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So fotografiert die Generation Instagram

Der Bund-Logo Der Bund 30.07.2020

Das Musée de l’Elysée in Lausanne stellt in der Gruppenschau «reGeneration 4» grundsätzliche Fragen. Etwa: Was gehört in Zeiten von Instagram-Bilderfluten in ein Fotografie-Museum?

Die US-Fotografin Rochelle Brockington stellt westliche Schönheitsideale in Frage – selbstbewusst vor knallbuntem Hintergrund. © Foto: Rochelle Brockington Die US-Fotografin Rochelle Brockington stellt westliche Schönheitsideale in Frage – selbstbewusst vor knallbuntem Hintergrund.

Was ist Fotografie heute? Und wohin steuert sie? Diese Fragen stellt sich das Fotografie-­Museum Elysée in Lausanne alle fünf Jahre besonders intensiv in der wiederkehrenden Ausstellung «reGeneration». Ging es bei der ersten Aus­gabe im Jahr 2005 noch darum, aufstrebende Fotografinnen und Fotografen zu entdecken, hat sich die Reihe mittlerweile zu einem Radar entwickelt, der die Entwicklungen in der Fotografie überhaupt abtastet.

Bedeutet Erfolg für Fotografinnen und Fotografen, eine Million Views zu bekommen?

Mit dem Aufkommen der sozialen Medien beispielsweise hat sich die Menge und Verfügbarkeit von Bildern vervielfacht – bedeutet Erfolg für Fotografinnen und Fotografen also, eine Million Views auf Instagram zu bekommen? Oder ist es nach wie vor die Präsenz in Museen, die über Karrieren entscheidet? Zudem hat sich auch das Medium als solches verändert: Die Fotografie ist durchlässiger geworden gegenüber anderen Disziplinen. Eine fotografische Arbeit kann auch installative oder filmische Elemente beinhalten.

Sozialkritik, aber auf fast absurd reduzierte Art: Cristina Velasquez porträtiert in der Serie «The New World» lateinamerikanische Arbeiter. © Foto: Cristina Velasquez Sozialkritik, aber auf fast absurd reduzierte Art: Cristina Velasquez porträtiert in der Serie «The New World» lateinamerikanische Arbeiter.

All diese Entwicklungen werden in der diesjährigen Ausstellung «reGeneration 4» gespiegelt. Sie versammelt die Arbeiten von 18 Frauen und 17 Männern, darunter die Porträts der Amerikanerin Rochelle Brockington, die westliche Schönheitsideale hinterfragt. Dabei fotografiert sie ­afroamerikanische, häufig korpulente Frauen, und statt deren Eigenheiten digital zu glätten, betont sie diese vor auffällig buntem Hintergrund. Sozialkritisch, aber ebenfalls heiter gestimmt sind die Bilder der Kolumbianerin Cristina Velasquez, die in «The New World» lateinamerikanische Arbeiter zeigt, aber auf fast absurd reduzierte Art – etwa, indem nur ein Arm in Gummihandschuhen sichtbar wird.

Primär dokumentarisch arbeitet die Schweizerin Léonie Marion, die sich dem seit Jahren schwelenden Konflikt um das bernjurassische Moutier annähert, auch mit allegorischen Bildern wie jenem eines Tierschädels, der auf die Autonomisten-Bewegung der Béliers anspielt.

Der Schädel steht für die Autonomisten-Bewegung der Béliers: Léonie Marion dokumentiert den Jura-Konflikt. © Foto: Léonie Marion Der Schädel steht für die Autonomisten-Bewegung der Béliers: Léonie Marion dokumentiert den Jura-Konflikt.

Yuan Lin wiederum nimmt ihre Fotografien nicht selber auf, sondern findet sie auf Flohmärkten. Die historischen Familienporträts zeigen einen Querschnitt durch die chinesische Gesellschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Dadurch, dass Lin gewisse Köpfe mit Blumenmotiven übermalt, egalisiert sie spielerisch die Differenzen zwischen Arbeiter- und Mittelklasse. Und veranschaulicht durch die Verwendung existierender Bilder eine weitere Dimension zeit­genössischer Fotografie.

Indem Yuan Lin gewisse Köpfe auf den chinesischen Familienporträts übermalt, egalisiert sie spielerisch gesellschaftliche Differenzen. © Foto: Yuan Lin Indem Yuan Lin gewisse Köpfe auf den chinesischen Familienporträts übermalt, egalisiert sie spielerisch gesellschaftliche Differenzen.
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