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«Schwärzester Tag für Burma seit dem Putsch»

BZ BERNER ZEITUNG-Logo BZ BERNER ZEITUNG 04.03.2021 SDA/chk

Am 30. Tag des Widerstandes gegen die Militärregierung in Burma ist die Gewalt weiter eskaliert. Die Zahl der Toten steigt immer weiter.

In einer Woche sind in Burma bei Zusammenstössen über 50 Menschen gestorben: Ein Soldat und ein Demonstrant. (3. März 2021) © AFP/STR In einer Woche sind in Burma bei Zusammenstössen über 50 Menschen gestorben: Ein Soldat und ein Demonstrant. (3. März 2021)

Nach dem Putsch in Burma haben die Militärmachthaber die Gewalt gegen Demonstranten weiter eskaliert. «Heute war der schwärzeste Tag seit dem Putsch am 1. Februar. Wir hatten heute, nur heute, 38 Todesfälle», sagte die Uno-Sonderbeauftragte Christine Schraner Burgener am Mittwoch. Insgesamt seien damit mehr als 50 Menschen in den vergangenen Wochen gestorben.

Sie berichtete von «sehr verstörenden» Videos, auf denen Gewalt und das offensichtliche Erschiessen eines Protestierenden zu sehen gewesen sei. «Es scheint so, dass die Polizei Waffen wie Neun-Millimeter-Maschinenpistolen, also scharfe Munition, einsetzt.» In sozialen Netzwerken kursierten erschütternde Aufnahmen von blutüberströmten Leichen.

In Myingyan im Norden Burmas wurde nach übereinstimmenden Berichten ein junger Mann erschossen, ein anderer in Mawlamyine im Süden. Zwei weitere Demonstranten, ein 37-jähriger Mann und eine 19-jährige Frau, kamen in der Grossstadt Mandalay ums Leben, wie das Portal «Myanmar Now» schrieb. «Es waren etwa 20 000 Demonstranten auf der Strasse, und ich bin sicher, dass die Sicherheitskräfte der Armee angehörten», sagte ein Journalist vor Ort der Deutschen Presse-Agentur. In der früheren Hauptstadt Rangun, dem Hotspot der Proteste, gab es mindestens sieben Opfer.

Insgesamt 1300 Festnahmen

Der Mittwoch war bereits der 30. Tag des Widerstands gegen das Militär. Die Sicherheitskräfte setzten auch wieder Tränengas, Blendgranaten und Gummigeschosse ein, wie das Portal «Eleven Myanmar» schrieb. Seit dem Putsch von Anfang Februar sollen nach Schätzungen von Aktivisten mehr als 1300 Menschen zumindest vorübergehend festgenommen worden sein – die Vereinten Nationen sprechen von 1200.

Das Militär hatte vor rund einem Monat gegen die faktische Regierungschefin Aung San Suu Kyi geputscht. Als Grund führten die Generäle Unregelmässigkeiten bei der Parlamentswahl vom November an. Diese hatte Suu Kyi mit klarem Vorsprung gewonnen. Beobachter dokumentierten dabei keine Zeichen von grösserem Wahlbetrug.

Die 75-jährige Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi sitzt seit dem Coup im Hausarrest und muss sich wegen verschiedener Vorwürfe vor Gericht verantworten. Die Demonstranten fordern die Wiedereinsetzung der früheren Freiheitsikone als Regierungschefin. Suu Kyi hatte während der fast 50 Jahre dauernden Militärdiktatur bereits 15 Jahre unter Hausarrest gestanden. Die Armee hatte damals das Land mit eiserner Hand regiert und jeden Widerstand mit brutaler Härte unterdrückt.

Papst fordert Dialog

Schraner Burgener forderte die internationale Gemeinschaft mit Nachdruck zum Handeln auf, um den Putsch rückgängig zu machen und die Gewalt zu beenden. «Es werden jetzt alle verfügbaren Werkzeuge benötigt, um diese Situation zu beenden, und wir brauchen eine Einheit der internationalen Gemeinschaft. Es liegt also an den Mitgliedstaaten, die richtigen Massnahmen zu ergreifen», so die Uno-Gesandte, die eigenen Angaben zufolge mit der Militärführung in Kontakt steht. Auch mit EU-Staaten – unter anderem Deutschland – sei sie im Gespräch. Am Freitag ist eine Sitzung des Uno-Sicherheitsrates zur Gewalt in Burma geplant.

Papst Franziskus äusserte sich erneut besorgt über den Konflikt: «Ich appelliere an die beteiligten Parteien, dass der Dialog die Oberhand gewinnen möge über die Unterdrückung», schrieb das katholische Kirchenoberhaupt auf Twitter. Er forderte die internationale Gemeinschaft auf, «dafür zu sorgen, dass die Bestrebungen des Volkes von Burma nicht erstickt werden». Franziskus hatte schon im Februar unter anderem eine sofortige Freilassung festgenommener Politiker verlangt.

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