Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Was wäre Rio ohne seine Strände? Das Verbot des Sonnenbadens löst eine kleine Rebellion aus

Neue Zürcher Zeitung-Logo Neue Zürcher Zeitung 07.08.2020 Nicole Anliker, Rio de Janeiro

In der brasilianischen Metropole Rio de Janeiro hofft die Bevölkerung, das Schlimmste in der Corona-Krise überstanden zu haben. So strömen die Einwohner wieder in Massen an die Strände – und begehren damit gegen offiziell immer noch geltende Verbote auf.

Bei Sonnenschein strömen Menschen vor allem an den Wochenenden wieder in Massen hin – und werden dabei zu Gesetzesbrechern. Ricardo Moraes / Reuters © Bereitgestellt von Neue Zürcher Zeitung Bei Sonnenschein strömen Menschen vor allem an den Wochenenden wieder in Massen hin – und werden dabei zu Gesetzesbrechern. Ricardo Moraes / Reuters

Nach wochenlanger Abwesenheit steht er wieder hinter seinem Stand, der Kokosnusswasserverkäufer an einer Strassenecke in Copacabana. Das Coronavirus hat sein Leben schwer gemacht. Vor der Pandemie habe er um neun Uhr morgens jeweils bereits 40 Kokosnüsse verkauft, sagt er. Heute werde er an einem ganzen Tag nur so viele los. Sein Einkommen macht laut eigenen Schätzungen ein Drittel von dem aus, was er einst verdient hat. «Glücklicherweise zahle ich keine Ladenmiete», sagt er und zeigt auf umliegende Bars und Restaurants. «Wie die wohl überleben?»

Gute Frage. Mehrere Gaststätten in der Strasse sind eingegangen. Jene, welche die Quarantäne-Zeit überstanden haben, sind mittlerweile zwar wieder offen. Darin stehen jedoch meist mehr gelangweilte Kellner herum als Kunden, die konsumieren. Denn trotz Lockerungen ist die Corona-Krise nicht ausgestanden: Die Fallzahlen verzeichnen in der Stadt am Zuckerhut zwar einen leichten Rückgang, im Gliedstaat Rio de Janeiro steigen sie aber wieder an. Viele «cariocas», so nennen sich die Einwohner von Rio, scheinen sich entsprechend vorsichtig zu verhalten – ausser wenn es um den Strand geht.

Bei Sonnenschein strömen sie vor allem an den Wochenenden wieder in Massen hin – und werden dabei zu Gesetzesbrechern. Sport auf dem Sand ist erlaubt, Surfen und Schwimmen auch. Sonnenbaden aber, des «carioca» liebstes Hobby, ist weiterhin verboten. Dies führt dazu, dass Polizisten den ganzen Tag unter brütender Hitze durch den Sand stapfen, um Halbnackte aufzuscheuchen und Bussen zu verteilen. Zu beeindrucken scheint es die Sonnenanbeter nicht. Kaum drehen die Uniformierten ihnen den Rücken zu, legen sich die meisten wieder zum Bräunen in den Sand, als wäre nichts geschehen.

Beim Strandvergnügen hört der Respekt vor staatlicher Autorität bei den «cariocas» offensichtlich auf. Auch die Angst vor dem Virus scheint zu verfliegen. Der Bürgermeister hat jüngst erklärt, dass die Strände erst wieder freigegeben würden, wenn es einen Impfstoff gebe. Dies hat allem Anschein nach eine kleine Rebellion ausgelöst.

Weiteres Kurioses und Unerwartetes aus aller Welt finden Sie jeden Tag in unserer Kolumne «Aufgefallen» – hier finden Sie die neusten und alle älteren Beiträge.

| Anzeige
| Anzeige

Mehr von NZZ

Neue Zürcher Zeitung
Neue Zürcher Zeitung
| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon