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«Resident Evil 3» im Test: So gut ist das Horror-Remake

watson.ch-Logo watson.ch 12.04.2020 Simon Dick
Nachdem der zweite Teil im letzten Jahr ein sehr gelungenes Remake erhielt, war es nur eine Frage der Zeit, bis auch das dritte Abenteuer in ein neues Kleid schlüpfen darf. Unser Test zeigt, ob Capcom auch hier ordentlich abgeliefert hat.

«Resident Evil 3: Nemesis» war 1999 ein actionreicher Survival-Horror-Titel. Capcom verliess die Gruselschiene aus dem zweiten Teil und bot mehr Action, mehr Zombies und vor allem den titelgebenden Nemesis, der den Spieler regelmässig verfolgte und so zu einer Last wurde.

Nun da das Remake des zweiten Teils so gut ankam, war es nur logisch, dass Capcom auch den dritten Teil aufhübschen würde. Da das technische Grundgerüst einfach übernommen werden konnte und die Konzeptarbeit schon lange im Voraus begann, ging alles ganz schnell. So dürfen wir Fans des Survival-Horrors bereits ein Jahr danach schon die Fortsetzung konsumieren.

Was bisher geschah ...

Der dritte Teil ist natürlich nach dem zweiten Teil angesiedelt. Doch wenn es der Geschichtsschreiber ganz genau nimmt, spielt der dritte auch kurz vor dem zweiten Teil. Denn die berühmte Polizeistation aus «Resident Evil 2» ist ebenfalls ein Bestandteil der Handlung.

Wir schlüpfen in die Rolle von Jill Valentine, die als Mitglied der S.T.A.R.S.-Einheit schon im ersten Teil mit der dubiosen Firma Umbrella zu tun hatte und sich mit dem Kampf gegen einen ausgebrochenen Zombie-Virus bestens auskennt. Jill versucht nun aus der verseuchten Stadt Raccoon City zu fliehen. Dabei trifft sie immer wieder auf Nemesis. Dieser Hüne ist eine fleischgewordene Superwaffe, die von Umbrella auf das Schlachtfeld geschickt wird, um die S.T.A.R.S.-Mitglieder, sprich alle Augenzeugen des Vorfalls im Herrenhaus, auszulöschen.

Ebenfalls darf man für eine kurze Spielzeit die Rolle von Carlos Oliveira übernehmen. Dieser ist ein schwer bewaffneter Umbrella-Söldner, der ebenfalls mit ein paar Kameraden in der Stadt festsitzt. Warum genau wir diesen Charakter spielen dürfen und welche Rolle er in dieser Verschwörungsgeschichte innehat, wollen wir hier an dieser Stelle aus Spannungsgründen natürlich nicht verraten.

Das «Resident Evil»-Einmaleins

Die Flucht aus der verseuchten Stadt, in der mittlerweile Anarchie herrscht und zahlreiche Untote durch die Gassen stöhnen, erweist sich als schwierig. So muss sich Protagonistin Jill von Areal zu Areal durchballern, wie gehabt fleissig Munition und Gegenstände zum überleben einsammeln sowie das eine oder andere sehr einfache Rätsel lösen, um in den nächsten Abschnitt zu gelangen.

Parallel werden neue Schusswaffen aufgespürt und das eine oder andere Dokument wartet darauf, gelesen zu werden, um mehr über die Hintergründe zu erfahren. Nebst den vielen Zombies gilt es auch diverse Monster, die von Umbrella als neumodische Biowaffen missbraucht werden, wegzuballern und natürlich dürfen auch die bissigen Zombie-Hunde nicht fehlen.

Geht einem die Munition aus, darf man mit einem Messer in den Nahkampf wechseln oder benutzt den neuen Ausweichschritt, um nicht gefressen zu werden. Hauptunterschied zum Original ist natürlich die optische Aufarbeitung. Inhaltlich wurde an der Grundstruktur von 1999 festgehalten. Ansonsten liegen die Veränderungen im Detail: Es liegt viel mehr Munition herum oder Gegner können einem schon mal durch die geschlossene Türe verfolgen.

«Staaars!»

Abseits der gewohnten «Resi»-Merkmale setzt sich natürlich der Fleischberg Nemesis besonders in Szene. Diese riesige Biowaffe verfolgt die Heldin in einzelnen Spielabschnitten auf Schritt und Tritt. Besiegen kann man den Schurken vorerst aber nicht. Hat er aber genügend Blei in seinen aufgedunsenen Körper gepumpt bekommen, wird er schwach und hält sich vorerst still. Doch schon kurz danach erhebt er sich wieder und macht mit dem berühmten Wort «Staaars», wohl das Einzige was er über die Lippen bringt, weiterhin Jagd auf Jill.

Nemesis kann einem ganz schön auf die Nerven gehen, da er unbesiegbar erscheint und immer wieder auftaucht. Wer jetzt denkt, dass er überall erscheinen wird, kann sich beruhigen. Der Oberzombie taucht nur an bestimmten Stellen im Spiel auf. Er ist also an das Skript gebunden und wird nicht per Zufallsprinzip ins Spiel geworfen.

Dennoch kann man während der Spielhandlung nie wirklich sicher sein, ob dieser Kerl nicht doch plötzlich durch eine Wand bricht. Dieses ständige Unbehagen, dass er hinter jeder Ecke lauern könnte, sorgt für Dauerstress und parallel wird jede einzelne Patrone gehortet, weil der Spieler weiss, dass man ihn mit viel Blei vollpumpen muss, damit er wieder Ruhe gibt.

Eine Stadt lädt zum Erkunden ein

Audiovisuell kann sich auch dieses Remake wieder sehen und hören lassen. Vor allem Raccoon City ist eine Augenweide geworden. Die dreckigen, engen Gassen mit den heruntergekommenen Hinterhöfen sorgen für eine beklemmende Stimmung. Parallel laden diverse Läden mit ihren verspielten Schaufenstern und Leuchtreklamen zur Erkundung ein. Ist eine Tür verschlossen, steigert das die Motivation ungemein, einen passenden Schlüssel zu finden. Zusätzlich haben die Macher ein paar schöne Eastereggs versteckt. Tipp: Schaut euch mal die vielen Filmposter an den Wänden ganz genau an.

Auch die anderen Schauplätze wie die Kanalisation oder ein steriles Krankenhaus sorgen mit schaurig schönen Licht- und Schatteneffekten für wohliges Gruseln. Vorbeihuschende Schatten, Schreie aus der Ferne und das Klappern von herunterfallenden Gegenständen kreieren eine Survival-Horror-Stimmung par excellence. Mysteriöse Klänge und treibende Beats umrunden die Atmosphäre.

Angestaubtes Gameplay

Doch so ganz gruselig und intensiv wie im zweiten Teil ist die Fortsetzung nicht geworden. Beklemmende Angst und Gruselflair sind zwar teilweise vorhanden, doch im Fokus stehen dieses Mal die Action und die immer wieder nach dem gleichen Schema ablaufenden Kämpfe mit Nemesis.

Bevor er sich in ein riesiges Übermonster verwandelt, muss auf ihn mehrmals geschossen werden, bis er einknickt. Ist man mit ihm später in einem Areal gefangen, läuft die Spielfigur ständig im Kreis, weicht ihm aus und ballert alles raus, was noch an Munition da ist. Diese Prozedur wiederholt sich ständig und in solchen Momenten zeigt der Titel schonungslos, dass er das angestaubte Gameplay von 1999 inne hat.

Sehr kurze Geschichte

Nach nur sechs Stunden flimmert leider schon der Abspann über den Bildschirm. Nehmt ihr euch etwas mehr Zeit, indem ihr alles genau untersucht, versteckte Waffen findet, jedes Dokument durchliest und in der Stadt herumwuselt, dürfen noch ein paar Stündchen mehr oben draufgelegt werden.

Einen Wiederspielwert gibt es nicht, es sei denn ihr wollt eure Bestzeit knacken oder einen höheren Schwierigkeitsgrad ausprobieren. Am Ende des Spiels erhält man Punkte, die gegen Kostüme oder besondere Waffen, wie zum Beispiel ein brennendes Messer, eingetauscht werden können. Aber auch da will sich die Motivation für ein erneutes Durchspielen nicht wirklich einstellen.

Doch halt, da wäre ja noch das Online-Spiel «Resistance», das quasi als Zugabe im Paket enthalten ist ...

Ein netter Mehrspielermodus

Bei «Resident Evil Resistance» ist man entweder ein Mitglied eines Viererteams, das aus einem begrenzten Areal fliehen muss, oder es wird die Rolle des Spielemachers gewählt, der die Versuchskaninchen quälen darf.

Die Areale sind gespickt mit Fallen und natürlich auch mit Zombies, die es gilt in Teamarbeit und unter Zeitdruck zu umgehen, respektive aus dem Weg zu räumen. Mittels individuellen Fähigkeiten und Waffen muss der Ausgang erreicht werden. Der böse Mastermind versucht dieses natürlich zu verhindern und kann auch selber in die Rolle von Zombies, Monstern und Co. schlüpfen.

In der Gruppe mit Freunden macht dieser Online-Ableger im «Resident Evil»-Universum durchaus Spass. Besonders in der Rolle des Spielemachers dürfen finstere Mordgelüste freigelassen werden. Da die Herausforderungen jedoch kurz sind und nur gerade eine Handvoll Areale zur Verfügung stehen, hat man diesen Survival-Trip leider auch sehr schnell gesehen.

Kurz, aber knackig

Fazit: Intensive Begeisterungsstürme wie beim Remake des zweiten Teils wollen sich nicht entladen. Zu kurz ist die Story, zu tief ist der Wiederspielwert und auch der Mehrspieler-Part «Resistance» will auf die Dauer nicht verzücken.

Auch wenn Capcom audiovisuell ordentlich abgeliefert hat, haben sie es sich doch etwas zu einfach gemacht. Hätten die Macher die Story erweitert, ein paar neue Ideen und Inhalte zusätzlich geliefert, würde «Resident Evil 3» in ähnlich hohen Sphären schweben, wie der Vorgänger.

So bleibt dieses Remake hauptsächlich ein kurzes, aber knackiges Actiongame mit gruseligen Momenten, das inhaltlich und atmosphärisch dem «Resi 2»-Remake hinterherhinkt.

Dennoch darf Capcom mit solchen Remakes gerne weitermachen und «Resi»-Fans dürfen sich jetzt schon auf eine Neuauflage von «Code: Veronica» freuen. Denn dass dieses Remake auch noch kommt, ist todsicher.

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«Resident Evil 3» ist erhältlich für Playstation 4, Xbox One und PC. Freigegeben ab 18 Jahren.

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