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Weltgrösster Schmuckhersteller boykottiert alle Diamanten-Minen

Handelszeitung-Logo Handelszeitung vor 4 Tagen Redaktion Handelszeitung
Vom Einzelstück für Königinnen zur Fabrikware: Künstliche Diamanten. © imago images/YAY Images Vom Einzelstück für Königinnen zur Fabrikware: Künstliche Diamanten.

Pandora will nur noch Labor-Diamanten einsetzen. Überhaupt wird der dänische Konzern auf heikle Rohstoffe verzichten – auch bei Gold und Silber.

Trotz jahrzehntelanger Reformen bleibt der globale Schmuckmarkt durch Berichte über Menschenrechtsverletzungen in Minen und Fabriken belastet. Um solchen Bedenken entgegenzuwirken, hat Tiffany letztes Jahr damit begonnen, seinen Kunden Details zu neu beschafften und registrierten Diamanten zur Verfügung zu stellen. Damit kann man den Weg eines Steins bis zur Mine zurückverfolgen.

Auch der Schweizer Schmuckhändler Gübelin versucht eine derartige Strategie – mittels Blockchain.

Gübelin präsentiert erste Blockchain für Farbedelsteine

Das Traditionshaus Gübelin setzt auf Blockchain. Bei Edelsteinen lässt sich so die gesamte Lieferkette nachvollziehen.

Der dänische Modeschmuck-Konzern Pandora verarbeitet mehr Diamanten als jedes andere Unternehmen auf der Welt. Jetzt möchte Pandora auf Minendiamanten, die mit unethischen Produktionsmethoden in Verbindung gebracht werden, verzichten. 

Das Haus mit Sitz in Kopenhagen teilte am Dienstag mit, dass es bald nur noch Diamanten verwenden wird, die im Labor hergestellt wurden. Das Unternehmen wird seine erste Kollektion mit Kunst-Steinen in Grossbritannien herausbringen und sich 2022 anderen Märkten zuwenden.

Nach Gold und Silber nun Diamanten

Die Entscheidung, keine Minen-Diamanten mehr zu verwenden, kommt weniger als ein Jahr nach dem Versprechen von Pandora, sich nicht mehr auf frisch gefördertes Gold und Silber in seinen Schmuckstücken zu verlassen. Bis 2025 soll die gesamte Produktion nur noch aus rezyklierten Edelmetallen bestehen.

Das soll auch dazu beitragen, dass der Betrieb innert vier Jahren klimaneutral ist.

Die im künstlichen Diamanten von Pandora werden zu durchschnittlich 60 Prozent aus erneuerbaren Energien gewonnen, ein Anteil, der im nächsten Jahr auf 100 Prozent steigen soll.

Das Unternehmen bezieht Stellung zu seinen Rohstoffen, da Investoren zunehmend auf Nachhaltigkeit achten. So erklärte das Wealth Management der skandinavischen Grossbank Nordea kürzlich, dass man plane, in allen Portfolios nur Wertpapiere zu halten, die Umwelt-, Sozial- und Governance-Standards erfüllen.

Es ist auch eine Preisfrage

Allerdings verwendet Pandora relativ wenige Diamanten in seiner Produktion. Das Unternehmen, das sich selbst als Hersteller von erschwinglichen Schmuckstücken bezeichnet, verwendete im vergangenen Jahr etwa 50'000 Diamanten aus dem Bergbau bei insgesamt etwa 85 Millionen Schmuckstücken.

Pandora hob auch den Preis als Grund für seine Entscheidung hervor. Im Labor hergestellte Steine kosten etwa ein Drittel der im Bergbau gewonnenen Diamanten, und der Wechsel wird Diamantschmuck für mehr Konsumenten zugänglich machen, so das Unternehmen.

Markt für Laborsteine boomt

Laut einem Forschungsbericht des Antwerp World Diamond Centre sowie von Bain & Co. sanken die weltweiten Diamantenverkäufe im Jahr 2020 um 15 Prozent; dies wegen von Schliessungen, Reisebeschränkungen und wirtschaftlicher Unsicherheit. Die Produktion von Rohdiamanten fiel 2020 um 20 Prozent, die Preise sanken um 11 Prozent.

Der Markt für im Labor hergestellte Steine verzeichnet derzeit ein zweistelliges Wachstum, wobei vor allem jüngere Kunden Wert auf nachhaltige Produzenten legen, so der Bain-Bericht.

Die Labor-Diamanten werden die gleichen physikalischen Eigenschaften wie geförderte Steine haben, sagte Pandora. Die neue Kollektion wird Ringe, Armreifen, Halsketten und Ohrringe umfassen, teilte das Unternehmen mit. 

(bloomberg/tdr)

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