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Eltern und Lehrer skeptisch bei Impf-Vorstoß für Schüler

WELT-Logo WELT 04.08.2021
Wer ist geimpft, wer nicht? Diese Frage wird nun auch auf Schulhöfen gestellt, denn die Bundesregierung will allen 12-17-Jährigen ein Impfangebot machen. Da sind heftige Diskussionen zum Start des neuen Schuljahrs unvermeidlich. Quelle: WELT/ Raphael Knop © WELT/ Raphael Knop Wer ist geimpft, wer nicht? Diese Frage wird nun auch auf Schulhöfen gestellt, denn die Bundesregierung will allen 12-17-Jährigen ein Impfangebot machen. Da sind heftige Diskussionen zum Start des neuen Schuljahrs unvermeidlich. Quelle: WELT/ Raphael Knop

Lehrer und Schulleiter sehen den Vorstoß von Bund und Ländern für Impfungen von Kindern und Jugendlichen skeptisch. Der Allgemeine Schulleitungsverband Deutschlands erwartet Spannungen an den Schulen wegen des unterschiedlichen Corona-Impfstatus der Schülerinnen und Schüler. Auch der deutsche Lehrerverband warnte vor einer unterschiedlichen Behandlung von geimpften und ungeimpften Schülerinnen und Schülern. Bundesfamilienministerin Christine Lambrecht (SPD) unterstrich, dass Impfungen in der Altersgruppe freiwillig bleiben.

15.07.2021, Hessen, Wiesbaden: Schülerinnen der 2. Klasse der Robert-Schumann-Grundschule verlassen nach Unterrichtsende das Schulgebäude. Für Hunderttausende Schüler beginnen die sechswöchigen Sommerferien. Nach den Sommerferien soll der Schulbetrieb in Hessen landesweit und in allen Schulformen im Präsenzunterricht starten - allerdings unter zunächst verschärften Corona-Regeln. Foto: Arne Dedert/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ © Bereitgestellt von WELT 15.07.2021, Hessen, Wiesbaden: Schülerinnen der 2. Klasse der Robert-Schumann-Grundschule verlassen nach Unterrichtsende das Schulgebäude. Für Hunderttausende Schüler beginnen die sechswöchigen Sommerferien. Nach den Sommerferien soll der Schulbetrieb in Hessen landesweit und in allen Schulformen im Präsenzunterricht starten - allerdings unter zunächst verschärften Corona-Regeln. Foto: Arne Dedert/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) fürchtet dagegen keine Stigmatisierung ungeimpfter Schüler. Die Sorge, dass es zu einer „Zwei-Klassen-Gesellschaft“ kommen könne, teile sie nicht, sagte sie der „Rheinischen Post“ (Mittwoch). In der Schule wie auch in allen anderen Lebensbereichen werde es geimpfte und ungeimpfte Menschen geben. Hier zu einem guten Umgang miteinander zu finden, sei eine pädagogische Aufgabe wie in vielen anderen gesellschaftlichen Fragen auch.

Die Vorsitzende des Allgemeinen Schulleitungsverbandes Deutschlands, Gudrun Wolters-Vogeler, erwartet „im Alltag heftige Diskussionen“. Denn wenn es künftig einen positiven Fall in einer Klasse gebe, müssten jene in Quarantäne, die nicht doppelt geimpft sind, sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Die anderen dürfen hingegen im Präsenzunterricht bleiben und können sich weiterhin an schulischen Aktivitäten beteiligen“.

Diese Unterscheidung könnte viele Eltern dazu bringen, ihre Kinder impfen zu lassen, wenn sie nicht wollen, dass diese wegen jeder Infektion in der Klasse in Quarantäne müssen.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, warnte vor einer Ungleichbehandlung von geimpften und ungeimpften Kindern an Schulen. Solange nicht alle Kinder ein Impfangebot erhalten haben, lehne er das ab, sagte Meidinger der Düsseldorfer „Rheinischen Post“. Denkbar seien jedoch unterschiedliche Quarantäneregelungen innerhalb einer Klasse. „Möglich wäre, dass Gesundheitsämter im Falle von Infektionen bei geimpften Klassenkameraden andere, kürzere oder keine Quarantänemaßnahmen anordnen.“

Eltern fordern bessere Ausstattung

Der Bundeselternrat sieht viele Schulen nicht ausreichend auf ein neues Schuljahr unter fortgesetzten Corona-Pandemiebedingungen aufgestellt. Es gebe zwischen Schulen, Kommunen, Städten und Landkreisen aber große Unterschiede, sagte Ines Weber, Vorstandsmitglied des Bundeselternrats. Manche Schulen seien sehr gut ausgestattet, bei anderen blieben nur die Hygieneregeln, Desinfektionen und Mund-Nasen-Schutz. Gerade an Lüftungsanlagen fehle es.

Weber forderte Lernstandserhebungen zum Schuljahresbeginn, um so zu sehen, wo die Schülerinnen und Schüler nach dem vielen Unterrichtausfall stehen. Und es brauche Konzepte, wie Rückstände aufgeholt werden. Die Elternvertreterin mahnte zudem eine Überarbeitung von Bildungsplänen unter Mitwirkung der Eltern an. Sie wertete das Impfangebot an Jugendliche skeptisch. Viele Eltern sähen dies sehr kritisch, solange die Ständige Impfkommission keine Empfehlung gebe und es keine Sicherheit über langfristige Wirkungen des Impfens gebe. Bei Jugendlichen ab 16 Jahren sei eine Bereitschaft zur Annahme eines Impfangebots aber eher vorhanden als bei jüngeren.

Der Chef des Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, forderte die Bundesländer auf, allen Familien nach den Sommerferien einen sicheren Schulstart mit Präsenzunterricht zu ermöglichen, auch für ungeimpfte Kinder und Jugendliche. Es dürfe „unter keinen Umständen nur die beiden Optionen ‚Impfung‘ oder ‚Homeschooling‘ geben, sagte er “Rheinischen Post“. Die Politik müsse mehr liefern, “das haben die Kinder und Jugendlichen nach dieser entbehrungsreichen Zeit verdient“. Er kritisierte, dass die Politik nicht eine Entscheidung der Ständigen Impfkommission abwarte.

Die Gesundheitsministerkonferenz hatte am Montag ein flächendeckendes Angebot von Corona-Impfungen für Mädchen und Jungen zwischen 12 und 17 Jahren beschlossen. Alle Bundesländer wollen fortan Impfungen von Kindern und Jugendlichen auch in Impfzentren oder “mit anderen niedrigschwelligen Angeboten„ ermöglichen. Die Entscheidung stieß bei vielen Medizinern auf Kritik, weil die Ständige Impfkommission die Impfung von Kindern bisher nicht allgemein empfiehlt. In Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern hatte am Montag das neue Schuljahr begonnen. Hamburg folgt am Donnerstag.

Die Hälfte der Jugendlichen möchte sich nach der Corona-Pandemie wieder vom Homeschooling verabschieden. Bei der Jugend-Digitalstudie der Postbank sprachen sich 51 Prozent der Befragten dafür aus, dass es in Zukunft wieder ausschließlich Präsenzunterricht gibt. Immerhin ein gutes Drittel wünscht sich aber zumindest einen Wechsel zwischen persönlicher Anwesenheit in der Schule und digitalem Fernunterricht. Für die am Montag veröffentlichte, repräsentative Studie waren nach Angaben der Postbank 1000 Jugendliche im Alter von 16 bis 18 Jahren befragt worden.

Die Hälfte von ihnen räumte ein, dass sie sich beim Homeschooling leichter ablenken lässt. 55 Prozent der Befragten hoben jedoch die Zeitersparnis positiv hervor, weil das Pendeln zur Schule wegfällt. Nachholbedarf sehen die Jugendlichen bei der technischen Ausstattung der Schulen: Diese bewerteten sie im Schnitt mit der mäßigen Schulnote 3,1. Auch für die technischen Fähigkeiten der Lehrkräfte gab es lediglich die Note 3,0.

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