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Feiern wir bald wie die Hongkonger? Nach dem ersten Zürcher «Superspreader»-Fall rückt eine Maskenpflicht näher

Neue Zürcher Zeitung-Logo Neue Zürcher Zeitung 29.06.2020 Sascha Britsko

Die Klubs schliessen will noch keine Zürcher Partei. Doch gerade diejenigen, die sich sonst uneins sind, sprechen sich für eine Maskenpflicht und ein App-Obligatorium aus.

Schon bald auch bei uns Realität? Feiern mit Mundschutz in Hongkong. Tyrone Siu / Reuters © Bereitgestellt von Neue Zürcher Zeitung Schon bald auch bei uns Realität? Feiern mit Mundschutz in Hongkong. Tyrone Siu / Reuters

Seit einigen Wochen kann man wieder feiern. Am letzten Montag fiel gar die Sperrstunde um Mitternacht. Die einzige Bedingung, um in einen Klub gelassen zu werden, lautet nun: Die Klubgänger müssen ihre Kontaktdaten beim Eintritt hinterlassen.

Wie die jüngsten Ereignisse zeigen, ist das leichter gesagt als getan. Nachdem ein Mann am Wochenende vom 21. Juni im Zürcher Nachtklub «Flamingo» mindestens fünf Personen mit dem Coronavirus angesteckt hatte, mussten rund 300 Personen von der Gesundheitsdirektion kontaktiert und in Selbstquarantäne geschickt werden. Doch laut Christiane Meier, Kantonsärztin ad interim, waren rund ein Drittel der angegebenen Mail-Adressen oder Handynummern offenkundig fiktiv. Weiter hätten sich Personen gemeldet, die nach eigenen Angaben an jenem Abend im «Flamingo» gewesen seien, aber nicht auf der Liste gestanden hätten. «So können wir nicht arbeiten», hielt Meier fest.

Nun ist die Politik gefordert. Die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich wird am Dienstag in einer Sondersitzung mit der Zürcher Bar- und Club-Kommission über das weitere Vorgehen diskutieren. Währenddessen werden vonseiten der Parteien Rufe nach einer Maskenpflicht laut. Und für einmal scheinen sich SP und SVP einig zu sein.

«Die Schrauben wieder anziehen»

Für den SP-Co-Präsidenten Andreas Daurù ist klar: «Wenn der obligatorische Abstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann, soll eine Maskenpflicht gelten – auch in Nachtklubs.» Feiern mit Maske? Auch für Daurù eine komische Vorstellung. Aber die Gefahr einer zweiten Welle werde langsam, aber sicher Realität. Falls die Klubs strengere ID-Kontrollen nicht durchsetzen könnten, müsse man «die Schrauben wieder anziehen», zum Beispiel indem man die bis letzte Woche geltenden Veranstaltungsbeschränkungen wieder einführe.

Benjamin Fischer, Präsident der SVP Zürich, sieht das ähnlich. Und er ist wütend. «Wie dumm sind diese Menschen eigentlich, dass der Staat so etwas verordnen muss?» Dass nun vielleicht eine Maskenpflicht eingeführt werden müsse, sei ein extrem trauriges Kapitel. Dies zeige: Einige Leute seien einfach nicht fähig zur Eigenverantwortung. «Denen, die sich vorbildlich verhalten haben, werden wegen Vollidioten, die beispielsweise illegal demonstrieren, noch mehr Restriktionen auferlegt.» Fischer wie auch Daurù begrüssen ein Obligatorium der Contact-Tracing-App für Partygänger. «Jeder Klub könnte das doch schon jetzt von sich aus machen», sagt Fischer.

FDP und Grüne sind zurückhaltend

Die FDP hingegen sieht noch keinen Handlungsbedarf. «Es war klar, dass, wenn Lockerungen kommen, auch die Ansteckungsrate wieder steigen wird», sagt Hans-Jakob Boesch, Präsident der FDP des Kantons Zürich. Es sei aber zentral, dass sich nun wirklich alle an die empfohlenen Hygiene- und Abstandsregeln hielten, damit die Ansteckungen nicht ins Unkontrollierbare wüchsen.

Boesch ist gegen eine generelle Maskenpflicht. «Zuerst müssen wir herausfinden, wo sich die Menschen anstecken.» Hier sei die Gesundheitsdirektion in der Pflicht, aufzuzeigen, wo die Ansteckungsgefahr am grössten sei. «Wir haben erst ein Problem, wenn sich solche Fälle häufen.»

In einem zweiten Schritt müssten die Klubbesitzer klar dokumentieren, wer bei ihnen ein und aus geht. Notfalls müssten die Klubs die ID fotografieren oder den Eintritt verweigern, so Boesch. «Wer Party machen will, muss auch so viel Eigenverantwortung haben.» Ein App-Obligatorium sei aber nicht die Lösung. «Die App muss freiwillig bleiben, alles andere wäre ein Vertrauensmissbrauch.»

Die Grünen-Präsidentin Marionna Schlatter appelliert ebenfalls an die Eigenverantwortung. «Es gibt bei dieser Sache nicht die eine Wahrheit.» Eine generelle Maskenpflicht oder ein App-Obligatorium würde eine falsche Sicherheit vermitteln. «Abgesehen davon, dass man mit einer Maske nicht trinken kann, hat der Bundesrat den Leuten so lange gesagt, dass Masken nichts bringen. Eine Kehrtwende wäre also schwierig.»

Die Klubs wieder zu schliessen, wäre für Schlatter verfrüht. «Wir müssen den Klubbetreibern die Möglichkeit geben, sich einzubringen.» Es gelte jetzt, innovativ zu sein. Mittels Klubmitgliedschaften könnte zum Beispiel die Echtheit der Kontaktdaten überprüft werden. Funktioniere das nicht, bliebe nichts anderes übrig, als über eine Schliessung nachzudenken.

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