Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

«The Prince»: Darf man ein (royales) Kind in einer Serie parodieren?

watson.ch-Logo watson.ch 04.08.2021 Anna Rothenfluh
Die neue HBO-Serie wird derzeit heiss diskutiert. Darf Satire alles – oder ist beim Parodieren von Kindern Schluss mit lustig?

Darf ein kleiner Junge zum Zentrum einer Satire-Serie werden?

HBO findet: ja. Und bietet «The Prince» seit dem 29. Juli auf seiner hauseigenen Streaming-Plattform an.

Die animierte Serie stammt aus der Feder des «Family Guy»-Drehbuchautors Gary Janetti. Die königliche Familie wird darin als ein Haufen dysfunktionaler und egoistischer Teetrinker parodiert; die Queen übernimmt die Rolle eines perlenbehängten Mafia-Bosses, ihr Sohn und Thronfolger Charles die eines machthungrigen Muttersöhnchens. Hauptfigur aber ist der achtjährige Prince George: Herablassend, verzogen-verwöhnt, böse und (auf klischierte Weise) schwul, sorgt er sich ansonsten vor allem um sein Gewicht.

Video wiedergeben

Über Humor lässt sich bekanntlich streiten und ebendies geschieht nun. In Zeitungen und auf Social Media. Vielen Menschen geht die Serie entschieden zu weit:

«Ich hätte nichts gegen solche Sendungen, wenn es um fiktive Kinder ginge – aber tatsächliche Kinder, die in der Öffentlichkeit bereits massivem Missbrauch ausgesetzt sind? Die Ausbeutung von Kindern wird für mich niemals lustig sein.»

Elizabeth auf Youtube

Omid Scobie, der Autor des Bestsellers «Harry und Meghan: Auf der Suche nach Freiheit» twitterte ebenso seine Verständnislosigkeit, die ihn angesichts jener «Kinder-Parodie» erfasst hat:

«Die Royals wurden im Laufe der Jahre in Dutzenden von Sendungen parodiert (Spitting Image, The Windsors, SNL), aber das ist, soweit ich mich erinnere, das erste Mal, dass Kinder zur Zielscheibe werden. Es mag ‹Comedy› sein, aber es wirkt grausam und grenzt an Mobbing.»

Janetti versichert den Kritikern seines Machwerks derweil, dass alles in seiner Serie «mit Zuneigung gemeint» sei. Und weiter:

«Ich mache das, was ich für witzig halte, und es soll nie etwas anderes tun, als ein Lachen hervorzurufen, nichts anderes sein als albern und lustig. Es ist nie als etwas Gemeines gedacht. Es geht um Georges verrückte Sicht auf die Welt und darum, dass er ein Star sein will.» //Gary Janetti

Janetti ist bereits im Vorfeld von «The Prince» getadelt worden, besonders weil er sich an der 2017 aufkommenden Debatte beteiligt hatte, ob der echte Prince George schwul sei. Damals war der Sohn von Kate und William vier Jahre alt.

Janetti postete ein Bild auf Instagram, auf dem George die Hand eines Pagen hält, und schrieb darunter: «Ich weiss, wir wollten das hier nicht labeln, aber als was soll ich dich vorstellen?»

Weder die Sexualisierung von Kindern noch deren parodistische Darstellung kamen besonders gut an.

Ebenso wenig wie die Mitwirkung des «Game of Thrones»-Stars Sophie Turner, die in der Serie Prinzessin Charlotte ihre Stimme leiht. Noch vor ein paar Monaten klagte sie nämlich selbst über das Verhalten von Paparazzi, die ihr und vor allem ihrer einjährigen Tochter Willa hinterherjagen und unerlaubt Fotos von ihr schiessen und veröffentlichen. Das sei «fucking creepy» und sie sei davon angewidert.

Dass sie für ihr eigenes Kind den Schutz der Privatsphäre einfordert, während sie nun ein anderes, noch viel berühmteres dem Gelächter der Öffentlichkeit opfert, erscheint vielen scheinheilig. Auf Twitter gilt sie inzwischen deshalb vielen als Heuchlerin.

Sophie Turner als Sansa in der HBO-Serie «Game of Thrones». © AP/HBO Sophie Turner als Sansa in der HBO-Serie «Game of Thrones».

Auch Orlando Blooms Mitwirken wirkt auf viele zwiespältig; der britische Schauspieler spricht in «The Prince» die Rolle von Prince Harry, während er auch im echten Leben mit ihm befreundet ist – oder zumindest in der Nähe seines Hauses in Los Angeles wohnt.

Anfang des Jahres sagte Harry, dass Bloom ihm geholfen habe, mit dem Problem der aufdringlichen Paparazzi umzugehen: Er hatte ihn jeweils gewarnt, wenn Fotografen in der Nähe waren, die Bilder von seinen kleinen Kindern machen wollten.

Orlando Bloom mit seiner Freundin Katy Perry, die beiden haben eine 11-monatige Tochter. © keystone Orlando Bloom mit seiner Freundin Katy Perry, die beiden haben eine 11-monatige Tochter.

In einem im August ausgegrabenen Interview mit dem «Hollywood Reporter» äusserte sich Orlando Bloom dahingehend, dass «The Prince» überhaupt nicht böswillig sei. Gary Janetti habe den Finger am Puls der Zeit. Er sei so klug und «zeitgeist-y». Zudem habe er selbst Prinz Harry noch nicht persönlich gekannt, als er sich für die Rolle beworben habe.

«Und dann habe ich ihn getroffen und er ist so ein netter Kerl. Er ist so nett, und ich glaube, er hat einen grossartigen Sinn für Humor. Ich hoffe, dass er diesen beibehält, denn sie stehen sozusagen auf einem Podest. Wir verehren sie in der einen oder anderen Form. Ich versuche, es zu rechtfertigen, denn wenn ich ehrlich bin, ist es nicht meine Art, mich über jemanden lustig zu machen, aber das hier war so clever, witzig und liebevoll gemacht. Als ich Mitte 20 war, haben sich so viele verschiedene Leute über mich lustig gemacht, und in gewisser Weise ist das ein Zeichen der Wertschätzung.»

Orlando Bloom

Bloom erklärte auch, dass seine Freundin Katy Perry diejenige war, die ihn ermutigte, die Rolle zu übernehmen. Denn anfangs dachte er noch: «Hmm, was soll ich davon halten? Ich bin ein britischer Junge, der sehr stolz auf seine Wurzeln ist.» Doch Katy habe sogar einen Teil von «The Prince» gesehen und habe daraufhin gemeint: «Das musst du machen. Das ist genial.»

(rof)

| Anzeige
| Anzeige

Mehr von watson.ch

| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon