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Südfrankreich? Nein, Zürichsee!

Tages-Anzeiger-Logo Tages-Anzeiger 22.07.2020

Gastronom Michel Péclard hat sein Restaurant direkt am Seeufer auf mediterranes Flair gebürstet. Gelingt die Illusion?

Das passt: Dünn geschnittenes Kalbfleisch, cremige «thonige» Sauce. © Bereitgestellt von Tages-Anzeiger Das passt: Dünn geschnittenes Kalbfleisch, cremige «thonige» Sauce.

Ferien in der Schweiz? Da vermissen wir natürlich als Erstes das Rumfläzen am Sandstrand tagsüber. Und danach die lauen Abende in einer Pizzeria mit Blick aufs Meer und die darin schaukelnden Jachten. Doch diese Stimmung lässt sich, wenigstens ansatzweise, auch an Schweizer Gewässern geniessen. Und so sind die Seerestaurants im ganzen Land auffallend gut besucht, zum Beispiel das Portofino in Thalwil am Zürichsee.

«Volkssänger» Baschi kommt manchmal hierher, weiss eine Kollegin. Doch leider, so erfahren wir auf dessen Instagram-Account, hat er diese Woche das echte Meer dem Binnengewässer vorgezogen. Um doch etwas Glamour auf die holzige Terrasse am See zu bringen, bestellen wir einfach ein Glas Miraval. Der Rosé von Angelina Jolie und Brad Pitt glitzert verlockend pink im Glas. Wir sind einmal mehr erstaunt über die Würze und die Knackigkeit dieses Promi-Weins aus der Côtes de Provence.

Das ist kein Kreuzfahrtschiff im Hintergrund, sondern die «Stadt Zürich». © Bereitgestellt von Tages-Anzeiger Das ist kein Kreuzfahrtschiff im Hintergrund, sondern die «Stadt Zürich».

Die Illusion ist beinahe perfekt, als das Vitello tonnato, die erste Vorspeise, auf den Tisch kommt. Wunderbar dünn geschnittenes Kalbfleisch, die thonige Sauce schön cremig, deren Fisch-Goût nicht dominant. Das passt. Weniger zufrieden sind wir mit einem Salat aus gekochter Rande und roten Zwiebeln. Wo bleibt da ein erfrischender Säureakzent, indem man zum Beispiel Limetten- statt Orangenfilets dazugeben würde? Auch die Sauce ist zu wenig leichtfüssig. Man vermisst zudem eine knusprige Komponente, die gehackten Pistazien helfen da nicht. Dieses Entree könnte Michel Péclard – Zürichs Gastro-Tausendsassa, der das Portofino zu seinem Portfolio zählt – ruhig nochmals einer Überprüfung unterziehen.

Noch ein Schluck Rosé, noch einen Blick auf den See. Ist das ein Kreuzfahrtschiff da draussen? Nein, es ist der Raddampfer «Stadt Zürich», der ein paar Wellen an die Mole klatschen lässt. Uns aber lässt jetzt die Pizza applaudieren – die Tomatensauce ist gelungen salzig, der Mozzarella geschmacklich angenehm zurückhaltend, der Teig könnte allenfalls dünner sein. Es ist immerhin die fünftbeste Pizza dieses Jahr bisher – wobei wir mindestens drei aus unserer aktuellen Bestenliste daheim selber gebacken haben.

Beim Bezahlen fühlen wir uns wieder fernab der Heimat: Wie in den Ferien am Mittelmeer üblich wird unsere Postcard natürlich nicht akzeptiert. Hier bevorzugt man Mastercard – ist doch fast wie richtig.

Frisch gebackenes Brot und der herrlich knackige Rosé Miraval – so geht Mittelmeer. © Fotos: Daniel Böniger Frisch gebackenes Brot und der herrlich knackige Rosé Miraval – so geht Mittelmeer.
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