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Hier parkieren Pendler in Bern am günstigsten

BZ Berner Zeitung-Logo BZ Berner Zeitung 05.07.2018 Michael Bucher
Hier parkieren Pendler in Bern am günstigsten © (Berner Zeitung) Hier parkieren Pendler in Bern am günstigsten

Der Gemeinderat will das Parkplatzangebot in Bern reduzieren. Das dürfte vor ­allem Pendler ärgern. Fernab des Zentrums finden sich jedoch nach wie vor günstige Parkmöglichkeiten.

Den Veloverkehr fördern, den Autoverkehr zurückbinden. Das ist eines der Hauptanliegen der rot-grünen Regierung in der Stadt Bern. Am Montag publizierte der Gemeinderat seinen neusten Wurf auf diesem Gebiet. Auf Stadtboden sollen bis in zehn Jahren 2100 Parkplätze verschwinden, was 12 Prozent am Gesamtangebot entspricht.

Die Legitimation des Abbaus leitet der Gemeinderat aus ­Zahlen ab, die er erhoben hat. Demnach besassen im Jahr 2015 57 Prozent der Stadtbewohner kein eigenes Auto. Dieser Anteil ist in den letzten zehn Jahren um 13 Prozentpunkte angestiegen. Die Regierung spricht in diesem Zusammenhang von einem «Überangebot» an Parkplätzen, das es nun auszumerzen gilt.

Die Pendler, die tagtäglich mit dem Auto in die Bundesstadt ­fahren, werden in dieser Betrachtungsweise freilich ausgeblendet. Das ist durchaus gewollt. So schreibt der Gemeinderat in ­seinem Konzept: «Bliebe das Überangebot bestehen, würde ein unerwünschter Anreiz für das Pendeln mit dem Auto in die Stadt geschaffen.»

Geheimtipp Europaplatz

Solche Sätze werden Autofahrer ausserhalb von Bern nicht gerne ­hören. Die allermeisten von ­ihnen dürften bereits heute ­daran verzweifeln, einen günstigen Parkplatz in Zentrumsnähe zu finden. Doch diese gibt es durchaus noch, wie eine Tabelle der Stadtbehörden zeigt. Zwar nicht gerade im Zentrum, aber auch nicht weitab vom Schuss. Interessanterweise konzentrieren sich am Europaplatz in Ausserholligen gleich zwei Anlagen, welche weitaus günstiger sind als andere ­(siehe Tabelle).

Da wäre etwa das versteckte Park and Ride Gangloff unter der Autobahnbrücke, das seinen Namen der Firma verdankt, die einst dort ihren Sitz hatte. Hier kostet die Stunde 1.10 Franken – viermal weniger als beim tarif­lichen Spitzenreiter Metro-­Parking am Waisenhausplatz. Nach 8 Stunden macht das eine Differenz von 26.40 Franken.

Deutlich billiger als im Neufeld

Klar: Park-and-Ride-Anlagen sind explizit für Pendler konzipiert und generell günstiger als Parkhäuser im Zentrum. Aber die Tarife für die 96 Plätze der Gangloff-Anlage stellen mit 8.80 Franken für 8 Stunden selbst das Park and ­Ride Neufeld weit in den Schatten. Dort zahlt man für dieselbe Zeitperiode 18 Franken.

«Es sollte kein Tabu sein, auch bei den Parkhäusern Tarifanpassungen nach oben zu überprüfen.»Karl VogelVerkehrsplaner Stadt Bern

Ähnlich tiefe Tarife entrichten Autofahrer beim Parkhaus Europaplatz, welches unweit des Gangloff-Parkings liegt. Hier kosten 24 Stunden 16 Franken. Zusammen mit einer 24-Stunden-Parkkarte in blauer oder weisser Zone ist es die günstigste Variante für diese Zeitperiode.

Blaue Zonen im Visier

Der städtische Verkehrsplaner Karl Vogel präzisiert auf Anfrage, dass die Stadt beim Parkplatzrückbau nicht die Parkhäuser ins Auge fasst, sondern vielmehr die blauen Zonen in den Wohnquartieren. Gerade wer abends mit dem Auto nach Bern will, sollte nach Meinung der Stadt ein Parkhaus anpeilen und nicht durch Wohngebiete kurven auf der Suche nach einem freien Platz.

Lenkende Massnahmen sind bereits im Gange. So wurden letzten Herbst im Breitfeldquartier viele blaue in weisse Parkfelder umgewandelt. Ohne Anwohnerparkkarte darf somit nach 19 Uhr nur noch während 60 Minuten parkiert werden. Dies soll den Suchverkehr bei Sportanlässen oder Konzerten im Wankdorfquartier unterbinden.

Parkieren am Europaplatz ist viermal günstiger als im Metro-Parking. Zum Vergrössern auf Grafik klicken.

Ein weiterer Dorn im Auge sind der Stadt die zum Teil erheblichen Tarifschwankungen. Auch hier planen die Behörden Anpassungen. Mit dem Segen des Stadtrates will die Regierung die Gebühren auf Parkfeldern in der Altstadt (heute 2.20 Franken pro Stunde) auf das Niveau der teureren Parkhäuser hieven.

«Es sollte kein Tabu sein, auch bei den Parkhäusern Tarifanpassungen nach oben zu prüfen», sagt Karl Vogel. Bei privaten Parkings (Mobiliar, City-West) kann die Stadt keinen Einfluss nehmen, sehr wohl aber bei Parkhäusern, bei denen sie Mehrheitsaktionärin (Metro, Neufeld, Expo) oder Minderheitsaktionärin (Rathaus, Casino, Bahnhof) ist.

Anwohner parkieren günstig

Spielraum hätte die Stadt auch bei den Tarifen für Anwohnerparkkarten. Diese sind mit 264 Franken pro Jahr verhältnis­mässig günstig. Doch mit einer Erhöhung würde man nicht die unliebsamen Autopendler strafen, sondern die stadteigene Bevölkerung. Laut Karl Vogel überlegt man sich deshalb, nur für die zweite und dritte Parkkarte pro Haushalt einen Aufschlag einzuführen. Betroffen wären somit Stadtbewohner mit mehr als einem Auto.

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