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Touristischer Frühstart aus dem Lockdown: Wenn der Alpenfirn eine Schutzmaske trägt

Neue Zürcher Zeitung-Logo Neue Zürcher Zeitung 06.06.2020 Erich Aschwanden

Seit Samstag fahren die Bergbahnen und Schiffe wieder. Besonders ungeduldig wurde das Ende des coronabedingten Stillstands auf dem Stanserhorn erwartet.

Einige konnten das Ende des Lockdowns und den Sonnenaufgang auf dem Stanserhorn kaum erwarten. Urs Flueeler / Keystone © Bereitgestellt von Neue Zürcher Zeitung Einige konnten das Ende des Lockdowns und den Sonnenaufgang auf dem Stanserhorn kaum erwarten. Urs Flueeler / Keystone

Kurz nach 4 Uhr scharren die ersten mit den Wanderschuhen. Zwanzig Minuten später ist es so weit: Als wohl erste touristische Bahn in der Schweiz startet die Stanserhornbahn am Samstag, 6. Juni, nach dem Lockdown in die Saison 2020. Direktor Jürg Balsiger höchstpersönlich empfängt die Gäste an der Talstation. Dass es sich um eine aussergewöhnliche Fahrt handelt, geht aus seinen Begrüssungsworten hervor: «Endlich fahren wir wieder. Schön, dass Sie da sind. Ich möchte Sie noch auf unsere Maskentragempfehlung aufmerksam machen, da wir den Zwei-Meter-Abstand nicht überall einhalten können.»

Doch Angst vor dem Virus scheinen nur wenige zu haben. Die Abteile der historischen Standseilbahn füllen sich rasch mit Fahrgästen, von denen kaum einer Schutzmaske trägt. Um etwas mehr Platz zu schaffen, haben die Bahnbetreiber die Kapazität von 39 auf 36 Passagiere reduziert. Endgültig kein Thema mehr ist das Virus nach dem Umsteigen in die Luftseilbahn auf den Aussichtsberg im Kanton Nidwalden. Denn wenn eine Bergbahn coronatauglich ist, dann ist es die weltweit einzige Cabrio-Bahn. Auf dem offenen Oberdeck bläst der kräftige Südwestwind allfällig vorhandene Viren und Bedenken endgültig weg.

Historischer Moment

Zu den über 80 Frühaufstehern, die sich den Sonnenaufgang auf 1900 Meter über Meer nicht entgehen lassen wollen, gehört Konrad Scheuber. «Bei der ersten und letzten Fahrt der Stanserhornbahn bin ich immer dabei. Dieses Jahr ist es natürlich etwas ganz Besonders. Diesen historischen Moment will ich mit meinen Fotos dokumentieren», erzählt der Stanser. «Ich habe auch Bilder gemacht, wie die Bahn in den letzten Monaten unfreiwillig stillgelegt war.»

Es sind in erster Linie Einheimische, die sich die erste Bergfahrt rund zwei Monate nach dem ursprünglichen geplanten Saisonstart nicht entgehen lassen wollen. «Wir haben uns gestern Abend ganz spontan für den Trip entschieden», sagt Iris Lussi, die mit ihrem Mann Beat und den beiden Söhnen Nino und Gian auf den Sonnenaufgang wartet. «Es ist doch ein Privileg, unseren Hausberg jeden Tag zu sehen und jetzt wieder seinen Gipfel besuchen zu können.» Um 5 Uhr 31 wird Familie Lussi für das frühe Aufstehen belohnt: Über dem Gersauerstock geht die Sonne zwischen den Wolken auf und taucht die Landschaft um den Vierwaldstättersee in ein zauberhaftes Licht.

Es ist die Treue «unserer Fans», wie sie Balsiger nennt, die den Bahndirektor für die kommenden Monate zuversichtlich stimmen. Dass die Einheimischen ihren Berg lieben und nicht im Stich lassen, hat sich bereits in den vergangenen Wochen gezeigt. Obwohl Stand- und Luftseilbahn nicht fuhren, war das Restaurant seit dem 16. Mai an schönen Tagen offen. An Spitzentagen wie Auffahrt und Ostermontag genossen bis zu 400 Personen eine Portion Älplermagronen auf dem Gipfel. Das hatten sie sich nach einem Anstieg mit fast 1400 Meter Höhendifferenz auch redlich verdient.

Aus dem Rest der Saison gilt es das Beste zu machen. Rund 20 Prozent der Touristen auf dem Stanserhorn sind in normalen Jahren Ausländer. «Der grösste Teil davon kommt aus Nordamerika. Diese können wir vergessen», weiss Balsiger. Er und sein Team setzen daher voll auf die Einheimischen, die den beliebten Gipfel kennenlernen wollen oder frühere Besuche auffrischen wollen. 

Harte Konkurrenz zwischen Ausflugsbergen

Doch der Kampf wird hart werden, denn auf dasselbe Gästesegment setzt auch die Konkurrenz von Rigi, Titlis, Pilatus und Co. Balsiger sieht dem Sommer denn auch mit gemischten Gefühlen entgegen: «Ich bin skeptisch, ob die jetzt gestartete Werbeschlacht viel bringt. Wie erfolgreich wir sind wird letztlich nicht das Marketing entscheiden, sondern das Wetter.»

Der Start mit der Fahrt zum Sonnenaufgang bei nicht optimalen Wetterbedingungen ist auf jeden Fall geglückt. Wenn die Witterungsbedingungen stimmen, werden es beim nächsten Mal vielleicht wieder um die 300 Ausflügler sein, die sich dieses Schauspiel auf dem Stanser Hausberg nicht entgehen lassen wollen.

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