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So wird der Sommer richtig gut

BZ BERNER ZEITUNG-Logo BZ BERNER ZEITUNG 28.05.2020

Keine grossen Kisten, aber viel Kleines: wie dieser Sommer mit Autokino, Gartenkonzerten und Strassenkünstlern ganz gross werden kann.

Sommer ist Kultur- und Partyzeit: Wir präsentieren Ideen für Übermütige und Hasenfüsse. © Bereitgestellt von BZ BERNER ZEITUNG Sommer ist Kultur- und Partyzeit: Wir präsentieren Ideen für Übermütige und Hasenfüsse.

Natürlich, es ist der Sommer ohne Open Air. Es ist der Sommer, in dem viele die Ferien im eigenen Land verbringen. Wir sind gestrandet in einem Land ohne Meer.

Ganz auf dem Trockenen befinden wir uns aber nicht. Kleine Konzerte sind möglich, Theater sind möglich, Literatur und Film sowieso. Wir werden uns einfach auf einen anderen Sommer einstellen müssen. Hier ein paar Inputs, wie die warmen Monate richtig gut werden können.

Konzerte im Garten

Es muss nicht immer die ganz grosse Band sein für ein Ständchen im Garten: Max de Boer, Head of Marketing von Bern Welcome, spielt Mitte März für seine Nachbarn in Bern. © Foto: Nicole Philipp Es muss nicht immer die ganz grosse Band sein für ein Ständchen im Garten: Max de Boer, Head of Marketing von Bern Welcome, spielt Mitte März für seine Nachbarn in Bern.

Der Festivalsommer ist tot, es lebe der Gartensommer! Da alle grossen Open-Air-Konzerte abgesagt sind, sind auch die Musikerinnen und Musiker für einmal nicht ausgebucht und haben eher Zeit. Wie wäre es mit einem Sommer voller kleiner Gartenkonzerte? Jael oder Lo & Leduc vor dem eigenen Haus?

Natürlich geht es auch da um Fairness. Ein Hutgeld reicht leider nicht, um zu überleben, da ist eine faire Mindestgage angesagt. Oder wie Christoph Trummer von Sonart vorrechnet: Es braucht 300 bis 500 Franken pro auftretender Person nur fürs Spielen, dazu kommen allenfalls Materialkosten und Reisespesen.

Und es müssen ja auch nicht die ganz grossen Namen sein: Viel wichtiger ist, mit wem man da ist und wie die Stimmung ist. Also ganz wie am Gurtenfestival auch.

Und übrigens: Auch die Infrastruktur besteht bereits. Schon heute gibt es Plattformen wie Sofaconcerts.org, die Konzerte im privaten Rahmen vermitteln. Und die meisten Bands besitzen selber eine kleine technische Ausrüstung.

Autokino

Autokinos gibt es in der Region Bern schon ab dem 27. Juni. © Foto: PD Autokinos gibt es in der Region Bern schon ab dem 27. Juni.

Autokinos. Da fängt sofort das Kopfkino an: alte, sperrige Amerikanerschlitten, Lederjacken, toupierte Haare. Vielleicht mal scheu die Hand nach der Person auf dem Beifahrersitz ausstrecken. Romantische Gefühle, ah!

Zeiten, die längst vorbei sind. Oder doch nicht? Denn schon ab dem 27. Juni gibt es in 20 Schweizer Städten Drive-in-Vorstellungen, bei denen sowohl Tickets als auch Snacks vorgängig online gekauft werden können. Organisiert werden die Abende von der Cinerent AG, die langjährige Erfahrung mit «Kino am See» in Zürich, Basel und Genf hat.

Angekündigt sind keine schweren Dramen, sondern «Feelgood-Movies und Auto-Filme». Zu sehen sein werden unter anderen «Fast & Furious: Hobbs & Shaw», «Bohemian Rhapsody», «A Star Is Born» oder «Dirty Dancing». Details zum Programm und den Veranstaltungsorten werden Mitte Juni bekannt gegeben.

Wer einen guten Vorschlag hat, wo ein Freiluftkino durchgeführt werden könnte, kann diesen sogar bei den Veranstaltern einreichen. Angedacht seien die Stadt Bern und weitere Städte in der Region, sagt Eveline Fischer, die Mediensprecherin der Allianz-Drive-in-Cinemas.

Strassenmusik

Raindogs spielen am Buskers. Doch auch ohne Buskers kann bei Strassenmusikern Stimmung aufkommen. © Foto: Urs Baumann Raindogs spielen am Buskers. Doch auch ohne Buskers kann bei Strassenmusikern Stimmung aufkommen.

Das Buskers ist abgesagt, aber nicht die Strassenmusik! Oder braucht es bei dieser auch ein Schutzkonzept? Falls nicht, wird die Stadt diesen Sommer mehr denn je leben, denn ihre Bewohner und Bewohnerinnen werden nicht am Meer fläzen.

Und beim Flanieren durch die pittoresken Gassen wird es bestimmt an so mancher Ecke Strassenmusik geben. Dann wird es gassauf, gassab zu lauter spontanen Kurzpartys mit Zufallsgästen kommen. Wie schön!

Früh schlafen gehen

Ausgehen oder lieber zeitig ins Bett kommen? © Foto: Reto Oeschger Ausgehen oder lieber zeitig ins Bett kommen?

Die Polizeistunde ab Mitternacht gilt auch nach den Lockerungen noch. Auf den ersten Blick ist das zwar erst einmal nur schrecklich und wahnsinnig bünzlig. Auf den zweiten aber ist die Frage durchaus erlaubt: Ist es denn wirklich so schlimm? War es nicht eigentlich immer auch arg mühsam, so lange warten zu müssen, bis man endlich ausgehen konnte?

Wie oft musste man sich zu Hause mit Kaffee und oftmals zu viel Alkohol bei der Stange halten, damit man überhaupt noch die Motivation aufbringen konnte, auszugehen. Und sowieso: Längst nicht alle, die sich da als verwegene Nachtschwärmer gebärden, sind auch welche. Wohl sogar die wenigsten.

Und ist es nicht auch so, dass ganz oft die Stunden nach Mitternacht sich zwar im Moment toll anfühlten, sie es im Nachhinein aber so gar nicht waren?

Es kann nicht schaden, mal auszuprobieren, wie es ist, die Partynacht früher anlaufen zu lassen. Endlich wird es einen Sommer geben, an dem man auch morgens in der Aare schwimmen gehen kann und zwar ausgeschlafen und nicht noch betrunken.

Illegale Partys

Eine «Tanz dich frei»-Party-Demo 2013. Diesen Sommer wird wohl weniger in der Stadt, dafür ausgiebig in den Waldlichtungen gefeiert. © Foto: Adrian Moser Eine «Tanz dich frei»-Party-Demo 2013. Diesen Sommer wird wohl weniger in der Stadt, dafür ausgiebig in den Waldlichtungen gefeiert.

Wobei – früh ins Bett gehen in Ehren – echte Nachteulen werden sich dann doch nicht von der Polizeistunde aufhalten lassen. Wir wagen die Prognose: Es wird das Jahr der illegalen Partys. Viele junge Menschen verbringen die Ferien zu Hause, wollen feiern, doch es gibt keine Open Airs. Die Registrierung in den Clubs wird ausserdem abschrecken.

Kein mahnender Zeigefinger von Alain Berset wird die Jugend davon abhalten, das freie Leben ausgiebig zu feiern, draussen, mit voller Dröhnung aller Art, ohne Rücksicht auf die Anwohner, ihre Gesundheit oder das Bundesamt für Gesundheit.

Das ist epidemiologisch gesehen zwar alles andere als comme il faut, aber die Euphorie könnte in Bern Dimensionen annehmen wie die «Tanz dich frei»-Demos Anfang der 2010er-Jahre.

Literatur für Vorsichtige

Matto Kämpf bietet neu ein Literaturtelefon an. © Foto: PD Matto Kämpf bietet neu ein Literaturtelefon an.

Es gibt aber auch weiterhin die Ängstlichen, die es graut beim Gedanken daran, in der Nähe von fremden, potenziell ansteckenden Leuten zu sitzen. Lieber bleiben sie zu Hause oder in sicherer Entfernung draussen an der frischen Luft. Für sie eignen sich Literaturerlebnisse der besonderen Art.

Das Berner Multitalent Matto Kämpf hat zusammen mit dem Tojo-Theater ein Literaturtelefon eingerichtet. Unter der Nummer 0901 628 865 führt er im fiktiven Hotel Carbonara herum. Und das sogar auf mehreren Etagen: Mittels Telefontasten kann man den Weg durchs Hotel wählen. Der poetische Rundgang kostet einen Franken pro Minute.

Ebenfalls einen Literatur-Event auf Distanz bieten die Berner Bücherfreunde Simon Hörler, Benedikt Meyer und Sarah L. Müller vom Verein Buchowski an. Sie stellen Ende August einen umprogrammierten Billettautomaten auf den Helvetiaplatz in der Stadt Bern.

Anstelle von Tickets druckt die Maschine Texte von Autorinnen und Autoren aus. Es gibt beispielsweise Werke von Franz Hohler, Charles Lewinsky und Pedro Lenz. Ein Text kostet 50 Rappen, das Geld geht an Schriftstellerinnen und Schriftsteller im Schweizer Exil.

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