Orchester fordern mehr Geld vom Kanton
Um ihren Musikern Mindestlöhne zahlen zu können, verlangen vier Basler Klangkörper 740 000 Franken zusätzlich.
Basler Orchester stellen traditionell im Frühling oder Frühsommer ihre Programme für die nächste Saison vor. In diesem Jahr gilt es allerdings nicht nur die eigenen Fans bei der Stange zu halten, sondern auch die Mitglieder des Basler Grossen Rats. Diese entscheiden demnächst über die Erneuerung des Subventionsvertrags mit dem Sinfonieorchester Basel. Geht es nach dem Willen der Regierung, so soll der Konzertbetrieb des Staatsorchesters wie bisher mit gut 7,5 Millionen Franken jährlich unterstützt werden.
Inzwischen haben sich aber andere Klangkörper, die über die kantonale Programmförderung Geld erhalten, in Stellung gebracht. Deren Ratschlag kommt zwar erst später ins Parlament. Doch die Betroffenen – das Kammerorchester, die Sinfonietta, das Ensemble Phoenix und das La Cetra Barockorchester – fordern schon jetzt ein grösseres Stück vom Kuchen: eine Erhöhung der Förderung für die vier Klangkörper von heute 1,32 Millionen Franken auf 2,06 Millionen pro Jahr für die Förderperiode 2020 bis 2022.
«Unbestrittener Missstand»
So steht es in einem Vorstoss, den die vier letzte Woche den Parlamentariern überreicht haben. In dem knapp 20-seitigen Schreiben, das der BaZ vorliegt, wird die Erhöhung mit einem «unbestrittenen Missstand bezüglich sozialer Sicherheit von Musikerinnen und Musikern» begründet. Die Lohnsituation der Orchestermitglieder sowie der Mitarbeiter in den Geschäftsstellen sei «unzureichend bis prekär».
Die vier verweisen auf die vom Schweizerischen Musikverband (SMV) empfohlenen Tarife. Eine Musikerin, die gemäss diesen Tarifen arbeitet, sollte auf einen Bruttolohn von etwas mehr als 3700 Franken pro Monat kommen, rechnen die Autoren vor. Der Kanton habe bei der Verabschiedung des Förderkonzepts 2015 selbst betont, wie wichtig der Lohn sei, um die soziale Sicherheit der Einzelnen und die künstlerische Kontinuität der Orchester zu garantieren. In einem Merkblatt steht: «Bei der Berechnung und Auszahlung der Musikergagen wird eine Orientierung an den Tarifen des SMV erwartet.»
«erste Schritte in die richtige Richtung»
Die Orchester halten nun ernüchtert fest: Man könne bestätigen, dass mit der Programmförderung «erste Schritte in die richtige Richtung» gemacht werden konnten. «Die beabsichtigte Verbesserung der sozialen Sicherheit konnte aufgrund einer nach wie vor bestehenden Unterfinanzierung jedoch noch nicht erreicht werden.»
Dabei handle es sich bei den SMV-Tarifen lediglich um den Mindestlohn. Dieser sei nicht etwa mit den praktisch doppelt so hohen Gehältern zu verwechseln, die Berufsorchester mit Gesamtarbeitsvertrag zahlten. Dazu wird im Vorstoss die Gehaltsordnung des Sinfonieorchesters Basel zitiert (Stand 2009): Die Rede ist von Monatslöhnen von 7309 Franken für Berufseinsteiger (13. Monatslohn eingerechnet) und bis 9651 Franken für Erfahrene.
Wie in der Museumslandschaft gibt es auch im Orchesterbereich staatliche Institutionen und solche, die sich hauptsächlich über Eintritte und Fundraising finanzieren. Das Sinfonieorchester nimmt in der Region die Funktion eines Staatsorchesters ein; es ist zu 83 Prozent öffentlich finanziert. Die über die Programmförderung unterstützten Ensembles erwirtschaften indes den Grossteil des Budgets selber. Ihr Eigenfinanzierungsgrad liegt zwischen 55 und 86 Prozent.
Sinfonietta bekommt am meisten
Von der nun geforderten Erhöhung würde in erster Linie das mit 104 Mitgliedern am grössten besetzte Orchester profitieren – die Sinfonietta. Gemäss Vorstoss wird hier eine Erhöhung auf 640 000 Franken pro Jahr angestrebt (bisher: 360 000 Franken). Das Ensemble Phoenix erhielte neu 305 000 Franken (bisher: 150 000), das Kammerorchester 700 000 Franken (520 000), La Cetra 415 000 Franken (290 000). Unverändert bleiben dabei die im Rahmen der Kulturpauschale ausgeschütteten Gelder aus Baselland, von denen drei Orchester profitieren: Das Ensemble Phoenix erhält 50 000 Franken, das Kammerorchester 265 000 und die Sinfonietta 400 000.
Die vier Orchester betonen, dass die neuen Fördergelder lediglich dazu dienen würden, die Mindestlöhne bei Basler Konzerten zu garantieren, die Teil der Programmförderung seien – nicht aber für den restlichen Betrieb wie etwa Auslandstourneen. In den geforderten Beträgen sei zudem eine «massvolle Erhöhung» der Mittel für die Bewerbung der Basler Konzerte sowie für die Löhne der Büromitarbeiter inbegriffen.
Aus Sicht der Unterzeichner wäre die Erhöhung der jährlichen Programmförderung von 1,32 Millionen auf 2,06 Millionen «verhältnismässig gering»: 2,06 Millionen entsprechen 1,6 Prozent des aktuellen basel-städtischen Kulturetats oder 15,7 Prozent des Budgets des Sinfonieorchesters. Wie das Ganze finanziert werden soll – über eine Erhöhung des Kulturetats oder eine Umverteilung der SOB-Mittel –, lassen die vier Vorstösser offen.