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Ibiza-Falle soll von einem Wiener Anwalt ausgelegt worden sein

Neue Zürcher Zeitung-Logo Neue Zürcher Zeitung 22.05.2019 Andreas Rüesch

Im Betrugsskandal um die FPÖ ist eine neue Spur aufgetaucht. Ein erstes Treffen mit der vermeintlichen russischen Oligarchen-Nichte hat laut Presseberichten bereits im März 2017 stattgefunden. Eingefädelt wurde es demnach von einem Wiener Anwalt.

Der FPÖ-Politiker Johann Gudenus fiel noch vor seinem Parteichef Strache auf ein Lockvogel-Angebot herein: Die reiche Russin, die er später mit Strache auf Ibiza traf, soll er bereits im März 2017 kennengelernt haben. (Bild: Imago) © Bereitgestellt von Neue Zürcher Zeitung AG Der FPÖ-Politiker Johann Gudenus fiel noch vor seinem Parteichef Strache auf ein Lockvogel-Angebot herein: Die reiche Russin, die er später mit Strache auf Ibiza traf, soll er bereits im März 2017 kennengelernt haben. (Bild: Imago)

Eine halbe Woche nach dem Ausbruch des Skandals um den inzwischen zurückgetretenen österreichischen Vizekanzler Heinz-Christian Strache wird weiter um die Herkunft des Videos gerätselt, in dem sich der Chef der Freiheitlichen Partei (FPÖ) als bestechlich zu erkennen gibt. Wer hat Strache in die Falle gelockt und mit welcher Absicht? Die Identität der vermeintlichen russischen Oligarchen-Nichte, der Strache im Gegenzug für ihre politische Hilfe Staatsaufträge verspricht, ist weiterhin unbekannt.

Dafür gibt es nun eine neue Spur zu den möglichen Drahtziehern: Der ebenfalls von allen Parteiämtern zurückgetretene frühere FPÖ-Fraktionschef Johann Gudenus verweist gegenüber österreichischen Medien auf die Anfänge der Beziehung mit der vermeintlichen russischen Multimillionärin. Demnach hat Gudenus die Frau ein erstes Mal bereits im März 2017 getroffen, rund vier Monate vor dem heimlich gefilmten Treffen von Strache und Gudenus mit der Russin in einer Villa auf der Balearen-Insel Ibiza.

Wie Gudenus gegenüber dem «Kurier» und der «Presse» erklärte, wurde dieses erste Treffen von einem Wiener Anwalt eingefädelt. Es habe in der Innenstadt von Wien stattgefunden. In den Details gehen die Schilderungen der beiden österreichischen Zeitungen auseinander: Während der «Kurier» als Ort der ersten Begegnung ein Feinkost-Restaurant nennt, erwähnt «Die Presse» die Kanzlei des Advokaten als Treffpunkt. So oder so scheint der Wiener Anwalt eine wichtige Rolle gespielt zu haben. Die beiden Zeitungen nennen seinen Namen nicht, aber vom FPÖ-nahen Internetportal EU-Infothek wird er identifiziert; es handelt sich um einen iranischstämmigen Rechtsanwalt mit Spezialisierung auf Bauvertrags- und Vergaberecht.

Der Jurist, so wirft ihm Gudenus vor, soll für die Glaubwürdigkeit der Frau eingetreten sein, indem er ihm eine Kopie ihres lettischen EU-Passes und die Bestätigung einer Geldzahlung auf ein Treuhandkonto vorgelegt habe. Hintergrund war damals angeblich noch nicht die geplante illegale Parteifinanzierung, sondern ein mögliches Grundstückgeschäft, an dem Gudenus nach dem Tod seines Vaters interessiert war. Die Russin habe die Absicht gezeigt, das Grundstück zu erwerben und nach Wien zu ziehen.

Es folgten weitere Treffen, was ein Hinweis darauf ist, wie ausgeklügelt die Falle war, die die Drahtzieher zuerst Gudenus und dann auch Strache auslegten – bis sie schliesslich in Ibiza zuschnappte. Bei den Wiener Gesprächen dabei war neben dem Anwalt auch ein aus München kommender Mittelsmann namens Julian Thaler. Dabei soll es sich allerdings um einen Tarnnamen handeln. «Die Presse» schreibt, der echte Name sei ihr ebenso bekannt wie die von ihm geleitete Detektei. Die Firma biete den Einsatz von verdeckten Ermittlungsteams an, um Straftaten aufzuklären. Die Zeitung weist noch auf einen weiteren merkwürdigen Umstand hin. So habe der besagte Anwalt bereits früher – im Jahr 2015 – versucht, belastendes Bildmaterial über Strache in Umlauf zu bringen. Als Quelle habe er einen von Strache enttäuschten früheren FPÖ-Fraktionsmitarbeiter angegeben. Auf das mit einer hohen Geldforderung verbundene Angebot sei jedoch damals niemand eingestiegen.

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