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Bern geht eigene Wege: Die gemeinsame Ausbildung von elf Polizeikorps steht vor dem Aus

Neue Zürcher Zeitung-Logo Neue Zürcher Zeitung vor 4 Tagen Erich Aschwanden

Der Kanton Bern will eine eigene Polizeischule eröffnen. Damit steht die gemeinsame Ausbildung von Polizistinnen und Polizisten aus weiten Teilen der Deutschschweiz vor einem Neuanfang.

Die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Korps ist ein wichtiger Faktor bei der Ausbildung in Hitzkirch. Unser Bild zeigt eine Übung am Besuchstag 2018. Alexandra Wey / Keystone © Bereitgestellt von Neue Zürcher Zeitung Die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Korps ist ein wichtiger Faktor bei der Ausbildung in Hitzkirch. Unser Bild zeigt eine Übung am Besuchstag 2018. Alexandra Wey / Keystone

Für Aussenstehende kommt der Schritt überraschend. Am Dienstag hat der Regierungsrat des Kantons Bern angekündigt, dass er das Konkordat für die Interkantonale Polizeischule (IPH) in Hitzkirch kündigen will. Der Schritt ist von grosser Bedeutung, lassen doch seit dem Jahr 2004 elf Polizeikorps der Zentral- und Nordwestschweiz ihre Aspirantinnen und Aspiranten an dieser Bildungsstätte im Luzerner Seetal aus- und weiterbilden. Das Institut ist daher eine Klammer für zahlreiche Polizeikorps der Deutschschweiz, welche die Zusammenarbeit auch im täglichen Einsatz erleichtert. In Hitzkirch werden jährlich rund 250 junge Polizistinnen und Polizisten auf ihren Dienst vorbereitet.

Enttäuschte Erwartungen

Die Berner Regierung führt für diesen Schritt, der per Ende des Jahres 2035 erfolgen soll, verschiedene Gründe ins Feld. So ist sie enttäuscht darüber, dass die angestrebte Harmonisierung der Ausbildung und die Schaffung von Synergien nicht im erhofften Ausmass erreicht worden seien. Negativ fallen auch die hohen Kosten ins Gewicht. Der Kanton Bern zahle heute rund einen Drittel der Kosten, «die Einflussmöglichkeiten der beteiligten Kantone bleiben jedoch gering», hält der Regierungsrat in einer Medienmitteilung fest. Wegen dringend notwendiger Sanierungsmassnahmen der Schulungsräumlichkeiten würden die Kosten in den kommenden Jahren noch zunehmen.

Die Regierung beantragt dem Berner Grossen Rat deshalb, ab 2036 eine eigene Polizeischule zu führen. Diese soll im bestehenden Ausbildungszentrum in Itingen zu stehen kommen. Eine eigene Polizeischule verbessere insgesamt die praxisbezogene Ausbildung und die Ausbildungseffizienz, hält der Regierungsrat fest. So könne verstärkt auf die kantonsspezifischen Besonderheiten und die Praxis eingegangen werden. Dies muss bei den deutschsprachigen Polizisten bis anhin im Praktikumsjahr nachgeholt werden. Die geografische Nähe würde die Schule für Aspirantinnen und Aspiranten mit familiären Verpflichtungen attraktiver machen. Bern bildet jedes Jahr rund hundert deutschsprachige Polizistinnen und Polizisten aus.

Neue Strategie ist nötig

Für die Verantwortlichen der Interkantonalen Polizeischule kommt der Ausstieg Berns nicht überraschend. Der Vertreter des Kantons Bern hat die Konkordatsbehörde der IPH an ihrer jährlichen Sitzung vom 29. April über die vorsorgliche Kündigung des Konkordates unterrichtet. «Die Konkordatskantone haben dies zur Kenntnis genommen. Der laufende Betrieb wird dadurch nicht tangiert», erklärt der Luzerner Justiz- und Sicherheitsdirektor Paul Winiker als Präsident der Konkordatsbehörde.

Unabhängig vom Entscheid Berns ist laut Winiker ein Strategieprozess für die Zeit nach dem Ablauf des gegenwärtigen Konkordatsvertrags im Jahr 2035 bereits in Planung. «Darin sollen die Entwicklung der IPH und die Zukunft der Schule aufgezeigt sowie geklärt werden, welche Auswirkungen ein Austritt des Kantons Bern auf Organisation und Finanzen der Schule hätte», schreibt Winiker. Der Projektauftrag zu diesem Strategieprozess wird an der nächsten Sitzung der Konkordatsbehörde im April 2022 verabschiedet werden. Bis zu diesem Zeitpunkt dürfte etwas mehr Klarheit darüber herrschen, wie die Polizeiausbildung in weiten Teilen der Deutschschweiz in Zukunft aussieht.

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