting Lissabon zu Inter Mailand

João Mario ist 2016 eine der Entdeckungen der EM in Frankreich. Mit seiner Spielintelligenz und Übersicht zieht er auf dem Weg zu Portugals grossem Triumph im defensiven Mittelfeld die Fäden. Schon vor dem gewonnenen Final flattern die Angebote bei Sporting Lissabon rein. Dank der neuen chinesischen Investoren macht Inter Mailand das Rennen um den Europameister – 40 Millionen Euro überweisen die «Nerazzurri» für den neuen Spielmacher. Damit ist João Mario noch immer der teuerste Mittelfeldspieler der Inter-Geschichte.

Trotz zahlreichen Trainerwechseln ist der Neuzugang in seiner ersten, turbulenten Inter-Saison mehr oder weniger gesetzt. Doch unter Luciano Spalletti verliert er zu Beginn der Saison 2017/18 seinen Stammplatz und wird für ein halbes Jahr zu West Ham United ausgeliehen. Zurück bei Inter sortiert ihn Antonio Conte schliesslich endgültig aus.

Doch einen fixen Abnehmer für João Mario findet Inter nicht. Erneut wird der Portugiese ausgeliehen, dieses Mal an Lokomotive Moskau. Dort geht es sportlich endlich wieder aufwärts, João Mario ist Stammspieler und liegt mit seinem Verein auf Rang 3 der Premier Liga. Ob er bei Lok bleiben kann, ist noch unklar. Die Russen verfügen über eine Kaufoption über 18 Millionen Euro.

Malcom (2018)

Für 41 Millionen Euro von Bordeaux zu Barcelona

Im Sommer 2018 jagt halb Europa das brasilianische Supertalent Malcom von Girondins Bordeaux. Der 21-jährige Flügelstürmer galt als Superstar der Zukunft, in der gerade abgelaufenen Ligue-1-Saison hatte er mit 12 Toren auf sich aufmerksam gemacht.

Bei Barcelona sass Malcom meist nur auf der Bank. © Mark J. Terrill/KEYSTONE Bei Barcelona sass Malcom meist nur auf der Bank.

Am Deadline Day vermelden Bordeaux und die AS Roma den Transfer bereits als fix, für 36 Millionen Euro soll Malcom in die «Ewige Stadt» wechseln. Doch der Spieler entscheidet sich im letzten Moment um, denn vom FC Barcelona flattert ein noch besseres Angebot ein und so wechselt Malcom für 41 Millionen Euro zu Barça. «Ein Kindheitstraum geht in Erfüllung. Ich wollte schon immer zu Barcelona. Es ist nicht leicht, es hierhin zu schaffen», erklärt der Brasilianer.

Doch der Traum wird bald zum Albtraum. Im Starensemble von Barcelona kommt Malcom kaum zum Zug, in der Primera Division wird er nur 15 Mal eingesetzt, dazu sechsmal im Cup. Nach nur einem Jahr verkauft ihn Barça fast ohne Verlust für 40 Millionen Euro weiter an Zenit St.Petersburg. Dort wird Malcom zunächst von einer langwierigen Hüftverletzung ausgebremst und just, als er wieder in Form kommt, von der Corona-Pandemie.

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