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«Fighte, fighte, fighte»: So lief die Corona-Jugend-«Arena»

watson.ch-Logo watson.ch 16.05.2020 Adrian Müller

70 Lehrstellen-Bewerbungen für die Katz: Viele Jugendliche machen sich wegen der Corona-Krise sorgen um ihre Zukunft. Aber nicht alle: Ausgerechnet der jüngste Arena-Gast aller Zeiten sorgt für den Lacher des Abends.

Eines muss man Moderator Sandro Brotz lassen: Auch in der 13. Corona-Sendung in Serie gehen ihm die Ideen nicht aus. Diesmal schaltet die «Arena»-Crew gleich sechs betroffene Teenager und Kinder live in das Studio.

Darunter ist die achtjährige Schülerin Olivia Albertin – sie ist der jüngste Arena-Gast aller Zeiten. Die Bündnerin sorgt mit ihrer lockeren Zunge gleich für den Lacher des Abends. «Ich habe keinen Wunsch. Es hat mir gereicht, dass ich ins Fernsehen gekommen bin», sagt sie zu Brotz, der sich wie die Politikerinnen einen Lacher nicht verkneifen kann.

Corona – Jugend ohne Zukunft? Das Kernthema der Sendung ist hingegen alles andere als lustig. Erste Schätzungen gehen davon aus, dass wegen der Corona-Krise in der Schweiz über 20'000 Lehrstellen verschwinden. Insbesondere den Tourismusbereich trifft es schwer.

«Wir kriegen keine Unterstützung von der Schule. Die Lehrstellensuche ist extrem schwierig.» //Enya Silalm, Schülerin

Das spürt Enya Sialm (16) am eigenen Leib. Sie hat bereits 70 Bewerbungen für eine Lehrstelle in der Tourismusbranche verschickt – ohne Erfolg. «Viele Betriebe schreiben mir gar nicht zurück. Es ist schon extrem schwierig», so die Schülerin aus Regensdorf ZH. Ihre Schule hat ausgerechnet wegen Corona-Restriktionen jenes Schulfach gestrichen, wo die Kids lernen, Bewerbungen zu schreiben. Dies weil viele Schüler schon eine Lehrstelle gefunden hätten. «Das ist wirklich ungerecht», enerviert sich Enya.

Die Unsicherheit bei Lehrstellensuchenden ist landauf landab gross. «Die Betriebe dürfen nicht in einer Corona-Starre verharren, sondern sollen Lernende einstellen. Sonst machen sie die Träume der Jugendlichen kaputt», sagt SVP-Nationalrätin und Unternehmerin Diana Gutjahr. Die Ausbildung sei für die Familie und den Betrieb wichtig: «Eine Lehre gibt dem ganzen Umfeld Sicherheit.»

Der 16-jährige Lukas Martins Da Silva hat das «Messer am Hals», wie es Moderator Brotz ausdrückt. Lukas absolviert ein Zwischenjahr und braucht dringend einen Ausbildungsplatz. Sei grosser Traum ist ein Barkeeper-Job. Bislang sucht er vergeblich nach einer Lehrstelle als Restaurantfachperson. «Ich bin halt noch ein bisschen in der Warteschlaufe», sagt der Schüler aus Uster ZH.

«Der Lehrstellenmarkt ist trotz Corona nicht zusammengebrochen.» //Conradin Cramer, Erziehungsdirektorenkonferenz

Aber wie schlimm ist die Lehrstellensituation wirklich? «Der Lehrstellenmarkt ist trotz Corona nicht zusammengebrochen», betont Conradin Cramer, Basler Regierungsrat und Mitglied der Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK). «Unsere Gesellschaft muss jetzt den Jungen helfen.» Dies etwa mit flexiblen Überbrückungsangeboten.

«Eine Taskforce ist schön auf dem Papier, nützt aber den Betrieben schlussendlich nichts.» //Diana Gutjahr, SVP

Bundesrat Guy Parmelin hat eigens eine Corona-Taskforce für den Bildungsbereich eingesetzt. Dies beeindruckt SVP-Parteikollegin Gutjahr wenig. «Eine Taskforce ist schön auf dem Papier, nützt aber den Betrieben schlussendlich nichts.» Wichtig sei, dass die Schulen eng mit dem Gewerbe zusammenarbeiteten und so Lehrstellen für die Schüler fänden. 

SP-Nationalrätin Sandra Locher Benguerel sagt, dass der Übergang von der Volksschule ins Berufsleben eine äusserst sensible Phase sei. «Die Kinder brauchen Unterstützung. Es ist wichtig, dass wir jetzt für für alle eine Lösung finden.»

«Da musst du fighten, fighten, fighten! » //Thomas Minder, Schulleiter

Einen ungewöhnlichen Lehrstellenwunsch hat Sunny Tremmel (16) aus Hallwil AG. Sie will LKW-Mechanikerin werden, da sie «grosse Sachen» mag. Sie habe zwar noch ein paar wenige Bewerbungen offen. «Aber die Unternehmen melden sich einfach nicht», so Sunny.

Vielleicht hilft ein einfacher Tipp: «Da musst du fighten, fighten, fighten und weitere Bewerbungen rauslassen. Und immer wieder nachhaken», sagt Thomas Minder, Präsident des Verbands Schulleiter Schweiz. Hartnäckigkeit werde am Schluss immer belohnt.

Umstrittener Flickenteppich bei den Schulöffnungen

«Für uns Schülerinnen ist es sehr anstrengend, die Corona-Regeln einzuhalten.» //Angela Blatter, Schülerin

Neben dem Lehrstellen-Problem dreht sich die Arena um die Situation in den Schulen. Bei den Corona-Regeln in den Schulhäuser herrscht ein kantonaler, ja sogar kommunaler Flickenteppich.

Die 11-jährige Angela Blatter aus Oey im Diemtigtal BE muss im Schulbus etwa eine Maske tragen. «Manchmal bekomme ich unter der Maske fast keinen Schnauf mehr. Sowieso ist es für uns Schüler sehr anstregend, alle Corona-Regeln einzuhalten.» Dies umso mehr, weil man sich zuletzt endlich an den Alltag im Home-Schooling gewöhnt habe. «Jetzt müssen wir uns mit all den Corona-Neuerungen in der Schule schon wieder neu anpassen.» Für die Schüler sei dies erneut eine grosse Umstellung. «Das ist echt nicht für alle easy.», sagt Minder vom Schulleiterverband dazu.

Zumindest Olivia Albertin ist sehr gerne wieder in die Schule gegangen. «Ich habe mich so gefreut, meine Freundinnen zu sehen. Alleine Ufzgi zu machen war einfach so doof. »

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