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Weg mit der Krawatte, das spart Strom!

Tages-Anzeiger-Logo Tages-Anzeiger 12.08.2022 Silke Wichert

Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez überrascht mit einem ungewöhnlichen Vorstoss. Wurde ja auch Zeit, dass wir kreativ werden beim Verzicht. Eine Sammlung.

Sagt «¡no!» zur Krawatte: Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez macht sich locker, um Energie zu sparen. © Foto: AFP Sagt «¡no!» zur Krawatte: Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez macht sich locker, um Energie zu sparen.

Konkurrenz belebt das Geschäft, und wenn wir je ein bisschen Wettbewerb gebrauchen konnten, dann jetzt.

Europa muss Energie einsparen, alle Vorschläge sind willkommen, und natürlich will hinterher keiner das Schlusslicht sein, das nicht mal seinen Stand-by-Knopf ausgeschaltet hat. Also überraschte der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez vergangene Woche mit einem ungewöhnlichen Vorstoss. Er trat ohne Krawatte vor die Kameras und bat seine Minister und Mitbürger dasselbe zu tun. Um Energie zu sparen.

Wie genau die Krawatte beziehungsweise keine Krawatte das leistet, sagte er zwar nicht, aber jeder kennt ja die Filme, in denen Männer anfangen zu schwitzen, weil es irre heiss ist oder die Situation irgendwie brenzlig wird. Dann wird reflexartig der Krawattenknoten gelockert. Ganz offensichtlich hält man ohne Schlips um den Hals Hitze und Stress besser aus, braucht also weniger energiefressende Air-Condition. Die Assoziationskette liegt so dermassen auf der Hand, dass man wirklich nicht drüber reden muss.

War Emmanuel Macrons offenes Hemd ein Zeichen für offensives Energiesparen?

Dummerweise tragen so ein Ding heute nur noch Staatsbeamte, Nachrichtensprecher und britische Kronprinzen. Die Zuckerbergs dieser Welt haben einfach zu lange am Schlips gesägt. Die Einsparungen dürften demnach minimal sein. Aber wer so kleinlich denkt, kommt nie auf einen grünen Zweig, jede Kilowattstunde zählt.

Was kann man sonst noch tun? Deutschlands Wirtschaftsminister Robert Habeck hat seinen Beitrag mit dem Vorschlag zum Duschkopf-Auswechseln bereits geleistet. Die Italiener wollten eigentlich sämtliche Geschäfte um 19 Uhr schliessen, haben jetzt aber erst mal ihren Premierminister eingespart.

Schlägt vor, den Duschkopf auszuwechseln, trägt öfter keine Krawatte: Deutschlands Wirtschaftsminister Robert Habeck. © Foto: AFP Schlägt vor, den Duschkopf auszuwechseln, trägt öfter keine Krawatte: Deutschlands Wirtschaftsminister Robert Habeck.

Wo bleibt Emmanuel Macron, wenn man ihn braucht? Bislang hat Frankreich lediglich Geschäfte mit Klimaanlagen dazu verdonnert, die Türen zu schliessen. Air-Con-Scham ist die neue Flugscham, aber da geht doch noch mehr. Oder war dieses Foto des französischen Präsidenten mit offenem Hemd und Brusthaar im Wahlkampf in Wahrheit ein frühes Zeichen für offensive Energiesparpolitik?

Vielleicht ging auch Olaf Scholz in Kiew im Kurzarmhemd mit gutem Beispiel voran und keiner hats gemerkt. Heidi Klum und Britney Spears sind auf Instagram seit Wochen weitgehend unbekleidet, da kann man dann gleich noch den Deckenventilator abstellen.

Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron mit offenem Hemd im April. © Foto: Soazig de la Moissonnière / Instagram Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron mit offenem Hemd im April.

Der britische Stromanbieter SSE kassierte vergangenes Jahr noch einen Shitstorm, als er einen Punkte-Plan veröffentlichte, wie sich zu Hause Heizkosten sparen lassen. Aber in der neuen Realität kann das alles auf Wiedervorlage, womöglich lassen sich damit sogar die ehemaligen EU-Kollegen überflügeln.

Einige der Top-Tipps, um trotz gedrosselter Heizkörper warm zu bleiben: Hula-Hoop-Contest mit den Kleinen, Hampelmänner machen, das Haus putzen. Bewegung «is key», wie man in England so sagt. Dazu wärme Porridge und Ingwertee von innen. Sowieso seien nichtalkoholische Getränke in jedem Fall zu bevorzugen, weil das warme Gefühl von Wein und Whisky nur vorübergehend sei und man sich bald kälter fühle als zuvor. Davon kann Boris Johnson ein Lied singen, die öffentliche Stimmung nach den Lockdown-Partys war tatsächlich eher frostig.

Wärmstens empfohlen: Nach dem Kochen ruhig mal den Backofen offen stehen lassen.

Jedenfalls gilt jetzt: Fragt nicht, was euer Land für euch einsparen kann, fragt, was ihr für euer Land sparen könnt! Das Netz ist da wie immer voll von guten Ideen.

Den Wasserkocher nicht mit zu viel Wasser aufsetzen. Wäsche auf die Leine hängen, statt den Tumbler anzuwerfen. Die elektrische Zahnbürste mal vom Netz nehmen, den elektrischen Rasierer gegen einen Hobel tauschen, mit Century Gothic statt Arial schreiben, weil das beim Drucken 30 Prozent Tinte einspart – das sind die Dinge, die den Hashtag #energysaver verdienen.

Übrigens könnten auch die Alexas mal Pause machen und E-Mails nur alle zwei Stunden abgerufen werden. Aber solch drastische Massnahmen heben wir uns besser für November auf, wenn die Aussenbeleuchtung schon um 19 Uhr abgeschaltet wird und alle früher zu Bett gehen sollen. Streamen ist dann nur noch auf dem iPad oder Handy erlaubt, nicht auf dem saunatuchgrossen Flachbildschirm, ist klar.

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